Archive for Februar, 2009

Edelweiss-Wirkstoff gegen Arteriosklerose

Samstag, Februar 28th, 2009

Innsbrucker Forscher haben in Edelweißwurzeln einen Stoff entdeckt, der die Behandlung von Gefäßerkrankungen revolutionieren könnte. Die zur Patentierung angemeldete Idee soll zur Marktreife weiterentwickelt werden.

An der Abteilung Pharmakognosie des Instituts für Pharmazie der Universität Innsbruck forschen die Wissenschaftler um Hermann Stuppner mit Hilfe modernster Methoden nach Naturstoffen, welche als Arzneimittel geeignet sein könnten.

So untersuchte Stuppner zusammen mit Stefan Schwaiger vom Institut für Pharmazie auch die Inhaltsstoffe des Edelweißes und wurde in dessen Wurzeln fündig.

In Zellkulturanalysen zeigte sich der Inhaltstoff Leoligin als wirksames Mittel gegen Verdickungen der Innenwand von Blutgefäßen.

Gefäßwandverdickungen gehören zu den wichtigsten Ursachen zahlreicher Herzkreislauferkrankungen und bilden die Vorstufe von Arteriosklerose.

Die viel versprechenden Resultate konnten in Untersuchungen an Mäusen bestätigt werden. Die einmalige Gabe von Leoligin reduzierte die unerwünschten Gefäßwandverdickungen in Venen-Bypässen im Vergleich zu unbehandelten Mäusen um die Hälfte.

Haltbarkeit von Bypässen verbessert

Einzigartig macht den Naturstoff, dass Leoligin im Gegensatz zu bisher eingesetzten Arzneimitteln die Gefäßinnenwand nicht angreift und sogar bereits existierende Verdickungen vermindert.

Quelle: http://tirol.orf.at/stories/345329

Kommentar:

1. Edelweiss gehört zu den geschützten Alpenpflanzen. Diese Untersuchungen der Universität Innsbruck sollen also niemanden dazu verleiten, Edelweiss-Wurzeln auszugraben!

2. Zu möglichen Heilwirkungen von Edelweiss wurden in den letzen Jahren einige Forschungen durchgeführt und dabei vor allem antioxidative Eigenschaften festgestellt.

3. Versuche in Zellkulturen und mit Mäusen können zwar durchaus interessante Informationen liefern. Ob sich solche Resultate aber auf den Menschen übertragen lassen, ist in den meisten Fällen allerdings noch sehr offen. Ob das Edelweiss also dereinst einen wichtigen Platz unter den Heilpflanzen einnehmen wird, muss sich noch zeigen.

Mehr Infos über das Edelweiss gibt es in einem Radio-Interview, welches ein (sprachlich) schneller Berliner Journalist an einem (frühen) Sonntagmorgen mit mir geführt hat:

http://www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/080724_Radio-Berlin-Edelweiss.mp3

Wer Edelweiss in der Natur kennenlernen will, kann das vor allem an meinen Heilkräuter- und Alpenblumen-Kursen in Lenk im Simmental. Bildergalerie hier:

www.phytotherapie-seminare.ch/index.php

Eine Chance für eine Edelweiss-Begegnung gibt es auch an der Alpenblumen- und Heilpflanzen-Exkursion in Vals (GR). Bildergalerie hier:

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Karde & Borreliose-Therapie nach Storl: Beiträge zur Debatte 4

Mittwoch, Februar 25th, 2009

Wolf-Dieter Storl nimmt in einem Interview Stellung zu meiner Kritik am seinem meines Erachtens riskanten Buch “Borreliose natürlich heilen” (2007). Er tut dies in gewohnter Weise, wenn es um das Thema Borreliose geht: fantasiereich und faktenfrei. Ein Lehrstück. Nachfolgend finden Sie eine Replik auf dieses Interview.
Link zu meiner detaillierten fachlichen Kritik an den Heilungsversprechungen von Wolf-Dieter Storl finden Sie ganz am Schluss dieses Beitrages.

Zuerst die entsprechende Passage als Ganzes im Interview auf der Website
http://www.blue-moon-coven.net/artikel/storl/interview.htm vom 22. 10. 2008.
Weiter unten folgt dann meine Auseinandersetzung mit den einzelnen Aussagen von Wolf-Dieter Storl.

Interviewer: Wie gehst Du mit der Kritik zu Deinem Buch über die Borreliose um, zum Beispiel mit der von Martin Koradi vom “Seminar für Integrative Phytotherapie”?

Storl: “Martin Koradi … eigentlich kann sich jeder so einen Briefkopf machen und so ein Institut gründen. Er ist selbst unter Phytotherapeuten umstritten. Er ist ein reiner Materialist, für ihn zählen nur die Wirkstoffe. Seine Kritik ist nicht richtig sachlich. Zum Beispiel hat er mich angegriffen, weil ich sage, dass Antibiotika nicht helfen. Das habe ich nicht gesagt – ich habe nur gesagt, wenn man zu spät – und meistens merken es die Leute zu spät, dass sie infiziert sind – mit der Antibiotikabehandlung beginnt, dass diese dann nicht wirkt. Dann hat er geschrieben, wenn sie meinen Ratschlägen folgen, dass die Patienten sich der Gefahr einer lebenslangen Invalidität aussetzen. Nun, mittlerweile ist dies anerkannt. Ein internationales “Ad hoc Komitee für Lime Disease” (Borreliose), bestehend aus den medizinischen Koryphäen aus Yale, Harvard, Oxford und so weiter, fast 100 Leute, hat festgestellt, dass bei chronischer Borreliose Antibiotika nicht helfen, sondern sich bei langfristiger Anwendung schädlich auswirken. Der Vorwurf, dass die Leute bei der Überhitzungstherapie sterben würden, bei 42 Grad Celsius, das wäre nur der Fall bei chronischen Herz-/Kreislaufkranken, Epileptikern. Diese Temperatur wird erreicht in den meisten Schwitzhütten oder japanischen Bädern. Diese Wärme können die Borrelien nicht ertragen. Dies ist auch die Grundlage der Syphilis-Kur der Indianer, die überaus erfolgreich war – Schwitzhütte zusammen mit einem pflanzlichen Reiniger, zum Beispiel Sarsaparilla (Stechwinde). Syphilis ist ja sehr nah verwandt mit der Borreliose. Ich verwende eher hier wachsende Pflanzen und doch hat sich die Karde angeboten. Koradi macht da Behauptungen und spielt sich auf. Er hat eigentlich keine richtigen Qualifikationen. Für ihn sind Pflanzen nur tote Behälter von Wirkstoffen.
Zum Beispiel sagte er, dass es ein Experiment an der Eidgenössisch Technischen Hochschule Zürich gab und da wurde die Kardentinktur auf eine Borrelienkultur getropft. Die Borrelien seien nicht gestorben, sondern sie wurden danach sogar noch munterer. Erst mal glaube ich, dass es dieses Experiment gar nicht gab, denn die Borrelien lassen sich nicht “in vitro” züchten, also man kann sie nicht in einer Petrischale züchten. Sie brauchen einen lebendigen Wirt. Deswegen sind sie so schwer zu untersuchen. Und zweitens, wenn es überhaupt der Fall gewesen wäre, was ich anzweifle, dann ist das noch längst kein Beweis, denn töten heißt nicht unbedingt heilen. Ich vermute, dass die Karde so wirkt wie es Brennnesseljauche bei der Bekämpfung der Blattläuse macht – sie ändert das Milieu. Die Brennnesseljauche tötet die Blattläuse nicht, sondern verändert die energetische Umgebung, so dass sich die Blattläuse nicht mehr wohlfühlen und “abziehen”. Das scheint im Fall der Karde auch so zu sein. Es gibt ja auch bei einigen Borreliose-Patienten eine “Herksheimer Reaktion”, das heißt die Borrelien sterben ab und die Reaktion ist dann auf die Toxine und auf die “Trümmer”, die diese Borrelien hinterlassen. Wenn das vorbei ist, geht es den Patienten gut. Ich habe hunderte von Rückmeldungen von Betroffenen erhalten, die richtig dankbar sind. Ich persönlich bin ja auch dankbar, ich habe dieses Buch ja nur geschrieben, weil ich mich selbst mit diesen Methoden geheilt habe – ich hatte ja selber Borreliose. Aber der Koradi hat da überhaupt kein Standbein. Ich weiß gar nicht, warum er so wütend reagiert – es sei denn er will sich eben profilieren.”

