Archive for April, 2009

Studien bestätigen günstige Wirkungen von Knoblauch-Extrakt auf Herz und Gefässe

Donnerstag, April 30th, 2009

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind immer noch die häufigste Todesursache. Wichtige Ursachen sind hoher Blutdruck und gestörter Fettstoffwechsel. Und genau diesen beiden Risiken gegenüber zeigt
sich Knoblauchpulver als wirksamer Schutzfaktor.

Den Blutdruck senkenden Effekt von Knoblauch zeigen zwei aktuelle, unabhängig voneinander durchgeführte Meta-Analysen. Eine australische Forschergruppe um Dr. Karin Ried analysierte die Resultate von elf placebokontrollierten Studien. Die Schlussfolgerung: Bei Patienten mit erhöhtem Blutdruck bewirken die untersuchten Knoblauchpulver-Zubereitungen eine Reduktion des systolischen Blutdrucks um 8,4 mmHg gegenüber Placebo. Der diastolische Blutdruck sank um 7,3 mmHg . Je höher der Blutdruck zu Beginn der Studie war, umso stärker fiel der Effekt des Knoblauchpräparates aus (BMC Cardiovasc. Disord. 2008 Jun 16;8:13).

Die zweite Meta-Analyse von Dr. Kurt M. Reinhart et al. aus Hartford (Connecticut) zeigte bei Patienten mit systolischen Blutdruckwerten über 140 mmHg noch deutlichere Wirkungen: Hier lagen die Werte nach Behandlung mit Knoblauchpulver systolisch um 16,3 mmHg und diastolisch um 9,3 mmHg
tiefer als unter Placebo (Ann. Pharmacother. 2008 Dec;42(12):1766-71).

Den Einfluss eines Knoblauchpräparates auf die Blutfette erforschte in letzter Zeit auch die
Arbeitsgruppe von Dr. Igor Sobenin vom Nationalen Kardiologischen Forschungszentrum in Moskau. Sie stellte bei 42 Männern (Alter 35 bis 70 Jahre) nach 12-wöchiger Behandlung mit Knoblauchpulver eine Reduktion des Gesamtcholesterins um 7,6 Prozent und des schädlichen LDL- Cholesterins um 11,8 Prozent fest. Die Werte des “guten” HDL-Cholesterins erhöhten sich dagegen um 11,8 Prozent (Journal of Atherosclerosis and Thrombosis, 2008;15(6):334-338)).

Das Wissenschaftlerteam von Prof. Dr. Gustav G. Belz vom Zentrum für Kardiovaskuläre Pharmakologie in Mainz hat vor kurzem die Auswertung einer randomisierten, kontrollierten,
doppelblinden und prospektiven Langzeitstudie abgeschlossen. Zur Beurteilung der Elastizität von Arterien wurde bei 325 gesunden Frauen und Männern (Alter: 50 bis 70 Jahre), die drei Jahre lang jeden Tag 900 mg eines Knoblauchtrockenpulvers eingenommen haben, die so genannte Pulswellengeschwindigkeit erfasst. Das Resultat: Die Hauptschlagader von gesunden Erwachsenen ist nach drei Jahren Behandlung mit Knoblauchpulver deutlich elastischer als die von Vergleichspersonen.
Quelle: Komitee Forschende Naturmedizin, www.phytotherapie-komitee.de

Kommentar und Ergänzung:

Neben den Effekten auf den Blutdruck (leichte Blutdrucksenkung) und auf den Blutfettspiegel (leichte Cholesterinsenkung) bewirkt Knoblauch als Heilpflanze auch eine Verbesserung der Blutfliesseigenschaften (Hemmung der Thrombozytenaggregation).

Vor kurzem wurden zudem neue Erkenntnisse gewonnen über die Wirkstoffe im Knoblauch:

Nicht das Allicin sei für die Gesundheitswirkung des Knoblauchs verantwortlich, son-
dern sein Abbauprodukt.
Allicin – die Substanz, welcher der Knoblauch seinen typischen Geschmack und Geruch verdankt
– wurde bis vor kurzem für eines der effektivsten Antioxidantien gehalten. Bisher war es Wissenschaftlern jedoch noch nicht gelungen, die genaue Wirkungsart nachzuweisen. Antioxidantien
schützen vor freien Radikalen, indem sie ihre Bildung reduzieren, freie Radikale abfangen
oder ihren Abbau beschleunigen. Freie Radikale sind sehr reaktionsfreudige, gefährliche
Stoffwechselprodukte, welche die Zellwände und Zellkerne von Körperzellen schädigen kön-
nen.
Derek Pratt und seine Kollegen der Queen‘s University in Kanada haben nun entdeckt, dass
nicht das Allicin selbst, sondern ein Abbauprodukt von Allicin, eine so genannte Sulfensäure,
die freien Radikale äusserst rasch abzufangen vermag.
Pflanzen wie Lauch oder Zwiebeln, welche wie Knoblauch der Familie der Alliaceae angehören,
enthalten zwar mit dem Allicin verwandte Inhaltsstoffe. Pratt und sein Team vermuten aber,
dass diese Stoffe weniger schnell abgebaut werden und darum nicht so wirksam sind wie die
Sulfensäure in Knoblauch.
(Quelle: Newslettre der Schweizerischen Vereinigung für Ernährung (SGE) vom März 2009)

Knoblauch ist also nicht nur eine uralte Kulturpflanze – er wird aller Voraussicht nach auch in Zukunft seinen Platz in der Pflanzenheilkunde / Phytotherapie behaupten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

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Zitronensaft wirksam gegen Mundsoor

Donnerstag, April 30th, 2009

Zitronensaft hat offenbar eine pilzhemmende Wirkung. Er eignet sich beispielsweise dafür, Mundsoor bei HIV-Patienten zu behandeln. Dies hat eine in der Fachzeitschrift “Phytomedicine” veröffentlichte Untersuchung gezeigt. An 90 HIV-Patienten mit dem Pilzbefall im Mundraum wurde während elf Tagen die Wirkung des Zitronensaftes mit der einer Zitronengrasinfusion sowie der Wirkung des hauptsächlich in Afrika angewandten Standardmittel Gentianaviolett verglichen. Dabei ergab sich, dass sowohl der Saft der Zitrusfrucht als auch die Infusion mit Extrakten des Zitronengrases gut gegen Soorpilz wirkt. Viele HIV-Patienten lehnen die Behandlung mit Gentianaviolett ab, weil der Farbstoff violette Flecken der Haut bewirkt und die Betroffenen für Außenstehende dadurch als HIV-Infizierte erkennbar sind.

