Archive for März, 2009
Montag, März 23rd, 2009
Wenn Männer viel Sojaprodukte essen, kann sich die Anzahl ihrer Spermien reduzieren. Das haben Wissenschaftler der Harvard-Universität in Boston entdeckt. Als Ursache werden pflanzliche Hormone vermutet.
Speziell tief war die Spermienzahl bei jenen Männern, die viele Soja-Nahrungsmittel aßen und zu dick waren. Zuvor war der Zusammenhang zwischen der Einnahme von Soja, das pflanzliche Hormone enthält, und Unfruchtbarkeit bisher nur bei Tieren nachgewiesen worden.
Für ihre Studie untersuchten der Ernährungswissenschaftler Jorge Chavarro und Kollegen 99 Männer, die zusammen mit ihren Partnerinnen zwischen 2000 und 2006 in einer Unfruchtbarkeitsklinik behandelt worden waren.
In der Gruppe jener Patienten, die am meisten Sojaprodukte verzehrten, konnten durchschnittlich nur 41 Millionen Spermien pro ml Ejakulat nachgewiesen werden. Die Normalwerte bewegen sich zwischen 80 und 120 Millionen.
Chavarro vermutet, dass die pflanzlichen Hormone in den Sojaprodukten die Spermienzahl beeinflussen. Dieser Effekt, so Chavarro, könnte durch Übergewicht noch verstärkt werden, da dicke Männer mehr Östrogen produzieren als schlanke.
Soja-haltige Lebensmittel sind zum Beispiel Tofu in allen Variationen,
Tempeh (indonesisches Produkt aus fermentierten Sojabohnen), Miso-Suppe,
Sojamilch, Sojakäse und Sojajoghurt, gekochte Sojabohnen, Sojanüsse, einige Energieriegel und Energiedrinks.
Quelle: www.aerztlichepraxis.de
Originalpublikation
me / dpa / J Hum Reprod online (doi:10.1093/humrep/den243)
Kommentar:
Das ist ein Beispiel dafür, dass man auch bei Naturprodukten und Heilpflanzen genau unterscheiden muss, wann sie sinnvoll einzusetzen sind und wann nicht.
Männer mit Fruchtbarkeitsproblemen jedenfalls, so scheint es, sollten wohl besser auf allzu viel Sojakonsum verzichten.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Montag, März 23rd, 2009
Honig hat als Wundheilmittel eine lange Tradition. Nun können dank einer Neuentwicklung auch infizierte Problemwunden erfolgreich mit Honig behandelt werden.
Die hohe Osmolarität des Honigs entzieht den Bakterien Wasser und hindert sie so an der Vermehrung. Zudem fügen die Bienen dem Honig das Enzym Glucose-Oxidase bei. Dieses Enzym bewirkt, dass aus dem Zucker im Honig fortlaufend in kleinen Mengen Wasserstoffperoxid entsteht, ein wirksames Antiseptikum. Den Flavonoiden und aromatischen Säuren im Honig werden ebenfalls antimikrobielle Eigenschaften zugeschrieben.
Ausserdem wirkt Honig entzündungshemmend und unterstützt das Wachstum von Fibroblasten und damit die Geweberegeneration.
Zur Wundbehandlung ist “Haushaltshonig” allerdings nicht geeignet, weil er mit Sporen von Krankheitserregern verunreinigt sein kann. Speziell gefürchtet sind Sporen von Clostridien.
Daher gibt es Honig nun in einer vorbehandelten Form, die für Heilzwecke geeignet ist.
Medihoney ™ ist bereits in Deutschland im Handel und seit kurzem auch in der Schweiz verfügbar. Es sind auch Kompressen erhältlich(Melmax ).
Quelle:
http://www.pharmavista.net
Deutsche Apotheker Zeitung 33/2006/p3404
Kommentar:
Honig gehört zwar nicht direkt zum Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde, ist aber indirekt schon ein Produkt auf Pflanzenbasis.
Vor allem aber ist Honig ein altbewährtes Naturheilmittel zur Wundbehandlung. Dass Honig nun in Form von Medihoney™ als Heilmittel zugelassen ist, könnte seine Akzeptanz in Spital und Pflegeheim erhöhen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Freitag, März 20th, 2009
Ein möglicherweise effektives Asthmamittel kann als Mittagessen eingenommen werden. Ein Inhaltsstoff des Brokkoli verstärkt die Produktion von Enzymen, welche vor Entzündungen des Atemwegs schützen. Zu diesem Resultat kommt eine Studie der University of California in Los Angeles (UCLA), die in der März-Ausgabe des Journal Clinical Immunology publiziert wurde.
