Archive for Dezember, 2008
Mittwoch, Dezember 31st, 2008
Bereits mit einem leichten körperlichen Training können Osteoporose-gefährdete Frauen offenbar ihre Knochen schützen. Die Knochendichte an der Lendenwirbelsäule lässt sich sogar steigern. Es muss also anscheinend nicht immer intensives Krafttraining sein.
Darauf deuten jedenfalls die Dreijahres-Ergebnisse der Erlanger Fitness-Osteoporose-Präventionsstudie hin. Professor Andreas Kurth aus Frankfurt am Main berichtete darüber an einer Veranstaltung des Bundesselbsthilfeverbandes für Osteoporose in Essen. In der Studie wurde der Einfluss körperlicher Belastung bei 78 Frauen in der frühen Postmenopause untersucht. Das mittlere Alter lag bei 55 Jahren. Die Menopause und das damit verbundene gesteigerte Risiko für Osteoporose waren bei ihnen durchschnittlich im Alter von 50 Jahren eingetreten. Die Frauen zeigten bereits eine reduzierte Knochenmasse im Sinne einer Osteopenie, erfüllten aber noch nicht die Kriterien für eine Osteoporose.
Die Studienteilnehmerinnen schluckten täglich 1500 mg Kalzium und 500 IE Vitamin D3. Zusätzlich bekamen 48 von ihnen ein leichtes körperliches Training, das sowohl gemeinsam durchgeführt wurde (zweimal wöchentlich 60 bis 70 Minuten) als auch alleine zu Hause (zweimal wöchentlich je 25 Minuten). Körperliche Höchstleistungen waren dabei jedoch nicht nötig: Das gemeinsame Training beispielweise bestand aus Spielen und gymnastischen Übungen. Das Heimtraining umfasste isometrisches Muskeltraining, Seilspringen und dynamisches Muskeltraining mit elastischen Bändern.
Bereits im ersten Jahr zeigte sich bei den Teilnehmerinnen der Sportgruppe eine leichte Verbesserung der Knochendichte: Sie nahm im Durchschnitt um etwa ein Prozent zu und blieb auch nach drei Jahren noch über dem Ausgangsniveau. Dagegen ging in der trainingsfreien Kontrollgruppe die Knochendichte der Lendenwirbelsäule fortlaufend und signifikant weiter zurück. Das führte in nur drei Jahren im Durchschnitt zu einem Verlust von zirka drei Prozent.
Professor Andreas Kurth sagte an der Veranstaltung der Bundesselbsthilfeverbandes für Osteoporose: “Medikamente sind also nicht das einzige Konzept gegen Osteoporose”. Auch Training sei wichtig zur Vorbeugung. Als Ausdauertraining eigne sich beispielsweise drei- bis viermal wöchentlich 30 Minuten Radfahren oder Gehen. Je nach individueller Leistungsfähigkeit könne auch ein Krafttraining unter Aufsicht durchgeführt werden, etwa mit dem Theraband, so Kurth.
Quelle: Ärztezeitung online, 30. 12. 2008
Kommentar:
- Hier zeigt sich wieder einmal, dass es eben oft gar nicht die Extreme braucht. Auch zur Vorbeugung gegen Herz-Kreislauferkrankungen zeigt sich immer wieder, dass schon moderate Bewegung verhältnismässig viel bringt – nur muss sie kontinuierlich durchgeführt werden, am besten integriert in den normalen Tagesablauf.
- Aus dem Bereich von Phytotherapie / Pflanzenheilkunde werden zur Vorbeugung der Osteoporose immer wieder Heilpflanzen mit einem hohen Gehalt an Phytoöstrogenen diskutiert. Auch Soja als Nahrungsmittel ist immer wieder im Gespräch. Bei Soja gibt es deutliche Hinweise, dass es zur Osteoporose-Prophylaxe nur etwas bringt, wenn man mit der Einnahme bereits kurz nach der Monopause beginnt und nicht erst im Alter von 60 oder 70 Jahren.
