Archive for Juli, 2009

Naturheilkunde braucht Denken und Fühlen

Samstag, Juli 25th, 2009

Die österreichische Schriftstellerin Ilse Aichinger (geboren 1921) schrieb:

“Wenn es doch endlich einmal gelänge, in unserer Sprache ein Wort einzuführen, welches Denken und Fühlen nicht trennt. Ich habe es satt, mich immer für das eine und damit gegen das andere entscheiden zu müssen. Und wieviel Unglück ist erst dadurch entstanden, dass die Menschen auch danach gehandelt haben.”

Die Hoffnung auf ein solches Wort ist wohl umsonst. Dafür sind Denken und Fühlen zu unterschiedlich. Vermutlich wäre jedoch bereits viel gewonnen, wenn beide – Denken und Fühlen – ausdrücklich ihren Platz zugesichert bekommen würden. Das ist nicht selbstverständlich. Beide muss man nämlich quasi in Schutz nehmen. Das Fühlen kommt häufig unter die Räder durch eine Haltung, welche Rationalität als einzigen Massstab sieht. Wissenschaft versucht, Gefühle aus ihren Untersuchungen auszuschalten. Das ist eine ihrer Stärken, weil dadurch Resultate unabhängiger von den untersuchenden Personen werden. Problematisch wird es erst, wenn diese Haltung soweit überzogen wird, dass den Gefühlen generell ihre Daseinsberechtigung abgesprochen wird. Dann verarmt die Welt und wird kälter.

Bedrohtes Denken in Naturheilkunde / Komplementärmedizin

Doch auch das Denken ist bedroht. Mich erschüttert zum Beispiel immer wieder, wie weit verbreitet blinde Gläubigkeit und Dogmatismus im Bereich von Komplementärmedizin & Naturheilkunde sind. Von sehr vielen Leuten wird jede auch noch so abstruse, absolute Behauptung geglaubt. Es fehlt an allen Ecken und Enden an einer Kultur des kritischen Nachfragens – wie genau? Was genau? Wer genau? Warum genau? – und zwar bei Patientinnen und Patienten, bei Behandelnden und bei Lehrpersonen. Dadurch wird das Terrain von Komplementärmedizin & Naturheilkunde anfällig für “Guru-Systeme” und Geschäftemacherei. Hier wäre genaueres Denken ausgesprochen notwendig. Darum ist es mir ein zentrales Anliegen, in allen meinen Kursen, Lehrgängen, Weiterbildungen und Ausbildungen auch zu vermitteln, wie Behauptungen und Versprechungen kritisch geprüft werden können. Nur wer dazu in der Lage ist, kann sich eine eigenständige Meinung bilden und wird dadurch unabhängiger von fragwürdigen Heilslehren.

Eindrücklich ist allerdings: Wer Behauptungen und Versprechungen im Bereich von Naturheilkunde / Komplementärmedizin kritisch prüft, wird von eng alternativmedizinisch denkenden Menschen häufig reflexartig in eine “schulmedizinische” Ecke gestellt. So kann man es sich sehr einfach machen und muss sich nicht mit kritischen Fragen auseinandersetzen……
Wenn Patientinnen und Patienten, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Lehrpersonen in dieser “Faulheit des kritiklosen Für-wahr-Haltens” (Ludwig Marcuse) verharren, gefährdet das nicht nur die Gesundheit von Patientinnen und Patienten. Es schadet auch der Komplementärmedizin bzw. Naturheilkunde. Darum bin ich überzeugt, dass es auch in der Pflanzenheilkunde eine Kultur des sorgfältigen In-Frage-Stellens braucht.
Nur durch Nachhaken, Prüfen und In-Frage-Stellen bleibt ein Wissensbereich lebendig und kann sich weiter entwickeln. So klären sich Vorstellungen.
Fraglosigkeit und blindes Schlucken von Behauptungen und Versprechungen führen dagegen in die Sackgasse.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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Kamillentee: Studie liefert Hinweis auf entspannende und entzündungswidrige Effekte

Samstag, Juli 25th, 2009

Das Trinken von Kamillentee könne gegen einen Schnupfen helfen und Krämpfe während der Menstruation lindern. Fünf Tassen Kamillentee täglich für die Dauer von zwei Wochen seien ausreichend, um Muskelkrämpfe zu lockern und Entzündungen zu bekämpfen. Das Team des Imperial College London untersuchte den Harn von 14 gesunden Kamillenteetrinkern. Die Resultate der Studie wurden im Journal of Agricultural and Food Chemistry publiziert.

Seit Jahren wurde die Kamille laut BBC gegen Entzündungen, als leichtes Beruhigungsmittel und gegen Magengeschwüre angewendet. Zusätzlich wurde berichtet, dass es antioxidative und antimikrobielle Eigenschaften besitzt. Das Team um Elaine Holmes untersuchte die Auswirkungen des Konsums von Kamillentee im Organismus. Für die Studie wurde der Kamillentee aus den Blüten der Matricaria recutita zubereitet, die auch als Manzanilla bekannt ist.

