Den Garten bienen- und hummelfreundlich gestalten

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Die Gartensaison hat begonnen. Das ist eine Chance, den Garten bienen- und hummelfreundlich zu gestalten. Dazu lohnt sich eine kritische Bestandesaufnahme:
Was steht und wächst dort? Und macht es eigentlich Sinn? Nicht nur ästhetisch, sondern bringt es auch den anderen Gartennutzern wie Insekten und Vögeln Nutzen?
Hier finden sich leider in zahlreichen Gärten noch zu viele fragwürdige „Platzverschwender“, die zwar kurz mit Farben und Formen aufleuchten, aber kaum einen Nutzen für die heimische Insektenwelt bringen. Solche Pflanzen lassen sich jedoch einfach durch besseres ersetzen.

Fragwürdige Gartenpflanzen sind:

Wacholder (Juniperus) – dieses immergrüne Nadelgehölz ist der Wirt des Birnengitterrostes und trägt damit allzu oft dazu bei, daß nahegelegene Birnenbäume unweigerlich absterben.
Er besitzt allenfalls als Nistgehölz für Vögel einigen Wert, aber für Insekten bietet er wenig.

Auch viele andere, klassische „Immergrüne“ wie Zypressen und Koniferen sind hauptsächlich als Platzverschwender zu betrachten – nur der Buchsbaum (Buxus spec.) ist eine mäßige Bienenweide bei der Blüte. Geeigneter sind schöne Laubgehölze wie die Cornelkirsche, Hartriegel oder Weißdorn, wobei letzterer aber als Überträger des Feuerbrandes im Auge behalten werden muss.

Auch die beliebten Tulpen und Hyazinthen sind keine naturfreundliche Wahl – sie sind zwar bunt, aber meistens vollkommen uninteressant für die Insektenwelt. Hier wären Krokusse, Narcissen (Osterglocken) und die blaue Traubenhyazinthe eine bessere Variante. Vor allem monotone Rasenflächen lassen sich mit den blauen Elfen-Krokussen insektenfreundlich gestalten. Allerdings tut den Krokussen ein frühzeitiges Mähen des Blattgrüns nicht gut und sie kümmern nach einigen Jahren.

Heide (Knospenblühende Züchtung) – Die Knospenblüher gehören zu den größte züchterischen Dummheiten. Die gefärbten Blüten bleiben geschlossen, um eine Bestäubung und damit das schnelle Verblühen zu verhindern. Nektarsuchende Insekten stehen quasi vor verschlossener Tür. Die normalen Wildformen dagegen sind hervorragende Trachten!

Immergrüne Bodendecker – Efeu ist ein typischer Bodendecker, der aber erst im Alter von 8 bis 10 Jahren zu blühen anfängt – dann jedoch eine ausgezeichnete Bienentracht darstellt und bei der Hausbegrünung wertvolle Nisträume schaffen kann. Wenn es darum geht, Brachflächen und Schattenflächen rasch und blühend zu begrünen, sollte man auf früher blühende Vinca-Sorten, Lerchensporn, Taubnesseln oder Storchenschnabel zurückgreifen.
Gefüllte Züchtungen – Zahlreiche Dahlien, Rosen und auch die Studentenblume sind dieser Züchtungsmode zum Opfer gefallen. Auch Stiefmütterchen und die endlos blühenden Balkongeranien sind meistens bereits komplett umgezüchtet worden und damit wertlos für die Insektenwelt. Solche Blüten enthalten kaum noch Nektar und Pollen; häufig sind die dafür wichtigen Blütenorgane zugunsten von Blütenblättern weggezüchtet worden. Diese sehr dichten Blüten sind ökologisch vollkommen wertlos. Darum sollte man vor dem Kauf genau die Blüte inspizieren: Ist da noch mehr als nur endlos Blütenblätter? Wenn nicht, sollte man diese Pflanzen eher im Laden stehen lassen.
Exoten wie Forsythien, japanische Kirsche u.a. – Nicht alle Exoten sind bienenfeindlich: Die bekannte Robinie oder das Indische Springkraut wie auch der Bienenbaum gelten zu Recht als ausgezeichnete Insektenweiden, wobei allerdings das Springkraut als Neophyt nicht sehr erwünscht ist. Aber bedauerlicherweise findet sich auch viel farbenprächtiger Unsinn in Gärten. Die um die Osterzeit gelb blühenden Forsythien sind beispielsweise vällig unattraktiv für Insekten. Auch die reich blühenden, japanischen Kirschbäumchen oder der klassische Flieder (nicht jedoch der Sommerflieder, der eine ausgezeichnete Insektenweide ist) bleiben ohne Insektenbesuch. Hier wären Weiden oder Mandelbäumchen bessere Varianten.
Wer unsicher ist bezüglich des Wertes gewisser Pflanzen, sollte sie einfach zur Blütezeit im Auge behalten – zeigt sich dort jemand?
Gewisse Pflanzen sind allerdings nur für bestimmte Insektengruppen interessant – sie bleiben dann vielleicht ohne Bienenbesuch, doch Schmetterlinge oder Schwebfliegen finden sich dann ein. Zudem gibt es selbstverständlich auch andere Tiergruppen, die profitieren – zum Beispiel Vögel, welche die Beeren naschen oder dort nisten können. Selbst abgestorbene Gehölze bieten zahlreichen Insekten ein gefundenes Fressen oder Unterkunft, so daß beispielsweise nicht jeder alte Obstbaum sofort entfernt werden muß (sofern er natürlich kein Risiko darstellt).
Quelle: http://www.hymenoptera.de

Kommentar / Ergänzung:
Es gibt auch unter den Heilpflanzen einige Arten, die zugleich Bienentrachtpflanzen sind.
Beispielsweise:
Baldrian, Beinwell, Salbei, Goldrute, Löwenzahn, Malve, Minze, Nachtkerze, Pestwurz, Preiselbeere, Spitzwegerich, Steinklee, Thymian, Wundklee.

Wer solche Heilpflanzen anpflanzt, tut zugleich also den Bienen einen Gefallen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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