Archive for August, 2009
Samstag, August 8th, 2009
Piper methysticum (Kava kava) ist ein auf den Inseln Polynesiens wachsender Strauch. Von den Einheimischen wird Kava traditionell als entspannedes und sedierendes Mittel verwendet. Kava wird auch als “Rauschpfeffer” bezeichnet. Die wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe (Kavapyrone oder Kavalactone) sind hinsichtlich der beruhigenden und angstlösenden Wirkung untersucht und zeigen untereinander synergistische Effekte.
Kava-Extrakte sind bezüglich ihrer Wirksamkeit mit Benzodiazepinen vergleichbar, führen jedoch im Gegensatz zu diesen nicht zu Abhängigkeit. Allerdings stehen alkoholische und Aceton-Extrakte im Verdacht eine leberschädigende Wirkung zu haben und zugelassene Präparate mussten vom Markt genommen werden. In einem 2007 publizierten WHO-Report zu Kava wird empfohlen, Präparate mit wässrigen Extrakten zu entwickeln und hinsichtlich ihrer Hepatotoxizität (Giftigkeit auf die Leber) zu überprüfen. Eine bisherige Studie im Tiermodell ergab keine Veränderung der Leberparameter bei der Anwendung solcher Extrakte.
In einer randomisierten, placebo-kontrollierten cross-over Studie (KADSS) wurde über drei Wochen ein standardisierter wässriger Extrakt an 60 Patienten mit Angststörungen und Depressionen untersucht. Nach einer einwöchigen Eingangsphase, in welcher alle Teilnehmer Placebo bekamen, wurde eine Einteilung in Placebo- und Verum-Gruppe vorgenommen, wobei die Verum-Gruppe in der folgenden Woche 250mg Kavalactone täglich erhielt, danach kam es zum cross-over beider Gruppen.
Die Auswertung geschah mittels HAMA (Hamilton Anxiety Scale), MADRS (Montgomery-Asberg Depression Rating Scale) und BAI (Beck Anxiety Inventory). Es konnte mit dieser Studie gezeigt werden, dass auch wässrige Kava-Extrakte eine angstlösende Wirkung und möglicherweise auch antidepressive Effekte haben. Negative Auswirkungen auf die Leberfunktion wurden nicht festgestellt.
Als Kritikpunkte an der vorliegenden Studie gelten allerdings die kurze Studiendauer, die geringe Probandenzahl, und dass es vor dem cross-over keine wash-out Phase gab.
In diesem Sinne empfehlen die Wissenschaftler auch die Durchführung von Langzeitstudien mit standardisierten wässrigen Kava-Extrakten.
Quelle: PHYTOTherapie 3|09
(PHYTOTherapie ist die Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie)
Originalpublikation:
The Kava Anxiety Depression Spectrum Study (KADSS): a randomized, placebo-controlled crossover trial using an aqueous extract of Piper methysticum
J. Sarris, D.J.Kavanagh et al.; Psychopharmacology doi : 10.1007/s00213-009-1549-9
Kommentar & Ergänzung:
Kava-Kava ist die am besten dokumentierte Heilpflanze mit anxiolytischer (= angstlösender) Wirkung.
Bei generalisierten Angststörungen haben sich Heilpflanzen-Extrakte aus Kava-Kava in Studien tatsächlich als ähnlich gut wirksam erwiesen wie Benzodiazepine (dazu gehören Tranquilizer wie Valium, Lexotanil, Seresta, Temesta). Es stimmt aber trotzdem nicht ganz, wenn die Zeitschrift “PHYTOTherapie” schreibt, Kava-Extrakte seien “bezüglich Wirksamkeit mit Benzodiazepinen vergleichbar”. Kava-Extrakte wirken langsamer als Benzodiazepine. Die volle Wirkung tritt bei der üblichen Dosierung in der Regel nach 10 – 14 Tagen ein. Und bei starken und akuten Angstzuständen wie zum Beispiel bei Panikattacken sind Bezodiazepine effektiver.
Das fehlende Risiko der Abhängigkeit ist aber bei leichteren Angststörungen, welche sich über längere Zeit hinziehen, ein grosser Vorteil für die Kava-Präparate.
Darum war der Rückzug der Kava-Extrakte vor ein paar Jahren infolge von Meldungen über Leberschädigungen, welche in ihrer Bedeutsamkeit nie wirklich geklärt wurden, ein Verlust für die Phytotherapie. Die derzeitigen Bemühungen um die Entwicklung von wässrigen Extrakten und ihre Prüfung auf Wirksamkeit und Sicherheit sind darum sehr zu begrüssen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
Tags: Angststörungen, Angstzustände, Ausbildungen, BAI, Benzodiazepine, Depression, Exkursionen, Gesundheitsberufe, HAMA, Heilkräuter, Heilkräuterkurse, Heilpflanzen, Heilpflanzen-Seminar, Hepatotoxizität, Kava, Kava-Extrakte, Kava-Kava, Kavalactone, Kavapyrone, Klinik, Krankenpflege, Kräuterexkursionen, Kurse, Leberschädigung, Lexotanil®, MADRS, Naturheilkunde, Palliative Care, Panikattacken, Pflanzenheilkunde, Pflege, Pflegeheim, Phytotherapie, Phytotherapie-Ausbildung, Piper methysticum, Placebo, Polynesien, Psychiatrische Klinik, Rauschpfeffer, Schmerzen, Schweiz, Seresta, Spital, Spitex, Studie, Temesta, Tranquilizer, Valium, Weiterbildung, Winterthur, Zürich
Posted in Phytotherapie | No Comments »
Samstag, August 8th, 2009
Erhöhte Blutfette, hohe Blutzuckerwerte, Bluthochdruck und Übergewicht mit großem Bauchumfang – dieses “tödliche Quartett” wird als metabolisches Syndrom bezeichnet. In Deutschland sind schätzungsweise 12 Millionen Personen davon betroffen. Eine mediterrane Ernährung, ergänzt durch Nüsse – vornehmlich Walnüsse -, kann offenbar mithelfen, dieses Syndrom zu reduzieren. Das sind die 1-Jahres-Resultat der groß angelegten Studie PREDIMED an zehn spanischen Universitäten.
Die Teilnehmergruppe, welche sich mediterran ernährte und zusätzlich Nüsse, vornehmlich Walnüsse, aß, konnte die Häufigkeit des metabolischen Syndroms um 13,7% reduzieren. Eine fettarme Ernährung dagegen führte nur zu einer Verminderung um 2%.
Quelle: www.journalmed.de
Originalpublikation:
Effect of a Mediterranean Diet Supplemented With Nuts on Metabolic Syndrome Status
Archives of Internal Medicine
Arch Intern Med. 2008;168(22):2449-2458.
http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/short/168/22/2449
Kommentar & Ergänzung:
Das schöne an der sogenannten “Mittelmeerdiät” ist ja, dass man mit ihr verhältnismässig einfach eine gesunde Ernährung mit Genuss verbinden kann.