Der Harn der Teilnehmer wurde täglich vor und nach der Einnahme des Tees untersucht. Das Teetrinken steigerte die Werte des entspannenden Glycin und des entzündungshemmenden Hippurat. Nach dem Schluss der zweiwöchigen Testphase blieben die Werte beider Substanzen für bis zu zwei Wochen erhöht.

http://www.journalmed.de/

Kommentar & Ergänzung:

Eine Untersuchung an Gesunden sagt natürlich noch nicht viel aus über die Wirksamkeit von Kamillentee im Krankheitsfall.
Trotzdem ist die Kamillen-Studie aus London interessant.
Nicht sehr überzeugend ist der Hinweis auf eine entzündungshemmende Wirkung gegen Schnupfen, wenn gleichzeitig die Einnahme von Kamillentee über zwei Wochen als nötig erachtet wird. Nach dieser Zeit wird wohl jeder banale Schnupfen auch von selber wieder ausgeheilt sein. Gegen Schnupfen dürfte die Inhalation von Kamillendämpfen kurzfristigere entzündungwidrige Wirkungen entfalten.
Interessanter scheint mit der Hinweis auf krampflösende Wirkungen gegen Menstruationskrämpfe (Dysmenorrhoe). Vielleicht würde es sich lohnen, bei solchen Menstruationsbeschwerden Kamillentee kontinuierlich über einige Tage zu trinken und nicht erst punktuell beim Auftreten von Krämpfen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Lavendelöl-Bestandteil Linalool dämpft Stressreaktion

Samstag, Juli 25th, 2009

Japanische Wissenschaftler haben eine physiologische Erklärung für die stresslindernde Wirkung von Lavendelöl entdeckt. Sie untersuchten die Wirkung von Linalool, das beispielsweise Bestandteil der ätherischen Öle aus Lavendel, Rosenholz, Koriander, Zimt und Ingwer ist. Das Inhalieren von Linalool veränderte in Tierversuchen die Blutzusammensetzung und die Genexpression der Tiere.
Für ihre Studie setzten Akio Nakamura und seine Kollegen Ratten Stress aus. Eine Hälfte der Tiere atmete dabei Linalool ein, die andere Hälfte nicht. Blutuntersuchungen ergaben, dass bei den duftinhalierenden Ratten die Anzahl der neutrophilen Granulozyten und Lymphozyten auf normalen Werten blieb, während sie sich in der Kontrollgruppe durch den Stress erhöhte. Linalool verminderte zudem die Aktivität von etwa hundert Genen, die in Stresssituationen übermäßig aktiv sind, berichten die Wissenschaftler im «Journal of Agriculture and Food Chemistry» (Band 57(12), Seiten 5480 bis 5485).

Quelle: www.pharmazeutische-zeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Für den günstigen Effekt von Linalool, einem wichtigen Bestandteil von Lavendelöl, gibt es schon seit längerem Hinweise.
Der Wiener Pharmakologe Prof. Gerhard Buchbauer, ein anerkannter Experte für die wissenschaftliche Erforschung der Wirkungen von ätherischen Ölen, wurde dazu kürzlich auf www.journalmed.de folgendermassen zitiert:
“Linalool baut Stress sowohl bei unmittelbarem Stress als auch bei dessen Abklingphase ab. Das konnte über Speichelcortisol-Messungen auch bei Menschen festgestellt werden”. Der Abbau von Stress zeige positive Folgewirkungen, wie etwa die Beruhigung und die Förderung des Einschlafens wie auch des allgemeinen psychischen Befindens.
“Göttinger Forscher konnten zudem zeigen, dass Studenten mit hoher Unsicherheit und Hemmung nach Linalool-Inhalierung Gelerntes in Prüfungen besser wiedergeben konnten, während bei Selbstsicheren diese Wirkung nicht eintrat. Die Stressreduktion half somit, die eigenen Leistungen zu erbringen”, sagte Buchbauer.

Prof. Gerhard Buchbauer ist Vizevorstand der österreichischen Gesellschaft für wissenschaftliche Aromatherapie und Aromapflege.

Ätherische Öle werden seit vielen Jahren intensiv erforscht. Dabei konnten zahlreiche Wirkungen zuverlässig dokumentiert werden.

Allerdings werden in einer mehr esoterische ausgerichteten Aromatherapie den ätherischen Ölen auch viele Wirkungen zugeschrieben, die oft sehr umfassend und sehr vage formuliert sind (“löst seelische Blockaden auf”, “wirkt schützend”, “bewirkt, dass eine sterbende Person besser loslassen kann”). Dabei wird häufig ausgesprochen kritiklos alles Wunderbare abgeschrieben und weitererzählt, so dass damit oft auch ein gerütteltes Mass an Willkürlichkeit verbunden ist.

