Phytotherapie für Nervensystem und Psyche

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Hier als Überblick eine überarbeitete und gekürzte Zusammenstellung aus der Universität Duisburg-Essen mit den wichtigsten Heilpflanzen bei Schlaflosigkeit, Depression, Stress, Erschöpfung und ähnlichem:

Die Heilpflanzen in diesem Bereich werden in fünf Indikationsgruppen eingeteilt: Nachtsedativa, Tagessedativa, Antidepressiva, Nootropika und Medikamente gegen Erschöpfung. Bei den Phytotherapeutika dieser Gruppe ist oft eine längere Therapie notwendig, bevor eine Wirkung offensichtlich wird.

Nacht- und tagessedativ (schlafanstoßend und teilweise thymoleptisch) wirken:
– Baldrianwurzel (Valerianae radix, Valeriana officinalis)
– Hopfenzapfen (Lupuli strobulus, Humulus lupulus)
– Melissenblätter (Melissae folium, Melissa officinalis)
– Passionsblumenkraut (Passiflorae herba, Passiflora incarnata)
Vorwiegend nachtsedativ wirken
– Lavendelblüten (Lavandulae flos, Lavandula angustifolia)

Antidepressiv wirkt vorrangig Johanniskraut (Hyperici herba, Hypericum perforatum). Hierzu liegen etliche Studien vor.
Auch Hopfen entfaltet zum Teil eine antidepressive Wirkung. Für
Präparate aus dem hauptsächlich anxiolytisch (= angstlösend) wirkenden Kava-Kava-Wurzelstock wurde die Zulassung wegen zum Teil schwerer lebertoxischer Wirkung widerrufen.

Nootrop wirken hauptsächlich Extraktpräparate aus Gingkoblättern (Ginkgo folium, Ginkgo biloba). Ihre durchblutungsfördernde Wirkung wird genutzt bei beginnender Demenz, Vertigo, Tinnitus und pAVK (periphere arterielle Verschlusskrankheit).

Gegen psychophysische Erschöpfung wirken
– Ginsengwurzel (Ginseng radix, Panax ginseng)
– Taigawurzel (Eleutherococci radix, Eleutherococcus senticosus)
Sie erhöhen die Stressresistenz und wirken gegen Müdigkeit, Schwäche, nachlassende
Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit.
Koffeinhaltige Pflanzen wie Kaffee, Guarana,
Tee, Mate machen zwar wacher, verstärken aber bei unkritischer Anwendung auf kurze
oder längere Sicht die Erschöpfung.

Kommentar & Ergänzung:

– Mit “nootrop” ist eine Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit gemeint.
Ein Nootropikum wie Ginseng oder Ginkgo ist also ein Mittel zur Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit. Es handelt sich um einen unscharf definierten Begriff. Im weitesten Sinne geht es dabei um Arzneimittel, Nahrungsergänzungsmittel oder andere Substanzen, denen eine vorteilhafte Wirkung auf das zentrale Nervensystem zugesprochen wird, wobei auch überspitzt von “Gehirndoping-Mittel” geredet wird. Im engeren und wissenschaftlich-pharmakologischen Sinne sind Nootropika Arzneimittel, welche als so genannte Antidementiva für die Behandlung einer Demenz zugelassen sind. In der Phytotherapie steht dabei eindeutig Ginkgo-biloba-Extrakt im Zentrum.

– Nicht sehr überzeugend scheint mir der Hinweis auf antidepressive Effekte bei Hopfen. Dazu gibt es meines Erachtens keine überzeugenden Argumente. Johanniskraut ist bei leichten und mittleren Depressionen zweifellos das Mittel der Wahl in der Phytotherapie. Allenfalls könnten noch ätherische Öle wie Melissenöl oder Lavendelöl günstig wirken bei leichten depressiven Verstimmungen (rascher eintretende Wirkung verglichen mit Johanniskraut, das erst nach 10 – 14 Tagen zur Wirkung kommt).

– Die Abgenzung von Lavendelblüten als vorwiegend nachtsedativ scheint mir fraglich. Sinnvoller wäre meiner Ansicht nach eher eine Unterscheidung von Heilpflanzen, die eher nach mehrtägiger (10 – 14 Tage) Einnahme ihre Wirkung voll entfalten (Baldrian) und Heilpflanzen, welche innert Minutenfrist wirken (ätherische Öle wie Melissenöl und Lavendelöl).

Abschliessend zu diesem Überblick der Universität Duisburg-Essen soll noch betont werden, dass es nicht nur darauf ankommt, die richtige Heilpflanze für eine bestimmte Krankheit zu finden. Ebenso wichtig ist es, in welcher Form die Heilpflanze zur Anwendung kommt (z. B. Tee, verschiedene Varianten von Tinktur oder Extrakt).
Es ist nämlich eine ganze Anzahl von Heilpflanzen-Präparaten im Handel, von denen ausgesprochen fragwürdig ist, ob sie überhaupt eine Wirkung haben – neben fundierten Produkten, die es natürlich auch gibt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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