Ernährung ist eine wichtige Säule in der traditionellen Naturheilkunde, gemeinsam mit Hydrotherapie (Wasseranwendungen), Pflanzenheilkunde, Licht, Luft und vor allem Bewegung. Nach Sebastian Kneipp kommt noch “Lebensordnung” dazu, was moderner ausgedrückt als Einbezug von psychosomatischen Faktoren gesehen werden kann.
Leider wimmelt es im Bereich der Ernährungslehren aber auch von starr-dogmatischen Regeln und von Heilslehren aller Art.
Statt unzählige Normen aufzustellen über richtige und falsche Ernährung, scheint mir ein optionaler Ansatz empfehlenswert. Nicht Verbote oder Gebote stehen dabei im Zentrum, sondern Wahlmöglichkeiten, welche aufgezeigt werden: Optativ statt normativ – so lautet dann die Leitlinie. Jedenfalls immer dann, wenn Normen nicht zwingend nötig sind.
Die Mittelmeerdiät jedenfalls ist in vielen Fällen eine attraktive Option.
Und dass Walnüsse gesund sind, haben inzwischen schon einige Studien gezeigt:
Omega-3-Fettsäuren aus Walnüssen und Fisch: unterschiedliche günstige Effekte
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
Tags: Ausbildungen, Bauchumfang, Bewegung, Blutfette, Blutzuckerwerte, erhöhte, Ernährung, Ernährungslehren, Exkursionen, Faktoren, gesunde, Gesundheitsberufe, Heilkräuter, Heilkräuterkurse, Heilpflanzen, Heilpflanzen-Seminar, hohe, Hydrotherapie, Klinik, Kneipp, Krankenpflege, Kräuterexkursionen, Kurse, Lebensordnung, mediterrane, metabolisches Syndrom, Mittelmeerdiät, Naturheilkunde, Nüsse, Omega-3-Fettsäuren, Palliative Care, Pflanzenheilkunde, Pflege, Pflegeheim, Phytotherapie, Phytotherapie-Ausbildung, psychosomatische, Schmerzen, Schweiz, Sebastian, Spitex, Übergewicht, Walnüsse, Wasseranwendungen, Weiterbildung, Winterthur, Zürich
Posted in Gesundheitliches | No Comments »
Samstag, August 8th, 2009
Im Bereich Bewegungsapparat / Rheuma werden sehr viele Heilpflanzen-Präparate empfohlen und angewendet.
Hier als Überblick eine überarbeitete und gekürzte Zusammenstellung aus der Universität Duisburg-Essen mit den wichtigsten Heilpflanzen bei Rheuma, Verstauchungen, Prellungen etc.:
Die bei Gicht eingesetzte Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) gilt nicht als
Phytotherapeutikum, sondern ist Standardtherapie in der Medizin. Sie muss unbedingt vorsichtig dosiert werden.
Bei Rheumatischen Erkrankungen, Arthrose, Schmerzen bei Muskelverspannungen:
Hier werden Phytotherapeutika innerlich und äusserlich eingesetzt. Das Behandlungsziel
besteht hauptsächlich in einer Schmerzlinderung und einer Beeinflussung von
Entzündungsvorgängen. Der “entschlackende” Effekt bei rheumatischen Krankheiten
ist lediglich als traditionelle Heilbehandlung anzusehen.
Gegen Entzündungen und Schmerzen sind wirksam:
- Teufelskralle (Harpagophytum procumbens)
- Brennessel (Urtica dioica)
- Weide (Salix purpureae)
- Zitterpappelrinde und -blätter (Populus tremula)
- Eschenrinde (Fraxinus excelsior)
- Mädesüß (Filipendula ulmaria)
Außer Teufelskralle enthalten die genannten Phytotherapeutika Salicylate, welche auf die
COX- und damit Prostaglandinsynthese einwirken. Sie sind ebenfalls bei
Muskelverspannungen und Arthroseschmerzen wirksam.
Äußerliche Anwendungen wirken über eine Counterirritation (Reizsetzung, welche
anschließend zur Schmerzdämpfung führt). Eingesetzt werden in diesem Bereich
- Cayennepfeffer (Paprika)
- Eukalyptus u.a.
- Traditionell auch Rosmarin, Heublumen, Wacholderbeeren
Verstauchung und Prellungen
Äußerlich kann bei intakter Haut Arnika (Arnica montana) angewendet werden, ferner
empfehlen sich Beinwell (Symphytum officinalis) und Rotöl aus Johanniskraut
(Hypericum perforatum).
Kommentar & Ergänzung:
- Bei Gicht wird aus Herbstzeitlose das isolierte Alkaloid Colchicin eingesetzt, welches verschreibungspflichtig ist.
- Von den erwähnten Heilpflanzen gegen Entzündungen und Schmerzen ist neben der Teufelskralle auch die Bernnessel frei von Salicylaten. Brennessel wirkt aber auch einem anderen Weg ebenfalls hemmend auf die Prostaglandinsynthese.
Sehr fragwürdig ist tatsächlich die Empfehlung von sogenannten “Entschlackungsmittel” gegen rheumatische Beschwerden.
Siehe dazu auch:
“Schlackenstoffe” – ein Phantom macht Karriere
Entgiften und Entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen
Abschliessend zu diesem Überblick der Universität Duisburg-Essen soll noch betont werden, dass es nicht nur darauf ankommt, die richtige Heilpflanze für eine bestimmte Krankheit zu finden. Ebenso wichtig ist es, in welcher Form die Heilpflanze zur Anwendung kommt (z. B. Tee, verschiedene Varianten von Tinktur oder Extrakt).