Quelle: http://de.news.yahoo.com/gesundheit-medizin.html

Kommentar:

Leider sagt die Meldung nicht, in welcher Ausgabe der “Phytomedicine” der Artikel erschienen ist. Es wäre interessant, mehr über diese Arbeit zu erfahren, ist doch Mundsoor ein bedeutendes Problem in der Krankenpflege und dies nicht nur bei HIV-Patienten.
Ohne nun aber die Originalarbeit konsultiert zu haben, scheint mir doch klar, dass sich in die Meldung eine kleine Übersetzungstücke eingeschlichen hat. Wenn von Zitronengrasinfusion die Rede ist, meint dies wohl nicht eine Infusion im medizinischen Sinn, bei der ein Arzneimittel via Vene in den Körper fliesst. Das englische Wort “infusion” meint auch “Aufguss”, und zwar eben Aufguss von Kräutern. So dürfte wohl ein Aufguss von Zitronengras gemeint sein.

Immer wieder zu Irrtümern Anlass gibt das Gentianaviolett. Weil Gentiana in der Botanik auch der lateinische Fachbegriff für Enzian ist, wird Gentianaviolett oft als pflanzlicher Stoff aufgefasst.
Gentianaviolett ( = Kristallviolett) findet Verwendung als Farbstoff in Farbbändern oder Kopierstiften und vor allem in der mikroskopischen Färbetechnik. Hier bildet es den Hauptbestandteil der sogenannten Gram-Färbung, mit deren Hilfe sich Bakterien grob unterteilen lassen.
Medizinisch wurde Gentianaviolett lange Zeit, bis zur Entdeckung anderer wirksamer Antimykotika, zur Therapie von Hautpilzen, vor allem Fußpilzen, sowie von Mundsoor verwendet. Zu diesem Zweck wird es als sogenannte Pyoktaninlösung (1-2%) aufgepinselt. Heute wird es wegen der lästigen Einfärbung der Haut in der westlichen Welt kaum noch eingesetzt. Nach Empfehlungen der WHO ist Gentianaviolett aber als ein essenzielles Medikament einzustufen. Der Name Gentianaviolett dürfte wohl von der Farbe gewisser Enzianarten abgeleitet worden sein.

Im übrigen gibt es in der Pflanzenheilkunde / Phytotherapie eine ganze Reihe von Heilpflanzen-Anwendungen mit einer günstigen Wirkung bei Pilzerkrankungen: Diverse ätherische Öle (Lavendelöl, Korianderöl, Thymianöl, Teebaumöl), Extrakte aus Myrrhe, Kamille und Salbei, Knoblauch….wobei natürlich auch immer Dosierung und Anwendungsform eine wichtige Rolle spielen und bei Mundsoor beispielsweise andere Mittel zum Einsatz kommen wie bei Fusspilz.
Die Empfehlung von Zitronensaft und dem Aufguss aus Zitronengras scheint mir darüber hinaus aber prüfenswert.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Nicht jedes Wildobst geeignet zum Rohgenuss

Donnerstag, April 30th, 2009

Wildobst eignet sich nicht immer zum Rohverzehr. Wer Wildfrüchte sammeln will, lässt sich darum besser von einem Kenner einweisen oder kauft sich zumindest ein Bestimmungsbuch, empfiehlt die Wildobst-Expertin Helga Schmidt laut dem Verbraucherinformationsdienst aid in Bonn.

Auch die sauren, kernreichen Mahonien oder die harten Zierquitten sind als Rohkost ungenießbar. Ungekocht gegessen werden können jedoch Felsenbirnen. Sie haben eine erfrischende Säure, die kleinen, weichen Kerne geben ihnen ein leichtes Bittermandelaroma.

Weil die Ausbeute der einzelnen Sorten beim Sammeln von Wildfrüchten meist klein ist, rät Helga Schmidt, das Obst zu einem Kompott mit Äpfeln zu verarbeiten. Hauptsächlich Holunder, Traubenkirschen und Zierquitten seien dafür geeignet. Nach dem Pflücken sollten die Früchte kühl gestellt oder vorzugsweise gleich verarbeitet werden. Viele wilde Beeren zeichnen sich durch ungewöhnliche Aromen und einen hohen Vitamingehalt aus.

Quelle: dpa / www.fr-online.de

Kommentar:

Wildobst, Wildgemüse und Wildsalate sind beliebt. Dieses Interesse scheint mir wertvoll, weil es den Kontakt zur Natur fördert. Allerdings ist die Empfehlung von Helga Schmidt zu unterstreichen, dass sich botanische Kenntnisse aneignen sollte, wer seine Nahrungsmittel direkt aus der Natur beziehen möchte. Es gibt leider immer wieder Menschen, die in ihrer Begeisterung für Wildgemüse übersehen, dass es auch ziemlich viele ungeniessbare oder giftige Pflanzen gibt.
Bevor man also Wildpflanzen als Nahrungsquelle nutzen will, ist eine kleine Lehrzeit in Pflanzenkunde empfehlenswert.
Geeignete Pflanzenbestimmungsbücher finden Sie in unserem Buchshop:

http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/shop/bluetenpflanzen-allgemein/

Auf www.phytotherapie-seminare.ch finden Sie im Kurskalender Exkursionen zum kennenlernen von Heilpflanzen und Wildblumen.
Im übrigen gibt es natürlich fliessende Übergänge zwischen Heilpflanzen und Nahrungspflanzen, die man im Sinne von Wildsalat, Wildgemüse oder Wildfrüchte nutzt. Wer im Frühling Löwenzahn in den Salat tut, nutzt auch den leicht bitteren Geschmack zur Anregung der Verdauung. Und viele feine Früchte besitzen auch Heilwirkungen, denken wir nur an Heidelbeeren gegen Durchfall oder Preiselbeeren gegen Blasenentzündung.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen

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Kakao mit Flavanol günstig für Herzkranzgefässe?

