Archive for September, 2009
Sonntag, September 20th, 2009
Das Konsumentenmagazin “Saldo” profiliert sich als unkritisches Propagandablatt für die Anwendung des homöopathischen Mittels Oscillococcinum gegen Schweinegrippe. Die hoch verzerrte Darstellung der Sachlage ist meines Erachtens unverzeihlich, aber ein gutes Beispiel für unseriösen Umgang mit Themen aus dem Bereich Komplementärmedizin.
“Globuli gegen Schweinegrippe”, titelt “Saldo” (13/2009) und fährt fort: “Neue Studien zeigen: Ein homöopathisches Mittel aus Entenleber hilft gegen die Grippe fast so gut wie chemische Virenmedikamente – aber ohne deren Nebenwirkungen.
Homöopathie kann gegen die Schweinegrippe helfen. Das renommierte internationale Cochrane-Institut hat mehrere Studien über das homöopathische Mittel Oscillococcinum ausgewertet. Ergebnis: Mit den Globuli verschwinden die Symptome früher – sie stehen dem chemischen Virenmittel Tamiflu kaum nach.”
Dann folgt eine Empfehlung durch einen deutschen Homöopathen: “Ich würde bei der Schweinegrippe Oscillococcinum einnehmen. Und zwar sofort, wenn Anzeichen auftreten wie Fieber, Husten, Schnupfen und Gliederschmerzen.”
Kritikpunkte:
1. Zum Zeitpunkt der erwähnten Studien war der Schweinegrippevirus noch nicht im Umlauf. Untersucht wurden also die damals üblichen Grippeerkrankungen. Ergebnisse dieser Untersuchungen einfach auf die Schweinegrippe zu übertragen, ist ausgesprochen spekulativ. Falls das Mittel gegen die damaligen Grippeviren genützt haben sollte, kann kein Mensch sagen, ob es auch beim Schweinegrippevirus wirksam ist.
2. “Saldo” schreibt von neuen Studien, welche die Wirksamkeit von Oscillococcinum zeigen. Die Cochrane-Analyse stammt aus dem Jahre 2000 bzw. vom Mai 2006. Die darin untersuchten Patientenstudien sind um Jahre älter. Aber “neu” verkauft sich halt den Leserinnen und Lesern gegenüber besser.
3. “Saldo” stellt die Analyse des renommierten Cochrane-Instituts ins Zentrum. Schaut man nur schon flüchtig in diese Analyse, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus:
- Von sieben für die Überprüfung beigezogenen Studien enthielten nur zwei ausreichende Informationen für eine wissenschaftliche Auswertung. Wenn “Saldo” schreibt, Cochrane habe mehrere Studien ausgewertet, tönt das doch etwas gar aufgeblasen.
- “Saldo” schreibt korrekt, dass Cochrane aus den Studien eine Verkürzung der Influenza-Erkrankung durch Oscillococcinum um “fast sieben Stunden” herausliest. Genau sind es 0,28 Tage. Das ist auf die Gesamtdauer der Grippe nicht gerade berauschend viel und könnte bei der sehr mageren Datenbasis wohl auch ein zufällig zustandegekommenes Resultat sein. Die Cochraneforscher jedenfalls bemängeln die schwache Datenlage und fordern mehr Forschung.
- “Saldo” nimmt zwar den Ruf des renommierten Cochrane-Instituts für Oscillococcinum in Anspruch, verschweigt aber gleichzeitig, dass Cochrane die Anwendung von Oscillococcinum für Prophylaxe und Therapie der Influenza ausdrücklich wegen mangelnder Aussagekraft der Studien nicht empfiehlt. Zur Prävention der Grippe durch Oscillococcinum schreibt Cochrane: “Current?evidence does not support a preventative effect of? Oscillococcinum-like homeopathic medicines in influenza and ?influenza-like syndromes.”
Zur Therapie der Grippe mit Oscillococcinum stellt Cochrane fest, dass die Daten zu schwach sind, um eine allgemeine Empfehlung zur First-Line-Behandlung mit diesem Mittel zu rechtfertigen: “Though promising, the data were not strong enough to make a general recommendation to use Oscillococcinum for first-line treatment of influenza and influenza-like syndromes.”
Die Schlussfolgerungen der Autoren sind jedenfalls sehr zurückhaltend:
“Trials do not show that homoeopathic Oscillococcinum can prevent influenza. However, taking homoeopathic Oscillococcinum once you have influenza might shorten the illness, but more research is needed.”
(http://www.cochrane.org/reviews/en/ab001957.html)
Oscillococcinum könnte also die Krankheit verkürzen, aber mehr Forschung ist nötig, was soviel heisst wie: Viele Fragen sind noch ungeklärt. Vorsichtiger lässt sich dies wohl kaum ausdrücken.
Damit Leserinnen und Leser sich eine eigene Meinung von dieser Behandlung bilden können, müssten meines Erachtens diese doch sehr einschränkenden Aussagen auch auf dem Tisch liegen. Dass “Saldo” als Konsumentenmagazin diese Information verschweigt, halte ich für sehr fragwürdig. So entsteht ein unkritischer Propaganda-Jubelartikel, mit dem die Leserinnen und Leser eingelullt und “verarscht” werden.
Dieser Umgang mit Studien ist im Bereich der Komplementärmedizin leider nicht gerade selten. Man zupft aus der Fülle von Studienmaterial immer genau jenen Zipfel hervor, der die eigene Position stützt, während gegenteilige Resultate und Aussagen unter den Tisch gewischt werden.