Es ist nämlich eine ganze Anzahl von Heilpflanzen-Präparaten im Handel, von denen ausgesprochen fragwürdig ist, ob sie überhaupt eine Wirkung haben – neben fundierten Produkten, die es natürlich auch gibt.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
Tags: Arnica montana, Arnika, Arthrose, Arthroseschmerzen, Ausbildungen, Beinwell, Bewegungsapparat, Brennessel, Cayennepfeffer, Colchicin, Colchicum autumnale, Counterirritation, Entzündungen, Entzündungsvorgänge, Eschenrinde, Eukalyptus, Exkursionen, Filipendula ulmaria, Fraxinus excelsior, Gesundheitsberufe, Gicht, Harpagophytum procumbens, Heilkräuter, Heilkräuterkurse, Heilpflanzen, Heilpflanzen-Seminar, Herbstzeitlose, Heublumen, Hypericum perforatum, Johanniskraut, Klinik, Krankenpflege, Kräuterexkursionen, Kurse, Mädesuss, Medizin, Muskelverspannungen, Naturheilkunde, Palliative Care, Paprika, Pflanzenheilkunde, Pflege, Pflegeheim, Phytotherapie, Phytotherapie-Ausbildung, Populus tremula, Prellungen, Prostaglandinsynthese, Rheuma, Rosmarin, Rotöl, Salicxylate, Salix purpurea, Schmerzdämpfung, Schmerzen, Schmerzlinderung, Schweiz, Spitex, Symphytum officinalis, Teufelskralle, Urtica dioica, Verstauchungen, Wacholderbeeren, Weide, Weiterbildung, Winterthur, Zitterpappel, Zürich
Posted in Phytotherapie | No Comments »
Samstag, August 8th, 2009
Täglich ein halber Liter Rote-Beete-Saft (in der Schweiz Randensaft genannt) steigert die Leistung in Ausdauersportarten. Das zeigte sich in einer kleinen placebokontrollierten Studie, die jetzt im Journal of Applied Physiology (2009; doi: 10.1152/japplphysiol.00722.2009) publiziert wurde.
Eine ausgezeichnete Zusammenfassung der Studie erschien soeben auf www.aerzteblatt.de.
An der Studie beteiligten sich acht Männer im Alter von 19 bis 38 Jahren, welche über sechs Tage täglich einen halben Liter Rote Beete-Saft tranken. An den letzten drei Tagen wurden mit den Männern Belastungstests auf dem Fahrradergometer durchgeführt. Wie die Gruppe um Andrew Jones von der Universität in Exeter/England berichtet, erhöhte der Rote-Beete-Saft die Ausdauer der Teilnehmer beim Fahrradfahren. Sie hielten durchschnittlich 11,25 Minuten durch, 92 Sekunden länger als in einer zweiten Studienphase, in welcher die Teilnehmer die gleiche Menge Johannisbeersaft getrunken hatten. Auf die Gesamtstrecke bezogen ergebe sich daraus eine Vorsprung von zirka 2 Prozent, was auf sportlichen Wettbewerben über Sieg oder hintere Plätze entscheiden könnte. ?
Randensaft und Johannisbeersaft haben zwar eine ähnliche Farbe. Rote-Beete enthält aber eine größere Menge Nitrate, welche im Organismus in Nitrite umgewandelt werden. Die Plasma-Nitrit-Konzentration lag nach dem Trinken von Randensaft fast doppelt so hoch wie nach dem Trinken von Johannisbeersaft, welcher fast keine Nitrate enthält. Studienleiter Jones vermutet, dass die Nitrite die Sauerstoffverwertung in den Mitochondrien verbessern.
Aus früheren Untersuchungen ist bekannt, dass Nitrite mit den Eisenatomen der Enzyme der Zellatmung reagieren. Dies geschieht auch im Hämoglobin der Erythrozyten (Rote Blutkörperchen) mit der Folge einer gesteigerten Methämoglobinbildung, was nicht unbedingt die Fitness erhöht. ??
Die Resultate von Jones zeigen indes, dass die Sauerstoffextraktion im Muskelgewebe nach dem Trinken des Rote Beete-Safts deutlich vermindert war. Lungenfunktionstests ergaben, dass die Teilnehmer für die gleiche Leistung 19 Prozent weniger Sauerstoff verbrauchten.??
Blutdrucksenkung durch Rote-Beete-Saft bestätigt
Der Rote Beete-Saft bewirkte außerdem eine Butdrucksenkung: Der systolische Wert in Ruhe ging von 132 auf 124 mm Hg zurück. Die Studie bestätigte damit die Resultate einer anderen Forschergruppe, die im letzten Jahr eine Senkung des Blutdrucks um 10,4/8 mm Hg nach dem Trinken der gleichen Menge Rote-Beete-Saft beschrieben hatte (Hypertension 2008; 51: 784-790).??
Das “Ärzteblatt” schliesst seinen Bericht mit folgendem Kommentar:
“Jones ist übrigens Berater der britischen Langstreckenläuferin Paula Radcliffe, auf deren Homepage sich ein Link zu einer Meldung der BBC zu der Studie befindet. Die Botschaft scheint demnach bei den Sportlern angekommen zu sein. Man kann nur hoffen, dass sich die Berater auch Gedanken über die möglichen Nebenwirkungen einer hoch dosierten Rote-Beete-Behandlung machen. Nitrite sind an der Bildung kanzerogener Nitrosamine beteiligt. Rote Beete enthält außerdem viel Oxalsäure, die Ausgangspunkt für die Bildung von Nierensteinen sein kann.”
Quelle: www.aerzteblatt.de
Zur Originalpublikation: http://www.exeter.ac.uk/news/featurednews/title,37371,en.php
Kommentar & Ergänzung:
Kompliment ans “Deutsche Äerzteblatt” für die informative und differenzierte Zusammenfassung. Andere Online-Dienste verwenden reisserische Titel wie “Natürliches Doping mit Rote Bete”, lassen dafür aber die möglichen Nebenwirkungen der Nitrite unerwähnt. Der hohe Nitratgehalt von Randen / Rote Beete ist ja immer wieder mal im Gespräch wegen möglichen gesundheitlichen Folgen. Allerdings dürfte ein Risiko nur bei längerdauernder Aufnahme hoher Nitratkonzentrationen verhanden sein, während die gemessene Leistungssteigerung innert Tagen auftrat, was natürlich für einen Wettkampf praktikabel wäre.
Aus den Meldungen geht nicht hervor, ob es sich bei den Teilnehmern um trainierte oder untrainierte Personen handelte. Das könnte relevant sein.
Aus Studien betreffend einer leistungssteigernden Wirkung von Ginseng ergaben sich zum Beispiel Hinweise, dass untrainierte Personen eher von einer Behandlung profitierten als hoch trainierte Spitzensportler, die ihr Potential schon weitgehend ausschöpfen.
Falls ein solcher Unterschied auch beim Randensaft auftritt, würde das die Bedeutung für den
Hochleistungssport möglicherweise relativieren.
Ausserdem ist zu sagen, dass natürlich die Anzahl der Teilnehmenden mit 8 Personen sehr klein war, was die Aussagekraft einschränkt.
Auf http://de.news.yahoo.com wird zu der Studie noch ergänzt, dass die Forscher laut “BBC” vermuten, “dass das mit dem Getränk aufgenommene Nitrat im Körper zu Stickoxid wird und dadurch beeinflusst, wie viel Sauerstoff vom Organismus während einer körperlichen Übung verbrannt wird. Davon wiederum hängt der Grad der Ermüdung ab. Basierend auf den Forschungsergebnissen könnten in Zukunft Ernährungspläne für Menschen mit Herz-Kreislauferkrankungen erstellt werden.”