Es fehlt dabei meist auch an genaueren Informationen dazu, wie eine bestimmte Aussage über Heilwirkungen zustande gekommen ist: Wer ist auf Grund welcher Erfahrungen oder Untersuchungen zu diesem Schluss gekommen? Wo ist dieser Vorgang dokumentiert und publiziert?
Nur wenn dieser Weg der Erkenntnis transparent gemacht wird, kann man sich als Aussenstehender eine eigene Meinung über die Glaubwürdigkeit solcher Heilungs-Aussagen bilden.

In der Aromatherapie geht es ausschliesslich um die Anwendung ätherischer Öle. Weil in der Phytotherapie ebenfalls ätherische Öle eingesetzt werden, gibt es fliessende Übergänge zwischen Phytotherapie und Aromatherapie.

Für die Phytotherapie ist allerdings die Anwendung von ätherischen Ölen nur ein Teilbereich. Die Aromatherapie nutzt ein viel umfassenderes Sortiment an ätherischen Ölen.
Phytotherapie, jedenfalls wenn sie fundiert sein will, beschränkt sich auf die am besten dokumentierten ätherischen Öle. Sie versucht sorgfältig zu unterscheiden zwischen gut dokumentierten Wirkungen und willkürlichen Zuschreibungen. Wobei aber immer auch berücksichtigt werden muss, dass ein Teil der Reaktionen von Menschen auf ein bestimmtes ätherisches Öl in der Regel individuell unterschiedlich ausfällt.

Wie diese subjektiven Effekte der ätherischen Öle zustande kommen, können Sie nachlesen in unserer Broschüre “Ätherische Öle in der Pflege”.
Neben dem Grundlagenwissen über ätherische Öle finden Sie dort auch den aktuellen Stand des Wissens bezüglich der Wirkungen von Lavendelöl. Ein eigenes Kapitel beschreibt anschliessend detailliert die Anwendungsmöglichkeiten von Lavendelöl in der Krankenpflege.
Anschauen und bestellen können Sie die Broschüre hier:

http://www.phytotherapie-seminare.ch/index.php?file=220&lang=de&ses=fdd7c5ee7ef0

Das fachlich fundierteste Buch über Aromatherapie können Sie in unserem Buchshop genauer anschauen und bei Interesse bestellen:
“Aromatherapie”, von Wabner / Beier (Hrsg.)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Artischocken-Presssaft gegen Verdauungsbeschwerden untersucht

Samstag, Juli 18th, 2009

Die Wirksamkeit und Anwendungssicherheit von Heilpflanzen-Präparaten aus Artischockenblättern (Stammpflanze Cynara scolymus L.) bei leber- und gallebedingten Funktionsstörungen und bei Verdauungsbeschwerden gelten als belegt. Charakteristische Symptome, die auf eine Behandlung mit qualitativ hochwertigen Produkten in klinischen Untersuchungen ansprachen, sind Völlegefühl, Appetitlosigkeit, Übelkeit und unspezifische Bauchschmerzen.

Erstmalig wurde nun die Wirksamkeit eines Presssaftes aus frischen Artischockenblütenknospen (Cynara scolymus L.) bei 110 Patienten mit Verdauungsbeschwerden in einer Anwendungsbeobachtung untersucht und ausgewertet. Die Einnahme von 20 oder 30 ml täglich bis zu 12 Wochen führte zu einer deutlichen Verbesserung charakteristischer Beschwerden im klinischen Befund und im Urteil der Patienten. Nach 6 Wochen zeigten sich Verbesserungen der Beschwerden um etwa 40-60%, nach 12 Wochen um etwa 80%.

Ausgewertet wurden Symptome wie Appetitlosigkeit, Druck-, Schwere-, Spannungsgefühl, Völlegefühl nach dem Essen oder träge Verdauung, Bauchschmerzen, krampfartige Schmerzen im Unterleib, Übelkeit, Aufstoßen, Blähungen / Flatulenz.

Mit den berichteten Symptomverbesserungen von etwa 40- 60% nach 6 Wochen erwies sich der Artischocke-Presssaft nur etwas weniger stark wirksam als die bereits häufiger untersuchten Extraktzubereitungen aus Artischockenblättern Bei einer “Wirkstärke” von etwa 80% nach 12 Wochen lagen die Effekte aber in der gleichen Größenordnung wie diejenigen der Extraktzubereitungen.

Quelle:
Zeitschrift für Phytotherapie Nr. 3 / 2009:
Winter, Yvonne; Wegener, Tankred:
Zuverlässige Wirkungen des Presssaftes aus Artischockenblütenknospen bei Verdauungsbeschwerden

Kommentar:

Artischocke ist zweifellos eine der interessantesten und am besten dokumentierten Heilpflanzen bei Verdauungsbeschwerden.
Für eine optimale Therapie ist aber auch die Frage wichtig, in welcher Form die Artischocke angewendet werden soll.
Die Phytotherapie kennt hier mehrere Varianten, die sich im Profil der Inhaltsstoffe und bezüglich dokumentierter Wirksamkeit sehr unterscheiden.