Es ist unter anderem genau dieser hoch selektive Umgang mit der Realität, welcher auf Seiten von Medizin und Wissenschaft immer wieder zu Vorbehalten gegenüber der Komplementärmedizin führen. Leider zu recht, würde ich dazu sagen.
An diesem Punkt müsste sich die Komplementärmedizin ändern, wenn sie ernster genommen werden möchte. Dazu bräuchte es im komplementärmedizinischen “Lager” möglichst viele Leute, die solche Verzerrungen kritisieren und auf einer ausgewogeneren Auseinandersetzung mit den eigenen Methoden bestehen. Das heisst: Nicht nur mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln nach Bestätigungen suchen, sondern auch einen kritischen Blick auf mögliche Schwächen, Irrtümer und Fehler werfen, sie zugeben, diskutieren….
Stattdessen hat die Komplementärmedizin in der Schweiz leider einen anderen Weg gewählt: Sie will mit politischen Mitteln erzwingen, dass sie ernst genommen wird.
Das wird scheitern, wenn sie nicht zugleich auch ihre eigene Haltung in Frage stellt und ändert.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
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Sonntag, September 20th, 2009
Ein Heilpflanzen-Präparat mit Tausendgüldenkraut, Liebstöckelwurzel und Rosmarinblättern gegen Harnwegsinfekte und Reizblase wird weiter erforscht. Im Brennpunkt: die Urolithiasis, also das Harnsteinleiden.
Unterstützend bei Harnwegsinfekten und Reizblase – so wird das Heilpflanzen-Präparat entsprechend seiner Indikationen angewandt. Es besteht aus Extrakten von Tausendgüldenkraut, Liebstöckelwurzel und Rosmarinblättern. Über diese Anwendungsbereiche hinaus habe das Mittel nach Untersuchungen aus Osteuropa ein sehr weites Wirkspektrum, so der Moskauer Urologe Professor Alexander Amosov bei einem Symposium des Herstellers auf Mallorca. Im Fokus hauptsächlich: die Urolithiasis.
Amosov hat das Heilpflanzen-Präparat bei Patienten mit Harnsteinleiden in mehreren Studien getestet. Seine Schlussfolgerung: Das Phytopharmakon eignet sich sehr gut zur Unterstützung während einer urolytischen Behandlung. Es begünstigt den Abgang der Steinfragmente, verlängert die Remissionsphase deutlich und bewirkt positive metabolische Veränderungen. Amosov empfiehlt das Heilpflanzen-Präparat darum auch zur Metaphylaxe (therapeutische Nachbehandlung bzw. “Nachsorge” eines Patienten nach überstandener Krankheit).
Die Metaphylaxe bei chronischem Harnsteinleiden ist auch Thema anderer Wissenschaftlergruppen in Osteuropa. So haben Kollegen um Professor Asilbek Gaybullaev aus Taschkent in Usbekistan aus einer derzeit noch laufenden Studie Hinweise gewonnen, dass eine Langzeitbehandlung mit dem Heilpflanzen-Präparat bei Urolithiasis einen günstigen Einfluss auf die Zusammensetzung des Urins hat und somit der weiteren Steinbildung vorbeugen kann. In der Studie haben von insgesamt 50 Urolithiasis-Patienten 32 über vier Monate lang das Phytotherapeutikum in Tropfenform erhalten. Nach den bisherigen Ergebnissen, so Gaybullaev, sei mit der Phytotherapie beispielsweise die Kristallurie signifikant geringer als ohne. Gleiches gelte für die Oxalurie, der pH-Wert des Harns sei mit der Phytotherapie auf den Wert bei Gesunden gestiegen. Auch die Urinausscheidung sei im Vergleich zum Ausgangswert um elf Prozent gestiegen.
Professor Viachaslau Vaschula aus Minsk wies darauf hin, dass zur Metaphylaxe bei Urolithiasis eine zugleich harntreibend wirkende, nierenschützende, antimikrobielle, krampflösende, entzündungshemmende und antioxidative Behandlung wünschenswert sei. All diese Effekte deckten die drei Arzneipflanzen in dem Phytopharmakon ab. Er empfiehlt das Heilpflanzen-Präparat darum für alle Patienten mit Urolithiasis, unabhängig von den ätiologischen und pathogenetischen Faktoren.
Auch in der Pädiatrie (Kinderheilkunde) wird das Mittel angewandt. Hier gehen die Forschungen jedoch in eine ganz andere Richtung. Professor Danylo Seimivskiy, pädiatrischer Urologe aus der Ukraine, hat in einer Studie mit 62 Säuglingen (drei bis 18 Monate alt) festgestellt, dass eine 12- bis 14-wöchige Behandlung mit dem Phytopharmakon eine hyperaktive Blase beruhigen und so einem vesikouretralen Reflux vorbeugen kann. Dabei hat sich das Heilpflanzen-Präparat als gute Alternative zu einem synthetischen Spasmolytikum erwiesen.
Quelle: www.aerztezeitung.de
Kommentar & Ergänzung:
Der Bericht auf www.aerztezeitung.de über die Pressekonferenz eines Phytopharmaka-Herstellers wurde von mir leicht überarbeitet ohne inhaltliche Veränderung und dabei habe ich auch einige medizinische Fachwörter in normale Sprache übersetzt. Für Leute ohne Kenntnis der medizinischen Ausdrucksweise dürfte er zum Teil immer noch schwer verständlich sein.