- Warum präsentiere ich Ihnen hier diesen Bericht über Bewegung und Osteoporose-Prophylaxe? – Weil nichtmedikamentöse Therapiekonzepte wie “Bewegung” kaum eine Lobby haben und darum oft unverdientermassen unter den Tisch fallen. Bei Medikamenten aus der Medizin, aber auch bei Naturheilmitteln wie Heilpflanzen-Präparate, homöopathische Globuli etc. gibt es immer Hersteller und Verkäufer, die Werbung dafür machen, Berichte publizieren, Inserate schalten usw. Von einem so einfachen Prinzip wie “Bewegung” profitiert dagegen kaum jemand, ausser wieder in der speziellen Variante des Krafttrainings im Fitnessclub. So macht für simples “Gehen” kaum jemand Propaganda. Das verschiebt in der öffentlichen Wahrnehmung die Prioritäten in eine irreführende Richtung. Es geht dann immer um Medikamente, Naturheilmittel etc. Auch wenn ich natürlich gerne Heilpflanzen-Präparate empfehle, liegen mir nichtmedikamentöse Behandlungsarten sehr am Herzen. So explizit weiss und sage ich das allerdings erst, seit ich selber keine Heilpflanzen-Präparate mehr verkaufe.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
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Dienstag, Dezember 30th, 2008
Der Therapieerfolg mit Schmerzmitteln hängt in starkem Masse von den Rahmenbedingungen ab. Viele Studien deuten darauf hin, dass Behandlungen in diesem Bereich oft erst durch die Kombination von medikamentösen und nicht medikamentösen Einflüssen therapeutische Relevanz bekommen. Es gibt viel zu wenige Studien darüber, auf welche Art und in welchem Ausmass die Wirksamkeit von Arzneitherapien durch Faktoren beeinflusst wird, die dem therapeutischen Umfeld zuzuordnen sind. Eine interessante Untersuchung ging in diesem Sinne der Frage nach, welchen Einfluss Kenntnisse über den Preis eines Präparates auf den Behandlungserfolg beim Patienten haben können. Prof. Volker Schulz stellte die Studie in der Zeitschrift für Phytotherapie (5/2008) vor.
Ich fasse den Artikel von Volker Schulz hier zusammen, weil mir die Studie interessant scheint für jede Variante von Heilkunde – für die Medizin genauso wie für Naturheilkunde, Phytotherapie, Pflanzenheilkunde, Homöopathie etc.
Die Fragestellung lautete: Wirkt ein Schmerzmittel, das teuer ist, besser als ein Billigprodukt?
An der randomisierten Doppelblindstudie in Boston / USA nahmen 82 gesunde Personen beiderlei Geschlechts teil. Das mittlere Alter betrug 30 Jahre. Alle Teilnehmenden wurden vor der Rekrutierung mit einer Broschüre darüber informiert, dass es um die Prüfung der Wirksamkeit von neu zugelassenen Schmerzmitteln ginge. Per Zufallsprinzip (= Randomisierung) wurden die Testpersonen in zwei gleich grosse Gruppen von je 41 Personen geteilt. Dann erhielten je 41 Teilnehmende die Zusatzinformation, dass bei ihnen ein Hochpreispräparat zu 2.50 US$ resp. ein Billigpräparat zu 0,10 US$ zur Anwendung käme. In Wirklichkeit bekamen aber alle dasselbe Präparat, nämlich ein Placebo (= wirkstofffreies Scheinpräparat).
Nach der Einnahme des Präparates wurde die Schmerzsensibilität mittels Stromstössen am Unterarm ermittelt. Die Details des Verfahrens lasse ich hier weg.
Im Vergleich der Gruppen zeigten sich nun statistisch hoch signifikante Unterschiede zwischen dem “teuren” und dem “billigen” Präparat. Im Zeitraum 30 – 80 Minuten nach der Einnahme des “Schmerzmittels” war die gemittelte Schmerzreduktion in der “Niedrigpreis”-Gruppe weniger als halb so gross wie in der “Hochpreis”-Gruppe. 85% der Testpersonen aus der “Hochpreis”-Gruppe empfanden eine deutliche Schmerzverminderung nach der Einnahme des Präparates. In der “Niedrigpreis”-Gruppe waren es nur 61%.