“Erstmals wurde gezeigt, dass Brokkoli die antioxidante Reaktion beim Menschen biologisch fördert”, erklärte Studienleiter Marc Riedl. Weil Testpersonen nach dem Verzehr von Brokkoli-Sprossen bis zu dreimal mehr antioxidierende Enzyme in der Nase besaßen, könne man diesen natürlichen Wirkstoff als Entzündungshemmer sowie in der Behandlung mehrerer Atemwegsprobleme einsetzen.
Verantwortlich für diese Wirkung ist Sulforaphan. Dieses Senföl, das im Brokkoli wie auch in anderen Kreuzblütler-Gemüsearten wie Kohl, Radieschen oder Kresse zu finden ist, begünstigt die Bildung von antioxidierenden Enzymen in den Atemwegen. Das optimiert die Körperabwehr gegenüber freien Sauerstoffradikalen, die durch verschmutzte Luft, Pollen, Dieselabgase und Zigarettenrauch täglich in den Organismus gelangen und dort Oxidationsschäden und Entzündungen auslösen können. Brokkoli könnte somit zum besseren Schutz vor Asthma, vor allergischen Entzündungen der Nasenschleimhaut oder auch vor der chronischen obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) führen.
Um dies festzustellen, verabreichten die Wissenschaftler 65 Versuchspersonen drei Tage lang entweder Brokkoli-Sprossen oder Luzerne, die keine Sulforaphane enthalten und somit als Placebo dienten. Am Anfang und zum Ende des Versuchs wurden Nasenspülungen eingesammelt und untersucht, um genetische Umwandlungen von antioxidierenden Enzymen wie GSTP1 und NQ01 in den Zellen der oberen Luftwege zu ermitteln. Bei Testpersonen, die mindestens 100 Gramm Brokkoli eingenommen hatten, waren diese Enzyme gegenüber der Vergleichsgruppe deutlich erhöht, bei der Einnahme von 200 Gramm sogar um das zwei- bis dreifache.
“Sulforaphan fördert die Bildung einer ganzen Reihe von antioxidierenden Substanzen, die gemeinsam effektiveren Schutz vor schädlichen Gesundheitsfolgen der Luftverschmutzung bieten”, hält Riedl fest. Unerwünschte Nebenwirkungen wurden nach der Einnahme keine beobachtet, allerdings seien vor einer konkreten Dosisempfehlung noch weitere Untersuchungen notwendig, betont der kalifornische Immunologe und Allergologe.
Quelle: http://www.journalmed.de/newsview.php?id=24915, 4. 3. 2009
Kommentar:
Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass es zwischen Phytotherapie / Pflanzenheilkunde und Ernährung fliessende Übergänge gibt. Senföle sind interessante Pflanzeninhaltsstoffe, die auch in anderen Heilpflanzen eine wichtige Rolle spielen, wie beispielsweise im Meerrettich, im Senf, in der Brunnenkresse und in der Kapuzinerkresse.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Freitag, März 20th, 2009
Wochenend-Exkursion mit Bergwandern in Graubünden
Kaum bekannt: Die Wiesen und Weiden im Valsertal sind einzigartig in ihrer Blumenvielfalt. Eine optimale Gegend für Wanderungen zum Entdecken der Heilkräuter und Alpenblumen.
Das Valsertal – ein Heilkräuter-Paradies
Sonnentau (Drosera rotundifolia) – die winzig kleine, jedoch wunderschöne, insektenfressende Heilp?anze – im Valsertal ist sie zu anzutreffen.
Isländisch Moos (Cetraria islandica) – im Norden eine bedeutende Nahrungsquelle der Rentiere – wächst auch in den Alpen. Wir entdecken diese Boden?echte in Vals knapp oberhalb der Baumgrenze.
Sonnentau und Isländisch Moos sind beides bewährte Hustenp?anzen.