Soweit ist die Wirkung allerdings noch nicht geklärt, dass schon Ernährungspläne für Herz-Kreislauf-Patienten mit Rote-Beete erstellt werden können. Sollte der Randensaft aber tatsächlich den Sauerstoffverbrauch während körperlicher Aktivität vermindern, wäre die Idee ja nicht ganz dumm, dass beispielsweise Patienten mit Herzschwäche davon profitieren könnten.
In solchen Fällen wären dann auch allfällige Langzeit-Nebenwirkungen der Nitrate wohl in Kauf zu nehmen.
Interessant ist die günstige Wirkung bei Bluthochdruck, die vom “Aerzteblatt” auch noch erwähnt wird.
Randen / Rote Beete wird in der traditionellen Naturheilkunde manchmal wegen der roten Farbe als Mittel zur Blutbildung empfohlen.
Heute weiss man aber, dass der rote Farbstoff, das Betanin, nichts mit der Blutbildung zu tun hat. Ein weiteres Beispiel für die Fragwürdigkeit von Theorien, welche von Farben und Formen der Heilpflanzen auf ihre Wirkungen schliessen wollen.
Betanin ist ein sekundärer Pflanzenstoff, gehört zur Gruppe der Polyphenole und scheint als Antioxidans durchaus gesund zu sein.
Allenfalls könnten der Eisengehalt und der Folsäuregehalt in Randen / Rote Beete günstig auf die Blutbildung wirken. Viele andere Gemüse dürften der Roten Beete in diesen Punkten aber nicht nachstehen. Randen enthält nämlich verhältnismässig nur wenig Eisen. Dazu kommt noch, dass die in der Roten Beete enthaltenen Oxalate und das Nitrat die Eisenaufnahme behindern.
Das Nestle Ernährungstudio auf http://ernaehrungsstudio.nestle.de schreibt zum Thema Rote Beete, Eisen und Folsäure:
“ Sowohl das Spurenelement Eisen als auch das B-Vitamin Folsäure sind unentbehrlich für die Blutbildung. Eine Portion Rote Bete (200 g, roh) enthält etwa 166 µg Folsäure und 1,8 mg Eisen. Damit liefert das Gemüse knapp 15 % der empfohlenen Tagesmenge an Eisen und mehr als 40 % der pro Tag empfohlenen Folsäuremenge. Allerdings verwertet unser Körper pflanzliches Eisen weniger gut als tierisches. Und Folsäure ist sehr hitze- und lichtempfindlich. Durch Lagerung und Zubereitung geht ein großer Teil des Vitamins verloren. Unser Tipp: Verzehren Sie Rote Bete bevorzugt frisch und roh und/oder wählen Sie eine nährstoffschonende Zubereitungsform, z. B. dünsten. Rote Bete-Saft sollten Sie aus dunklen bzw. lichtundurchlässigen Flaschen genießen. Trinken Sie zur Rote Bete-Mahlzeit einen Vitamin C-reichen Orangensaft. Denn Vitamin C kann die Verwertung von pflanzlichem Eisen verbessern.”
Rote Beete / Randen ist übrigens ein gutes Beispiel dafür dass es fliessende Übergänge gibt zwischen Heilpflanzen und Nahrungspflanzen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
Tags: Antioxydans, Ausbildungen, Ausdauer, BBC, Betanin, Blutbildung, Blutdruck, Blutdrucksenkung, Bluthochdruck, Doping, Eisen, Eisengehalt, Ernährungsstudio, Erythrozyten, Exkursionen, Fitness, Folsäure, Folsäuregehalt, Gemüse, Ginseng, Hämoglobin, Heilkräuter, Heilpflanzen, Herz-Kreislauferkrankungen, Herzschwäche, Hochleistungssport, Johannisbeersaft, Klinik, Kurse, Leistungssteigerung, Methhämoglobinbildung, Mitochondrien, Muskelgewebe, Naturheilkunde, Nebenwirkungen, Nestle, Nierensteine, Nitrate, Nitrite, Nitrosamine, Orangensaft, Oxalsäure, Palliative Care, Paula Radcliffe, Pflanzenheilkunde, Pflegeheim, Phytotherapie, Phytotherapie auf hohem wissenschaftlichen Niveau. Weiterbildung Phytotherapie für Krankenpflege - Spitex, Polyphenole, Randen, Randensaft, Rote Beete, rote Blutkörperchen, Rote-Beete-Saft, Sauerstoff, Spitzensportler, Stickoxid, Studie, Vitamin C, Wettkampf, Zellatmung
Posted in Gesundheitliches, Phytotherapie | No Comments »
Donnerstag, August 6th, 2009
Die “Ärztezeitung” publiziert in heutigen Online-Ausgabe einen Beitrag zur Phytotherapie und stellt ihn unter den lobenden Titel: “Phytotherapie auf hohem Niveau”. Der Text ist etwas einseitig, weil er ausschliesslich auf ein Heilpflanzen-Präparat zur Behandlung von Sinusitis fokussiert und damit starken Werbecharakter trägt. Er drückt aber auch gut aus, worum es einer fundierten Phytotherapie geht und welches ihre Herausforderungen sind:
“Keine Pflanze ist wie die andere….Die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe ist von Pflanze zu Pflanze, von einer Jahreszeit zur anderen, von einem Standort zum nächsten unterschiedlich. Deshalb ist die über Jahre gleichbleibende Qualität eine Herausforderung.”
(www.aerztezeitung.de)
Zum Konzept einer Phytotherapie auf hohem wissenschaftlichen Niveau
“gehören Qualitätskontrolle von Anfang an, die Entwicklung von eigenem Saatgut, der standardisierte Anbau der Heilpflanzen, die standardisierte, wissenschaftlich fundierte Herstellung von Pflanzenextrakten, die Erforschung der pharmakologischen Wirkung der Pflanzenkomponenten sowie klinische Studien zu Wirksamkeit und Sicherheit der Präparate.”
(www.aerztezeitung.de)
In dieser Liga spielen allerdings nur wenige Hersteller von Heilpflanzen-Präparaten.
Beim allergrössten Teil der Naturheilmittel, welche in Apotheken, Drogerien oder im Internet propagandiert und verkauft werden, fehlt jegliche fundierte Dokumentation ihrer Wirksamkeit.
Heisst das nun, dass nur wirksam ist, was von A – Z wissenschaftlich belegt ist?
Das kann man so meiner Ansicht nach nicht sagen. Es gibt schliesslich auch unzählige Heilpflanzen, die noch gar nie Gegenstand wissenschaftlicher Forschung waren. Hier existiert noch ein grosses ungenutztes Potenzial.