Der Bericht löst bei mir ziemlich viel Skepsis aus.
Diesem Heilpflanzen-Präparat werden nach meiner Einschätzung etwas gar zu viele Wirkungen und sehr unterschiedliche Anwendungsbereiche zugeschrieben. Dem stehen ausgesprochen vage Angaben gegenüber, wie denn genau diese Erkenntnisse gewonnen wurden. Auch scheint es so, dass all diese Studien in keiner Fachzeitschrift publiziert worden sind, was eine unabhängige Kontrolle darstellen würde.
Die Aneinanderreihung von Professorentitel und entsprechender professoraler Zitate reicht nicht für die Erlangung von Glaubwürdigkeit. Zumal die Phytotherapie-Fachliteratur zu den Heilpflanzen Liebstöckel, Tausendguldenkraut und Rosmarin die beanspruchten Wirkungen nur zum kleinen Teil bestätigt.
Dass die Phytotherapie-Fachliteratur die postulierten Wirkungen und Anwendungsbereiche nur zum kleinen Teil stützt, heisst aber natürlich noch nicht, dass die darüber hinaus gehenden Effekte nicht trotzdem existieren könnten. Phytotherapie ist ein offenes System, in das immer wieder auch neue Erkenntnisse einfliessen.
Aber bei so weiten Indikationsansprüchen in Kombination mit sehr vagen Angaben zu den durchgeführten Studien und weitgehend fehlender Stützung durch die Phytotherapie-Fachliteratur ist eine gesunde Portion Skepsis angebracht.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
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Samstag, September 19th, 2009
Am 7. Berliner Kongress Phytotherapie 2009 berichtete S. Kasper von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Universität Wien vom Stand der Forschung bei der Behandlung von Angststörungen mit peroral zugeführtem Lavendelöl.
Präklinische Forschungsergebnisse bestätigen das angstlösende Potenzial des Heilpflanzen-Präparates. Wichtige Humanstudien in der klinischen Entwicklung des noch nicht im Handel erhältlichen Produktes wurden dargestellt. Insgesamt wurden bisher mehr als 700 Erwachsene in der täglichen Dosis von bis zu 80mg mit dem neuen Anxiolytikum ( = angstlösendes Mittel) der Firma Willmar Schwabe im Rahmen von klinischen Studien mit unterschiedlicher Symptomatik behandelt. Dabei konnte in verschiedenen Studiendesigns die klinisch bedeutsame Überlegenheit gegenüber Placebo ebenso dargestellt werden wie eine vergleichbare angstlösende Wirksamkeit zu Benzodiazepinen (Lorazepam).
Die Verträglichkeit war in diesen klinischen Studien gut. Vereinzelt wurden von den Anwendern reversible milde bis moderate gastrointestinale Symptome wie Übelkeit und Aufstoßen berichtet. Eine sedierende Wirkung trat nicht ein und eine Gewöhnung wurde während der Einnahme ebenfalls nicht beobachtet.
Quelle: Zeitschrift für Phytotherapie, Z Phytother 2009; 30
DOI: 10.1055/s-0029-1239858
Kommentar & Ergänzung:
Lavendelöl ist als Mittel gegen Unruhe und Schlafstörungen gut dokumentiert, wobei es aber fast immer um die inhalative Anwendung im Sinne einer Aromatherapie geht. Die Einnahme von Lavendelöl ist bisher weniger üblich, doch gibt es schon seit einiger Zeit Hinweise auf eine mögliche angstlösende Wirkung bei peroraler Anwendung.
In diesem Sinne ist der Vortrag am Phytotherapie-Kongress eine Bestätigung.
Interessant an diesem Bericht scheint mir unter anderem aber auch der ausbleibende sedierende Effekt. Ob dies wohl mit der Kapselform zusammenhängt, durch welche eine Wirkung via Geruchsbahn verhindert wird?
Ich habe keine konkreten Hinweise gefunden, dass wirklich Kapseln verwendet wurden, doch ist es bei oraler Applikation so zu erwarten. Und in der Patentanmeldung der Firma Schwabe ist jedenfalls ausdrücklich von Kapseln die Rede. Ich werde dieser Frage noch nachgehen.
Eine umfassendere Darstellung der Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Lavendelöl finden Sie in unserer Broschüre “Ätherische Öle in der Pflege – Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Lavendelöl”.
Info dazu hier: www.phytotherapie-seminare.ch/index.php
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Mittwoch, September 16th, 2009
Diese Frage stellt sich selbstverständlich nicht nur für die Naturheilkunde, sondern genauso für die Medizin und für alle Heilkunden auf der ganzen Erde.
Ich werde am Schluss dieses Beitrages erläutern, warum ich diese Frage gerade auch für die Naturheilkunde wichtig finde.
Der Psychiater Asmus Finzen gibt auf die Frage, warum unsere Kranken wieder gesund werden, sechs herausfordernde, aber sehr bedenkenswerte Antworten (die Kommentare unter den sechs Antworten stammen von mir):
1. Sie werden gesund wegen der Therapie, die wir anwenden.
Das ist für Therapeutinnen und Therapeuten jeder Couleur zweifellos die angenehmste Antwort – und das kommt tatsächlich vor.
2. Sie werden von alleine gesund
Das ist zwar potenziell kränkend für Therapeutinnen und Therapeuten jeder Art, aber es ist bei weitem der häufigste Fall. Die allermeisten Beschwerden verschwinden wieder, weil unser Organismus die Fähigkeit zur Selbstheilung besitzt.
