Phytotherapie: Auf die Mischung kommt es an

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Ein pflanzliches Vielstoffgemisch wirkt meist stärker als die Summe seiner Einzelteile“, sagt Professor Hildebert Wagner .

Die Idee hatte er bereits vor vielen Jahren: “Wenn meine Doktoranden aus zunächst hochwirksamen Pflanzenextrakten einen Einzelstoff isoliert haben, nahm die pharmakologische Wirkung meist deutlich ab”, erzählt der ehemalige Direktor des Instituts für Pharmazeutische Biologie der Ludwig-Maximilians-Universität München. “Haben wir dann mehrere Einzelsubstanzen miteinander kombiniert, potenzierte sich deren Wirkung.”

Dieses Wissen besaßen offenbar schon unsere Vorfahren. “Durch Erfahrung haben sie herausgefunden, dass Teegemische aus mehreren Arzneipflanzen meistens besser wirken als ein einzelnes Heilkraut”, erläutert Wagner. Doch Mediziner belächelten pflanzliche Kombinationspräparate über lange Zeit. “Sie haben nur mit einzelnen Wirkstoffen gearbeitet”, sagt Wagner, “und uns nicht ernst genommen, weil wir in der Phytotherapie komplexe Substanzgemische verwenden.”

Allmählich findet aber ein Umdenken statt: In der Krebs-, Aids- und Rheumatherapie setzen Ärzte längst Wirkstoffkombinationen ein. Diese greifen an verschiedenen Stellen im Krankheitsgeschehen an. Sie wirken an mehreren sogenannten Zielstrukturen – auf Englisch “Targets” – und bekämpfen so gleichzeitig verschiedene Ursachen und Begleitsymptome. Wissenschaftler bezeichnen dies als Multi-Target-Therapie. “Arzneimittel-Kombinationen verursachen oft weniger Nebenwirkungen”, betont Wagner, “weil sie verschiedene Angriffspunkte haben und sich die Dosis der einzelnen Wirkstoffe verringern lässt.”

Pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka) sind Gemische aus Hunderten von Naturstoffen. “Wenn man mehrere Heilpflanzen kombiniert, lassen sich noch mehr Zielstrukturen erreichen, oder die Effekte an einzelnen dieser Strukturen verstärken sich”, stellt Wagner fest. “So wirkt eine Kombination aus Baldrian, Hopfen und Passionsblume stärker beruhigend als die Einzelpflanzen, weil die Hauptwirkstoffe verschiedene Ziele haben.”

Noch wissen die Wissenschaftler nicht genau, wie solche sogenannten Synergieeffekte zustande kommen. “Wir vermuten, dass manche Substanzen auch als Türöffner wirken und anderen Stoffen den Eintritt in die Zelle erleichtern”, erklärt Wagner.

Quelle: Apotheken Umschau; 20.08.2009

Kommentar & Ergänzung:

Professor Hildebert Wagner ist einer der profiliertesten und erfahrendsten Wissenschaftler im Bereich der Phytotherapie-Forschung. Die Multi-Target-Therapie ist ein spannendes Thema innerhalb der Phytotherapie.

Allerdings würde ich die Kombinationspräparate aus mehreren Pflanzen auch nicht unkritisch in den Himmel loben (was ich Wagner aber hiermit nicht unterstelle). Es gibt auch sehr viele völlig willkürlich zusammengesetzte Kombinationspräparate aus Heilpflanzen. Schon eine einzelne Heilpflanze ist ja ein Vielstoffgemisch.

So spricht auch einiges für den Einsatz von Mono-Präparaten, die nur jeweils einen Extrakt aus einer einzelnen Heilpflanze enthalten. Da weiss man dann einigermassen, was man hat. Neben den vielbeschworenen Synergien zwischen verschiedenen Heilpflanzen könnte es ja genauso gut auch unerwünschte Antagonismen geben.

Kombiniert man allzu viele Heilpflanzen, sinkt zudem der Wirkstoffgehalt aus der einzelnen Pflanze oft unter ein wirksames Mass.
Ich würde also empfehlen, weder die Kombinationspräparate noch die Mono-Präparate zum Dogma zu erheben, sondern je nach Situation das Passendste zu wählen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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