Es ist meines Erachtens aber auch völlig naiv – wie das heute leider oft gemacht wird – jede angebliche Wirkung einer Heilpflanze, die seit Jahrhunderten als schöne Anekdote herumgereicht wird, für bare Münze zu nehmen.
Eine fundierte Phytotherapie baut deshalb auf die wissenschaftliche Überprüfung traditioneller Heilpflanzen. Es zeigt sich immer wieder, dass dadurch Wirkungen und allfällige Nebenwirkungen besser verstanden werden können. Das ermöglicht eine fortlaufende Optimierung der Phytotherapie.
Wer sich beruflich mit Heilpflanzen befasst und die Resultate dieser Phytotherapie-Forschung nicht zur Kenntnis nimmt, handelt meines Erachtens ziemlich blind.
Das heisst nicht, dass die wissenschaftliche Forschung der einzige und letztgültige Massstab sein muss.
Offenheit über den wissenschaftlichen Rahmen hinaus scheint mir durchaus angebracht, aber nicht Blindheit und Naivität. Das setzt voraus, dass kritische Fragen gestellt werden müssen. Innerhalb und ausserhalb des wissenschaftlichen Rahmens.
Auch Konsumentinnen und Konsumenten, die in der Drogerie oder Apotheke ein Naturheilmittel kaufen, tun gut daran nachzufragen, was denn für eine Wirksamkeit des empfohlenen Heilpflanzen-Präparates spricht und wie diese Wirksamkeit dokumentiert ist. Leider ist nämlich der Konsumentenschutz in der Schweiz in diesem Bereich praktisch inexistent.
Und lassen Sie sich auch nicht mit Allerweltsfloskeln wie “positive Erfahrungen” abspeisen, wenn Sie nach Belegen für die Wirksamkeit eines Naturheilmittels fragen.
“Erfahrung” als einziges Argument genügt nämlich ganz und gar nicht.
Siehe dazu auch:
Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung
Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
Tags: Apotheke, Ausbildungen, Drogerie, Exkursionen, Gesundheitsberufe, Heilkräuter, Heilkräuterkurse, Heilpflanzen, Heilpflanzen-Seminar, Klinik, Krankenpflege, Kräuterexkursionen, Kurse, Naturheilkunde, Naturheilmittel, Palliative Care, Pflanzenheilkunde, Pflege, Pflegeheim, Phytotherapie, Phytotherapie-Ausbildung, Phytotherapie-Forschung, Qualität, Schmerzen, Schweiz, Sinusitis, Spitex, Weiterbildung, Winterthur, Wirksamkeit, Zürich
Posted in Naturheilkunde-Debatte, Phytotherapie | No Comments »
Montag, August 3rd, 2009
Der Konsum von Rotwein kann entzündungshemmend wirken, wie Wissenschaftler der schottischen Universität Glasgow herausfanden. Der Grund für diesen Effekt ist demnach das in Rotwein enthaltene Antioxidans Resveratrol, das zwei wichtige entzündungsauslösende Proteine hemmt. Das berichten die Wissenschaftler im Fachblatt des Verbandes der US-amerikanischen Gesellschaften für Experimentelle Biologie (FASEB Journal. 2009;23:2412-2424).??
Sie behandelten einige Mäuse im Tierversuch präventiv mit Resveratrol, weshalb ihnen die Gabe eines stark entzündungsauslösenden Stoffes nichts anhaben konnte. Andere Mäuse, welche kein Resveratrol bekommen hatten, reagierten dagegen mit Symptomen wie sie bei einer Sepsis auftreten. ?
Der Forscher Alirio Melendez von der Universität Glasgow erklärte, Ziel der Untersuchung sei es gewesen, neue Behandlungsmöglichkeiten für schwere akute Entzündungskrankheiten zu finden. Solche Krankheiten – wie etwa die Sepsis – seien “sehr schwer zu behandeln, und wegen mangelnder Behandlung sterben jeden Tag viele Menschen”. Darüber hinaus hätten Sepsis-Überlebende “oft nur eine sehr geringe Lebensqualität wegen der Schäden, die die Entzündung an mehreren inneren Organen anrichtet”, sagt der Wissenschaftler.??
Resveratrol hat in Medizin und Pharmazie ohnehin schon einen guten Ruf, dem Antioxidans wird eine günstige Wirkung von Anti-Aging bis zur Verstärkung von antiviralen Behandlungen zugesprochen. Frühere Studien kamen zum Schluss, dass Resveratrol die Bildung von Blutgerinnseln verhindern helfen und den Kampf gegen Krebs unterstützen kann. Resveratrol findet sich in der Schale von Weintrauben, kommt jedoch in Rotwein in größeren Mengen vor als in Weißwein.
Quelle: www.aerzteblatt.de
Originalpublikation:
http://www.fasebj.org/cgi/content/abstract/23/8/2412
Kommentar & Ergänzung:
Resveratrol ist zweifellos eine interessante Substanz, doch wird hier wieder einmal sehr schnell von Experimenten mit einem isolierten Stoff an Mäusen auf eine Wirkung via Rotwein auf die menschliche Gesundheit geschlossen. Der Originaltitel des “Ärzteblattes” lautet: “Rotwein kann entzündungshemmend wirken.”
Vom “Ärzteblatt” bin ich mir eigentlich eine zurückhaltendere Interpretation gewohnt.
Was weiss man denn bisher über Resveratrol?
Hier eine gekürzte und modifizierte Zusammenfassung aus Wikipedia:
Resveratrol ist ein Antioxidans, das zu den Polyphenolen zählt und 1963 erstmals in Knöterich-Pflanzen (Polygonum cuspidatum) isoliert und identifiziert wurde. 1976 wurde die Substanz in Weintrauben nachgewiesen.
Vorkommen von Resveratrol
Resveratrol findet sich in einer Anzahl von Pflanzen bzw. pflanzlichen Lebensmitteln, hauptsächlich in Weintrauben, Himbeeren, Maulbeeren, Erdnüssen, und im japanischen Staudenknöterich. Im Rahmen eines Screening-Programms des National Cancer Institute, bei welchem mehrere tausend Pflanzen auf krebshemmende Inhaltsstoffe untersucht wurden, hat man Resveratrol in 72 Pflanzenarten gefunden. Besonders reichlich kommt es vor in der Haut von roten Weintrauben. In frischem weißen Traubensaft hat man bis zu 200 µg/l, in frischem roten bis zu 1100 µg/l Resveratrol nachweisen können. In Rotwein ist die Konzentration bedeutend höher und liegt bei ca. 30 bis 50 mg/l. Weißwein und Rosé enthalten geringere Konzentrationen an Resveratrol.