Wer also bei jeder Besserung sogleich auf Punkt 1 schliesst, missachtet möglicherweise die Selbstheilungskräfte des Organismus.
3. Sie werden gar nicht wieder gesund.
Es sieht also nur so aus. Ein gutes Beispiel dafür sind viele chronische Krankheiten, die typischerweise einen schwankenden Verlauf mit Auf-und-Abs zeigen.
Wann geht man zur Ärztin oder zum Heilpraktiker? Richtig – in sehr vielen Fällen dann, wenn es einem am schlechtesten geht. Auf dem Tiefpunkt holt man Hilfe.
Und was passiert dann? – Es geht wieder aufwärts. Diese “naturgemässe” Besserung wird gerne der Therapie zugute gehalten.
4. Sie werden trotz unserer Therapie wieder gesund.
Eine Variante, die auch heute noch wohl weniger selten ist als wir annehmen. Die Medizingeschichte ist voll von Beispielen. So hat es ganz offensichtlich Menschen gegeben, welche die exzessiven und belastenden Aderlass- und Abführtherapien, die auf Viersäftelehren bzw. Humoralpathologien basieren, überlebt haben.
5. Sie werden wegen unserer Behandlung gesund, aber nicht wegen jener therapeutischen Faktoren, von deren Wirksamkeit wir überzeugt sind.
Jeder Erfahrung, also auch die Erfahrung der Besserung von Krankheiten, ist mit verschiedensten Theorien kompatibel (Karl Popper). D. h. wir können sie mit verschiedenen Theorien erklären. So kann eine Theorie die Besserung zwar gut erklären, aber trotzdem total falsch sein.
Beispielsweise hat Brennnessel den Ruf, dass sie Beschwerden bei Rheuma lindert. Offenbar steckt hier ein Stück Erfahrung in dieser Überzeugung, welches von der Naturheilkunde über lange Zeit erklärt wurde mit der Ausschwemmung von Giftstoffen. Inzwischen ist aber klar geworden, dass bei Rheuma keine auszuschwemmenden Giftstoffe existieren. Diese althergebrachte Theorie ist also offenbar falsch. Neuere Erkenntnisse haben aber gezeigt, dass Brennnesselblätter entzündungshemmend wirken können. Möglicherweise ist dies eine passendere Theorie bzw. Erklärung für einen günstigen Effekt der Brennnessel bei Rheuma (wobei “Rheuma” allerdings ein sehr unspezifischer Sammelbegriff ist).
6. Sie sind gar nicht krank.
Oft steckt hinter einer scheinbar wunderbaren Heilung schlicht eine falsche Diagnose.
Nicht selten werden aber auch Patientinnen und Patienten vorgängig für krank erklärt, bevor sie dann scheinbar erfolgreich wieder gesund behandelt und geheilt werden.
Ein Beispiel aus der Naturheilkunde scheinen mir die populären Kuren zur Entschlackung und Entgiftung. Zuerst wird den Leuten eingeredet, sie seien verschlackt, übersäuert und voller “Giftstoffe”. Anschliessend kann man das eingeredete Problem mit Blutreinigungsmitteln, Entschlackungstees oder Basenpulver beheben.
Wie schon erwähnt: Mit diesen sechs Antworten müssen sich meines Erachtens alle Varianten der Heilkunde auseinandersetzen.
Die Unterscheidung, ob bei einer beobachteten Besserung wirklich Antwort 1 vorliegt, oder eine der anderen fünf Antworten, versucht die Medizin mit Hilfe von Studien zu finden. Die zur Frage stehende Therapie wird mit einer Placebo-Behandlung verglichen, einer Scheinbehandlung also. Weder die behandelnde noch die behandelte Person dürfen dabei wissen, ob im konkreten Fall eine echte Behandlung (“Verum”) oder Placebo zur Anwendung kommt. Und es muss per Zufall entschieden werden, ob eine Versuchsperson der Verum- oder der Placebo-Gruppe zugeteilt wird ( = Randomisierung).
Dieses Vorgehen ist nicht unfehlbar. Manchmal widersprechen sich Studien, dann ist es wichtig zu klären, woran das liegen könnte. Gelegentlich sind Studien auch manipuliert, durch kommerzielle Interessen verfälscht etc.
Aber immerhin handelt es sich um ernsthafte Versuche der Unterscheidung zwischen Antwort 1 (es ist die Therapie, welche wirkt) und den anderen fünf Punkten.
In der Phytotherapie gibt es Heilpflanzen-Präparate, welche nach den gleichen Standards geklärt wurden bzw. werden und die sich als einer Placebo-Behandlung überlegen gezeigt haben.
Wir kennen aber auch viele Heilpflanzen, bei denen wir uns fast ausschliesslich auf die Erfahrungen traditioneller Pflanzenheilkunde stützen können.
In solchen Fällen ist es sehr schwierig zu entscheiden, welche der sechs Antworten nun zutreffen.
Sind denn Heilpflanzen, deren Wirkung nicht durch Studien belegt ist, unwirksam?
Dieser Schluss wäre ausgesprochen vorschnell, gibt es doch viele Heilpflanzen, die noch gar nie Gegenstand einer Untersuchung waren – vielleicht aus dem einfachen Grund, dass sich dafür kein “Sponsor” fand.