Auf den Blumenwiesen des Valsertales ?nden wir aber noch viele weitere Heilkräuter wie Arnika (Arnica montana), Augentrost (Euphrasia montana), Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi) oder Thymian (Thymus serphyllum).
Lassen sie sich Wirkungen, Erkennungsmerkmale, Lebensweise und geschichtliche Bedeutung der Heilkräuter und Alpenblumen erklären.
Orchideen noch und noch…
Im Valsertal wachsen jedoch auch zahlreiche botanische Kostbarkeiten, beispielsweise viele Orchideenarten oder Haller‘s Teufelskralle (Phyteuma halleri), die mit ihren schwarz-violetten Blüten die Wiesen verzaubert. Und mit etwas Glück lassen sich Steinadler im Flug beobachten, die hier zuhause sind.
Neben all den eindrücklichen Naturerlebnissen kommen aber auch kulturelle Aspekte nicht zu kurz: Im Peiltal besuchen wir den grossen Schalenstein (Menhir), vermutlich eine prähistorische Kultstätte. Nach den Wanderungen lockt die architektonisch spezielle Felsentherme zu einem Badegang. Und die Gasthäuser verwöhnen uns mit den berühmten Spezialitäten aus Graubünden – beispielsweise Capuns oder Pizockel.
Auf www.phytotherapie-seminare.ch ?nden Sie im Kurskalender weitere Informationen zu den Heilkräuter- und Alpenblumenkursen im Valsertal und in der Bildergalerie Fotos von Landschaften und P?anzenwelt dieser ganz besonderen Gegend.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Donnerstag, März 19th, 2009
Das Figurbewusstsein in den Industrieländern ist nach Informationen der Umweltstiftung WWF zur Gefahr für die Hoodia-Pflanze im südlichen Afrika geworden. Das kaktusähnliche Gewächs habe einen Hunger stillenden Effekt und werde seit Jahrhunderten von den Bewohnern der kargen Kalahari-Steppe genutzt, berichtete WWF Deutschland.
Nachdem der Westen die Hoodia-Pflanze als Appetitzügler entdeckt habe, werde der Hoodia-Bestand für die Herstellung von Diätmitteln geplündert. Die Speck-Weg-Pflanze sei zwar seit Kurzem auch aus dem Anbau erhältlich, doch illegales Material stamme vor allem aus den natürlichen Vorkommen. Der Verkauf illegaler Hoodia-Präparate laufe vor allem im Internet.
“Wer den Winterspeck zum Frühlingsanfang wieder loswerden möchte, der sollte trotz aller Verlockungen auf Hoodia-Produkte aus dem Internet verzichten”, erklärte WWF-Artenschutzexperte Frank Barsch laut Mitteilung. Hoodia (Hoodia gordonii) sei geschützt und dürfe nur mit behördliche Genehmigung eingeführt werden.
Nach WWF-Angaben werden zahlreiche Hoodia-Präparate aus illegal geernteten Beständen hergestellt. Oft sei es schwierig, Herkunft und Qualität in Online-Shops nachzuvollziehen. “Manche der angebotenen Präparate enthalten zu wenig oder gar keine Hoodia. Im besten Fall sind diese Mittel wirkungslos, im schlimmsten Fall gesundheitsschädlich”, so die Warnung von Barsch. Verstöße gegen die Handelsbeschränkungen könnten Bußgeld- und sogar Strafverfahren zur Folge haben. Das gelte auch bei Einkäufen via Internet.
Quelle: www.aerztezeitung.de, 13. 3. 2009
Kommentar:
Der WWF warnt zu Recht vor einer Ausrottung der Hoodia-Pflanze. Es scheint mir sehr wichtig, dass wir im Bereich von Pflanzenheilkunde / Phytotherapie wachsam sind gegenüber dem Thema der Nachhaltigkeit. Es muss alles dafür getan werden, dass Heilpflanzen durch ihre Nutzung nicht in ihrem Bestand gefährdet werden.
Es gibt rund um den Hoodia-Boom aber noch zwei weitere Problempunkte.
1. Hoodia und Biopiraterie
Viele Hoodia-Produkte erfüllen den “Tatbestand” der Biopiraterie.
Damit setzt sich die Erklärung von Bern in Zürich auseinander. Sie schreibt:
“Der Hoodia-Kaktus wächst in den Halbwüsten im südlichen Afrika. Seit jeher stillen die San mit Teilen des Kaktus ihren Hunger und Durst während den langen Wanderungen, die sie zur Jagd unternehmen.