Artischocken-Tee (Blätter)
Artischocken-Tinktur (Blätter)
Alkoholischer Trockenextrakt aus Artischocken-Blättern
Wässriger Trockenextrakt aus Artischocken-Blättern
Pressssaft aus frischen Artischocken-Blütenknospen

Am besten untersucht und belegt sind Artischocken-Extrakte aus den Blättern.
Dass in der aufgeführten Anwendungsbeobachtung ein Artischocken-Presssaft aus frischen Artischocken-Blütenknospen untersucht wurde und sich als wirksam erwies, ist sehr erfreulich.

Natürlich fehlt dieser Studie der Vergleich mit einer Placebo-Gruppe. Das reduziert ihre Aussagekraft, weil viele Verdauungsbeschwerden sich im Verlauf von 6 – 12 Wochen auch ohne Behandlung wieder verbessern.

Eine sorgfältige Beurteilung wird daher nie von einer Verbesserung von Beschwerden direkt und fraglos auf eine Wirksamkeit des angewendeten Präparates schliessen. Dieser wichtige Punkt wird gerade im Bereich von Naturheilkunde bzw. Komplementärmedizin oft übersehen, wenn vorschnell Heilungsgeschichten verbreitet werden.

Eine doppelblind geführte Studie ist bei einem Artischocken-Presssaft allerdings kaum möglich, weil eine Verblindung gegenüber einer Placebo-Gruppe undurchführbar sein dürfte. 2 – 3 mal täglich 10 ml Artischocken-Presssaft in Kapselform einzunehmen, dürfte ziemlich unpraktikabel sein. Ausserdem kommt mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Teil der Wirkung des Artischocken-Presssaftes über den herb-bitteren Geschmack zustande, welcher den Gallenfluss und die Produktion anderer Verdauungssäfte anregt. In einer verblindeten Kapselform würde dieser Effekt nicht erfasst.

Trockenextrakte aus den Artischockenblättern liegen sowieso schon in Kapselform vor. Hier haben wir deshalb erfolgreiche Doppelblind-Studien.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zur Geschichte der Heilpflanzen: Fenchel

Donnerstag, Juli 16th, 2009

Die Nutzung von Heilpflanzen begleitet den Menschen wohl seit seinen Anfängen. Phytotherapie verbindet die Erfahrungen traditioneller Pflanzenheilkunde mit den Erkenntnissen moderner Arzneipflanzenforschung. Dieser weite Bogen ist einer der vielen spannenden Aspekte der Phytotherapie.
Eine interessante Figur aus der Geschichte der Heilpflanzen ist der Abt Walahfrid Strabo vom Benediktinerkloster Reichenau. Nachfolgend einen gekürzten und überarbeiteten Text aus der “Ärztezeitung”, welcher auf den Fenchel Bezug nimmt:

Aus dem so genannten “Hortulus” (11. Kapitel), verfasst um 830 oder um 840; geschrieben von Walahfrid Strabo:

(De cultura hortorum. Über den Gartenbau. Lateinisch-Deutsch. Übersetzt und herausgegeben von Otto Schönberger. Stuttgart: Reclam 2002, Seite 21.):

“Fenchel (Foeniculum).
Auch sei der Ruhm des Fenchels nicht verschwiegen, der mit kräftigem Spross emporwächst und die Arme der Zweige weit ausstreckt; er schmeckt ziemlich süß und verbreitet auch recht süßen Duft. Wenn Schatten die Augen verdunkeln, soll er nützlich sein; auch soll sein Samen, getrunken mit der Milch einer Mutterziege, Blähungen im Bauch lindern, soll auch prompt die Verstopfung des zaudernden Leibes lösen. Zudem vertreibt die Wurzel des Fenchels, vermischt mit Lenaeischem Trank [1], den keuchenden Husten.”

[1] Das heißt: Wein.

Walahfrid Strabo (809-849) war ab 839 Abt des Benediktinerklosters auf der Reichenau, wo er auch begraben liegt. Sein Lehrgedicht über den Kräutergarten umfasst 23 Heilpflanzen und zeigt, wie heutige Gewürz-, Gemüse- und Zierpflanzen damals vor allem als Heilpflanzen angesehen wurden. Der “Hortulus” zählt zu den bedeutendsten botanischen Werken des Mittelalters.

Der Fenchel (Foeniculum vulgare) ist eine der wichtigsten Heilpflanzen der Pharmaziegeschichte. Er wird von der Antike bis in die Gegenwart verwandt, unter anderem als Magenmittel, Diuretikum, Augenarznei.
Die Samen des Wasserfenchels – in alten Kräuterbüchern als heilkräftig gepriesen – kamen erst um 1880 in die Apotheken, als Mittel gegen Husten und Schwindsucht sowie zur Linderung von Blähungen und als Diuretikum.