Meiner Ansicht nach darf man durchaus Heilpflanzen empfehlen und anwenden, deren Wirkung nicht in Studien nach wissenschaftlichen Kriterien belegt sind.
Dies aber unter mindestens drei Bedingungen:
Erstens braucht es ein Bewusstsein darüber, dass die Empfehlung und Anwendung auf wenig gesichertem Boden geschieht. Also keine absoluten Aussagen zu Wirkungen, keine Heilungsversprechungen.
Zweitens braucht es anstelle von Studien mindestens eine kritische Auseinandersetzung über mögliche Wirkungen und dazu gehört auch das Bewusstsein, dass es lange nicht immer der eigenen Therapie zuzuschreiben ist, wenn eine Krankheit bessert. Es braucht eine gewisse Bescheidenheit, die sich darüber klar bleibt, dass es noch fünf andere Antworten auf die Frage gibt, warum Patienten wieder gesund werden.
Drittens darf durch die Anwendung einer wenig gesicherten Therapie nicht eine für den entsprechenden Fall geeignetere Behandlung mit synthetischen Medikamenten oder mit anderen, besser dokumentierten Heilpflanzen-Präparaten verpasst werden.
Patientinnen und Patienten haben ein Anrecht auf das passendste Präparat und das ist nicht immer, aber wohl meistens, das wirksamste.
Dass ich hier speziell die Naturheilkunde im Blick habe, hat nichts mit einer feindseligen Haltung dieser gegenüber zu tun. Im Gegenteil:
Die Naturheilkunde steht mit nah. Nach mehr als 25 Jahren Erfahrung als Ausbildner in diesem Bereich wird mir aber immer klarer, dass eine Auseinandersetzung mit diesen sechs Antworten für die Weiterentwicklung der Naturheilkunde bzw. Komplementärmedizin sehr wichtig wäre – und dass diese Auseinandersetzung über sehr weite Strecken praktisch nicht existiert.
Sehr viele Therapeutinnen und Therapeuten in Komplementärmedizin bzw. Naturheilkunde deuten jede Besserung sehr schnell entsprechend Punkt 1. Jede Besserung wird sogleich der angewandten Therapie zugeschrieben. Diese Haltung erschwert massiv eine selbstkritische Reflexion des eigenen therapeutischen Handelns.
Das anregende, lesenswerte Buch von Asmut Finzen, “Warum werden unsere Kranken eigentlich wieder gesund”, finden Sie in unserem Buchshop.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Dienstag, September 15th, 2009
Faserreiche Kost und verstopfungsfördernde Lebensmittel meiden: Das sind im Wesentlichen schon die Allgemeinmaßnahmen, die mit Aussicht auf Erfolg Patienten mit chronischer Verstopfung (Obstipation) guten Gewissens empfohlen werden können.
Immer wieder fragen Patienten mit chronischer Verstopfung nach, inwieweit sie dieses Problem selbst beeinflussen können.
Empfohlen werden könnten dann eine faserreiche Ernährung mit mindestens 30 g Ballaststoffen täglich und das Meiden von verstopfungsfördernden Lebensmitteln wie Schokolade, Bananen, Kakao, schwarzer Tee, Karottensaft und Heidelbeeren. So fassen die Autoren des Buches “Chronische Obstipation in Praxis und Klinik” den derzeitigen Wissensstand zusammen. Wesentlich ist ihnen auch: Die Patienten sollten darüber aufgeklärt werden, dass täglicher Stuhlgang nicht zwingend nötig ist, aber ein regelmäßiger Toilettengang, etwa nach dem Frühstück, angestrebt werden sollte.
Ballaststoffe: Studien zeigen uneinheitliche Resultate
Bei einer milden Verstopfung (Normal-Transitzeit-Obstipation) oder zur Obstipationsvorbeugung sei die therapeutische Wirksamkeit einer ballaststoffreichen Ernährung akzeptiert, obwohl Interventionsstudien keine durchgängige Beeinflussung der Obstipationssymptome durch eine erhöhte Menge an zugeführten Ballaststoffen gezeigt hätten.
Die uneinheitlichen Studienresultate seien offenbar Folge der Heterogenität der angewandten Ballaststoffe und der untersuchten Patientenkollektive.
Ballaststoffe wirkten durch einen substanzeigenen Masseeffekt, durch vermehrte osmotische Bindung von Wasser und durch eine gesteigerte Produktion intestinaler Gärungsgase, erklären die Autoren.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine tägliche Ballaststoffzufuhr von mindestens 30 g, wovon die Hälfte der Ballaststoffe durch Getreide und Getreideprodukte, die andere Hälfte durch Obst und Gemüse gedeckt werden sollten. Bei den Ballaststoffpräparaten hätten sich vor allem Flohsamenschalen bewährt. Die sogenannten Gelbildner sollen zu einer geringeren Gasbildung führen als etwa Weizenkleie und für einen weichen Stuhl sorgen.
Kontraindiziert sei eine faserreiche Kost übrigens bei Obstipationsbeschwerden aufgrund einer intestinalen Obstruktion und wenig Erfolg versprechend bei eingeschränkter Flüssigkeitsaufnahme, Immobilität oder neurologischen Erkrankungen wie autonome Neuropathie oder Rückenmarkserkrankungen. An diese Einschränkungen erinnern die Kollegen um die beiden Herausgeber Professor Heiner Krammer und Professor Alexander Herold aus Mannheim.