Sein Wirkstoff wirkt als Appetitzügler. Erst nachdem der Wirkstoff von einem südafrikanischen Institut patentiert wurde, hat der Patent-Eigner mit den San einen Vertrag über die Aufteilung des Nutzens abgeschlossen. Seither sind viele Unternehmen des Nordens in das vielversprechende Geschäft mit dem Appetitzügler eingestiegen.
Die grosse Mehrzahl der Profiteure – auch in der Schweiz – haben jedoch keinen Vertrag mit den Trägern des traditionellen Wissens abgeschlossen. Gemeinsam mit den San hat die EvB den Bundesrat in einem Brief aufgefordert, die Biodiversitätskonvention auch in der Schweiz durchzusetzen, und den Verkauf dieser Produkte zu unterbinden.”
http://www.evb.ch
Genauso viel Beachtung wie dem Thema “Nachhaltigkeit” der Heilpflanzen-Nutzung gebührt dem Thema “Biopiraterie”. Wird traditionelles Heilpflanzen-Wissen von Einheimischen zum Beispiel aus Afrika, Südamerika oder Asien genutzt, sollte aus dem Profit mit diesen Produkten die Träger des traditionellen Wissens angemessen entschädigt werden.
2. Wirksamkeit von Hoodia ungeklärt
Die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit der Hoodia-Produkte sind nicht geklärt, während die Propagandawelle rollt und die Versprechungen beinahe grenzenlos sind.
Dazu hat sich Professor Edzard Ernst auf www.stern.de geäussert:
“ Die Wissenschaft nahm sich der vermeintlichen Wunderdroge an. Es gelang, eine Substanz mit der sperrigen Bezeichnung P57AS3 (P57) aus dem Pflanzenextrakt zu isolieren, die für die erstaunlichen Effekte verantwortlich zu sein schien. Weltweit wurde berichtet, dass die britische Firma Phytopharm die Patentrechte erworben habe und zusammen mit dem Pharmariesen Pfizer eine “Schlankheitspille” entwickle. Wenn Buschmänner mithilfe dieses pflanzlichen Mittels auf Nahrung verzichten können, wieso sollten es dann nicht auch übergewichtige Wohlstandsbürger zur Gewichtsreduktion einsetzen?
Doch dann passierte etwas, was niemand erwartet hatte: Vor vier Jahren gaben die Firmen die vorher streng behütete Substanz frei. Somit konnte fortan jeder damit experimentieren. Wie nicht anders zu erwarten, kamen bald Dutzende von Hoodia-Produkten auf den Markt. Heute wird Hoodia auf mehr als 100.000 Webseiten angepriesen.”
Professor Ernst ist Leiter der Abteilung für Komplementärmedizin an der Universität Exter. Er schreibt weiter:
“ Wissenschaftliche Studien, die belegen, dass Hoodia effektiv das Hungergefühl beim Fasten bremst und das Gewicht reduziert, erschienen allerdings nicht. Um genau zu sein: Bis heute wurde exakt eine Studie zum Thema publiziert, und die basiert auf Untersuchungen an Ratten. Stattdessen kamen Gerüchte auf, dass die Reinsubstanz aus Hoodia leberschädigend sei. Einige meinen, dass Pfizer deshalb das Interesse an der Droge verloren hätte. Andere haben sich die Mühe gemacht, die kommerziell erhältlichen Hoodia-Präparate unter die Lupe zu nehmen. Die Resultate dieser Analysen sind ernüchternd: Die große Mehrzahl dieser Mittel enthalten überhaupt kein Hoodia. Einige enthalten Spuren, aber bei weitem nicht genug, um effektiv zu sein.”
Lehren aus der Hoodia-Story
Professor Ernst sieht drei Lehren, die man aus der Hoodia-Story ziehen sollte:
“ 1. In der Medizin kann Überlieferung nicht als Beweis gelten. Die Tatsache, dass dieses oder jenes Mittel irgendwo schon seit Jahrhunderten erfolgreich eingesetzt wird, bedeutet nicht unbedingt, dass es tatsächlich hilfreich ist.