Quelle: www.aerztezeitung.de

Kommentar:

Interessant ist hier die Erwähnung des Wasserfenchels.
Als Wasserfenchel? wird Oenanthe aquatica bezeichnet, ein ?Doldengewächs.
Er wächst in stehenden und fließenden Gewässern, in Röhricht, in Gräben und Tümpeln bis zu einer Wassertiefe von 1 m. ?Wasserfenchel ist fast in ganz Europa verbreitet, in der Schweiz nur in gewissen Regionen im Jura und in der Umgebung von Schaffhausen.
Er enthält Oenanthotoxin.?Eine Vergiftung mit Wasserfenchel kann durch Verwechslung mit der Wilden Möhre geschehen. ?Es können Krampfanfällen auftreten; die Symptome einer Wasserfenchelvergiftung sind mit einer Vergiftung durch Wasserschierling vergleichbar, jedoch milder.
Wasserfenchel wird heute nicht mehr als Heilpflanze verwendet, was angesichts seines Giftpotenzials wohl sehr angezeigt ist. Lernen lässt sich daraus auch, dass nicht jede Empfehlung in alten Kräuterbüchern unbesehen übernommen werden sollte.
Foeniculum vulgare ist dagegen unter der Bezeichnung Fenchel immer noch eine bedeutende Gewürzpflanze und Heilpflanze. Er wurde sogar zur Heilpflanze des Jahres 2009 erkoren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kräutertee auf der Haut lindert Akne

Mittwoch, Juli 15th, 2009

Tipp: Akne-Patienten sind meist froh, wenn sie ihre strapazierte Haut auf milde Art beruhigen können. Unterstützend zu einer Behandlung können Sie ihnen beispielsweise die tägliche äußerliche Anwendung von Kräutertee-Auszügen empfehlen.

Durch ihre entzündungswidrige und bakterienhemmende Wirkung eignen sich dazu nach Angaben von Dr. Ella Stancu von der Hautklinik Freiburg etwa Kamille, Rosmarin oder Thymian. Gut soll auch eine Mischung wirken aus je drei Teilen Kamille und Thymian und je zwei Teilen Salbei, Rosmarin und Schachtelhalm.
Speziell mild sei zudem Malve. Die Kräutertee-Auszüge werden hergestellt, indem ein Eßlöffel Kraut oder Teemischung mit einem viertel Liter heißen Wassers übergossen wird. Der Aufguß soll zehn Minuten ziehen. Danach wird ein Baumwolltuch – etwa ein Taschentuch – mit dem lauwarmen Kräutertee getränkt und zehn Minuten auf die von Akne betroffenen Hautareale gelegt.

Quelle: www.aerztezeitung.de

Kommentar & Ergänzung:
Netter Tipp aus der Ärztezeitung!
Kamille, Thymian, Salbei und Rosmarin wirken tatsächlich bakterienhemmend (Ätherische Öle) und entzündungswidrig (Lamiaceengerbstoff).

Die Teemischung scheint mit etwas zu kompliziert. Ich würde Thymian / Kamille zu gleichen Teilen mischen oder Rosmarin / Kamille oder Salbei / Kamille.
Diese zwei “Partner” ergänzen sich jeweils gut.

Schachtelhalm fällt hier etwas aus dem Rahmen. Er enthält zwar Kieselsäure, deren Nutzen bei Akne ist aber alles andere als belegt.
Schachtelhalm wird wohl weder baktierienhemmend noch entzündungswidrig wirken.

Malve enthält viel Schleimstoffe, die reizlindernd und schützend auf Haut und Schleimhäute wirken. Antibakteriell wirkt sie aber nicht und entzündungswidrig wohl nur indirekt über den reizlindernden Effekt.

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Heilpflanzen-Exkursionen – Anstiftung zum Raubbau?

Mittwoch, Juli 15th, 2009

Es kommt immer wieder einmal vor, dass mich jemand fragt, ob denn die Durchführung von Heilpflanzen-Exkursionen nicht den Raubbau fördere.
Dies geschieht meistens verbunden mit der Vorstellung, dass Teilnehmende während oder nach der Exkursion massenhaft Heilpflanzen plündern.

Ob solche Befürchtungen berechtigt sind oder nicht, hängt meiner Ansicht nach stark vom Stil der Exkursion ab.

Wichtig scheint mir, dass Heilpflanzen-Exkursionen nicht ausschliesslich auf den menschlichen Nutzen ausgerichtet sind.

Gegen welche Krankheit hilft mir diese Heilpflanze?
Kann man diese Pflanze essen?

Solche Fragen sollen natürlich Thema sein an einer Heilpflanzen-Exkursion. Wenn es aber fast nur um diese Aspekte geht, wird es mir ein bisschen zu utilitaristisch.
Damit meine ich eine überwiegend am menschlichen Nutzen orientierte Grundhaltung.
Wenn sich die Naturbeziehung auf den menschlichen Nutzen verengt, gehen wichtige und wertvolle Aspekte der Naturbeziehung verloren. Zum Beispiel das ästhetische Naturerlebnis, die Freude an Pflanzen oder Tieren, die keinen unmittelbaren Nutzen für uns haben, das sinnliche Erlebnis beim Entdecken der kleinen Wunder am Wegrand.