Nun die Auseinandersetzung mit den einzelnen Aussagen:

Interviewer: Wie gehst Du mit der Kritik zu Deinem Buch über die Borreliose um, zum Beispiel mit der von Martin Koradi vom “Seminar für Integrative Phytotherapie”??

Storl: Martin Koradi … eigentlich kann sich jeder so einen Briefkopf machen und so ein Institut gründen.

Ja, das stimmt, kann jeder machen. Genau so wie jeder ein Borreliose-Buch schreiben kann, ohne fundierte Ausbildung in diesem Bereich. Genau so wie jeder sich Ethnobotaniker nennen kann. Sagt alles noch nichts über Qualität aus. Storl geht nicht auf die fachliche Kritik ein, sondern versucht offensichtlich, stattdessen den Kritiker zu diffamieren…
Und dass ich ein “Institut” gegründet haben soll, ist mir selber neu....(M.K.)

Storl: Er ist selbst unter Phytotherapeuten umstritten.

Davon merke ich kaum etwas. Allerdings: Phytotherapeut kann sich ja auch jeder nennen. Da tummeln sich in diesem Teich auch viele, denen eine kritische Sicht ziemlich auf den Geist geht. Über fundierte fachliche Kritik an meinen Positionen und Aussagen würde ich mich freuen. Storl platziert hier wieder eine diffamierende Aussage, ohne selber eine Position einzunehmen. Leere Diffamierung halt. Ich selber würde mich übrigens nie Phytotherapeut nennen. (M.K.)

Storl: Er ist ein reiner Materialist, für ihn zählen nur die Wirkstoffe.

Woher nur kennt der Mann mich so gut? Nie gesprochen miteinander! Nie gesehen! Ist das jetzt vielleicht die sagenumwobene Storl‘sche Intuition? Beeindruckend – diese Ferndiagnose aus dem Allgäu!
Im Übrigen: Ich habe in meiner Kritik nie Auskunft über Wirkstoffe verlangt. Storl selber schreibt von Wirkstoffen, wenn er beispielsweise Mariendistel als Tee empfiehlt wegen dem Gehalt an Silymarin, aber offenbar nicht weiss, dass Silymarin schlecht wasserlöslich ist und darum Tee keine geeignete Anwendungform. Manchmal wäre es schon sinnvoll, etwas zu wissen über Wirkstoffe. Entscheidend sind aber nicht Wirkstofffragen, sondern die Wirksamkeit der Therapie bei Borreliosekranken. Und diese Wirksamkeit darf meiner Ansicht nach nicht einfach behauptet werden. Sie muss sorgfältig begründet und dokumentiert werden. Es geht dabei um eine ethische Frage. Davon lenkt Storl ab, indem er das Schlagwort vom Materialisten, für den nur Wirkstoffe zählen, in den Raum wirft. Für die Wolf-Dieter-Storl-Gemeinde ist dann klar, dass man sich mit Anwürfen aus der materialistischen Ecke nicht auseinandersetzen muss. So einfach kann man es sich machen. (M.K.)

Storl: Seine Kritik ist nicht richtig sachlich. Zum Beispiel hat er mich angegriffen, weil ich sage, dass Antibiotika nicht helfen. Das habe ich nicht gesagt –

Auf dem Buchdeckel von “Borreliose natürlich heilen” (2007) steht:
“Die Krankheitserreger entziehen sich dem Abwehrsystem, Antibiotika sind gegen sie machtlos.”
Und auf Seite 9 steht in Bezug auf Antibiotika: “Leider wirken diese Wundermittel bei der Borreliose kaum.”
Das sind meines Erachtens deutliche Aussagen in dem Sinne, dass Antibiotika gegen Borrelien nicht helfen. Storl widerspricht sich hier.
Er unterschlägt zudem einen wichtigen Teil meiner Kritik: Ich werfe ihm vor, dass er pauschal sagt, Antibiotika wirken nicht bei Borreliose, dass er an keiner Stelle differenziert zwischen frischen Infektionen, bei denen sehr viel dafür spricht, dass Antibiotika wirksam sind, und chronischen Verläufen, bei denen eine Wirksamkeit nicht mehr in jedem Falle gesichert ist. (M.K.)

Storl: ich habe nur gesagt, wenn man zu spät – und meistens merken es die Leute zu spät, dass sie infiziert sind – mit der Antibiotikabehandlung beginnt, dass diese dann nicht wirkt.

Diese Differenzierung finde ich nirgends im Buch “Borreliose natürlich heilen” (2007) von Storl, auf das sich meine Kritik bezieht Das Buch wäre weniger gefährlich, wenn Storl irgendwo einen Hinweis gemacht hätte im Sinne von:
“Leute, bei einer frischen Borreliose-Infektion gibt es gute Chancen für eine Heilung mit Antibiotika, während meine Ideen mit Karde & Co noch völlig ungeklärt sind. Also macht doch zuerst mal eine Antibiotika-Behandlung, weil es später vielleicht zu spät sein könnte.”
Schon der Titel des Buches “Borreliose natürlich heilen” ist eine pauschale Versprechung, die Antibiotika als überflüssig erscheinen lässt. (M.K.)

Storl: Dann hat er geschrieben, wenn sie meinen Ratschlägen folgen, dass die Patienten sich der Gefahr einer lebenslangen Invalidität aussetzen.

Auch das ist verzerrt dargestellt: Ich schreibe, wenn im Frühstadium statt einer Antibiotika-Therapie mit Karde behandelt wird, besteht ein Risiko von Spätschäden bis hin zur Invalidität. Storl unterstellt mir pauschale Aussagen. Mir geht es aber um Differenzierung. Wenn hier einer pauschale Aussagen macht, dann aber ganz sicher Storl.(M.K.)

Storl: Nun, mittlerweile ist dies anerkannt. Ein internationales “Ad hoc Komitee für Lime Disease” (Borreliose), bestehend aus den medizinischen Koryphäen aus Yale, Harvard, Oxford und so weiter, fast 100 Leute, hat festgestellt, dass bei chronischer Borreliose Antibiotika nicht helfen, sondern sich bei langfristiger Anwendung schädlich auswirken.

Auch hier wieder: Ich habe gar nie bestritten, dass es bei chronischen Borreliosen intensive Diskussionen gibt darüber, ob, wann und wie Antibiotika noch sinnvoll sind oder nicht.
Aber diese Unsicherheit in der Behandlung chronischer Fälle ist gerade ein Argument dafür, die Antibiotika-Therapie im Frühstadium ernst zu nehmen. Das widerlegt meine Kritik nicht, es stützt sie.(M.K.)

Storl: Der Vorwurf, dass die Leute bei der Überhitzungstherapie sterben würden, bei 42 Grad Celsius,….

Mamma mia, meine Kritik ist nicht so dümmlich-pauschal, dass die Leute sterben bei 42°C. Ich schreibe, dass ab 41°C ein Risiko besteht, dass wichtige Eiweissmoleküle zerstört werden, die bedeutsam sind für die Kreislaufregulation. Daraus folgt ein Risiko für Kreislaufkollaps, was auch mit Todesfolge sein könnte. Der Mann stellt offenbar die Kritik so verzerrt-pauschal dar, weil er im Detail nicht darauf eintreten kann. Wie wäre es mit einer Stellungnahme dazu, dass jetzt in der zweiten Auflage die Überhitzungstherapie plötzlich nur noch bis 40°C empfohlen wird? In der ersten Auflage empfiehlt Storl 42°C und schreibt, dass die Borrelien Hitze über 42°C nicht vertragen. Aber vielleicht sind ja durch all die Diskussionen die Gruppen-Seele der Borrelien (Seite 33 ff.) so aus der Balance geraten, dass sie nun schon bei 40°C in die ewigen Jagdgründe abdüsen? (M.K.)

Storl: ….das wäre nur der Fall bei chronischen Herz-/Kreislaufkranken, Epileptikern.

Na super, bei denen kommt es ja nicht so darauf an. Weiss jeder Epileptiker schon vor dem ersten Anfall, dass er gefährdet ist? Und jeder Herzkranke? (M.K.)

Storl: Diese Temperatur wird erreicht in den meisten Schwitzhütten oder japanischen Bädern.

Redet er jetzt von der Temperatur in der Schwitzhütte oder von Körpertemperatur? Das ist ein wesentlicher Unterschied. (M.K.)

Storl: Diese Wärme können die Borrelien nicht ertragen. Dies ist auch die Grundlage der Syphilis-Kur der Indianer, die überaus erfolgreich war.

Wieder Behauptungen ohne irgendwelche Belege oder nur schon Gründe. (M.K.)