Nutzen von körperlicher Aktivität noch unklar
Insgesamt sei der therapeutische Nutzen der Allgemeinmaßnahmen bei chronischer Obstipation unterschiedlich gut belegt, erklären sie. Zu den gängigen bei chronischer Verstopfung empfohlenen Allgemeinmaßnahmen mit ungesichertem Effekt zählen nach ihren Angaben die Empfehlung zu körperlicher Aktivität von täglich mindestens 15 bis 20 Minuten sowie die Empfehlung zu ausreichender Flüssigkeitszufuhr (mehr als 1,5 Liter täglich).
Bei Nicht-Obstipierten könne körperliche Aktivität einen Stuhlreiz auslösen, so die Autoren, chronisch Obstipierte bewegten sich aber nicht weniger als Gesunde. Und eine geringe Flüssigkeitszufuhr und Immobilisation stellten zwar bekannterweise Risikofaktoren für eine Verstopfung dar. Allerdings ließen sich Patienten mit bereits bestehender Vertopfung durch gesteigerte Flüssigkeitszufuhr (außer bei dehydrierten Patienten) sowie durch vermehrte körperliche Bewegung nur selten erfolgreich behandeln.
Ebenfalls nicht genügend wissenschaftlich belegt sei die Empfehlung zu regelmäßigen Toilettensitzungen unter Nutzung des gastrokolischen Reflexes. Dieser Reflex tritt normalerweise 5 bis 15 Minuten nach dem Essen auf, vor allem nach dem Frühstück. Der im Anschluss daran erfolgende Stuhlentleerungsreiz sollte nicht unterdrückt werden, betonen die Autoren.
Krammer, Heiner; Herold, Alexander (Hrsg.): Chronische Obstipation in Praxis und Klinik, Uni-Med, Bremen, 2008, 96 S., 25 Abb., 39,80 €, ISBN 978-3-8374-1073-0
Quelle: www.aerztezeitung.de
Kommentar & Ergänzung:
Aus Sicht der Phytotherapie ist die Bevorzugung von Flohsamenschalen gegenüber Weizenkleie gut nachvollziehbar.
Zu begrüssen ist zudem die differenzierte Darstellung des Nutzens von ballaststoffreicher Kost, von körperlicher Bewegung und von erhöhter Flüssigkeitszufuhr. Es ist nämlich schon längere Zeit klar, dass die gerne abgegebenen Ratschläge an Verstopfte, sie müssten einfach mehr trinken, sich mehr bewegen und mehr Ballaststoffe essen, so pauschal nicht überzeugend sind. Alle drei Tipps mögen ihre Berechtigung haben. Sie lösen aber nicht einfach jedes Verstopfungsproblem.
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Dienstag, September 15th, 2009
Die Einnahme von Medikamenten aus Heilpflanzen (Phytotherapeutika) ist bei vielen Beschwerden eine wirksame Behandlungsmöglichkeit.
Jedoch können auch diese natürlich vorkommenden Wirkstoffe, wenn sie kombiniert mit anderen Medikamenten eingenommen werden, unerwünschte oder sogar gefährliche Nebenwirkungen auslösen.
“So kann beispielsweise ein Johanniskraut-Präparat die Wirkung verschiedener Medikamente herabsetzen. Daher sollten Patienten, die Cyclosporin, Tacrolimus, Proteaseinhibitoren oder Zytostatika einnehmen, Johanniskraut vermeiden. Bei bestimmten Antidepressiva, Benzodiazepinen, Methadon, Simvastatin, Theophyllin, Midazolam, Triptanen und Warfarin ist nach gegenwärtigem Kenntnisstand besondere Aufmerksamkeit geboten”, betont Prof. Karin Kraft vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI).
“Die häufiger behauptete Herabsetzung der Wirksamkeit von hormonellen Kontrazeptiva durch Johanniskraut konnte dagegen in kontrollierten Studien bisher nicht bestätigt werden. Hier ist allenfalls ein Risiko für sehr niedrig dosierte Hormon-Präparate zu diskutieren.”
Auch bei anderen weit verbreiteten Heilpflanzen-Präparaten kann es zu Interaktionen mit anderen Arzneistoffen kommen. “So könnten hoch dosierte Extrakte aus Knoblauch, Ginseng oder Ingwer bei Patienten, die Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure, Warfarin oder Clopidogrel einnehmen, das Risiko von Blutungen erhöhen”, hält Prof. Kraft fest, die Inhaberin des Lehrstuhls für Naturheilkunde der Universität Rostock.
“Am besten ist es daher, auch die Einnahme von pflanzlichen Arzneimitteln und die weitere Selbstmedikation mit einem Arzt abzusprechen, insbesondere wenn eine Medikation umgestellt wird oder ein operativer Eingriff bevorsteht”, rät die BDI-Expertin. “Einige Präparate sollten vierzehn Tage vor einer geplanten Operation abgesetzt werden, da sie möglicherweise die Blutgerinnung, die Narkose oder den Blutdruck beeinflussen können.”
Quelle:
http://www.internisten-im-netz.de
Kommentar & Ergänzung:
Das Thema möglicher Wechselwirkungen (Interaktionen) von Heilpflanzen-Präparaten mit anderen Arzneimitteln ist wichtig für die Phytotherapie und verdient Aufmerksamkeit.
Und wie schon von Prof. Kraft erwähnt: Wer Heilpflanzen-Präparate einnimmt, sollte dies dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin mitteilen. Nur so kann ein allfälliges Interaktionsrisiko erkannt und vermieden werden.