Prof. Schulz fügt seiner Beschreibung der Studie einen bedenkenswerten Kommentar bei. Er hält zunächst einmal fest, dass der geldwerte Preis einer Arznei wohl nur ein nachrangiger Einflussfaktor sei im Hinblick auf die Aktivierung von Placebo-Effekten. Dem therapeutischen Gespräch mit dem Arzt oder Apotheker und dem gewachsenen Vertrauen des Patienten in ein Heilmittel misst er die weitaus grössere Bedeutung zu. Schulz hält es zudem für höchste Zeit, dass mehr systematische Untersuchungen über die Einflüsse der therapeutischen Umfelder auf die Behandlungserfolge von Arzneien durchgeführt werden. Er kritisiert an diesem Punkt auch, dass die gegenwärtig übliche Bewertungspraxis den Nutzen einer Arznei allein am Unterschied zwischen Placebo (dem Scheinmedikament ohne Wirkstoff) und Verum (dem echten Medikament) misst, der sich bei Patienten-Studien zeigt.
Schulz schreibt, dass dadurch die vielseitigen Rahmenbedingungen der Therapie ohne eigenen Wert bleiben und deshalb mit Nicht-Therapie gleichgesetzt werden. Tatsächlich sei es aber zum Beispiel bei Studien zur Schmerztherapie so, dass die Schwelle der klinischen Relevanz häufig erst durch das Zusammenwirken medikamentöser und nicht medikamentöser Faktoren erreicht werde.
Nach Ansicht von Prof. Schulz würde das im Umkehrschluss heissen, dass bei separater Bewertung weder der medikamentöse noch er nichtmedikamentöse Anteil für sich allein den notwendigen Evidenzgrad erreichen könnte. Mit placebokontrollierten Studien liessen sich Wirksamkeit und Nutzen solcher kombinierter Behandlungen gar nicht beweisen, hält Schulz fest: “Die isolierte statistische Bewertung therapeutischer Teilhandlungen birgt vielmehr die Gefahr, dass integrierte Behandlungsmethoden, die sich in der Praxis als nützlich, ausreichen und zweckmässig erwiesen haben, für wertlos erklärt werden.”
Originalarbeit: Waber RL, Shiv B, Carmon Z, Ariely D. Commercial features of placebo and therapeutic efficacy. JAMA 2008; 299: 1016 – 1017
Kommentar:
Mir scheint, man soll das eine tun und das andere nicht lassen.
Eine bestimmte Therapie mit einer Placebo-Behandlung zu vergleichen, das ist grundsätzlich schon wichtig, damit klar wird, ob die Therapie für sich allein genommen eine Wirkung hat. Das ist auch eine ethische Frage. Zum Beispiel immer dann, wenn ein kranken Mensch (oder seine Krankenkasse) für ein bestimmtes Mittel zahlt. Ebenso bei schweren, gefährlichen Krankheiten. Da haben Patientinnen und Patienten schlicht das Anrecht auf eine Therapie, deren Nutzen so weit wie möglich dokumentiert, belegt und geklärt ist.
Andererseits stimmt es natürlich, dass in einer realen Krankheitssituation nie ein Heilmittel für sich allein, also isoliert vom therapeutischen Kontext, angewendet wird. Es ist dann immer das gesamte Verfahren, das zur Anwendung gelangt und das als Ganzes Nutzen zeigen kann (oder nicht).
Aus der Pflanzenheilkunde kommt mir dazu Orangenblütentee in den Sinn, der in Spitälern und Pflegeheimen als Einschlafhilfe gern angeboten und auch gern getrunken wird. Zum Orangenblütentee gibt es keinerlei Patientenstudien. Er kommt in den Phytotherapie-Fachbüchern nicht einmal vor. Ob eine Tasse Orangenblütentee isoliert betrachtet einen Effekt hat, ist also nicht geklärt. Es gibt Leute, denen hilft dieser Einschlaftee, anderen nicht. Vielleicht ist es hier ja auch der therapeutische Kontext, die Zuwendung, das Teeritual, die einen wesentlichen Teil zur Wirkung beitragen. Wer weiss? Und für diejenigen, denen der Orangenblütentee hilft, spielt wohl keine so grosse Rolle, ob der Effekt nun vom Orangenblütentee selber kommt oder vom therapeutischen Kontext.