Mittwoch, April 29th, 2009

Nicht nur Rotwein und Grüntee sollen gut sein für das Herz, sondern auch Kakao mit einem grossen Anteil des Pflanzeninhaltsstoffs Flavonol. Er gehört zu den Flavonoiden, einer Gruppe von Pflanzenstoffen, die hauptsächlich in Früchten und Gemüse, aber auch in Rotwein und Tee vorkommen.

Über die positiven Eigenschaften des Kakaos berichteten Wissenschaftler des Universitätsklinikums Aachen und der Universität von Kalifornien Davis auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim.

In einer Studie erhielten Patienten mit einer Herzkranzgefäßerkrankung, die medikamentös optimal versorgt waren, zweimal täglich Kakao-Drinks. Ein Teil der Getränke hatte einen speziell hohen Anteil am Pflanzeninhaltsstoff Flavonol. Diese Substanz bindet sehr reaktive, zellschädigende Stoffe, sogenannte freie Radikale.

Anhand verschiedener Messwerte wurde darauf die Wirkung dieser Maßnahme auf Vorläuferzellen erfasst, die wichtig sind für die Regenerationsfähigkeit geschädigter Gefäßwände. Die Forscher fanden heraus, dass Flavonol-haltiger Kakao bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit (KHK) diese Vorläuferzellen mobilisiert.

Je mehr Flavonol im Kakao enthalten ist, desto stärker ist die Wirkung, heißt es in dem Bericht. “Das könnte zur nachhaltigen Verbesserung der Gefäßschäden und zum besseren Krankheitsverlauf bei KHK-Patienten beitragen, die regelmäßig Flavonol-haltige Nahrungsmittel zu sich nehmen”, stellen die Wissenschaftler fest. Einige Schokoladenhersteller haben bereits spezielle Schokoladen entwickelt, die sich durch einen besonders grossen Gehalt an Flavonol auszeichnen sollen.

Dem Pflanzeninhaltsstoff werden noch weitere günstige Eigenschaften zugeschrieben. So soll er einen gewissen Schutz vor UV-Strahlen bieten sowie die Struktur und Funktion der Haut verbessern.

Quelle: www.aerztezeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Flavonoide sind eine wichtige Wirkstoffgruppe in der Pflanzenheilkunde / Phytotherapie.
Die Wirkung vieler bedeutender Heilpflanzen basiert auf den Flavonoiden.
Beispiele sind:
Ginkgo-biloba-Extrakte bei Demenz und peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK);
Buchweizenkraut mit dem Flavonoid Rutin gegen Beschwerden bei Venenerkrankungen (z. B. Chronisch-venöse Insuffizienz, venöse Ödeme)
Mariendistel mit dem Flavonoid-Gemisch Silymarin (als Leberschutz bei Zufuhr leberbelastender Stoffe und bei chronischen Lebererkrankungen);
Weissdorn-Extrakte bei leichten Formen von Herzschwäche und leichten Formen von Angina pectoris.
Flavonoide kommen auch vor in vielen harntreibenden Heilpflanzen wie Goldrutenkraut (Solidago) oder Birkenblätter.

Es ist aber bei allen Flavonoid-Heilpflanzen sehr wichtig, in welcher Form sie angewendet werden und in welcher Dosierung, damit eine gute Wirkung erzielt werden kann.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Komplementärmedizin: NEIN zu undifferenzierter, schönfärberischer Mogelpackung bei der Abstimmung vom 17. Mai

Montag, April 27th, 2009

Als Ausbildner mit über 25jähriger Tätigkeit im Bereich Phytotherapie / Naturheilkunde stehe ich bei der Abstimmung vom 17. Mai zur Förderung der Komplementärmedizin für die meisten Leute fraglos im befürwortenden Lager.

Ich bin aber überhaupt nicht gerne Teil eines “Lagers”. Das schränkt die Sicht ein. Und ich habe es auch nie geschafft, einfach pauschal die Komplementärmedizin als Ganzes toll zu finden.
Dafür habe ich als Ausbildner in diesem Bereich über 25 Jahren hinweg ganz einfach zuviel gesehen und gehört an Allmachtsphantasien, engen Feindbild-Haltungen gegenüber der “Schulmedizin”, dogmatischer Gläubigkeit und sektenhaften Überzeugungssystemen.

Diese verblendeten Überzeugungssysteme machen das eigentliche Risiko der Komplementärmedizin aus.

Darum geht es meiner Ansicht nach 1. um Differenzierung, 2. um Differenzierung und 3. um Differenzierung – und nicht um eine pauschale “Heiligsprechung” der Komplementärmedizin, wie ich sie nun bei vielen Befürwortern dieses Verfassungsartikels sehe.
Meine Position deckt sich mit der Aussage des Chefredaktors der Schweizerischen Ärztezeitung, Bruno Kesseli. Er schrieb in der Schweizerischen Ärztezeitung (2006;87: 3) :

“Komplementärmedizin… als Gesamtpaket zu befürworten oder zu verdammen ergibt…….etwa soviel Sinn, wie Pilze generell für geniessbar oder giftig zu erklären. Genau diese Haltung scheint aber einigermassen verbreitet zu sein.”

Ich habe meine Entscheidung für ein JA oder NEIN zu dieser Vorlage lange Zeit offen gehalten und den Argumenten der Befürworter und Gegner zugehört.
Ich habe zunehmend kritische Fragen entwickelt gegenüber der Argumentation und dem Auftreten der Befürworter, diese auch öffentlich gestellt und nicht ansatzweise befriedigende Antworten bekommen. Auf konkrete Fragen lassen sich die Befürworter meiner Erfahrung nach nicht ein. Sie kümmern sich lieber um das ganz grosse “Päckli”
Darum nun ein NEIN zu dieser Vorlage und zu dieser undifferenzierten, unreflektierten, schönfärberischen Art der Förderung von Komplementärmedizin.