In seiner Funktion als Phytoalexin schützt es Pflanzen in feuchten Perioden gegen Parasiten und Pilzinfektionen. So wird es von den Rebstöcken vor allem in den Blättern und Beerenschalen bei Befall durch falschen Mehltau oder Botrytis gebildet. Stress, wie zum Beispiel ultraviolettes Licht, führt ebenfalls zu erhöhter Resveratrol-Bildung.
Zur Wirkung von Resveratrol
Aus In-vitro-Studien gibt es Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit gegen Krebszellen. Versuche am lebenden Organismus stehen aber noch aus. Andere Studien haben günstige Effekte der Substanz bei Krankheiten wie Arteriosklerose, Herzkrankheiten, Arthritis und manchen Autoimmunkrankheiten zeigen können.
Resveratrol erhöht, genauso wie eine kalorienarme Diät, die Expression der Sirtuin-Gene wie Sir2. Dadurch wurde bei verschiedenen Versuchstieren ein lebensverlängernder Effekt beobachtet.
In einer Tierversuchsstudie erhielten Mäuse eine besonders fettreiche Diät. Die gleichzeitige Gabe von Resveratrol reduzierte dabei deutlich die Gewichtszunahme.
Unter speziell hohen Resveratrol-Dosen konnte eine Verdoppelung der Ausdauerleistung beobachtet werden.
Resveratrol hilft bei der Abtötung von Krebszellen, weil es hemmend auf ein Protein einwirkt, welches für das Überleben von Krebszellen entscheidend ist. Dieses als NF-?B (Nukleärer Faktor kappa B) bezeichnete Schlüsselprotein ist ein Bestandteil der Kerne aller Zellen. Dort ist es verantwortlich für die Aktivierung von Genen, die für das Überleben der Zellen wichtig sind. Resveratrol wirkt so auf NF-kB ein, dass diese ihren überlebensfördernden Effekt nicht mehr entfalten können. Dies wiederum leitet bei den betroffenen Krebszellen die Apoptose, das heisst ihre Selbstzerstörung ein. Wissenschaftler hoffen, dass der Einsatz von NF-kB-Inhibitoren wie Resveratrol die Wirksamkeit bereits etablierter Behandlungsansätze gegen Krebs deutlich steigern kann.
Allerdings könnte die Wasserunlöslichkeit von Resveratrol noch eine Schwierigkeit darstellen: Möglicherweise kann es vom Körper nicht in genügender Menge aufgenommen werden und so seine Wirkung gegen Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht ausreichend entfalten.
Die Aktivierung von NF-kB ist auch im Krankheitsverlauf der Multiplen Sklerose bedeutsam – NF-kB-Inhibitoren könnten darum auch hier in Zukunft eine therapeutische Option darstellen. Allerdings wurden bisher noch keine Bemühungen unternommen, um die Wirksamkeit von Resveratrol bei MS zu überprüfen.
Resveratrol hat eine neuroprotektive Wirkung beim Glaukom (Grüner Star). Ein erhöhter Augeninnendruck steigert den oxidativen Stress an Netzhaut und Trabekelmaschenwerk. Dieser führt zu vermehrter Bildung von Entzündungsmarkern wie Interleukin-1?, Interleukin-6, Interleukin-8 und zur schnelleren Zellalterung durch oxidative Spezies wie Lipofuscin in den Zellen des Trabekelmaschenwerkes und des Sehnerves. Resveratrol senkt die Expression dieser Stoffe und wirkt daher antioxidativ und antiapoptotisch im Trabekelmaschenwerk und in den Neuronen des Sehnerves.
Soweit die nicht ganz in allen Passagen leicht verständliche Beschreibung bei Wikipedia.
Auch hier aber stammen viele beschriebene Wirkungen aus Laborexperimenten und es wäre vorschnell, sie 1 : 1 auf die Situation bei kranken Menschen zu übertragen. Das gilt insbesondere auch für die krebshemmenden Wirkungen, so gern wir natürlich glauben würden, dass Rotwein uns vor Krebs schützen kann…..
Der Wikipedia-Text spricht einen der wichtigsten Kritikpunkte selber an: Es ist nicht so klar, ob Resveratrol über den Verdauungstrakt in ausreichenden Mengen resorbiert wird. Wenn dies aber nicht geschieht, nützen die schönsten Wirkungen aus Laborexperimenten nichts.
Ich würde nicht daran zweifeln, dass Rotwein regelmässig in moderaten Mengen genossen zur Gesundheit beitragen kann. Es scheint mir aber nicht angemessen, alles gesundheitliche Heil von einer einzigen Substanz zu erwarten, wie es uns die Werbung für gewisse Produkte einreden will. Auch Resveratrol wird sich wohl kaum als eine solche Wundersubstanz erweisen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
Tags: Anti-Aging, Antioxidans, Arteriosklerose, Arthritis, Augeninnendruck, Ausbildungen, Autoimmunkrankheiten, Biologie, Blutgerinnsel, Botrytis, Erdnüsse, Exkursionen, Gesundheitsberufe, Glaukom, Grüner Star, Heilkräuter, Heilkräuterkurse, Heilpflanzen, Heilpflanzen-Seminar, Herzkrankheiten, Himbeeren, Japanischer Staudenknöterich, Klinik, Knöterich, Krankenpflege, Kräuterexkursionen, Krebs, Kurse, Maulbeeren, Medizin, Mehltau, Multiple Sklerose, National Cancer Institute, Naturheilkunde, Netzhaut, Palliative Care, Pflanzenheilkunde, Pflege, Pflegeheim, Pharmazie, Phytoalexin, Phytotherapie, Phytotherapie-Ausbildung, Pilzinfektionen, Polygonum cuspidatum, Polyphenole, Resveratrol, Rose, Rotwein, Schmerzen, Schweiz, Sepsis, Spitex, Stress, Trabekelmaschenwerk, Traubensaft, Verdauungstrakt, Weintrauben, Weisswein, Weiterbildung, Winterthur, Zürich
Posted in Gesundheitliches, Phytotherapie | No Comments »
Sonntag, August 2nd, 2009
Der Olivenbaum (Syn. Olea europaea) ist hauptsächlich im Mittelmeerraum weit verbreitet und für diese Region charakteristisch.
Neben dem Öl werden auch die Blätter als Heilpflanze genutzt. Sie enthalten Iridoide (vor allem Oleuropeosid), Flavonoide und Triterpene mit krampflösenden, blutdrucksenkenden, harntreibenden und hypoglykämischen (blutzuckersenkenden) Eigenschaften.
Olivenöl wird durch Kaltpressung gewonnen. Die Qualität des Olivenöls wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst: Olivensorte, klimatische Bedingungen, Erntezeitpunkt und Erntemethode. Verglichen mit anderen pflanzlichen Ölen zeichnet sich Olivenöl durch einen hohen Anteil an einfach ungesättigten Fettsäuren aus (Ölsäure, 55-83%). Es enthält auch Antioxidantien, Vitamine, Oligoelemente, jedoch auch Oleocanthal, welches entzündungshemmende Eigenschaften besitzt.