2. Die Bezeichnung “natürlich” ist nicht gleichzusetzen mit “harmlos”. Pflanzliche Heilmittel wirken, weil sie pharmakologische Inhaltsstoffe besitzen. Das bedeutet nahezu ausnahmslos, dass auch mit pharmakologischen Nebenwirkungen zu rechnen ist.
3. Im Bereich frei verkäuflicher pflanzlicher Mittel wird oft maßlos übertrieben. Die Medien greifen interessante Neuheiten auf. Die Erwartung der Konsumenten steigt, und skrupellose Anbieter sind dann nur allzu gern bereit, potenziellen Kunden ein X für ein U vorzumachen.”
(Quelle: www.stern.de, aus Heft 6 / 2006)
Ergänzend müsste noch festgehalten werden, dass der Hoodia-Boom nicht nur übers Internet läuft, sondern dass auch viele Apotheken und Drogerien hier ohne Skrupel mitmachen. Das schadet dem Ruf der Pflanzenheilkunde und wohl auch dem Geldbeutel und vielleicht sogar der Gesundheit von Konsumentinnen und Konsumenten.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Donnerstag, März 19th, 2009
Wer regelmäßig Grüntee trinkt, stärkt damit sein Zahnfleisch. Das haben japanische Forscher der Universität Kyushu in einer Studie mit annähernd 1.000 Männern herausgefunden.
Wie sich Grüntee-Konsum auf das Zahnfleisch auswirkt, beobachteten die Wissenschaftler um Yoshihiro Shimazaki bei 940 Männern im Alter zwischen 49 und 59 Jahren. Als Beurteilungskriterien wurden Vertiefungen der Zahnfleischtaschen, Zahnfleischverlust und Blutungshäufigkeit verwendet. Mit jeder Tasse Grüntee pro Tag verbesserten sich alle drei Werte, hält der Studienleiter im Journal of Periodontology fest.
Die Fähigkeit des Grüntees, parodontale Symptome zu reduzieren, führen die Forscher auf das antioxidativ wirkende Catechin zurück. Catechin stärkt das Zahnfleisch, indem es einer Entzündungsreaktion der Zahnfleischbakterien entgegenwirkt. Catechin findet sich allerdings nicht nur in Grüntee, sondern auch in Weiß- und Schwarztee sowie in Schokolade, Früchten, Gemüse und Wein.
“Die positive Wirkung von Antioxidantien und Vitaminen allgemein auf das Zahnfleisch ist hinreichend bekannt”, erläutert Klaus Charvat von der österreichischen Gesellschaft für Parodontologie. Speziell zu empfehlen seien Nahrungsmittel und Getränke, die Vitamin C, A oder E enthalten, von Schokolade sei wegen ihres Beitrags zur Plaquebildung abzuraten.
Quelle:
http://www.aerztlichepraxis.de/artikel_allgemeinmedizin_ernaehrung_zahnfleisch_123661019397.htm
http://www.journalmed.de/newsview.php?id=24987
Originalpublikation:
me / pte / J Periodont 80 (2009) 372-377
Kommentar:
Schon längere Zeit bekannt ist der positive Effekt von Grüntee und Schwarztee zur Vorbeugung von Karies.
Der Grüntee wird seit Jahren intensiv erforscht und in der Öffentlichkeit wird ihm ein sehr hoher gesundheitlicher Wert zugeschrieben., während der Schwarztee daneben immer etwas im Hintergrund stand. Inzwischen gibt es aber immer mehr Studien, die dem Schwarztee ähnlich positive Effekte zuschreiben wie dem Grüntee.
Die Untersuchung aus Kyushu ist ein weiterer Hinweis dafür, dass wir auch den Schwarztee und den Weisstee als antioxidative Heilpflanzen ernst nehmen sollten.
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Mittwoch, März 18th, 2009
Die Berichte von einem Bio-Potenzmittel, das angeblich bereits 2010 als diätetisches Lebensmittel auf den Markt kommen soll, schlug wie eine Bombe ein. Nun scheint der Traum davon aber schon geplatzt. Verschiedene große Tageszeitungen wie die «Süddeutsche Zeitung» und der «Tagesspiegel» berichteten in den vergangenen Tagen von einem Heilpflanzen-Präparat mit dem Namen «Plantagrar», die «Welt» gestern sogar mit großem Foto auf der Titelseite. Gemäss einer Studie sei das hauptsächlich aus Extrakten des Erd-Burzeldorns (Tribulus terrestris) bestehende Mittel sogar wirksamer als Viagra.