Storl: Schwitzhütte zusammen mit einem pflanzlichen Reiniger, zum Beispiel Sarsaparilla (Stechwinde).

Wovon genau soll der pflanzliche Reiniger den Organismus reinigen? Von den Borrelien etwa? Wie macht er das? Und auf welchem Weg? Ich finde, solche Spekulationen, von denen das Buch von Storl übervoll ist, bräuchten schon noch ein bisschen detailliertere Erklärungen. (M.K.)

Storl: Syphilis ist ja sehr nah verwandt mit der Borreliose. Ich verwende eher hier wachsende Pflanzen und doch hat sich die Karde angeboten. Koradi macht da Behauptungen…..

Welche Behauptungen genau? Bitte um detaillierte Kritik, nicht nur leere Diffamierung. (M.K.)

Storl: ….und spielt sich auf.

Wo genau. Bitte um detaillierte Kritik, nicht nur leere Diffamierung. (M.K.)

Storl: Er hat eigentlich keine richtigen Qualifikationen.

Was genau wären für Storl richtige Qualifikationen? Bitte um detaillierte Kritik, nicht nur leere Diffamierungen, das ist ziemlich billig. (M.K.)

Storl: Für ihn sind Pflanzen nur tote Behälter von Wirkstoffen.

Schon wieder. Der Mann kann‘s nicht lassen. Siehe Abschnitt “Materialist & Wirkstoffe” weiter oben. (M.K.)

Storl: Zum Beispiel sagte er, dass es ein Experiment an der Eidgenössisch Technischen Hochschule Zürich gab und da wurde die Kardentinktur auf eine Borrelienkultur getropft. Die Borrelien seien nicht gestorben, sondern sie wurden danach sogar noch munterer. Erst mal glaube ich, dass es dieses Experiment gar nicht gab, denn die Borrelien lassen sich nicht “in vitro” züchten, also man kann sie nicht in einer Petrischale züchten. Sie brauchen einen lebendigen Wirt. Deswegen sind sie so schwer zu untersuchen. Und zweitens, wenn es überhaupt der Fall gewesen wäre, was ich anzweifle, dann ist das noch längst kein Beweis, denn töten heißt nicht unbedingt heilen.

Eindrücklicher kann man ja wohl kaum vorführen, was es heisst, den Kopf in den Sand zu stecken. Offenbar kann einfach nicht stattgefunden haben, was nicht sein darf.
Ich habe zu dieser Untersuchung genaue Angaben gemacht:
Wo: Hochschule Wädenswil (dass Storl von der ETH Zürich spricht, zeigt nur, wie genau er so was nimmt..).
Wer: Prof. Sievers
Quelle: NZZ am Sonntag, Fahrlässige Tipps gegen Borreliose, 26. August 2007.
Link: http://www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/154310_borreliose-storl-karde.pdf
Das lässt sich also leicht via Link zum NZZ-Artikel überprüfen, wenn man nur ein Quentchen interessiert ist an Fakten. Sievers hat auch ein Telefon. Oder unterstellt Storl einfach, dass Sievers lügt und die ganze Sache erfunden hat? Dazu müssten dann allerdings schon einige starke Indizien her.
Borrelien lassen sich im Übrigen gut im Labor untersuchen. Sievers macht das seit Jahren. Er hat grosse Erfahrung damit und untersucht vor allem, welche Antibiotika am besten gegen Borrelien wirken.
Zitat aus der Website der Hochschule Wädenswil:

“An der Hochschule Wädenswil kultivieren wir die Borrelien in Nährlösung und zusammen mit menschlichen Endothelialzellen. Mit dieser Form der Kultivierung haben wir ein Instrument, um Antibiotika und Pflanzenextrakte auf das Wachstum der Borrelien zu testen.”

Storl behauptet nun, Borrelien kann man gar nicht im Labor testen. Er behauptet offenbar ungeprüft, was ihm gerade in den Kram passt. So kommen wohl auch die anderen Behauptungen in seiner “Borreliose-Therapie” zustande.
Was genau meint Storl eigentlich, wenn er schreibt: “..töten heißt nicht unbedingt heilen”.
Wenn die Borrelien getötet werden, wird der Patient nicht gesund?
Wann genau und wie wird er dann gesund? Nicht nur immer schöne Andeutungen machen. Genaue Angaben bitte.
Im Buch selber geht Storl im Übrigen an manchen Stellen durchaus davon aus, dass Kardentinktur die Borrelien tötet. Jedenfalls spricht er davon, dass Karde eine “Herksheimer Reaktion” auslösen kann, wie sie manchmal zu beobachten ist, wenn Antibiotika Borrelien abtöten.

Die Untersuchungen von Sievers machen es nun sehr unwahrscheinlich, dass Karde eine direkte antimikrobielle Wirkung auf Borrelien hat. Natürlich kann man Laborergebnisse nie 1: 1 auf den Menschen übertragen. Findet man im Labor eine bestimmte Wirkung, kann man nicht einfach davon ausgehen, dass sie im menschlichen Organismus bei viel tieferen Dosierungen und via Magen-Darmtrakt auch auftreten wird (Storl schliesst an vielen Stellen vorschnell von Laborergebnissen auf Ergebnisse am Menschen, zum Beispiel wenn er von blutdrucksenkenden, antiallergischen und immunstimulierenden Effekten bei Blutwurz schreibt (S. 240).

Findet man im Labor aber keinen Effekt der Karde gegen Borrelien, müsste man dies als Hinweis zu mindestens ernst nehmen. Im Organismus ist die Dosierung von Karde jedenfalls um einiges schwächer und antimikrobielle Effekte sind nun einmal stark dosisabhängig.
Storl verhält sich so, wie es ihm gerade ins Konzept passt: Nützt ihm ein Laborergebnis, führt er es gerne und unreflektiert an. Widerspricht ihm ein Laborergebnis wie die Untersuchungen von Sievers, dann haben diese Versuche einfach nicht stattgefunden. So einfach kann man es sich machen. (M.K.)

Storl: Ich vermute, dass die Karde so wirkt wie es Brennnesseljauche bei der Bekämpfung der Blattläuse macht – sie ändert das Milieu. Die Brennnesseljauche tötet die Blattläuse nicht, sondern verändert die energetische Umgebung, so dass sich die Blattläuse nicht mehr wohlfühlen und “abziehen”. Das scheint im Fall der Karde auch so zu sein.

Nun muss also offenbar eine neue Erklärungsphantasie her. Bisher hat Storl ja eher antimikrobielle oder immunstimulierende Effekte der Karde angedeutet. Zu letzterem siehe den Beitrag: “Karde gegen Borreliose – immer noch wirre Behauptungen statt…” Link am Schluss des Textes.

Schöner Vergleich mit der Brennesseljauche. Nur hinkt er leider gewaltig. Blattläuse leben im Freien. Passt ihnen aus welchen Gründen auch immer das Milieu nicht, können sie problemlos abhauen. Aber die Borrelien? Die sind nach der Infektion offenbar nur kurze Zeit im Blut und ziehen sich dann ins Bindegewebe zurück. Und die Karde soll nun dort das Milieu verändern und sie vertreiben? Da stellen sich doch einige Fragen:

Wohin gehen die Borrelien dann, wenn sie ja offenbar nicht sterben? Ins Gehirn etwa? Ins Herz vielleicht? Hoch problematisch. Es gibt schliesslich Borreliosen mit Befall des Herzens oder des Gehirns. Müsste man so was nicht ausschliessen können, bevor man eine solche “Therapie” propagiert? Oder kann man einfach mal so daher plaudern?
Wird das Milieu nur und spezifisch für die Borrelien verschlechtert? Oder auch für andere Bakterien? Zum Beispiel die Darmflora (Verdauungsstörungen?), die Vaginalflora (Pilzinfektionen?). Wie geht der Organismus als ganzes mit der Milieuveränderung um? Oder tangiert das den Organismus als Ganzes nicht? Unwahrscheinlich, eine solche isolierte Milieuänderung.
Ich selber glaube ja nicht an die Milieuveränderung durch Karde. Aber wenn man so etwas in die Welt setzt, wie Storl das tut, müsste man sich solche Gedanken meines Erachtens schon machen. Denkt man dagegen nicht eine Nasenlänge über die eigene Fantasie hinaus, kann man sich diese mühseligen Fragen ersparen. (M.K.)

Storl: Ich habe hunderte von Rückmeldungen von Betroffenen erhalten, die richtig dankbar sind. Ich persönlich bin ja auch dankbar, ich habe dieses Buch ja nur geschrieben, weil ich mich selbst mit diesen Methoden geheilt habe – ich hatte ja selber Borreliose.