Mein NEIN ist ein fachliches und politisches NEIN. Kein finanzielles NEIN. Ich kann nicht beurteilen, wie hoch die Mehrkosten sein werden, wenn die Vorlage angenommen wird. Das kann wohl gar niemand beurteilen, weil noch nicht ansatzweise klar ist, welche Konsequenzen die Aufnahme dieses Artikels in die Verfassung hat (“Bund und Kantone sorgen im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für die Berücksichtigung der Komplementärmedizin”).

Zu meinem fachlichen und politischen NEIN haben folgende Punkte beigetragen:

– Ich frage mich sehr, ob die befürwortenden Politikerinnen und Politiker eine Ahnung haben, worauf sie sich da eingelassen. Aus keiner mir zu Ohren gekommenen Äusserung kann ich entnehmen, dass sie sich vertieft inhaltlich-fachlich mit der hoch komplexen Situation im Bereich Komplementärmedizin auseinandergesetzt haben. Mein Eindruck ist eher, dass sich die konkreten Erfahrungen darauf beschränken, dass jede und jeder schon irgendwann ein Globuli geschluckt, ein Heilpflanzen-Präparate eingenommen oder sich mit Akupunktur behandeln lassen hat.
Die befürwortenden Politiker, die ich bisher gesehen oder gehört haben, machen mir eher den Eindruck, dass sie sich gutgläubig, aber ohne Detailkenntnisse für ein populäres Anliegen einsetzen, sich dabei aber von einer Komplementärmedizin-Szene einwickeln und einspannen lassen, die immer noch stark in der Feindbildhaltung gegenüber der “Schulmedizin” verharrt und dies auch so braucht.

– Die Befürworter machen wohlklingende Versprechungen, die sie so meines Erachtens niemals einhalten können. Die involvierten Politikerinnen und Politiker merken das mangels Detailkenntnissen wohl nicht. So tönt beispielsweise die Forderung nach staatlichen Diplomen für nichtärztliche Therapeuten sehr überzeugend. Versprochen wird damit Patientensicherheit, Qualitätssicherung und Schutz vor Scharlatanen.
Tönt gut, scheitert aber mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit sobald es konkret wird. Und zwar weil in keiner Weise klar ist, nach welchen Kriterien denn Qualität zu messen ist, wenn man wissenschaftliche Kriterien weglässt. Die Befürworter haben dazu jedenfalls noch keine Idee geliefert und befassen sich mit solch konkreten Fragen wohl gar nicht. Ich werde hier im Blog unter der Rubrik “Naturheilkunde-Debatte” noch einen detaillierten Text zu dieser Frage publizieren.

– Die Befürworter beschönigen meinem Eindruck nach die Lage in der Komplementärmedizin massiv und schrecken auch vor offensichtlichen Unwahrheiten nicht zurück (Beispiele dafür in anderen Blogbeiträgen unter “Naturheilkunde-Debatte”).
Diese zum Teil stark verzerrte Darstellung hat meines Erachtens mit dogmatischen Grundhaltungen und pauschalen Feindbildern gegenüber Wissenschaft und “Schulmedizin” zu tun. Beispielhaft dafür ist die einseitige Interpretation und Darstellung der PEK-Studie durch die Befürworter.
Man soll und darf m. E. sowohl wissenschaftlichen Aussagen als auch “schulmedizinischen” Empfehlungen kritisch gegenüber stehen. Die undifferenzierte Feindbild-Haltung, welche ich in der Komplementärmedizin oft wahrnehme, hat aber mit einer kritischen Haltung nichts zu tun. Sie ist nämlich genauso blind wie die naive Gläubigkeit, welche der “Schulmedizin” alles aus der Hand frisst.

– Der vorgesehene Verfassungsartikel ist derart vage, dass ich keine Ahnung habe, was konkret ich mir mit einem JA einhandle. Das Parlament müsste die dazu passenden Gesetze noch ausarbeiten. Diesen Blankocheck möchte ich dem Parlament nicht geben, so populistisch, oberflächlich, ahnungslos und naiv es meinem Eindruck nach mit diesem Thema bisher umgegangen ist. Ich traue dem Parlament schlicht keine seriöse Arbeit zu in diesem Bereich – und hoffe, dass ich mich da täusche. Vielleicht erwachen ja einige ParlamentarierInnen noch, wenn sie sich mit konkreten Fragen z. B. betreffend Qualitätssicherung befassen müssen und nicht nur unverbindlich und gratis “mehr Komplementärmedizin” fordern können. Vielleicht gibt es dann aber auch einfach eine Pseudo-Qualitätssicherung, die nur Ausbildungsstunden zusammenzählt und sich um die Entwicklung von transparenten fachlichen Qualitätskriterien drückt.

– Meines Erachtens hat das Parlament seine Hausaufgaben nicht gemacht, indem es einfach alle offenen Fragen, Schwierigkeiten und Widersprüche ausblendet. Die Probleme werden nach einer Annahme dieses Verfassungsartikels erst anfangen, weil sie sich durch “Kopf-in-den-Sand-stecken” nicht einfach auflösen.