In klinischen Versuchen – so die Meldungen – hatten 50 Männer danach mehr Lust auf Sex, mehr Spaß im Bett und fühlten sich auch sonst wohler. Erd-Burzeldorn wächst in Osteuropa. Ähnlich wirke die Andenpflanze Maca. Sie steigere die Bindungsfähigkeit des Testosterons, erläuterte Olaf Schröder vom Charité-Institut für Transfusionsmedizin.
Inzwischen hat sich die Berliner Charité, wo das Mittel getestet wird, vom Bio-Viagra deutlich distanziert. «Es handelt sich bei dieser Untersuchung um die Aktivität eines Mitarbeiters der Charité in eigener Verantwortung. Die Übereinstimmung mit den Richtlinien der Charité zur guten wissenschaftlichen Praxis wird derzeit überprüft. Die Nennung eines Produktnamens in Zusammenhang mit den Untersuchungen entspricht nicht den wissenschaftlichen Standards der Charité. Die Charité behält sich vor, hierauf geeignet zu reagieren und schließt auch rechtliche Schritte nicht aus. Herr Schröder ist nicht berechtigt, Erklärungen für die Charité abzugeben.» So lautete die kurze, jedoch unmissverständliche Stellungnahme der Charité. Laut «Spiegel online» ist Olaf Schröder noch Medizinstudent, und plant eine Dissertation über das Mittel. Bisher habe er jedoch erst einen Versuch mit «Plantagrar» durchgeführt. Der zweite sei noch nicht einmal begonnen, geschweige denn ausgewertet oder gar in einem Fachblatt publiziert und von anderen Experten begutachtet worden.
Quellen:
www.pharmazeutische-zeitung.de, 18. 3. 2009
www.aerztezeitung.de, 17. 3. 2009, update 17.09 Uhr
Kommentar:
1. Zu Aphrodisiaka / Potenzmitteln aus der Pflanzenheilkunde:
Es ist nicht erstaunlich, dass immer wieder angeblich potenzsteigernde Heilpflanzen in die Schlagzeilen kommen. Das Bedürfnis danach ist offensichtlich sehr gross und dementsprechend wäre der Markt fast grenzenlos. Wer hier ein wirksames Produkt auf der Basis von Heilpflanzen findet und entwickelt, hat mehr als ausgesorgt.
Immer wieder im Gespräch sind:
- Das Potenzholz (Muira puama) – Holz und Rinde des Baumes Ptychopetalum dacoides und Ptychopetalum unicinatum, der in Brasilien vorkommt. Seine Wirkung ist unbelegt und sehr fraglich.
- Die Macawurzel, welche mit unserem Rettich verwandt ist, wächst in grossen Höhen und wird in den Anden als willkommene Nahrungsquelle in unwirtlicher Umgebung geschätzt. Die Maca-Pflanze (Lepidium peruvianum, Syn. Lepidium meyenii Walp.) wird zurzeit als “Ginseng der Anden” angepriesen und soll vor allem die männliche Potenz steigern. Aus Tierexperimenten ergeben sich Hinweise auf eine hormonelle Wirkung der Macawurzel. Auch Untersuchungen an Menschen deuten in diese Richtung, doch ist ihre Aussagekraft begrenzt, weil sie qualitativ nicht den Anforderungen genügen. Insgesamt ist weder die Wirksamkeit noch die Unbedenklichkeit der vor allem via Internet vermarkteten Maca-Produkte hinreichend belegt. Der Hinweis auf die Verwendung als Nahrungsmittel in den Anden genügt zum Beleg der Unbedenklichkeit nicht, da die Wurzel dort vor dem Verzehr einem Erhitzungsvorgang unterzogen wird. Grundsätzlich muss aber damit gerechnet werden, dass eine Pflanze, die in so hohen Dosen zugeführt hat, dass sie in einem bestimmten Anwendungsbereich positive hormonelle Wirkungen hat, in anderen Bereichen auch unerwünschte hormonelle Effekte zeigen könnte. Einseitig nur positive Wirkungen zu erwarten dürfte hier etwas naiv sein. Es gibt aber auch keine konkreten Hinweise für Schädigungen durch Maca-Präparate. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat zu Maca eine Stellungnahme verfasst:
http://www.bfr.bund.de/cm/208/risikobewertung_macahaltiger_nahrungsergaenzungsmittel.pdf
Weitere Infos unter dem Stichwort Maca bei Wikipedia.