Der Mann redet voll und ganz an meiner Kritik vorbei. Ich wiederhole es solange, bis auch Storl es vielleicht zur Kenntnis nimmt: Bei vielen Borreliose-Infizierten bildet sich die Krankheit auch ohne Behandlung wieder zurück. Das muss bei der Beurteilung von “Heilungserfolgen” berücksichtigt werden. Vielleicht gehören ja all die angeblichen Heilerfolge einfach zu dieser grösseren Gruppe von Menschen, die einfach Glück hatten. Und bei chronischen Borreliose-Verläufen gibt es oft ein starkes Auf und Ab der Beschwerden. Schlechte Phasen können sich mit monate- bis jahrelangen Besserungen abwechseln.
Daher sagen solch völlig undokumentierte und unkontrollierte Heilungsgeschichten nichts aus. Das ist der Kern meiner Kritik am Buch von Storl. (M.K.)

Storl: Aber der Koradi hat da überhaupt kein Standbein.

Was meint der Mann damit? Ich bitte um genaue Kritik, nicht bloss leere Diffamierung. (M.K.)

Storl: Ich weiß gar nicht, warum er so wütend reagiert – es sei denn er will sich eben profilieren.

Wütend – das ist etwas hoch gegriffen. Aber es sträuben sich mir schon alle Haare, wenn derart weitreichende Heilungsversprechungen ohne jede sorgfältige Dokumentation und Begründung verbreitet werden. Und das in einem derart sensiblen Bereich wie der Borreliose. Und wenn das dann noch unter der Etikette “Phytotherapie” daher kommt, dann kann ich das nicht so stehen lassen. Das ist eine fundamentale berufsethische Frage.

Und zum Stichwort “Profilierung”:

Die einfachste Art der Profilierung besteht darin, grosse Hoffnungen zu wecken bei schwierig behandelbaren Krankheiten. Damit füllt man locker Säle, dafür zahlen Betroffene auch stolze Eintrittspreise, so wird man schnell zum grossen und verehrten Heiler. Damit lanciert man problemlos einen profitablen Bestseller. Peter Wanner vom AT-Verlag weiss, wie man solche Geschäfte macht: Ein bisschen Eso-Touch und eine gute Portion Heilsversprechungen und die Kasse klingelt.
Ich schreibe das ohne Neid. Ich könnte mich nicht freuen an solchen Einnahmen, die ich für zutiefst unethisch halte, weil sie Notlagen und Verzweiflung ausnützen. Mir würde auch übel angesichts einer Gemeinde von ergebenen Gläubigen, die jede noch so abstruse Behauptung blind schlucken und keine einzige kritische Frage stellen.

Jedenfalls ist es für den, der Heilungsversprechungen in Frage stellt, nicht ganz so einfach mit der Profilierung. Wenn du jemandem sagst, dass es keinerlei auch nur ansatzweise fundierte Hinweise auf eine Wirksamkeit der Karde gegen Borreliose gibt, kommt natürlich sofort die Frage: Dann sagen Sie mir, welche Pflanzen sonst??
Wieviel einfacher ist es, dieses Bedürfnis zu erfüllen und etwas anzubieten. Du stehst immer gut da, auch wenn du nur Schrott erzählst.

Aber das auszuhalten, dass es für manche Krankheiten keine oder keine einfache oder keine eindeutige Lösung gibt – vielleicht nicht aus der Pflanzenheilkunde, vielleicht überhaupt nicht – das ist sehr viel anspruchsvoller. Das wollen viele Leute nicht gerne hören. Und es wäre doch für viele Leute wichtig für ihren Umgang mit der Krankheit, wenn sie dies zu hören bekämen. Und zwar in einer zugewandten Art, welche die Ohnmacht mitträgt und sich ihr stellt. Auf diesem Boden könnte dann ein guter Umgang mit der Krankheit wachsen. Ein Umgang, bei dem es darum geht, mit der Krankheit eine möglichst hohe Lebensqualität zu erreichen oder zu erhalten (hier sind die Borreliose-Selbsthilfegruppen von grosser Bedeutung).

Diese Art der Auseinandersetzung mit der Krankheit wird oft verpasst, wenn man den Leuten immer (Schein-)Lösungen vorgaukelt, wie das leider auch ein Teil der Naturheilkunde bzw. Pflanzenheilkunde tut.

So. Wenn ich nun abschliessend nochmals zurückkomme auf die Eingangsfrage des Interviewers an Storl, wie er denn mit der Kritik umgehe, dann lässt sich das meines Erachtens nun ziemlich klar beantworten:
Nicht wahrhaben wollen, den Kopf in den Sand stecken, diffamieren, verdrehen, pauschalisieren – nur ja nicht konkret auf Argumente eingehen. (M.K.)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzenkurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

Fachtexte mit der detaillierten Kritik am Buch “Borreliose natürlich heilen” (2007):

Karde gegen Borreliose: Immer noch wirre Behauptungen statt fundierte Begründungen!
http://www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/132919_Karde-Kraut-Borreliose-wirre.pdf

Karde – kein Kraut gegen Borreliose!
http://www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/110646_Karde-Kraut-Borreliose.pdf

Dieses Buch kann Ihre Gesundheit gefährden: “Borreliose natürlich heilen” von Wolf-Dieter Storl,
AT-Verlag 2007
http://www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/125713_Borreliose-Storl-Karde-1.pdf

Karde gegen Borreliose – Heilungsversprechungen der fragwürdigsten Art
http://www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/125527_Storl-Karde-Borreliose.pdf

Fahrlässig-riskante Überhitzungstherapie bei Borreliose
http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/10/01/fahrlaessig-riskante-ueberhitzungstherapie-bei-borreliose.html

Beiträge zur Debatte:

Borreliose-Therapie nach Wolf-Dieter Storl: Beiträge zur Debatte 1
http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/11/06/pflanzenheilkunde-hoch-fragwuerdige-esoterische-theorien-ein-beispiel.html

Borreliose-Therapie nach Wolf-Dieter Storl: Beiträge zur Debatte 2
http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/12/07/borreliose-therapie-nach-wolf-dieter-storl-beitraege-zur-debatte.html

Karde & Borreliose-Therapie nach Wolf-Dieter Storl: Beiträge zur Debatte 3
http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/12/11/karde-borreliose-therapie-nach-wolf-dieter-storl-beitraege-zur-debatte-3.html

Karde & Borreliose-therapie nach Wolf-Dieter Storl: Beiträge zur Debatte 5:

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2010/07/14/karde-borreliose-therapie-nach-wolf-dieter-storl-beitrage-zur-debatte-5.html

Mittelmeerdiät: Vorteile für Herz und Hirn

Dienstag, Februar 24th, 2009

Eine aktuelle amerikanische Untersuchung liefert gute, neue Argumente für eine mediterrane Ernährung: Olivenöl, Gemüse & Co. wirken dem mit dem Alter einher gehenden Abbau der geistigen Leistungen entgegen. Sie können sogar den Ausbruch der Alzheimer-Erkrankung verzögern.

Im Alter steigt die Gefahr an Alzheimer zu erkranken. Eine Vorstufe (genannt: Mild cognitive impairment”, kurz: MCI) führt zu Vergesslichkeit, aber auch Einschränkungen der Aufmerksamkeit und der Körperkontrolle. Offenbar kann die richtige Ernährung das Risiko zu reduzieren, wie Ärzte um den Neurologen Nikolas Scarmeas vom Medical Center der Columbia University in New York feststellten. Als günstig zeigte sich die so genannte mediterrane Diät, das heisst der Verzehr von Gemüse, Hülsenfrüchten, Obst, ungesättigten Fetten, zumeist Olivenöl, Fisch und der moderater Konsum von Alkohol, sowie gleichzeitig der Verzicht auf tierische Fette und Fleisch.

“Diese Ergebnisse unterstützen die Annahme, dass eine mediterrane oder ähnliche Diät das Risiko beeinflusst, dass sich MCI manifestiert oder MCI zur Alzheimer-Erkrankung fortentwickelt”, halten die Mediziner um Nikolas Scarmeas fest. Alles in allem seien die günstigen Wirkungen einer gesunden Ernährung auf MCI jedoch keinesfalls ausreichend untersucht, vor allem die möglichen biologischen Mechanismen, die der Schutzwirkung zu Grunde liegen.