– Ich möchte nicht, dass eine Heilslehre wie die “Anthroposophische Medizin” in die Grundversicherung aufgenommen wird und vom Staat in Lehre (Professur an der Universität) und Forschung gefördert wird. Nicht mit meinen Steuergeldern.
Ich lehne die Karmalehre als zentrales Element der Anthroposophischen Medizin ab, die davon ausgeht, dass Krankheit und Behinderung durch moralisches Versagen in früheren Leben verursacht werden. Ich halte dies für behindertenfeindlich.
In Tibet beispielsweise werden Blinde massiv diskriminiert und beschimpft, weil sie angeblich in einem früheren Leben Schlimmes gemacht haben (Arte tv, Dokumentarfilm “blindsight” von Lucy Walker, 26. April 2009). Darum keine staatliche Unterstützung für solche Theorien.
Ich bin auch gegen die staatliche Unterstützung einer Heilkunde, die ihr Fundament einzig in den (angeblich) übersinnlichen Erkenntnissen eines Rudolf Steiners sieht. Solche Theorien sind durch niemand anderen überprüfbar, intransparent, guruhaft und daher meines Erachtens im Grunde genommen nicht demokratietauglich. Demokratie verträgt sich meiner Ansicht nach nicht mit dem Kult um einen “Menschheitsführer”, welcher in seinen höheren Welten auch gesehen haben will, dass die Blonden intelligenter sind als die Braunhaarigen, die Arier an der Spitze der Entwicklung stehen und die Indianer als dekadente Abzweigung in der Entwicklung der Menschheit zwischen Affen und Menschen anzusiedeln sind.

Konkretere Argumente, Infos, Stellungnahmen und Quellenangaben zu diesen Themen finden Sie in anderen Beiträgen in diesem Blog – dazu links oben auf “Naturheilkunde-Debatte” klicken.
Bis zur Abstimmung am 17. Mai werden noch weitere Beiträge zu anderen Aspekten dieser Vorlage folgen. Meiner Ansicht nach braucht es eine inhaltliche Debatte zu dieser Abstimmung, nicht einfach pauschale Zustimmung oder Ablehnung zu einem Gesamtpaket “Komplementärmedizin”.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
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Heilpflanzen-Buchtipp: Phytotherapie bei Hauterkrankungen

Sonntag, April 26th, 2009

von Mattthias Augustin &Yvonne Hoch

Dieses Buch behandelt ausführlich, detailliert und fundiert die Phytotherapie bei Hautkrankheiten. Dazu werden alle wichtigen Heilpflanzen in sorgfältigen Monografien vorgestellt. Dabei wird der Rahmen sehr weit gesteckt. So werden auch Heilpflanzen besprochen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht zum Bereich von Haut & Wunden gehören – beispielsweise Schöllkraut, Weisse Taubnessel, Vogelknöterich, Koriander oder Spitzwegerich. Am Schluss jeder Heilpflanzen-Monografie folgen jeweils ausgiebige Quellenangeben.

Das Buch enthält zudem einen differenzierten Organsystemteil. Darin werden die verschiedenen Hauterkrankungen aufgeführt und von diesen ausgehend die dazu passenden Heilpflanzen beschrieben. Ein solcher Zugang ist wichtig für ein fundiertes Verständnis der Phytotherapie.

Es ist sehr wertvoll, dass sich in diesem Buch Fachärzte und Fachärztinnen der Dermatologie mit der Pflanzenheilkunde befassen. Die gute Kenntnis der dermatologischen Krankheitsbilder ermöglicht präzisere Empfehlungen für die Phytotherapie der Hauterkrankungen.
Das Buch enthält keine Heilpflanzen-Fotos, aber botanische Beschreibungen der aufgeführten Pflanzen.
Sie finden das Buch in unserem Buchshop:

http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/shop/phytotherapie-fachbuecher/

Hier ein paar Beispiele für Anwendungsbereiche von Heilpflanzen, die im Buch “Phytotherapie bei Hauterkrankungen” besprochen werden:
Juckreiz, Schmerzen, Akne vulgaris, Ekzeme (Atopische Dermatitis, Neurodermitis), Psoriasis vulgaris (Schuppenflechte), Herpes-simplex-Infektion (Fieberbläschen), Warzen, Fusspilz und andere Dermatomykosen, dazu noch Wundbehandlung und Narbenbehandlung.

Wichtige Heilpflanzen aus dem Bereich Dermatologie, die von den Autoren Augustin & Hoch detailliert vorgestellt werden:
Aloe, Arnika, Ballonrebe (Cardiospermum halicacabum), Beinwell, Borretsch, Eichenrinde, Ginkgo, Johanniskraut, Kamille, Lavendel, Leinsamen, Mäusedorn, Mahonie, Malve, Melisse, Nachtkerze, Paprika, Ringelblume, Rosmarin, Rosskastanie, Salbei, Schwarztee, Schöllkraut, Sonnenhut, Stiefmütterchen, Taigawurzel, Teebaum, Weihrauch, Zaubernuss (Hamamelis virginiana) und andere mehr.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Am “Seminar für Integrative Phytotherapie” findet einmal jährlich (meistens im März / April) ein Tagesseminar zum Thema “Heilpflanzen bei Hauterkrankungen und Wunden” statt.

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Abstimmung Komplementärmedizin: Beda Stadler polemisiert, hat im Kern aber nicht selten Recht

Samstag, April 25th, 2009

Beda Stadler, Immunologie-Professor an der Universität Bern, polemisiert manchmal gar heftig. In der “Südschweiz” antwortet er auf die Frage, welches Resultat er am 17. Mai erwarte, mit: “20 Prozent Nein-Stimmen”. Der Interviewer sagt darauf: “Sie sind bescheiden…”. Darauf Beda Stadler: “20 Prozent Gleichgesinnte würden mir in der Tat reichen. Ich wäre stolz, wenn sich zeigt, dass wenigstens ein Fünftel der Schweizer noch alle Tassen im Schrank hat.”

Das mit den “Tassen im Schrank” ist natürlich hoch polemisch und lässt jede konstruktive Diskussionskultur vermissen.
Damit gibt Beda Stadler aber auch das perfekte Feinbild ab für Homöopathen und Anthroposophen. Abstimmungstaktisch ist das ausgesprochen ungeschickt. Nichts kann nämlich das Komplementärmedizin-Lager wirksamer einigen als solche Polemik aus Beda Stadler‘s Küche.

Nur: Lässt man die Polemik mal beiseite, hat der Mann meines Erachtens in vielem Recht.
Es gibt tatsächlich eine grassierende “Faulheit-des-kritiklosen-Fürwahrhaltens” (Ludwig Marcuse), gerade auch in der Komplementärmedizin.
Diese weit verbreitete, vollkommen naive Gläubigkeit an alles Wunderbare, finde ich genauso wie Stadler hoch bedenklich, nicht zuletzt auch demokratiepolitisch.
Manchmal scheint mir wirklich, je abstruser die Theorie, desto glaubwürdiger ist sie für viele Leute.
Das halte ich für eine Fehlentwicklung von hoher Brisanz.