Wenn solche nicht unmittelbar nutzenorientierte Aspekte bei Heilpflanzen-Exkursionen einbezogen werden, kann auch mehr Respekt und Achtung entstehen gegenüber der Pflanzenwelt und dem Tierreich.

Heilpflanzen-Exkursionen sollen nicht zuletzt dazu dienen, Kontakt zu schaffen zu diesen kleinen und grösseren Naturschönheiten.

Heilpflanzen sollen meines Erachtens auch nicht als auf den Menschen hin ausgerichtete Lebewesen dargestellt werden. In esoterischen Varianten der Pflanzenheilkunde begegnet man oft Vorstellungen, wonach der Sinn und Zweck von Heilpflanzen darin liegt, uns zu heilen. Das wird zwar selten so direkt ausgesprochen, liegt aber oft den entsprechenden Vorstellungen zu Grunde, zum Beispiel wenn vom “Wesen der Heilpflanzen” gesprochen wird, welches dann völlig unreflektiert mit den heilenden Fähigkeiten der Pflanzen gleichgesetzt wird. Oder wenn die Überzeugung dominiert, dass Heilpflanzen uns durch Farbe und Form, durch “Signaturen”, zeigen wozu sie für uns gut sind.

Auch dies sind meines Erachtens letztlich sehr nutzenorientierte Naturkonzepte, in denen der Mensch sich zudem in den Mittelpunkt der Naturveranstaltung fantasiert.

Heilpflanzen sind meines Erachtens in allererster Linie für sich selber da. Wir können uns an ihnen freuen und sie auch für unsere Gesundheit nutzen.

Den Rahmen des Verständnisses sollten wir an Heilpflanzen-Exkursionen aber weiter stecken – über den reinen Utilitarismus hinaus. Es geht meiner Ansicht nach beispielsweise auch um ein Kennenlernen der Lebensräume, in denen wir Heilpflanzen und Wildblumen finden:
Mit welchen anderen Pflanzen und Tieren leben sie zusammen? Welchen Boden brauchen sie? Wem dienen sie als Nahrung, wenn man mal vom Menschen absieht?

So kommt man von einer rein utilitaristischen Haltung gegenüber der Natur weg.

Die Heilpflanzen nicht einseitig auf den Menschen ausgerichtet darstellen – das scheint mir auch ein wichtiger Schutz gegen Raubbau zu sein.

Auf Heilpflanzen-Exkursionen sollte man meines Erachtens die Pflanzen zeigen, entdecken, mit ihren Merkmalen vorstellen – aber sie nicht zugleich sammeln.
Wenn eine ganze Gruppe gleichzeitig sammelt, kommt es oft zu drastischen Dezimierungen der Bestände. Die Teilnehmenden sollen die Heilpflanzen aber so gut und sicher kennen lernen, dass sie sie danach an anderen Orten wieder finden und dort massvoll selber sammeln können.

Und nicht zuletzt soll der Leiter oder die Leiterin einer Heilpflanzen-Exkursion selber respektvoll mit den Pflanzen umgehen. Eine solche Haltung überträgt sich nämlich ziemlich sicher auf die Teilnehmenden.

Wenn Sie sich für Heilpflanzen-Exkursionen interessieren, finden Sie dazu meine Angebote auf www.phytotherapie-seminare.ch.

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Ginseng und Knoblauch – Schutz vor Darmkrebs

Dienstag, Juli 14th, 2009

Heilpflanzen-Produkte wie Knoblauch, Ingwer, Ginseng oder Soja vermindern das Darmkrebsrisiko. Eine Übersicht dazu wurde publiziert in Current Colorectal Cancer Reports 4, 2008, 34. Knoblauch beispielsweise war in vitro, bei Tieren, in epidemiologischen und klinischen Studien wirksam.

Gesunde Kost beugt sogar Rückfällen vor

Selbst noch nach einer Darmkrebserkrankung wirkt sich eine Ernährung, die arm ist an Fleisch, Fett, Weißbrot und Süßigkeiten günstig aus. So waren die Rückfall- und Sterberaten bei Studienteilnehmern, die am meisten von solchen Nahrungsmitteln verzehrten, innerhalb von fünf Jahren dreimal höher als bei Patienten, die am wenigsten davon aßen (JAMA 298, 2007, 754).

www.aerztezeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

- Mit “in vitro” (lateinisch, im Glas) bezeichnet man organische Vorgänge, welche außerhalb eines lebenden Organismus stattfinden, im Gegensatz zu solchen, die im lebenden Organismus (in vivo) ablaufen.

- Natürlich bringen Knoblauch, Ingwer, Ginseng oder Soja keinen 100%igen Schutz vor Darmkrebs. Die Unterschiede werden zweifellos gering sein. Man muss hier die Relationen wahren, um nicht unseriös überzogene Hoffnungen zu wecken.