“Auch wenn ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der mediterranen Diät und möglicher Demenzentwicklung hier nicht bewiesen wurde, handelt es sich doch um eine wichtige Studie mit hoher Alltagsrelevanz”, kommentiert Prof. Dr. Matthias Endres, Leiter des Centrums für Schlaganfallforschung und Direktor der Klinik für Neurologie an der Charité in Berlin. “Fest steht: Eine mediterrane Diät ist auf jeden Fall eine gute Empfehlung, um Herz und Hirn auf Dauer Gutes zu tun.”

Quelle: http://www.n-tv.de, 24. Februar 2009

Kommentar:

Zwischen den Bereichen Phytotherapie / Pflanzenheilkunde und Ernährungslehre sind die Übergänge fliessend. Das zeigt sich zum Beispiel bei Gewürzen wie Kümmel, Wacholderbeeren, Ingwer, Paprika, Salbei, Zimt, Bockshornkleesamen, Gewürznelke, Curcuma und viele andere mehr. Immer gibt es dabei einerseits Heilwirkungen und andererseits die genussvoll-kulinarische Seite.
Eine gesunde Ernährung ist ein wichtiges Behandlungselement in der Naturheilkunde.
Allerdings gibt es im Bereich der Ernährungslehren auch viele Heilslehren und abstruse Theorien. Die Herausforderung in diesem Bereich ist meines Erachtens, einerseits nicht auf extreme Heilslehren abzufahren, aber andererseits auch nicht gleichgültig gegenüber der eigenen Ernährung zu sein. Also gesund Ernährung, aber ohne überzogenen Dogmatismus, und mit einer guten Portion Genuss.
Die mediterrane Ernährung (Mittelmeerdiät) bietet einen möglichen Weg, auf dem Gesundheit und Genuss unter einen Hut gebracht werden können.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Grüntee und Schwarztee: Schutz vor Schlaganfall

Montag, Februar 23rd, 2009

Wer jeden Tag mehrere Tassen Tee trinkt, reduziert sein Apoplexie-Risiko. Offenbar existiert sogar ein linearer Zusammenhang. Dabei ist es gleichgültig, ob Grüntee oder Schwarztee konsumiert wird.

Zu diesem Ergebnis kommen Dr. Lenore Arab und Kollegen von der University of California, Los Angeles (USA) in einer aktuellen Meta-Analyse. Die Wissenschaftler hatten neun Studien mit total 194.965 Teilnehmenden ausgewertet.

Dabei wiesen sie einen linearen Zusammenhang zwischen Tee-Konsum und Schlaganfall-Risiko nach. Personen, die täglich drei Tassen Grüntee oder Schwarztee tranken, waren um 21 Prozent weniger gefährdet. Diese Wirkungen zeigten sich aber nur bei Aufgüssen aus der Teepflanze Camellia sinensis, Kräuter- und Früchtemischungen waren in dieser Hinsicht ohne Effekt.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass entweder das Antioxidans Epigallocatechingallat (EGCG) für die positive Wirkung verantwortlich ist – oder auch Theanin, eine in Teeblättern enthaltene Aminosäure. Theanin zeigt strukturelle Ähnlichkeiten mit Glutamat und kann die Blut-Hirn-Schranke passieren. Im Gehirn könnte es mit Glutamat-Rezeptoren interagieren, vermuten die Forscher.
Die Resultate müssten allerdings noch in randomisierten und kontrollierten Studien reproduziert werden, schränkt Arab ein. Dennoch sei von einem signifikant protektiven Effekt durch Trinken von Grüntee oder Schwarztee auszugehen

Quelle: http://www.aerztlichepraxis.de/artikel_neurologie_apoplex_tee_123539272984.htm, 23.02.2009

Originalpublikation:
Stroke 2009, online vorab (doi: 10.1161/STROKEAHA.108.538470)

http://stroke.ahajournals.org/cgi/content/abstract/STROKEAHA.108.538470v1

Kommentar:
Dem Grüntee werden seit Jahren aussergewöhnliche Wirkungen auf die Gesundheit zugeschrieben. Dabei blieben aber auch immer zahlreiche Fragen offen. Unter anderem lagen die Dosierungen, bei denen sich beispielsweise gewisse Schutzeffekte gegen Tumorerkrankungen zeigten, in vielen Studien mit etwa zehn (japanische) Tassen pro Tag ziemlich hoch.

Viele Berichte stellten den Grüntee verglichen mit dem Schwarztee als weit wertvoller für die Gesundheit dar. Die Meta-Analyse der University of California ist nicht die erste Studie, welche diese Bevorzugung in Frage stellt. Vielleicht sind Grüntee und Schwarztee in vielerlei Hinsicht gleichwertiger, als dies gegenwärtig dargestellt wird.
Schwarztee wird sowieso unterschätzt, wenn man ihn nur als Genusstee betrachtet. Er wirkt – wenn er korrekt zubereitet und dosiert wird – innerlich gegen Durchfall und äusserlich gegen Hautentzündungen, Schleimhautentzündungen und nässende Ekzeme. Schwarztee gehört also durchaus zu den Heilpflanzen und nicht nur zu den Genussmitteln.

Positiv an der Studie von Lenore Arab ist, dass wir entsprechend unseren Vorlieben Schwarztee oder Grüntee trinken können, und dass die Dosierung von drei Tassen täglich erreichbar ist.
Ich würde diese Prophylaxe allerdings nur machen, wenn mir der ausgewählte Grüntee oder Schwarztee auch schmeckt. Im Moment finde ich Verveine-Tee aber noch deutlich attraktiver.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Kalorienreduktion verbessert Gedächtnisleistung

Sonntag, Februar 22nd, 2009

Eine Senkung der Kalorienzufuhr um 30 Prozent über drei Monate verbessert das Gedächtnis und reduziert die Insulinkonzentrationen bei älteren Menschen deutlich. Für Nagetiere war dies schon seit einiger Zeit bekannt. Nun haben Wissenschaftler um Agnes Flöel von der Universität Münster untersucht, ob dieser Zusammenhang auch bei Menschen besteht. An der Studie waren 50 Personen im Alter von durchschnittlich 60 Jahren beteiligt, welche in drei Gruppen aufgeteilt wurden: Eine behielt ihre bisherige Ernährungsweise bei, eine zweite nahm verstärkt ungesättigte Fettsäuren zu sich, eine dritte Gruppe senkte die Kalorienzufuhr um 30 Prozent.

Die Teilnehmer mit der Kalorienreduktion schnitten in Gedächtnistests nach drei Monaten um 20 Prozent besser ab als vor der Diät, berichten die Forscher im Fachjournal «PNAS» (Doi: 10.1073/pnas.0808587106). Bei den Teilnehmenden aus den anderen beiden Gruppen verbesserte sich die Gedächtnisleistung nicht. Die Diätgruppe zeigte zudem niedrigere Blutglucose- und Insulinspiegel als vor der Ernährungsumstellung, was die verbesserten kognitiven Fähigkeiten erklären könnte. Denn tiefere Werte waren in früheren Untersuchungen mit einer verbesserten Hirnfunktion in Verbindung gebracht worden.

Quelle: www.pharmazeutische-zeitung.ch, 27.01.2009 l

Kommentar:

Eine zwanzigprozentige Verbesserung ist fast unglaublich.
Zur Verbesserung des Gedächtnisses werden unzählige Nahrungsergänzungsmittel empfohlen, aber auch Heilpflanzen-Präparate zum Beispiel auf der Basis von Ginkgo-biloba-Extrakten oder Ginseng-Extrakten. Es geht dabei immer darum, was wir alles noch zusätzlich einnehmen könnten, um die Gedächtnisleistung zu verbessern. Interessanterweise legt diese Studie das Gegenteil nahe, nämlich nicht mehr, sondern weniger.
Dass tiefere Blutglukose- und Insulinspiegel mit einer verbesserten Hirnfunktion zusammenhängen sollen, scheint mir auch sehr interessant.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Jedes dritte Antibiotikum unnötig verordnet

Samstag, Februar 21st, 2009

Ärzte verordnen Antibiotika häufig nicht korrekt. Eine Untersuchung an drei Walliser Spitälern fand über einen Drittel unnötige Verschreibungen. Und war eine Antibiotikatherapie sinnvoll, verschrieb sie der Arzt in fast der Hälfte aller Fälle nicht korrekt.

Die Forscher um Nicolas Troillet vom Zentralinstitut der Walliser Spitäler untersuchten die Krankenakten von total 600 Patienten, denen zwischen November 2002 und April 2003 ein Antibiotikum verordnet worden war. Sie kamen zum Resultat, dass ein Antibiotikum nur in 62,9 Prozent der Fälle das Mittel der Wahl war.