Ich verstehe inzwischen selber auch immer besser, wie man auf diesem Hintergrund zum Vollblutpolemiker werden kann.
Schaut man sich nämlich die Rhetorik der Befürworter dieses Verfassungsartikels zur Förderung der Komplementärmedizin an, so ist deren Diskussionskultur auch nicht gerade überzeugend. Meinem Eindruck nach sind sie oft sehr stark in dogmatischen Überzeugungen festgefahren und selten offen, um Argumente auch nur zu prüfen. Das ist auch eine Art der Diskussionsverweigerung. An einer solchen Mauer prallt eigentlich alles ab. Da ist die Versuchung, mit Polemik zu reagieren, oft nicht mehr weit. Ich selber neige in solchen Situationen zur Ironie, was aber in Diskussionen auch heikel sein kann. Ich versuche mich hier zurückzuhalten.

Dazu kommt noch ein weiterer Aspekt: Die eindeutigen, Wahrheit beanspruchenden, pauschalen Slogans der Befürworter sind optimal medientauglich: “Komplementärmedizin ist wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich.” Das ist eingängig und bleibt hängen, wenn es immer wieder repetiert wird, auch wenn es punkto Wirksamkeit so pauschal nicht im Ansatz wahr ist.

Dagegen braucht es für eine differenzierte wissenschaftliche Stellungsnahme zu jedem einzelnen Thema wohl gut eine Seite Text oder ein halbstündiges Gespräch. Da klinkt sich aber ein grosser Teil der Zuhörenden nach drei Sätzen aus und die Medien zocken weg.
Das war auch in der Arena-Sendung vom 24. April gut sichtbar. An Punkten, an denen Stadler eigentlich eine differenziertere Stellungsnahme abgeben sollte / wollte, ging der Moderator weiter. Soviel Zeit ist nicht in einer TV-Diskussion.
Argumentation aber braucht Zeit.

Mir fehlt bisher zu dieser Abstimmung jede differenzierte Auseinandersetzung mit den fünf zur Diskussion stehenden Methoden Homöopathie, Chinesische Medizin (TCM), Anthroposophische Medizin, Neuraltherapie und Phytotherapie. Die Frage sollte meines Erachtens nicht lauten: Komplementärmedizin JA oder NEIN? Diese Frage entspringt nämlich genau dem Lagerdenken – hier “Schulmedizin”, da Komplementärmedizin – das es meiner Ansicht nach zu überwinden gilt.
Wichtiger wäre die Frage, welche Art von Komplementärmedizin wir wollen und nach welchen Kriterien wir das entscheiden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Abstimmung Komplementärmedizin: Beda Stadler’s “alter Hut”…

Freitag, April 24th, 2009

Das Diskussionsniveau bereffend der Abstimmung von 17. Mai zum Verfassungsartikel betreffend Förderung der Komplementärmedizin scheint mir mmer noch sehr tief – und das auf beiden Seiten.
In den Stellungsnahmen der Befürworter zeigt sich meinem Eindruck nach immer wieder jenes verkrampft-einseitige Lagerdenken, das sie mit dem Slogan “natürlich gemeinsam” zu überwinden vorgeben.
Die Gegner kommen hauptsächlich mit finanziellen Argumenten (Mehrkosten!), was mir aber ziemlich lasch und nicht sehr überzeugend scheint.
Dann gibt es von der ablehnenden Seite noch den Blog von Beda Stadler in der NZZ.
Beda Stadler ist als Immunologe zweifellos eine Kapazität auf seinem Gebiet.
Bezüglich Komplementärmedizin bringt er aber in seinem Blog bisher viel Polemik mit schwachen Argumenten.
Im Blog-Beitrag von 23. April befasst sich Beda Stadler unter dem Titel “Avogadro oder Uri Geller” mit der Homöopathie:

“Häufig werden Präparate mit mehr als D30 verkauft. Würde man eine solche Verdünnung mit einem Tropfen in einem Schritt machen, würden alle Weltmeere dazu nicht ausreichen. Man bräuchte 50-mal das Volumen unseres Planeten. Warum weiss ein Wissenschaftler so was? Ganz einfach, Herr Avogadro, ein Zeitgenosse von Herrn Hahnemann, dem Begründer der Homöopathie, hat das berechnet. Das ist eigentlich Lehrstoff eines Untergymnasiums und wird von niemandem bestritten. ?Steht also auf einem Fläschchen eine Zahl grösser als D23 oder C12 (siehe Hausapotheke!), können Sie Gift drauf nehmen, dass kein einziges Molekül der Ausgangssubstanz mehr vorhanden ist. Wer sowas einem Patienten verabreicht, verkauft also reinen Zucker oder Hahnenwasser.”

Natürlich kann man gegen die Homöopathie den Einwand erheben, dass in so hohen Verdünnungen kein einziges Molekül mehr vorhanden sei.

Nur: Dieses Argument ist schon so alt wie die Homöopathie selber, also etwas über 200jährig. Nicht mehr ganz taufrisch also.

Und es greift nur beschränkt, weil die Homöopathinnen und Homöopathen gar nicht abstreiten, dass in so hohen “Potenzierungen” keine materiellen Wirkstoffe mehr vorhanden sind.

Häufig zu hören sind aus Homöopathie-Kreisen Vorstellungen, wonach das Wasser eine Art von Gedächtnis habe. Dieses “Wasser-Gedächtnis” könne Informationen des Ausgangstoffes speichern und an den Organismus weitergeben.

Ich finde, eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Homöopathie müsste auf diese Vorstellungen eingehen und nicht nur den “Alten Hut” mit den fehlenden Inhaltsstoffen wiederkäuen.
Aus der Physik gäbe es offenbar starke Argumente gegen eine “Wassergedächtnis”. Ich selber bin in diesem Bereich allerdings nicht fachkundig genug.