Aber immerhin zeigen solche Ergebnisse immer wieder, dass altbewährte Heilpflanzen und auch Nahrungsmittel günstige Effekte auf unseren Organismus ausüben können. Und darum lohnt es sich alleweil, ihre Wirkungen kennen und nutzen zu lernen.
In diesem Sinne:
Alles Gute mit Knoblauch, Ginseng, Ingwer, Soja & Co.!

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Ginseng als Adaptogen

Montag, Juli 13th, 2009

Panax ginseng, auch Koreanischer Ginseng genannt, ist in China, Korea und in Ostsibirien heimisch. Es existieren zwei verschiedene Aufbereitungsarten: Beim Weisser Ginseng entsteht, wenn die Wurzel direkt an der Luft getrocknet wird. Roter Ginseng dagegen wird vor dem Trocknen mit Wasserdampf behandelt, was ihm seine charakteristische Farbe verleiht.

In der chinesischen Medizin wird Ginseng seit Jahrtausenden als Stimulans und Tonikum angewendet. Ginseng enthält vor allem Ginsenoside, welchen die Hauptwirkung zugeschrieben wird. Der Ginsenosidgehalt schwankt je nach Alter der Pflanze und der Art der Aufbereitung. Um eine ausreichende Konzentration an Wirkstoffen zu erhalten, muss die Pflanze während 4 bis 5 Jahren kultiviert werden. Andere Ginsengarten wie beispielsweise Amerikanischer Ginseng (Panax quinquefolium) werden ebenfalls zur Produktion von Präparaten verwendet. In der Europäischen Pharmakopöe (Europäisches Arzneibuch) ist allerdings ausschliesslich Panax ginseng monografiert.

Einige seriöse Studien deuten auf einen günstigen Effekt in Bezug auf Stressresistenz und Müdigkeit hin. Ginseng zählt zu den so genannten Adaptogenen. Das heisst: die Stressresistenz des Organismus wird unspezifisch gesteigert. Ebenfalls zu den Adaptogenen werden folgende Heilpflanzen gezählt: Rosenwurz , Eleutherococcus (syn. Eleutherococcus senticosus, Sibirischer Ginseng), Schisandra, Withania somnifera oder auch Sanddorn. Die Wirkung von Ginseng soll offenbar erst 5 bis 7 Stunden nach Einnahme eintreten. Im Gegensatz dazu soll nach Einnahme von Rosenwurz bereits nach 1 bis 2 Stunden eine Wirkung festzustellen sein.

Dosierung für Ginseng:
Ginseng-Wurzelpulver: 500mg bis 2g täglich. Die Dosierung kann bis 3g dreimal täglich gehen.
Ginseng-Tinktur: 15 bis 20 Tropfen dreimal täglich.
Ginseng-Fluidextrakt: 10 bis 15 Tropfen dreimal täglich.
Standardisierter Trockenextrakt mit 4-7% Ginsenosiden: 100mg bis 200mg zwei- bis dreimal pro Tag.

Es wird empfohlen, die Einnahme nach drei Monaten zu unterbrechen. Unerwünschte Nebenwirkungen treten nur nach Überdosierung auf: Agitation, Nervosität, Schlaflosigkeit, Hitzewallungen und Hautrötungen.

Quelle:
www.pharmavista.net

Quellenangaben dort:
_ Conférence «Adaptogènes et phytothérapie: l‘avenir a de beaux jours», L. Bureau, Pharmagora, Paris 4 avril 2009
_ M. Wichtl R. Anton: Plantes thérapeutiques 2ème édition, Tec&Doc, 2003, p255
_Conseil en phytothérapie, C. Ollier, éditions Pro-Officina 2000, p82

Kommentar & Ergänzung:

Bei Ginseng sind zwei Punkte wichtig:

1. Im Gegensatz zu den zu den ziemlich allumfassenden Anpreisungen von Ginseng-Präparaten in der Werbung ist es nötig, genau zu unterscheiden, wann Ginseng-Anwendungen sinnvoll sind und wann nicht.

2. Es gibt viele Ginseng-Präparate im Internet, aber auch in Apotheken und Drogerien, welche kaum Ginsenoside enthalten. Damit können Sie locker Geld zum Fenster hinaus werfen.

Die im Pharmavista-Text aufgeführte Zeitangabe von 5 bis 7 Stunden bis zum Wirkungseintritt ist nicht sehr klar, weil Ginseng ganz verschiedene Wirkungen in unterschiedlichen Bereichen des Organismus zeigt. Ich würde eher davon ausgehen, dass die Mehrzahl der Ginseng-Wirkungen nach längerdauernder Einnahme eintritt.

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Phytotherapie in der Urologie – ein kurzer Überblick

Samstag, Juli 11th, 2009

Hier eine überarbeitete und gekürzte Zusammenstellung aus der Universität Duisburg-Essen mit den wichtigsten Heilpflanzen für Erkrankungen der Harnwege und der Prostata:

Die Indikationsbereiche für Phytotherapeutika in der Urologie sind die benigne
Prostatahypertrophie (BPH, gutartige Prostatavergrösserung; Phytopharmaka häufig erste Wahl bei beginnender Hypertrophie) und entzündliche Krankheiten der ableitenden Harnwege.