Viele unnötige Verschreibungn gab es bei Patienten mit akuter Bronchitis, wie die Forscher im Fachmagazin “Journal of Hospital Infection” berichten. Auch bei – zumeist älteren – Patienten mit Bakterien im Urin, jedoch ohne Infektionssymptome, griffen die Ärzte häufig auf Antibiotika zurück.

War eine Antibiotikabehandlung angezeigt, bekamen die Patienten nur in 55,1 Prozent das richtige Antibiotikum in der richtigen Dosierung und für die richtige Dauer. Zudem entschieden sich die Mediziner oft fälschlich für Tabletten statt für eine Injektion.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass in der Studie die unnötig verordneten Antibiotika 20 Prozent der Gesamtkosten ausmachten. Diese Ausgaben könnten vollständig vermieden werden. Sie fanden jedoch auch, dass die unnötigen Medikamente deutlich günstiger waren als die ungeeigneten – wahrscheinlich, weil sie häufiger oral verabreicht werden.

Beim Vergleich zwischen den ungeeigneten und den richtigen Antibiotika ergibt sich ein weniger deutliches Bild: ungeeignete waren im Durchschnitt teurer, der Unterschied jedoch nicht signifikant. Trotzdem: Für die Wissenschaftler ist dies ein guter Grund, um Massnahmen für eine höhere Verschreibungsqualität voranzutreiben.

http://www.medical-tribune.ch/deutsch/news/news.php, 13. 2. 2009

Kommentar:

Die Resultate dieser Studie sind eindrücklich. Angesichts der weltweit zunehmenden Resistenzprobleme mit Antibiotika stellt sich die Frage, ob die Qualitätssicherung der Ärztegesellschaften hier versagt hat und ob die Weiterbildung den fachlichen Ansprüchen genügt.
Die Resistenzprobleme sind schon seit Jahren ein Thema. Meines Erachtens müsste ein solch niederschmetterndes Studienresultat Konsequenzen haben. Und das nicht nur im Wallis.
Dabei ist es mir wichtig festzuhalten, dass ich dies nicht aus einer Feindbildhaltung gegenüber der “Schulmedizin” heraus schreibe, wie sie leider in der Naturheilkunde-Szene weit verbreitet ist. Ich bin überzeugt davon, dass Antibiotika in vielen Fällen wichtige und lebensrettende Medikamente sind.
Im Übrigen könnte die Phytotherapie an manchen Punkten eine sinnvolle Alternative zu unnötigen Antibiotika-Behandlungen bieten. Zum Beispiel bei zwei Problempunkten, welche die Studie anspricht:
Bei akuter Bronchitis könnte beispielsweise Umckaloabo oder Meerrettichwurzel in Frage kommen.
Bei Bakterien im Urin und bei leichteren Fällen von Blasenentzündung (Zystitis) zeigt Preiselbeersaft eine gute Wirkung, und ebenfalls die Meerrettichwurzel.

Es wäre Zeit, an solchen Punkten über seriöse Alternativen aus der Phytotherapie ernsthaft nachzudenken. Das kann man nämlich, ohne dabei in eine extreme “Antibiotika-nie!”-Haltung zu fallen. Differenziertes Denken ist gefragt – und zwar auf Seiten von Medizin und Naturheilkunde.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zürcher Zivilcourage Training

Samstag, Februar 21st, 2009

Die meisten Leute bleiben passiv und schauen weg, wenn jemand angepöbelt oder gar verprügelt wird. Weshalb das so ist, untersuchen Zürcher Motivationspsychologen. Und sie haben auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse ein Zivilcourage-Training entwickelt
Doch warum schauen die Menschen weg? Veronika Brandstätter und ihr Team stellten dazu vier Hauptgründe fest:
- Man scheut vor einer Einmischung in die vermeintliche Privatsphäre anderer zurück.
- Man will sich nicht exponieren.
- Man weiss einfach nicht, was zu tun wäre.
- Man ist so aufgeregt, dass man nicht zum Handeln kommt.

Die verbreitete Passivität steht allerdings im Gegensatz dazu, dass viele Menschen durchaus aktiv werden möchten. «Es gibt eine Lücke zwischen Einstellung und Verhalten», sagt die Motivationspsychologin Veronika Brandstätter.
Dabei hat die Passivität manchmal fatale Folgen: Schweigen kann als Zustimmung fehlinterpretiert werden und die Gewaltbereitschaft sogar verstärken, indem es den Tätern die Rechtfertigung liefert, sie vollzögen ja nur das, was die schweigende Mehrheit will.

Doch was ist überhaupt Zivilcourage?

Zivilcourage, sagt die Forschung, ist das sichtbare Eintreten für die Wahrung von zivilgesellschaftlich demokratischen Grundrechten. Es geht also nicht nur um eine Spende an Amnesty International, sondern um ein sichtbares Aktivwerden für die Menschenwürde. Das braucht Mut, weil mit dem Einschreiten ein gewisses Risiko verbunden ist.

Mit zivilcouragiertem Handeln meint Veronika Brandstätter allerdings keine Heldentaten à la Leoluca Orlando, dem sizilianischen Mafiajäger. «Kleine Schritte statt Heldentaten», ist denn auch ein Motto des Zürcher Zivilcourage-Trainings (ZZT). Die zentrale Botschaft: Zivilcourage braucht es keineswegs nur in Diktaturen. Auch in unserem Alltag gibt es dazu genügend Gelegenheiten: Kleine, zu einem selbst passende Verhaltensweisen, die einem Klima von Gleichgültigkeit und abschätzigem Verhalten Einhalt gebieten können.

Ein zentrales Forschungsergebnis lautet so: Je häufiger sich eine Person in einer Situation befand, in der sie aktives Einschreiten einüben konnte, und je öfter sie dieses Einschreiten kompetent bewältigte, desto wahrscheinlicher ist es, dass Selbstvertrauen, Handlungsentschlossenheit und vor allem Handlungsroutine zunehmen. Es soll beim Einüben von Zivilcourage aber nicht darum gehen, Angstgefühle «wegzutrainieren», sondern darum, Verhaltensweisen zu entwickeln, die trotz Angst ausgeführt werden können.

Das Zürcher Zivilcourage Training (ZZT) vermittelt psychologisches Hintergrundwissen und entwickelt mit Rollenspielen und Übungen wirksame Strategien für das eigene Verhalten in kritischen Alltagssituationen.
Das ZZT basiert auf zwei Säulen. Es vermittelt relevantes Wissen und baut Handlungskompetenzen auf. «Das Spezielle an unserem Training», erklärt Veronika Brandstätter, «ist, dass wir den Teilnehmenden immer die relevanten aktuellsten Resultate aus der psychologischen Forschung präsentieren. So lassen sich Verhaltensänderungen leichter erreichen.» Diese Informationen werden mit den Erfahrungen der Teilnehmenden verknüpft, wobei den Teilnehmenden auch polizeilich erprobte Verhaltensweisen vermittelt werden, die sie in kritischen Situationen anwenden können. Schlussendlich geht es darum, praktikable Handlungspläne zu erarbeiten – keine vagen Absichtserklärungen, sondern konkrete, auf die einzelnen Teilnehmenden ausgerichtete Handlungspläne.

Quelle:
Paula Lafranconi, Couragiert handeln, Artikel auf www.uzh.ch (Universität Zürich, news, 29. 1. 2009)

Öffentlich zugängliche Kurse auf der Basis des Züricher Zivilcourage Trainings gibt es an der EB Zürich (Kantonale Berufsschule für Weiterbildung).
Infos:
http://www.eb-zuerich.ch/kursprogramm/persoenlichkeit-und-management/arbeitswelt-gesellschaft/zuercher-zivilcourage-training.html

Kommentar:

Sie fragen sich, was ein solcher Text in einem Pflanzenheilkunde-Blog zu suchen hat? – Ganz einfach: Wenn es um Gesundheit und Krankheit geht, darf sich eine wache Pflanzenheilkunde meines Erachtens nicht darauf beschränken, die passende Heilpflanze für die jeweiligen Beschwerden zu finden. Der Kontext, in dem wir Menschen leben, ist genauso im Auge zu behalten. Dazu gehört auch die Art und Weise unseres Zusammenlebens. Natürlich stehen solche Aspekte nicht im Zentrum von Pflanzenheilkunde bzw. Phytotherapie. Aber eine Sensibilität für solche Zusammenhänge sollten alle Personen pflegen, die in der Heilkunde tätig sind.
Leider zeigt sich auch im Bereich von Komplementärmedizin / Naturheilkunde verbreitet eine Fixierung auf das Individuum. Gesundheit und Krankheit sind aber immer auch gesellschaftlich beeinflusste Phänomene. Zivilcourage beispielsweise hat meiner Ansicht nach etwas mit Würde und Respekt zu tun – und zwar bei denen, die Zivilcourage ausüben genauso wie bei denen, welchen sie zugute kommt.
Und Würde und Respekt wirken sich meiner Überzeugung nach günstig auf die Gesundheit aus. Obwohl dies natürlich nicht durch doppelblind-randomisierte Studien belegt ist.