Oral kann Olivenöl als mildes Abführmittel (morgens 1-2 Suppenlöffel) oder als Gallenflussförderer (Cholagogum) verwendet werden. Extern wird es als Emolliens (erweichendes Mittel) mit lindernder Wirkung geschätzt. Zur Pflege von trockener und sensibler Haut existieren zahlreiche Produkte: Seifen (z.B. Savon d‘Alep), Shampoos, Körper- und Massageöle usw.
In der Küche kann Olivenöl kalt (Salate) oder zum Kochen (hitzebeständig bis 180°C) verwendet werden. Es ist fast geruchlos und hat einen angenehmen, ausgeprägten Geschmack. Olivenöl ist integraler Bestandteil der “Mittelmeerdiät”, deren herzschützende Wirkung schon lange bekannt ist (geringer Anteil an gesättigten Fettsäuren).
Allergien auf Olivenöl gibt es selten. Pollen des Olivenbaums können aber in den entsprechenden Regionen die Auslöser für allergische Reaktionen sein.
Quelle: www.pharmavista.net
Quellenangaben dort:
Deutsche Apotheker Zeitung, 4/2007
Drogues végétales et plantes médicinales, M. Delafosse, 1998
Kommentar & Ergänzung:
Die Angaben zur Wirkung der Olivenblätter sind fragwürdig. Für eine blutzuckersenkende und harntreibende Wirkung fehlen überzeugende Argumente oder Belege vollständig.
Und Oleuropein senkt zwar den Bluthochdruck, allerdings wurde dies im Tierversuch ermittelt. Es ist offen, ob ein solcher Effekt auch bei Bluthochdruck-Patienten auftritt. Die Resultate von Tierexperimenten mit isolierten Einzelsubstanzen lassen sich nicht einfach auf eine Anwendung von Olivenblättertee bei Bluthochdruck-Patienten übertragen.
Ausser Frage steht meines Erachtens, dass Olivenöl ein wertvolles Nahrungsmittel ist.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
Tags: Abführmittel, Allergien, Antioxidantien, Ausbildung, Bluthochdruck, Bluthochdruck-Patienten, Cholagogum, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Int, Emolliens, Exkursionen, Flavonoide, Heilkräuter, Heilpflanzen, Iridoide, Kaltpressung, Klinik, Kurse, Martin Koradi, Mittelmeerdiät, Nahrungsmittel, Naturheilkunde, Olea europaea, Oleocanthal, Oleuropeosid, Oligoelemente, Olivenbaum, Olivenblätter, Olivenblättertee, Olivenöl, Ölsäure, Palliative Care Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch moodle.heilpflanzen-info.ch/course/view.php?id=6 Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch moodle.heilp, Pflanzenheilkunde, Pflegeheim, Phytotherapie, Triterpene, Vitamine
Posted in Gesundheitliches | No Comments »
Sonntag, August 2nd, 2009
Capsaicin wird schon bald als kutanes Pflaster erhältlich sein: Die europäische Arzneimittelbehörde EMEA hat am 15. Mai 2009 die Zulassung für das Produkt Qutenza ® erteilt. Der Patch ist angezeigt für die Therapie von peripheren neuropathischen Schmerzen bei Erwachsenen, welche nicht an Diabetes leiden.
Jedes Pflaster ist 14cm x 20 cm gross und beinhaltet 179 mg Capsaicin.
Qutenza sollte auf die schmerzhaftesten Hautbereiche (unter Benutzung von maximal 4 Pflastern) aufgebracht werden. Der Patch soll an den Füssen (z.B. im Fall einer HIV-assoziierten Neuropathie) eine halbe Stunde und an anderen Stellen (z.B. bei postherpetischer Neuralgie) eine Stunde aufgeklebt bleiben. In Abhängigkeit der Symptome kann die Therapie alle drei Monate wiederholt werden.
Es liegen nur begrenzte Erfahrungen mit Qutenza bei Kranken mit schmerzhafter diabetischer Neuropathie vor.
Quelle:
www.pharmavista.net
Kommentar & Ergänzung:
Capsaicin aus Paprika ist ein ausgesprochen interessanter Wirkstoff gegen verschiedene Schmerzen.
Capsaicin stammt aus Pflanzen der Gattung Capsicum (Paprika, gehört zur Familie der Nachtschattengewächse Solanaceae). Es handelt sich um ein Alkaloid, das nur bei Säugetieren durch Wirkung auf spezifische Rezeptoren einen Hitze- oder Schärfereiz etwa beim Verzehr von Paprika- oder Chilischoten hervorruft.
Capsaicin, das durch Verwendung scharfer Chilifrüchte in relativ hohen Konzentrationen traditionell in der mexikanischen, indischen, indonesischen und thailändischen Küche vorkommt, hat aufgrund seines Einflusses auf den serotonergen und dopaminergen Haushalt des Nucleus accumbens eine nach dem Abklingen der Schärfeempfindung schmerzlindernde Wirkung.
Schon die amerikanischen Ureinwohner nutzten Paprika als Heilmittel, unter anderem gegen Zahnschmerzen oder Arthrose. Teile dieser Behandlungsechniken wurden nach der Entdeckung Amerikas auch von Europäern in die Volksmedizin übernommen. Der heute bekannteste Einsatz von Paprika in der Medizin sind Capsaicin-Pflaster, die bei rheumatischen Schmerzen eingesetzt werden.
Auch gegen andere Beschwerden, wie Hexenschuss, Migräne, Gürtelrose, diabetische Neuropathie oder postherpetische und trigeminale Neuralgie, werden Capsaicin-haltige Präparate eingesetzt.
Weitere Möglichkeiten zur medizinischen Anwendung von Capsaicin werden regelmäßig bekannt. 2006 wurde zum Beispiel festgestellt, dass eine hohe Dosis Capsaicin Prostatakrebszellen in Mäusen abtötet. Solche Laborexperimente sagen allerdings noch sehr wenig aus über allfällige Wirkung bei Menschen mit Prostatakrebs.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
Tags: Alkaloid, Arthrose, Ausbildungen, Capsaicin, Capsicum, Chilifrüchte, Chilischoten, Diabetes, diabethische Neuropathie, Exkursionen, Gesundheitsberufe, Gürtelrose, Heilkräuter, Heilkräuterkurse, Heilpflanzen, Heilpflanzen-Seminar, Hexenschuss, Klinik, Krankenpflege, Kräuterexkursionen, Kurse, Migräne, Nachtschattengewächse, Naturheilkunde, Neuropathie, Nucleus acumbens, Palliative Care, Paprika, Pflanzenheilkunde, Pflege, Pflegeheim, Phytotherapie, Phytotherapie-Ausbildung, postherpetische Neuralgie, Prostatakrebs, Qutenza, rheumatische Schmerzen, Schmerzen, Schweiz, Solanaceae, Spitex, trigeminale Neuralgie, Volksmedizin, Weiterbildung, Winterthur, Zahnschmerzen, Zürich
Posted in Phytotherapie | No Comments »
Samstag, August 1st, 2009
Die richtige Ernährung kann die Krankheitsaktivität bei entzündlichem Rheuma deutlich vermindern.
Bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sollte die Ernährungstherapie bereits vom Anfang der Krankheit an ein selbstverständlicher Baustein der Behandlung sein, stellt Dr. Reinhard Hein aus Nienburg fest. Der niedergelassene Rheumatologe ist Mitglied des Arbeitskreises Ernährung in der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh). Nur: Wie setzt sich eine optimale Rheumakost zusammen?
Im Zentrum der langfristigen Umstellung der Essgewohnheiten steht die Verminderung tierischer Fette. Für alle Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen empfehlenswert ist eine überwiegend laktovegetabilen, antientzündliche Kost, die reich an Omega-3-Fettsäuren und Antioxidanzien ist.
Ein wichtiger Aspekt ist für Hein zudem die Raucherentwöhnung, da der Krankheitsverlauf bei Rauchern nachweislich schlechter ist.
Gelingt die Umstellung der Ernährung, wird der Patient nach 10 bis 12 Wochen die ersten Erfolge spüren, das heißt, sobald die Arachidonsäure aus den körpereigenen Fettspeichern verschwunden ist. Nicht nur die Symptome gehen dann zurück, sondern häufig auch der Bedarf an Medikamenten wie NSAR und Kortison, es gibt weniger Rückfälle und weniger Rest-Beschwerden unter der Basistherapie.
Zum Nutzen der Einnahme von Fischöl, Vitamin D, Vitamin C oder Zink bei Rheumapatienten gebe es neue Daten, die künftig auch die DGRh in ihren Empfehlungen berücksichtigen werde. Das Votum zu gunsten von Omega-3-Fettsäuren in Form von Fischölkapseln werde positiver. Eine Substitution von Vitamin D werde zukünftig empfohlen, ebenso in Einzelfällen die Gabe von Zink, speziell bei Patienten mit Psoriasis-Arthritis. Aufgrund der schwachen oder widersprüchlichen Datenlage wird die regelmäßige Substitution von Vitamin C und E oder Selen nach Angaben von Hein nur im Einzelfall oder nicht empfohlen.
Ernährungstipps bei Rheuma
Für Rheumapatienten gilt als Empfehlung: Fettreiche Lebensmittel tierischer Herkunft wie Schmalz, Leber, Eigelb oder fettreiche Fleisch- und Wurstsorten meiden! Nicht mehr als zwei Portionen Fleisch oder Wurst pro Woche verzehren. Anzuraten sind Makrele, Lachs und Hering – zweimal pro Woche. Diese Fischarten sind reich an Omega-3-Fettsäuren.
Das gilt ebenfalls für Raps-, Soja-, Walnuss- und Leinöl. Raps- und Sojaöl sind ausserdem ausgezeichnete Quellen für Vitamin E. Die in Gemüse und Obst enthaltenen antioxidativen Inhaltsstoffe sprechen für den Verzehr von fünf Portionen am Tag.
Quelle:
www.aerztezeitung.de, 28. 7. 2009
Kommentar & Ergänzung:
In der Naturheilkunde wird schon lange bei Rheuma eine vegetarische Ernährung empfohlen. Begründet wird dies oft mit dem Basenreichtum dieser Kost, mit dem einer Übersäuerung des Organismus entgegengewirkt werden soll. Allerdings steht die Säure-Basen-Theorie auf sehr wackligen Beinen. Es ist gar nicht klar, ob wir wirklich so unter Übersäuerung leiden, wie das die Vertreter dieser Theorie darstellen.
Vielleicht ist es ja einfach folgendermassen: Die Erfahrung, dass eine vegetarische Ernährung rheumatische Beschwerden in manchen Fällen lindern kann, trifft offenbar zu. Die dazu bisher gelieferte theoretische Erklärung – die Übersäuerung und die Besserung durch Basenzufuhr – ist aber wohl eher falsch.
Die Erklärung der Besserung durch antioxidative, antientzündliche Effekte scheint (gegenwärtig) überzeugender.
Das ist offenbar ein weiteres Beispiel dafür, dass jede Erfahrung mit verschiedensten Theorien kompatibel ist, d. h. durch sie erklärt werden kann.
Dass eine Theorie zu einer Erfahrung passt, sagt also noch nichts aus über die Richtigkeit der Theorie. So hat das unter anderem der Wissenschaftsphilosoph Karl Popper (1902 – 1994) dargestellt.
Auch im Umgang mit Heilpflanzen ist es so, dass Erklärungsmodelle und Theorien immer wieder einmal wechseln. Phytotherapie ist ein lebendiges und offenes Wissensgebiet, das nicht einfach stillsteht. Es kommt laufend neues Wissen auf und altes muss als irrtümlich und überholt ausgemustert werden. Die Erfahrungen traditioneller Pflanzenheilkunde können wertvoll sein, aber ebenso gut fehlerhaft und irrtumsbehaftet. Also gibt es nur eins: Überlieferte Theorien nicht einfach blind nachbeten, sondern interessiert aufnehmen und sorgfältig auf ihre Gültigkeit hin überprüfen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
Tags: Antioxidanzien, Arachidonsäure, Ausbildungen, Basenzufuhr, Eigelb, Ernährung, Ernährungstherapie, Exkursionen, Fischöl, Fischölkapseln, Fleisch, Gemüse, Gesundheitsberufe, Heilkräuter, Heilkräuterkurse, Heilpflanzen, Heilpflanzen-Seminar, Hering, Karl Popper, Klinik, Kortison, Krankenpflege, Kräuterexkursionen, Kurse, Lachs, Leber, Leinöl, Makrele, Medikamente, Naturheilkunde, NSAR, Obst, Omega-3-Fettsäuren, Palliative Care, Pflanzenheilkunde, Pflege, Pflegeheim, Phytotherapie, Phytotherapie-Ausbildung, Psoriasis-Arthritis, Raucherentwöhnung, Rheuma, Rheumakost, Rheumatologie, Säure-Basen-Theorie, Schmalz, Schmerzen, Schweiz, Soja, Sojaöl, Spitex, Übersäuerung, vegetarische Ernährung, Vitamin C, Vitamin D, Vitamin E, Walnuss, Weiterbildung, Winterthur, Zink, Zürich
Posted in Gesundheitliches | No Comments »