Es gilt meines Erachtens, einerseits mögliche Wechselwirkungen genau im Auge zu behalten und andererseits aber auch an diesem Punkt nicht unnötigerweise zu dramatisieren.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Montag, September 14th, 2009
In Anfangsstadien lassen sich Beschwerden durch Hämorrhoiden mit rezeptfreien Heilmitteln wirkungsvoll lindern. Dabei lassen sie sich besser mit Salben und Cremes therapieren als mit speziellen Zäpfchen. Das erklärt der Bundesverbandes der Coloproktologen. Die äußerlich aufzutragenden Präparate enthalten Wirkstoffe, die den Schmerz lindern und den Juckreiz stillen.
Zinksalbe hilft zum Beispiel der Haut, sich zu erholen. Auch Arnika und Kamille sind bewährte Mittel. Eine Kortisonsalbe sollte vom Arzt verschrieben und nur kurzfristig angewendet werden.
Ab einem bestimmten Erkrankungsstadium geht vergrößertes Hämorrhoidalgewebe durch Cremes oder Salben jedoch nicht mehr zurück und muss vom Facharzt behandelt und gegebenenfalls entfernt werden. Um das Problem nicht zu verschlimmern, sollten die betroffenen Personen in allen Hämorrhoiden-Stadien darauf achten, dass der Stuhl nicht verhärtet ist und ohne übermäßiges Pressen entleert werden kann.
Hämorrhoiden sind erweiterte Blutgefäßknoten unter der Schleimhaut des Enddarms vor dem After. Sie machen sich häufig durch hellrotes Blut auf dem Stuhl bemerkbar. Eine gesunde Lebensweise – hauptsächlich ausreichend Bewegung – hilft dabei, Hämorrhoiden-Beschwerden vorzubeugen.
Quelle:
http://www.frauenaerzte-im-netz.de
Kommentar & Ergänzung:
Ich würde aus Sicht der Phytotherapie ergänzend zu Kamille und Arnika als Salbe für die Hämorrhoiden-Behandlung noch Hamamelis-Salbe erwähnen. Zur Weichhaltung des Stuhles eigenen sich Quellmittel wie Weizenkleie, Leinsamen oder Flohsamen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
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Montag, September 14th, 2009
Der Saft der Roten Beete (Randensaft) hilft, die körperliche Ausdauer um etwa 15 Prozent zu erhöhen, was nicht nur für Athleten von Interesse sein dürfte, sondern auch für Menschen mit chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen wie Raucherbronchitis (COPD) . Darauf machen die Lungenärzte der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in Werne unter Berufung auf die aktuellen Studienresultate von Wissenschaftlern der University of Exeter in Großbritannien (siehe Journal of Applied Physiology, Online-Vorabveröffentlichung am 6.8.09 ) aufmerksam.
“Die interessante Konsequenz des täglichen Trinkens von einem halben Liter Rote Beete-Saft ist, dass dies den Sauerstoffverbrauch bei einem gemäßigten Training weitaus deutlicher verringert als alle anderen bisher bekannten Mittel – einschließlich intensivierten körperlichen Trainings”, erklärt Dr. Konrad Schultz, Medizinischer Direktor der Klinik Bad Reichenhall der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd und Experte für pneumologische Rehabilitation.
“Offenbar ist das darauf zurückzuführen, dass Rote Beete-Saft besonders reich an Nitrat (NO3) ist, welches im Körper zu Nitrit (NO2) abgebaut wird und dabei Sauerstoff freisetzt. Dieses Mehr an Sauerstoff muss der Betreffende dann also nicht durch Atmung aufnehmen, was seine Sauerstoffschuld bei gemäßigter körperlicher Anstrengung verringert und damit auch den Sauerstoffbedarf.”
Regelmäßiges Training ermöglicht Lungenpatienten ein normales Leben
Auch Menschen, die wegen einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung bereits die Hälfte ihrer Lungenfunktion verloren haben, können häufig noch eine ausreichende körperliche Leistungsfähigkeit behalten, wenn sie regelmäßig trainieren. “Begonnen wird mit 20 Minuten Ausdauertraining dreimal pro Woche”, erläutert Schultz. “Und zwar in einem individuellen Belastungsbereich, der idealerweise zuvor mit einer persönlichen Belastungsuntersuchung bestimmt wurde. Alle sechs Wochen wird das Training um jeweils 5 Minuten verlängert, bis jede Trainingseinheit 40-60 Minuten dauert.
Geeignet ist jeder Ausdauersport wie z.B. Radfahren, Nordic Walking oder Joggen. Dazu kommt zweimal pro Woche ein Krafttraining, am besten an Geräten im Fitnesscenter. Ausdauertraining und Krafttraining können auch am selben Tag kombiniert werden. Wer nicht ins Fitnesscenter gehen mag, kann auch zu Hause z.B. mit kleinen Hanteln trainieren. Ausschlaggebend ist nur, dass die Übungen für alle wichtigen Muskelgruppen auch richtig ausgeführt werden. Insgesamt handelt es sich also um ein recht einfaches Trainingskonzept, das allerdings eine konsequente, regelmäßige Durchführung erfordert.”
Einschränkungen geringer, wenn der Organismus trainiert ist
Regelmäßiges, körperliches Training stärkt den Kreislauf und versetzt das Blut in die Lage, mehr Sauerstoff aus der Lunge aufnehmen. Eine gekräftigte Muskulatur kann zudem den Sauerstoff besser verarbeiten. “Wer regelmäßig trainiert, bemerkt schon nach wenigen Wochen einen deutlichen Erfolg und gewinnt an Lebensqualität”, erklärt Schultz.