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Körperliche Bewegung beugt Dickdarmkrebs vor

Freitag, Februar 20th, 2009

Wer körperlich aktiv ist, sei es berufsbedingt oder in der Freizeit, erkrankt deutlich seltener an einem Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom). Zu diesem Resultat kommt eine Meta-Analyse im British Journal of Cancer (2009; doi: 10.1038/sj.bjc.6604917). Kathleen Wolin vom Siteman Cancer Center in St. Louis im US-Staat Missouri hat die Resultate von 52 Studien zusammengefasst, die seit den 1980er-Jahren den Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Darmkrebs untersucht haben. Dabei schloss sie jene Untersuchungen aus, in denen nicht zwischen Kolon- und Rektumkarzinom (Enddarmkrebs) unterschieden wurde. Dem Krebs im Enddarm kann nämlich nach heutigem Wissensstand nicht durch Sport vorgebeugt werden. Für das Kolonkarzinom ist eine schützende Wirkung aber eindeutig (soweit dies aus Beobachtungs- und Fallkontrollstudien geschlossen werden kann). Menschen mit der größten körperlichen Betätigung erkrankten zu etwa einem Viertel seltener am Kolonkarzinom. Die Art der körperlichen Aktivität spielt keine Rolle. Ob Jogging, Radfahren, Schwimmen oder berufliche Tätigkeiten wie lange Fußwege, Heben oder Graben – die Hauptsache ist offenbar einfach, dass der Körper (und auch der Darm?) in Bewegung gerät. Diese Meinung vertritt auch ein Sprecher der britischen Stiftung Cancer UK, der zusätzlich die Bedeutung des Übergewichts als Risikofaktor betont. Rund die Hälfte der jährlich 13.000 Kolonkarzinome im Vereinigten Königreich seien durch eine Änderung des Lebensstils vermeidbar, heißt es in einer Pressemitteilung der Stiftung Cancer UK.

Quelle: http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=35413

Kommentar:

Es ist immer wieder erstaunlich, in welchen Bereichen sich positive Effekte von körperlicher Aktivität zeigen. Mich selber motiviert vor allem die Natur zu körperlicher Bewegung: Heilpflanzen, Wildblumen, Schmetterlinge und viele andere kleine oder grössere Lebewesen locken zu Entdeckungen. Auch Landschaften wie die Lenk im Simmental oder das Hintere Lauterbrunnental bei Mürren faszinieren mich jedes Jahr von neuem. Bewegung in der Natur ist für mich die attraktivste Art körperlicher Aktivität. Und die Pflanzenheilkunde bietet beste Gelegenheiten, sich regelmässig zu Fuss auf Erkundungstouren zu begeben.

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Forschungsprojekt verneint Risiko durch Amalgam-Füllungen

Freitag, Februar 20th, 2009

Die Entfernung von Amalgamfüllungen bei Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Müdigkeit ist in der Regel unnötig. Solche Symptome könnten auch durch ein spezielles Gesundheitstraining und eine gesunde Lebensweise verschwinden. Die Metalllegierung jedenfalls verursache nur selten Beschwerden.

Zu diesem Resultat kommt ein fächerübergreifendes, insgesamt zwölf Jahre dauerndes Forschungsprojekt.

“Die Empfehlung aus dieser Studie ist: Eine Entfernung des Amalgams ist nicht die einzige Option gegen die Beschwerden”, hält Dieter Melchart vom Münchner Klinikum rechts der Isar fest. An dem Langzeitprojekt hatten mehrere universitäre Einrichtungen mitgewirkt. Die Leitung lag beim Zentrum für naturheilkundliche Forschung am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München.
Die Wissenschaftler kamen zu dem Schluss, dass eindeutige Aussagen über die Schädlichkeit von Amalgam nicht gemacht werden können. “Mit Sicherheit besteht kein Zusammenhang mit viel Amalgam im Mund und hohen Beschwerden”, erklärt Melchart.

Quecksilber-Werte liegen weit unterhalb der Belastungsgrenze

“Allgemein schadet Amalgam nicht”, sagt auch Prof. Reinhard Hickel von der Zahnpoliklinik der Münchner Ludwig Maximilians-Universität. Die Patienten hatten in Fragebögen über 300 Symptome wie Konzentrationsstörungen mit ihren Amalgam-Füllungen in Verbindung gebracht.
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die anorganischen Quecksilberwerte im Blut von Patienten mit Amalgamfüllungen viermal höher waren als bei Menschen ohne solche Füllungen. Allerdings bewegten sich diese Werte weit unterhalb der kritischen Belastungsgrenze, berichtete der Toxikologe Prof. Stefan Halbach vom Helmholtz-Forschungszentrum in Neuherberg bei München. “Hier befinden wir uns im Dosis-Keller.”

Amalgam als Füllstoff

Amalgame sind Legierungen, die aus Quecksilber und anderen Metallen zusammengesetzt sind. Als Material für Zahnfüllungen werden sie eingesetzt, weil sie gut formbar sind und anschliessend rasch hart werden. Das Quecksilber wird während des Härtens fest in die Legierung eingebunden. Dennoch können geringe Mengen des giftigen Metalls aus den Zahnfüllungen freigesetzt werden.

Halbach erläuterte, dass das anorganische Quecksilber im Amalgam weit weniger giftig sei als das organische Quecksilber, welches die Menschen durch den Verzehr von Fischen zu sich nehmen. Bei der Entfernung des Amalgams verminderten sich die anorganischen Quecksilberwerte bei den Patienten, die organischen Quecksilberbestandteile im Blut blieben davon unberührt.
Nach Angaben der Forscher existiert kein Verfahren, um Amalgamschäden eindeutig festzustellen. In einer Kontrollstudie hatten die Wissenschaftler die Messung elektrischer Hautwiderstände, die medikamentöse Ausleitung des im Amalgam enthaltenen Quecksilbers und einen immunologischen Sensibilisierungstest an gesunden und amalgambelasteten Personen untersucht. Resultat: Mit keiner der Methoden könne zwischen gesunden und subjektiv amalgamgeschädigten Menschen unterschieden werden.
Heiss umstrittene Zahnfüllungen

Das Ausmaß der Amalgam-Belastung und die damit verbundenen Folgen sind umstritten. Amalgam-Gegner führen Kopfschmerzen, Nervosität und andere Beschwerden auf ihre Zahnfüllungen zurück. Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte bergen ordnungsgemäß gelegte Amalgamfüllungen keine Gesundheitsgefährdung. Trotz vieler Millionen solcher Füllungen seien weltweit nur etwa 100 Fälle sicher als Amalgam-Allergie beschrieben worden. Einschränkungen der Anwendung bei Schwangeren oder Kleinkindern seien lediglich aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes gemacht worden.

Die Auswertung von über 4.700 Fragebögen aus deutschen Zahnpraxen zu Beschwerden und Zahnstatus ergab keine Unterschiede zwischen Personen mit und ohne Amalgamfüllungen hinsichtlich der subjektiv genannten Beschwerden: “Es gab keine signifikante Korrelation zwischen dem Auftreten und der Intensität bestimmter Symptome und der Anzahl von Amalgamfüllungen”, schreiben die Autoren in ihrer Studie.
Vor der breiten Diskussion über mögliche Gesundheitsschäden wurden in Deutschland pro Jahr rund 60 Millionen Amalgamfüllungen gelegt. Diese Zahl vermindert sich seit Jahren.

http://www.aerztlichepraxis.de/artikel_homepage_aktuell_amalgam_120731564541.htm

Kommentar:

Amalgam ist in der “Naturheilkunde-Szene” ein grosses Thema. Es gibt unzählige “Ausleitverfahren”, mit denen angeblich Quecksilber-Rückstände aus dem Organismus eliminiert werden können.
Ich würde die Möglichkeit nicht ausschliessen, dass es Menschen gibt, die gesundheitliche Probleme wegen Amalgam-Füllungen haben. Geklärt ist offenbar, dass ca. 0,1 Prozent der Bevölkerung allergisch auf Amalgam reagiert (nach SSO, Schweizerische Zahnärzte-Gesellschaft). Andere Gesundheitsschäden konnten bis heute in wissenschaftlichen Untersuchungen nicht nachgewiesen werden. Belegt ist dagegen, dass die Belastung des menschlichen Organismus durch gelöstes Quecksilber aus Amalgamen kleiner ist als die Quecksilberaufnahme durch unsere Nahrungsmittel.