Noch zentraler scheint mir die Fraget:

Angenommen, das Wasser hätte tatsächlich ein Gedächtnis.
Wenn nun die potenzierte Lösung mit dem “Wasser-Gedächtnis” und der darin enthaltenen Information auf das Milchzucker-Globuli aufgesprüht wird, verdunstet doch das Alkohol-Wasser-Gemisch.
Wo bleibt nun das “Gedächtnis”? Verdunstet es mit dem Alkohol-Wasser-Gemisch? Dann ist die Information nicht auf dem Globuli. Oder geht es auf das Milchzucker-Globuli über? – Dann müsste jedoch auch der Milchzucker ein Gedächtnis haben? Davon war aber meines Wissens noch nie die Rede und es dürfte auch physikalisch kaum denkbar sein.

Ich wünsche mir eine ernsthafte argumentative Auseinandersetzung mit der Homöopathie und den anderen zur Diskussion stehenden Methoden Neuraltherapie, TCM, Anthroposophische Medizin und Phytotherapie. Nicht nur flotte Sprüche und Schlagworte bitte.
Und ich wünsche mir von einem kompetenten Wissenschaftler wie Beda Stadler, dass er verständlich erklärt, weshalb Wissenschaft nötig ist, warum es wichtig ist, Studien zu machen, welchen Täuschungen und Selbsttäuschungen damit vorgebeugt werden kann.

Die Wissenschaft hätte hier nämlich durchaus starke Argumente.
Nur braucht es dafür auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich nicht zu schade und fähig sind, diese Argumente der breiten Öffentlichkeit in verständlicher Form darzulegen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

Tödliche Verwechslungen von Bärlauch und Herbstzeitlose

Mittwoch, April 22nd, 2009

Fachleute schlagen Alarm: Tausende Sammler schwärmen derzeit aus, um den beliebten Bärlauch mit dem besonderen Würzaroma zu pflücken. Dabei droht eine Verwechslungsgefahr. Denn die Bärlauchblätter sehen den hochgiftigen Herbstzeitloseblättern täuschend ähnlich.

Einen Toten und sechs Vergiftete gab es letzte Woche allein in München.

Selbstgesammelter Bärlauch sollte dem Frühlingssalat die besondere Würze geben. Einem 70-jährigen Rentner aus Neufahrn bei München brachte er am letzten Wochenende aber einen qualvollen Vergiftungstod. Der Mann hatte beim Bärlauch-Sammeln irrtümlich auch einige Blätter der hochgiftigen Herbstzeitlose mitgepflückt. Wer nur schon eine Handvoll dieser Blätter einnimmt, schwebt in Lebensgefahr. Die vielen Tausend Sammler, die jeden Frühling ausschwärmen um das beliebte Wildkraut mit dem intensiven Knoblaucharoma zu ernten, sollten sich des Verwechslungsrisikos stets bewusst sein, warnt Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Beide Pflanzen wachsen vor hauptsächlich an Waldrändern gern dicht beieinander und sehen sich ähnlich. Die lanzenförmigen Bärlauch-Blätter sind zudem auch von denen des giftigen Maiglöckchens nur schwer zu unterscheiden. Maiglöckchen (Meierisli) sprießt allerdings erst im Mai aus dem Boden.

“Selbst die alten Hasen unter den Sammlern sollten höllisch aufpassen, das ist wie beim Pilzesammeln”, erklärt Heidrun Schubert, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern. Das Risiko, beim Pflücken daneben zu greifen und einen giftigen “Doppelgänger” zu erwischen, sei groß, warnt Hensel. Vor allem in den Monaten April und Mai häuften sich in ganz Europa die Vergiftungsfälle. Gesundheitlich besonders dramatische Folgen kann der Genuss von Herbstzeitlosen haben. Wenn der selbstgepflückte Bärlauch eigenartig bitter schmeckt und etwa eine Stunde nach dem Essen ein Brennen und Kratzen in Mund und Rachen auftritt, sollte man unverzüglich die Toxikologische Informationszentrum (In der Schweiz Tel. 145) anrufen oder in die nächste Klinik fahren.

Allein in München wurden in der letzten Woche fünf Bärlauch-Liebhaber eingeliefert, die Colchizin, das Gift der Herbstzeitlose, im Körper hatten. Das berichtet Thomas Zilker, Leiter der Abteilung für Toxikologie am Klinikum rechts der Isar. Bereits ein Blatt der giftigen Pflanze löse Bauchweh, Übelkeit, Durchfall und Erbrechen aus. Zehn Blätter seien tödlich. Folgen einer Maiglöckchen-Einnahme können Herzrhythmusstörungen und Übelkeit sein. Bei Vergiftungen durch Maiglöckchen-Verzehr gibt es ein Gegengift, bei Herbstzeitlosen nicht.

Woran lässt sich Bärlauch erkennen? Auf den bloßen Augenschein sollte sich ein Sammler besser nicht verlassen – auch wenn die Bärlauchblätter normalerweise einzeln aus der Erde sprießen, während diejenigen der Herbstzeitlose dem gleichen Stängel entspringen und Maiglöckchen in Zweiergruppen gebündelt wachsen. Die beste Möglichkeit, die verschiedenen Pflanzen auseinanderzuhalten, wäre der Geruchstest.??Dabei genügt es, ein Stückchen Blatt zwischen den Fingern zu zerreiben und daran zu riechen, wie Schubert erläutert. Entfaltet sich der charakteristische Knoblauchduft des Küchenkrauts, liegt der Sammler in der Regel richtig. Die Doppelgänger-Gewächse besitzen beide nicht dieses Aroma.?? Aber selbst diese Geruchsprobe hat ihre Tücken, wie das BfR erklärt. Haftet der Lauchgeruch nach einer Weile an Fingern und Händen, wird ein Erschnuppern von giftigen Herbstzeitlosen nach und nach unmöglich. “Bärlauch-Sammler sollten deshalb die Pflanze mit all ihren Merkmalen gut kennen”, empfiehlt das Berliner Institut.