- Yohimberinde (Yohimbe, Pausinystalia johimbe) stammt aus West-Afrika, vor allem aus Kamerun. Die Yohimberinde enthält das Alkaloid Yohimbin.
Yohimbin wirkt als Sympatholytikum und führt zu einer verstärkten Noradrenalinausschüttung. Es soll eine starke Gefässerweiterung mit verstärkter Durchblutung im kleinen Becken bewirken, was für die aphrodisierende Wirkung auslösend sein könnte.
Bei therapeutischer Anwendung von Yohimbin können Erregungszustände, Tremor, Schlaflosigkeit, Angst, Blutdruckerhöhung, Tachykardie sowie Übelkeit und Erbrechen auftreten. Toxische Dosen verursachen starken Speichelfluss und schliesslich Herzschädigung durch Störungen im Reizleitungs- und Reizbildungssystem. Wegen solcher Risiken ist eine therapeutische Verwendung von Yohimbin und damit auch der Yohimberinde als Heilpflanze nicht zu vertreten.
Alles in allem gesehen:
Die Erwartungen an Heilpflanzen mit potenzsteigernder Wirkung sind hoch, die Dokumentationen dazu und die Belege aber schwach. Dass in diesem Bereich aber auch ein Placebo-Effekt im Sinne einer Erwartungshaltung eine grosse Rolle spielen kann, liegt auf der Hand.
2. Zum Fall Schröder / Erd-Burzeldorn / Bio-Viagra:
Solche Fälle laufen immer wieder sehr ähnlich ab: Da hat jemand eine Idee, die durchaus prüfenswert wäre. Bevor aber die Idee auch nur schon im Ansatz seriös dokumentiert, begründet und geprüft ist, wird sie schon über die Medien weitergereicht, welche gewisse Themen dann nur allzu gerne und leider oft reisserisch unter die Leute bringen.
Korrekt wäre: Zuerst eine sorgfältige Dokumentation erstellen, Publikation aller Daten in einer Fachzeitschrift, damit andere Experten sich kritisch mit den Ergebnissen auseinandersetzen können. Anschliessend sollten Lehren aus dieser Auseinandersetzung gezogen werden. Danach erst kommt der Entscheid, eine Idee in einem grösseren Rahmen vorzustellen, allenfalls ein Produkt daraus zu entwickeln und es zu vermarkten.
Wer seine Idee schon via Medien propagiert und vermarktet, bevor sie sorgfältig dokumentiert ist und sich der kritischen Diskussion innerhalb der “Fachszene” gestellt hat, disqualifiziert sich damit selbst. Das ist übrigens auch ein zentraler Punkt meiner Kritik an den grandiosen Heilungsversprechen des Wolf-Dieter Storl bezüglich Karde & Borreliose. Auch hier hätte es zuerst eine sorgfältige Dokumentation gebraucht und eine kritische Diskussion mit Fachleuten, bevor diese völlig unausgegorene und riskante Idee mit Hilfe des AT-Verlages in die Welt hinaus posaunt wurde. Weitere Infos zum Fall Storl / Karde / Borreliose:
http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/02/25/karde-borreliose-therapie-nach-storl-beitraege-zur-debatte-4.html
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Sonntag, März 1st, 2009
Der Frühling ist traditionell die Zeit des Heilfastens. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Manche Fastende erhoffen sich eine spirituelle Reinigung, viele wollen aber auch körperlich ein paar Fettpolster und Schlacken abbauen.
Ernährungsfachleute betonen aber immer wieder, dass man dauerhaft nur Gewicht verlieren kann, wenn man sich mehr bewegt und seinen Speiseplan längerfristig auf kalorienärmere Mahlzeiten umstellt. Und auch dem Entschlackungsmotiv erteilen ErnährungswissenschaftlerInnen eine klare Absage. “Im menschlichen Körper”, erklärt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, “gibt es keine Ansammlung von Schlacken.” Unverwertbare Stoffwechselprodukte scheide der Körper vielmehr laufend über Haut, Niere, Darm oder Lunge aus.