Die Verwendung von Quecksilber scheint mir allenfalls aus ökologischen Gründen fragwürdig .
Darüber hinaus gibt es aber meines Erachtens einige Hinweise für eine groteske Dämonisierung von Amalgam. Es wird für eine sehr lange Reihe von Beschwerden verantwortlich gemacht.
Nun leiden aber auch sehr viele Menschen an diversen, unklaren, unfassbaren Beschwerden.
Meines Erachtens werden oft solche vagen Symptome dem Amalgam untergeschoben. Es ist nämlich schwer auszuhalten, wenn für solche Beschwerden keine Ursache zu finden ist. Eine klare Ursache, ein Sündenbock, erleichtert die Situation ungemein und ermöglicht eine Behandlungsstrategie. Zum Beispiel das Ersetzen aller Amalgam-Füllungen oder aufwendige Quecksilber-Ausleitungen. Dadurch verbessern sich vage Beschwerden oft.
Das könnte gut mit dem Placebo-Effekt zu tun haben. Der ist umso stärker, je ausgefallener, teurer, exotischer, schmerzhafter die Behandlung ist.

Im Klartext: Es gibt wohl eine (eher kleine) Gruppe von Menschen mit gesundheitlichen Problemen infolge von Amalgam-Füllungen. Und es gibt wohl eine viel grössere Gruppe von Menschen, denen eingeredet wurde, dass sie ein Problem mit Amalgam haben. Das kommt vielen angeblich Betroffenen entgegen, weil sie dadurch endlich eine klare Diagnose für ihre unklaren Beschwerden bekommen. Und es kommt auch vielen Therapeuten und Therapeutinnen entgegen, die sich voller Überzeugung an die Eliminierung des Quecksilbers machen und dabei in einer Heiler-Rolle aufgehen können.

Die Untersuchung unter Leitung des Zentrums für naturheilkundliche Forschung scheint mir jedenfalls diese Einschätzung zu stützen.

Korianderkraut, Knoblauch, Bärlauch, Zwiebel, Kapuzinerkresse, Meerrettich - Ausleitungsmittel?

Zur Ausleitung von Quecksilber werden auch verschiedene Heilpflanzen angepriesen, zum Beispiel Korianderkraut, Knoblauch, Bärlauch, Zwiebel, Kapuzinerkresse, Meerrettich. Trotz intensiver Suche habe ich bis zum jetzigen Zeitpunkt kein einziges Argument gefunden, welches die Wirksamkeit dieser Massnahmen glaubwürdig macht.
Heilpflanzen haben viele Kräfte, auch Korianderkraut, Knoblauch, Bärlauch, Zwiebel, Kapuzinerkresse und Meerrettich. Aber nicht alles, was ihnen an Wirkungen zugeschrieben wird, ist auch plausibel.

Dazu kommt dann noch, dass die Amalgam-Angst in der Naturheilkunde-Szene stark geschürt wird. Dadurch werden zahlreiche Leute überzeugt sein von Amalgam-Problemen, die sie möglicherweise gar nicht real haben.
Lassen Sie sich nicht unnötigerweise Angst einjagen. Wenn Ihnen jemand zur Behandlung von vagen Beschwerden wie Müdigkeit oder Kopfschmerzen eine Quecksilber-Ausleitung empfiehlt, verlangen Sie Belege dafür, dass Wirklich das Quecksilber die Ursache ihrer Beschwerden ist. Solche Zusammenhänge werden nämlich häufig konstruiert von Therapeutinnen oder Therapeuten, für welche Quecksilber fast für alle gesundheitlichen Beschwerden verantwortlich ist.

Ich behaupte nicht, dass Amalgam harmlos ist. Es gibt aber meines Erachtens gute Gründe dafür, dass Amalgam als Sündenbock hochgespielt wird. Und kaum fundierte Gründe für die Wirksamkeit von Quecksilber-Ausleitungen, die als Gegenmittel propagiert werden.
Trotzdem boomt die Amalgam-Sanierungs-Branche, weil sie offenbar verbreitete Bedürfnisse bedient.

Solche Überlegungen hört man in weiten Bereichen der Naturheilkunde gar nicht gerne. Und auch die Untersuchung am Zentrum für naturheilkundliche Forschung wird in diesen Kreisen wohl unreflektiert zerrissen oder gar nicht zur Kenntnis genommen.

Dabei wäre meiner Meinung nach ein kritischerer Umgang mit den eigenen Überzeugungen für die weitere Entwicklung der Naturheilkunde von grosser Bedeutung. Panikmache und Wundergeschichten allein sind jedenfalls nicht dazu angetan, das Vertrauen in die Naturheilkunde zu stärken.

Falls mir jemand Facts zur Wirksamkeit von Quecksilber-Ausleitungen durch Korianderkraut, Bärlauch, Knoblauch, Zwiebel, Kapuzinerkresse und Meerrettich liefern kann, bin ich daran interessiert und werde alle Infos sorgfältig prüfen. Aber Facts bitte, nicht nur wunderbare Heilungsgeschichten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Störung als Glücksfall?

Donnerstag, Februar 19th, 2009

Der Begriff “Störung” hat ein ganz und gar negatives Image. Fragt sich nur, ob dieser schlechte Ruf immer auch gerechtfertigt ist.
Der Pädagoge und Erwachsenenbildner Max Feigenwinter sieht auch die Chancen der Störung:

Je mehr alles
geordnet,
geregelt,
festgelegt,
voraussagbar ist,
desto
einfacher,
klarer,
sicherer
scheint das Leben zu sein.

Doch,
ist es nicht gerade das
Unerwartete,
Überraschende,
Ungewohnte,
Störende,
das uns fordert
und Leben fördert?

Max Feigenwinter

Meiner Ansicht nach spricht Feigenwinter hier ein zentrales Thema unserer Kultur an: Störungen sind bei uns grundsätzlich unerwünscht.
Das ist aber nicht überall auf der Welt so. Ich befasse mich seit einigen Jahren mit den Unterschieden zwischen westlichem und chinesischem Denken.
Wir im Westen stellen uns für alles einen idealen Ablauf vor. Dabei handelt es sich meist um den kürzesten Weg zu einem gesetzten Ziel.
Alles, was nun auf diesem Weg als Hindernis auftritt, gilt als unerwünschte Störung.

Altchinesisches Denken kennt dieses Ausgerichtetsein auf Ideale und Ziele nicht.
Alles was im Gange ist, gehört zu einem Prozess. So gibt es diese strikte Trennung nicht zwischen dem idealen Weg und der Störung, die dazwischen kommt. Meine eigenen Beobachtungen in China haben mir oftmals gezeigt, dass auch heutige chinesische Menschen ziemlich tolerant mit dem umgehen, was uns Westler als Störung nervt.
Es geht mir nun aber keineswegs darum, dass wir alle “Chinesen” werden und auf altchinesisches Denken umschalten. Das geht nicht und wenn es gehen würde, gäbe es eine ziemlich eigenartige Kopie. Im Kontrast zum chinesischen Denken zeigen sich aber die Eigenarten unserer westlichen Denkstrukturen schärfer.

Die abendländische Diffamierung der Störung schlägt sich auch in der Geschichte der Heilkunde nieder und wirkt bis in die Gegenwart. Krankheit ist die Störung in Reinkultur. Gesundheit dagegen ist ein Idealzustand und hat mit Harmonie zu tun. Chinesisches Denken würde wohl schon die Trennung zwischen Gesundheit und Krankheit nicht so scharf ziehen.

Die Vorstellung von Gesundheit als Idealzustand absoluter Harmonie, und von Störung als Ursache von Krankheit findet sich auch in vielen Heilsystemen aus den Bereichen Komplementärmedizin, Naturheilkunde und Esoterik – so zum Beispiel in den Schriften von Edward Bach, dem Begründer der Bach-Blüten-Therapie.

Ganz im Sinne des Zitates von Max Feigenwinter scheint mir ein freundlicherer Blick auf das Phänomen “Störung” angebracht – auch bezüglich Gesundheit und Krankheit.

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