Ernährungsexpertin Schubert rät zudem: Bärlauch nicht vom Waldrand pflücken, sondern mitten in ein wildes Bärlauch-”Feld” hineingehen. Dort sei die Wahrscheinlichkeit kleiner, dass Herbstzeitlosen dazwischen wachsen. Bärlauch gedeiht hauptsächlich in feuchten Laub- und Auenwäldern.??

Quelle: www.welt.de

Kommentar:

Vielen erfahrenen Bärlauch-Sammlerinnen und -Sammlern erscheint es unvorstellbar, dass man die Pflanze mit Herbstzeitlosenblätter verwechseln kann. Doch es kommen jedes Jahr tödliche Vergiftungen vor. Die Verwechslung mit Herbstzeitlosen ist toxikologisch gefährlicher als diejenige mit Maiglöckchen.

Gut hinschauen und riechen lohnt sich also.

Genauso wie es Leute gibt, die alle Heilpflanzen als wunderbar und harmlos empfinden, weil die liebe Natur uns doch so freundlich gesinnt ist, gibt es diese naive Idealisierung auch bei Wildsalaten und Wildgemüsen. Dass es auch problematische und giftige Pflanzen in der Natur gibt, müssen viele Leute (wieder) lernen.

Wildsalate und Wildgemüse können dazu beitragen, dass wir die Pflanzenwelt um uns herum und den Ablauf der Jahreszeiten wieder bewusster wahrnehmen. Das ist wertvoll. Aber bevor man Wildpflanzen erntet, verarbeitet und isst, sind ein paar Botanikkenntnisse sehr zu empfehlen. Schauen Sie sich dazu mal die Exkursionen im Kurskalender auf www.phytotherapie-seminare.ch an.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilpflanzen-Extrakte
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Benzodiazipine: Abhängigkeit verbreiteter als gedacht

Montag, April 20th, 2009

Ein so drastisches Resultat hätten die Wissenschaftler nicht erwartet: Die Zahl der Tablettensüchtigen in Deutschland, die abhängig von Schlafmitteln und Beruhigungsmitteln aus der Medikamentengruppe der Benzodiazepine sind, ist viel höher als erwartet. Wie der SPIEGEL unter Berufung auf eine noch unveröffentlichte Untersuchung des Hamburger Instituts für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung meldet, bekommen in Deutschland mehr als 1,5 Millionen Patienten die süchtig machenden Medikamente länger als in den Leitlinien der Mediziner vorgesehen.

In der bislang umfangreichsten Studie zur Tablettensucht in Deutschland haben die Wissenschaftler insgesamt 3,5 Millionen Kassenrezepte analysiert. Bei knapp 800.000 Patienten jährlich sorgen Ärzte demnach dafür, dass sie zu Dauerkonsumenten der Benzodiazepine werden. In 130.000 Fällen werden die Opfer durch die Verschreibungen zu Schwerstabhängigen, die den Ausstieg aus der Sucht nur noch in seltenen Fällen aus eigener Kraft schaffen.

“Wir waren völlig überrascht über den Umfang des Benzodiazepin-Missbrauchs in Deutschland”, hält der Hamburger Studienleiter Peter Raschke fest.

Quelle: http://www.spiegel.de/ 18. 4. 2009

Kommentar:

Inwieweit sich diese Resultate auch auf die Schweiz übertragen lassen, entzieht sich meiner Kenntnis.
Die Anhängigkeit von Benzodiazepinen (Valium, Lexotanil, Seresta, Temesta…) ist aber auch hierzulande immer wieder ein Thema, genauso wie die allzu lockere Verschreibungspraxis mancher Ärztinnen und Ärzte.

Benzodiazepine sind Medikamente mit angstlösender, krampflösender, beruhigender und schlaffördernder Wirkung. Sie werden bei Angst- und Panikzuständen, bei Epilepsie, bei Spannungszuständen und bei Schlafstörungen eingesetzt. Bei regelmässiger Einnahme entwickelt sich eine Abhängigkeit und es kann zu Persönlichkeitsveränderungen kommen.

Beim Thema Benzodiazepin-Abhängigkeit ist es meines Erachtens wichtig, nicht in Schwarz-Weiss-Denken zu verfallen. Es gibt Situationen, in denen diese Medikamente nötig sind und sinnvoll eingesetzt werden können. Das spricht dagegen, Benzodiazepine pauschal zu verteufeln.
Aber gleichzeitig ist jede unnötige Einnahme über längere Zeiträume riskant und sehr in Frage zu stellen.
Hier gibt es einen Bereich, in dem gute fundierte Heilpflanzen-Präparate aus der Phytotherapie als milde Beruhigungsmittel und Einschlafhilfen sehr nützliche Dienste leisten können, ohne dass sie mit dem Risiko von Abhängigkeit verbunden sind. Ich denke zum Beispiel an Naturheilmittel bzw. Phytopharmaka auf der Basis von Hopfen, Baldrian, Passionsblume, Lavendel oder Melisse. Falls Sie Benzodiazepine schon längere Zeit regelmässig einnehmen und sich nun fragen, ob Sie davon abhängig geworden sind, sprechen Sie doch darüber mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.

Welche Wirkstoffe / Präparate gehören zu den Benzodiazepinen?

Zur Gruppe der Benzodiazepine zählen beispielsweise:

Alprazolam (Xanax®)
Bromazepam (Lexotanil®)
Chlordiazepoxid
Clobazam (Urbanyl®)
Clonazepam (Rivotril®)
Clorazepat (Tranxillium®)
Diazepam (Valium®, Stesolid®)
Flunitrazepam (Rohypnol®)
Flurazepam (Dalmadorm®)
Ketazolam (Solatran®)
Lorazepam (Temesta®)
Lormetazepam (Loramet®, Noctamid®)
Midazolam (Dormicum®)
Nitrazepam (Mogadon®)
Oxazepam (Seresta®, Anxiolit®)
Prazepam (Demetrin®)
Temazepam (Normison®)
Triazolam (Halcion®)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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