Nichtsdestoweniger existieren für einige Wirkungen des Fastens auch wissenschaftliche Belege. So könne es, wie Naturheilkunde-Experte Bernhard Uehleke von der Freien Universität Berlin erläutert, bei entzündlichen Erkrankungen wie Neurodermitis und Rheuma helfen, weil der Organismus physiologisch umgestimmt wird: “Er schaltet auf Bewältigungsstrategien um, die weniger zu schmerzhaften Entzündungen führen.” Zum Beispiel reduziert der Fleischverzicht den Wert an Arachidonsäure – und dieser Stoff bildet die chemische Basis für schmerzhafte Entzündungsreaktionen.
In einer Dissertation des Universitätsklinikums Jena an 36 Arthrose-Patienten führte ein 15tägiges Heilfasten zu deutlichen Besserungen der Beschwerden. Die eingeschränkten Gelenkfunktionen besserten sich und die Schmerzen nahmen ab. “Niemand kann allerdings lebenslang fasten, um die Gelenkveränderungen zu stoppen”, sagt Studienbetreuerin Professorin Christine Uhlemann. Trotzdem könne eine Fastenkur auch längerfristig wirken, wenn die Patienten danach ihr Ernährungsverhalten umstellen und vor allem die Fleischzufuhr deutlich vermindern.
Darüber hinaus bewirkt Fasten eine Stärkung des Immunsystems: Es vermehrt im Darm die für die Virusabwehr zuständigen Immunglobuline, und diese Wirkung lässt sich teilweise auch noch drei Monate nach Beendigung einer Fastenkur nachweisen. Physiologe Yurly Zverev von der Universität Malawi entdeckte zudem, dass Fasten den Geschmackssinn schärft. “Vor allem unser Geschmackssinn auf Süßes und Salziges”, so erläutert er, “reagiert danach sensibler als vorher.” Bittere Geschmacksnoten werden dagegen nach dem freiwilligen Essensentzug nicht stärker wahrgenommen.
Nichtsdestoweniger sollten die Effekte des Heilfastens nicht überschätzt werden. Wenn von “durchschlagenden Heilerfolgen” bei Schuppenflechte und Diabetes gesprochen wird, bleibt Skepsis angebracht. Und wenn der bekannte österreichische Heilpraktiker Rudolf Breuss behauptet, dass “Krebsgeschwülste absterben”, indem man 42 Tage lang ausschliesslich Gemüsesaft und Tee zu sich nimmt, wird es gefährlich. “Denn diese Behauptung ist durch nichts bewiesen”, betont die deutsche Krebsgesellschaft. Wer sich an die Ratschläge des umtriebigen Heilpraktikers halte, müsse vielmehr mit einer Mangelernährung “und damit mit einer zusätzlichen Schwächung des Immunsystems” rechnen.
Uehleke betont zudem, dass Heilfasten nicht nur für sich allein, sondern am besten in Kombination mit anderen Verfahren der Naturheilkunde zum Einsatz kommen sollte. Zum Beispiel in Kombination mit Kneippschen Güssen und Anwendungen aus der Heilpflanzenkunde. Außerdem sollten Fastenkuren nur mit fachlicher Anleitung durchgeführt werden. Immer wieder werden Menschen in Spitäler eingeliefert, die bei ihren privaten Fastenkuren kollabierten.
Quelle:
http://www.fr-online.de, Frankfurter Rundschau,
24. 2. 2009
Kommentar:
Dass Fastenkuren sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben können, zeigt der Artikel aus der “Frankfurter Rundschau” meiner Ansicht nach gut auf.
Wichtig scheint mir die Klarstellung bezüglich der Entschlackung.
Entgiften und Entschlacken ist in der Naturheilkunde ein grosses Thema. Auch in der Pflanzenheilkunde gibt es Entschlackungskuren, die vor allem abführende und harntreibende Heilpflanzen enthalten, zum Beispiel Sennesblätter, Birkenblätter, Brennessel, Löwenzahn.
Bisher konnte mir aber niemand auch nur annähernd überzeugend erklären, um welche Art von Schlacken es sich hier genau handelt und wie genau diese ausgeschieden werden. Meinem Eindruck nach ist die ganze Entschlackungstheorie ein Phantom.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
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