Phytotherapie-Fachleute sollten meines Erachtens sehr genau darüber Bescheid wissen, ob eine bestimmte Heilpflanze sich in Patienten-Studien als wirksamer im Vergleich zu Placebo gezeigt hat. Das gehört zur fachlichen Kompetenz. Und sie sollten wissen, in welchen Fällen es ein Heilpflanzen-Präparat mit einer gut belegten Wirkung braucht.
Genauso sollten sie aber für die Beurteilung der Wirkung in der konkreten Krankheitssituation auch den therapeutischen Kontext einbeziehen – das Teeritual, die Zuwendung beispielsweise – und diese Aspekte genauso wertschätzen.
Gerade bei Einschlafproblemen oder bei Schmerzen ist dieser Kontext von grosser Bedeutung.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Dienstag, Dezember 30th, 2008
Heilpflanzen erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit – und geraten dadurch häufig selbst in Bedrängnis. Das berichtet der WWF.?Die Heilkraft von Pflanzen, die lange Zeit eher mystisch denn faktisch belegt war, ist in unserem Zeitalter längst zu einem Bestandteil einer global agierenden Industrie geworden. Kräuter und Essenzen aus den abgelegensten Regionen der Erde gibt es heute in Apotheken und Drogerien zu kaufen. Das Geschäft nur schon mit den Rohstoffen ist 1,2 Milliarden Dollar schwer, noch viel mehr ist mit fertigen Heilpflanzen-Präparaten zu verdienen. Für viele Pharmakonzerne ist es deshalb attraktiv, sich in diesem Segment weiter auszubreiten.
Was dem Menschen hilft, überfordert aber die Natur in zunehmenden Maße. Einige Heilpflanzen wurden für die kommerzielle internationale Nutzung so rücksichtslos ausgebeutet, dass sie heute vom Aussterben bedroht sind. Die Wirksamkeit zahlreicher Medizinalpflanzen ist längst wissenschaftlich belegt. In vielen Gegenden der Erde sind die Menschen noch immer stark auf die Kraft der Pflanzen angewiesen, weil Ärzte oder Spitäler kaum erreichbar und synthetische Präparate für viele zu teuer sind. Wichtiges traditionelles Wissen um die Heilkraft der Natur geht für immer verloren, wenn diese Ressourcen nicht nachhaltig genutzt, sondern ungehemmt geplündert werden.
Heilpflanzen und Artenschutz?
Für einen wirksamen Schutz vor Übernutzung wurden etwa 350 Heilpflanzen in den CITES-Katalog der bedrohten Arten aufgenommen. CITES bedeutet »Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora« (Konvention zum internationalen Handel mit gefährdeten wildlebenden Tier- und Pflanzenarten) und ist auch als Washingtoner Artenschutzübereinkommen bekannt. Durch gesetzliche Auflagen soll sichergestellt werden, dass Nutzung und Handel ohne Gefährdung der Pflanzen erfolgt. Naturschutz und die Verwendung von Heilpflanzen-Präparaten lassen sich durchaus unter einen Hut bringen.
Der WWF arbeitet zusammen mit seiner Partnerorganisation TRAFFIC bereits an einem internationalen Standard zur naturverträglichen Sammlung von Heilpflanzen. Nachhaltige Methoden zur Gewinnung der heilenden Stoffe – zum Beispiel durch Züchten oder schonendes Ernten des Rohmaterials – sollen gewährleisten, dass sie uns auch morgen noch zur Verfügung steht.