“Insbesondere bei COPD-Patienten wirkt sich die eingeschränkte Lungenfunktion viel weniger stark aus, wenn ihr Körper gut trainiert ist. Bei schwerer COPD kann regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining sogar den entscheidenden Unterschied machen zwischen Pflegebedürftigkeit und einem unabhängigen Leben!”
Quelle:
http://www.lungenaerzte-im-netz.de/
Kommentar & Ergänzung:
Die Meldung, dass Randensaft (Rote-Beete-Saft) die körperliche Ausdauer erhöhen kann, wurde bereits im August verbreitet und ich habe sie damals schon kommentiert:
Randensaft (Rote Beete) steigert sportliche Ausdauer
Neu ist nun, dass die Lungenärzte der Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) diese Erkenntnis aufnehmen und speziell für Lungenkranke erläutern. Darum komme ich hier nochmals auf das Thema “Randensaft und Ausdauer” zurück.
Der Randensaft kommt in letzter Zeit zu ganz unerwarteten Ehren. Und er bewegt sich zunehmend aus dem Bereich der Naturheilkunde in Richtung Medizin.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Sonntag, September 13th, 2009
Ein pflanzliches Vielstoffgemisch wirkt meist stärker als die Summe seiner Einzelteile”, sagt Professor Hildebert Wagner .
Die Idee hatte er bereits vor vielen Jahren: “Wenn meine Doktoranden aus zunächst hochwirksamen Pflanzenextrakten einen Einzelstoff isoliert haben, nahm die pharmakologische Wirkung meist deutlich ab”, erzählt der ehemalige Direktor des Instituts für Pharmazeutische Biologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. “Haben wir dann mehrere Einzelsubstanzen miteinander kombiniert, potenzierte sich deren Wirkung.”
Dieses Wissen besaßen offenbar schon unsere Vorfahren. “Durch Erfahrung haben sie herausgefunden, dass Teegemische aus mehreren Arzneipflanzen meistens besser wirken als ein einzelnes Heilkraut”, erläutert Wagner. Doch Mediziner belächelten pflanzliche Kombinationspräparate über lange Zeit. “Sie haben nur mit einzelnen Wirkstoffen gearbeitet”, sagt Wagner, “und uns nicht ernst genommen, weil wir in der Phytotherapie komplexe Substanzgemische verwenden.”
Allmählich findet aber ein Umdenken statt: In der Krebs-, Aids- und Rheumatherapie setzen Ärzte längst Wirkstoffkombinationen ein. Diese greifen an verschiedenen Stellen im Krankheitsgeschehen an. Sie wirken an mehreren sogenannten Zielstrukturen – auf Englisch “Targets” – und bekämpfen so gleichzeitig verschiedene Ursachen und Begleitsymptome. Wissenschaftler bezeichnen dies als Multi-Target-Therapie. “Arzneimittel-Kombinationen verursachen oft weniger Nebenwirkungen”, betont Wagner, “weil sie verschiedene Angriffspunkte haben und sich die Dosis der einzelnen Wirkstoffe verringern lässt.”
Pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka) sind Gemische aus Hunderten von Naturstoffen. “Wenn man mehrere Heilpflanzen kombiniert, lassen sich noch mehr Zielstrukturen erreichen, oder die Effekte an einzelnen dieser Strukturen verstärken sich”, stellt Wagner fest. “So wirkt eine Kombination aus Baldrian, Hopfen und Passionsblume stärker beruhigend als die Einzelpflanzen, weil die Hauptwirkstoffe verschiedene Ziele haben.”
Noch wissen die Wissenschaftler nicht genau, wie solche sogenannten Synergieeffekte zustande kommen. “Wir vermuten, dass manche Substanzen auch als Türöffner wirken und anderen Stoffen den Eintritt in die Zelle erleichtern”, erklärt Wagner.
Quelle: Apotheken Umschau; 20.08.2009
Kommentar & Ergänzung:
Professor Hildebert Wagner ist einer der profiliertesten und erfahrendsten Wissenschaftler im Bereich der Phytotherapie-Forschung. Die Multi-Target-Therapie ist ein spannendes Thema innerhalb der Phytotherapie.
Allerdings würde ich die Kombinationspräparate aus mehreren Pflanzen auch nicht unkritisch in den Himmel loben (was ich Wagner aber hiermit nicht unterstelle). Es gibt auch sehr viele völlig willkürlich zusammengesetzte Kombinationspräparate aus Heilpflanzen. Schon eine einzelne Heilpflanze ist ja ein Vielstoffgemisch.
So spricht auch einiges für den Einsatz von Mono-Präparaten, die nur jeweils einen Extrakt aus einer einzelnen Heilpflanze enthalten. Da weiss man dann einigermassen, was man hat. Neben den vielbeschworenen Synergien zwischen verschiedenen Heilpflanzen könnte es ja genauso gut auch unerwünschte Antagonismen geben.
Kombiniert man allzu viele Heilpflanzen, sinkt zudem der Wirkstoffgehalt aus der einzelnen Pflanze oft unter ein wirksames Mass.
Ich würde also empfehlen, weder die Kombinationspräparate noch die Mono-Präparate zum Dogma zu erheben, sondern je nach Situation das Passendste zu wählen
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