Benigne Prostatahypertrophie (gutartige Prostatavergrösserung)

Bei BPH werden antigonadotrope, aber auch reiz- und entzündungshemmende
Wirkungen der Heilflanzen ausgenutzt. Geeignet dafür sind
- Sägepalme (Sabal serrulata),
- Kürbiskerne (auch bei Reizblase, auch für Frauen)
- Brennnesselwurzel
Ein Prostatakarzinom (Prostatakrebs) muss ausgeschlossen sein. Die erwähnten Heilpflanzen wirken vor allem auf den Beschwerdekomplex ein, weniger auf die fortschreitende Hypertrophie (Vergrösserung der Prostata).
Die Einnahme der Heilpflanzen-Präparate muss langfristig angelegt sein.

Entzündungen der ableitenden Harnwege (z. B. Blasenentzündung / Zystitis)

Unterschieden wird zwischen Aquaretika (Diuretika) und Harnwegsdesinfizienzien.
Empfehlenswert ist immer eine gesteigerte Flüssigkeitszufuhr als zusätzliche Durchspülungstherapie.

Aquaretika haben keine saluretische Wirkung und wirken über eine Verdünnungsdiurese. Sie sind deshalb keine Diuretika im eigentlichen Sinne. Hierzu zählen
- Birkenblätter
- Brennesselkraut
- Goldrutenkraut
- Orthosiphon (Katzenbart)
- Schachtelhalmkraut
Eine aquaretische Wirkung zeigen
- Petersilienwurzel
- Wacholderbeeren

Harnwegsdesinfizienzien sind beispielsweise Heilpflanzen mit Senfölglykosiden (Kresse, Rettichpflanzen) und weitere.
- Bärentraubenblätter
- Brunnenkresse- und Kapuzinerkressekraut
- Meerrettichwurzel
- Preiselbeerblätter (mit Escherichia coli spezifischer Wirkung)
- Sandelholz, weißes
- Cranberrysaft (widersprüchliche Resultate)
Bärentraubenblätter dürfen nur über eine Woche und höchstens fünfmal im Jahr
eingesetzt werden. Sie sind bei saurem Urin weniger wirksam.
Die unter Prostatahypertrophie aufgeführten Heilpflanzen können bei Harnwegsinfekten mit Reizblase wegen ihrer reizmildernden Wirkung nützlich sein.

Kommentar & Ergänzung:

Im Überblick der Universität Dusiburg-Essen werden die wichtigsten drei Heilpflanzen gegen die Beschwerden der gutartigen Prostatavergrösserung korrekt aufgeführt:
Kürbissamen, Sabalfrüchte und Brennesselwurzel.

Im Abschnitt Aquaretika wird richtigerweise darauf hingewiesen, dass die erwähnten Heilpflanzen die Wasserausscheidung fördern, worauf die Bezeichnung “Aquaretka” bezug nimmt. Dagegen wird im Gegensatz zu den Saluretika die Ausscheidung von Salzen nicht gefördert. Dies trifft allerdings auf alle dort aufgeführten Heilpflanzen zu, die spezielle Erwähnung einer aquaretischen Wirkung bei Petersilienwurzel und Wacholderbeeren ist unnötig und irreführend.

Im Abschnitt “Harnwegsdesinfizienzien” herrscht im Text der Universität Duisburg-Essen ein ziemliches Chaos: Es müsste darstellerisch klar unterschieden werden zwischen:

- Antibakteriell wirkenden Heilpflanzen
a) mit Senfölglykosiden (Meerrettichwurzel, Kresse, Rettich)
b) Arbutin-Pflanzen (Bärentraubenblätter, Preiselbeerblätter)

- Cranberrysaft, welcher die Anheftung der uropathogenen Keimen an den Schleimhäuten hemmt
(und dessen Wirkung inzwischen besser dokumentiert ist).

- Sandelholz, welches früher als ätherisches Öl eingesetzt wurde (heute überholt und nicht mehr gebräuchlich)

Ob Bärentraubenblätter wirklich bei saurem Urin weniger wirksam sind, ist heute nicht mehr so klar. Es gibt auch eine Studie, die das in Frage stellt.

Abschliessend zu diesem Überblick der Universität Duisburg-Essen soll noch betont werden, dass es nicht nur darauf ankommt, die richtige Heilpflanze für eine bestimmte Krankheit zu finden. Ebenso wichtig ist es, in welcher Form die Heilpflanze zur Anwendung kommt (z. B. Tee, verschiedene Varianten von Tinktur oder Extrakt).
Es ist nämlich eine ganze Anzahl von Heilpflanzen-Präparaten im Handel, von denen ausgesprochen fragwürdig ist, ob sie überhaupt eine Wirkung haben – neben fundierten Produkten, die es natürlich auch gibt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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