Jutta Jahrl, Artenschutzexpertin des WWF, erklärt: “Das Wissen um die Gefährdung von Medizinalpflanzen ist immer noch relativ gering. Anwender, Vertreiber und Importeure von Phyto-Präparaten sind besonders wichtige Partner bei deren Schutz. Fragen Sie nach, woher die Rohstoffe kommen und ob Gewinnung und Handel unter Einhaltung der Artenschutzgesetze erfolgt sind!”
Weitere Infos: www.wwf.at/Heilpflanzen
Quelle: Österreichische Apotheker-Zeitung Ausgabe 22 / 2008
http://www.oeaz.at/zeitung.html /
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Montag, Dezember 29th, 2008
Der Fenchel spielt in der Kinderheilkunde eine bedeutende Rolle. So wie er sind auch andere Heilpflanzen wegen ihrer milden Wirkung gerade für Kinder speziell gut geeignet. Darauf weisen Wissenschaftler der Universität Würzburg hin. Sie wählten den Fenchel zur Arzneipflanze des Jahres 2009.
Viele Eltern wissen es aus Erfahrung: Wenn die Ernährung von Säuglingen umgestellt wird, kommt es häufig zu Blähungen. Zur Linderung dieser Beschwerden bekommen die Kinder dann Fencheltee.
Fenchel ist deshalb sehr oft das erste Arzneimittel, mit dem der Mensch in seinem Leben in Kontakt kommt. Das ist in Europa so und auch in vielen anderen Gegenden der Welt, beispielsweise in Australien und China. Der Fenchel dürfte darum eine der bekanntesten Heilpflanzen sein.
In der Phytotherapie werden ausschließlich die Früchte des Fenchel verwendet, die umgangssprachlich auch als Samen bezeichnet werden. Als wirksamer Inhaltstoff gilt im Wesentlichen das ätherische Öl. Dieses sollte zu mindestens 60 Prozent aus dem süßlich schmeckenden trans-Anethol bestehen, aber auch das eher bittere Fenchon enthalten.
Die Wirkstoffe des Fenchels steigern die Peristaltik des Magen-Darmtraktes und sind in höherer Konzentration krampflösend. Für Anethol und Fenchon ist zudem ein schleimlösender Effekt nachgewiesen.
Fenchel wird medizinisch eingesetzt gegen unspezifische Verdauungsprobleme, wie etwa leichte krampfartige Magen-Darm-Beschwerden, Völlegefühl und Blähungen. Zur Anwendung kommt er auch bei Entzündungen von Hals und Rachen. Haben Kinder diese Beschwerden, gibt es dafür den traditionellen Fenchelhonig.
Botanik und Geschichte
Fenchel zählt wie Anis, Kümmel und Liebstöckel zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Die Pflanze stammt aus dem Mittelmeergebiet und hat gerne warme, feuchte, kalkhaltige Böden. Heute wird sie aus Bulgarien, Ungarn, Rumänien, Ägypten und China eingeführt.
Schon die frühen Hochkulturen in Ägypten oder China nutzten den Fenchel als Gemüse und als Heilpflanze. In Deutschland beschrieb erstmals Walahfrid Strabo, Abt des Klosters Reichenau, um das Jahr 840 die Heilwirkungen der Pflanze: Mit Wein oder Ziegenmilch getrunken, soll der Fenchel Blähungen des Magens lösen, eine allzu träge Verdauung verbessern und gegen Husten hilfreich sein.
“Damit lag der Benediktinerabt erstaunlich nahe an den Anwendungen der modernen Phytotherapie”, bestätigen Franz-Christian Czygan, Johannes Gottfried Mayer und Ralf Windhaber vom Würzburger Studienkreis “Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde”. Dieser wählt seit 1999 die Arzneipflanze des Jahres.
Zum Studienkreis an der Universität Würzburg gehören Medizinhistoriker, Ärzte, Apotheker und pharmazeutische Biologen; teilweise auch Studierende und die Dozierenden der Seminare “Grundlagen der Phytotherapie” und “Phytotherapie und traditionelle Medizin”.
Die jeweilige Arzneipflanze des Jahres soll sich durch eine interessante Kultur- und Medizingeschichte auszeichnen. Ihre Wirkung soll zudem in gut belegten oder vielversprechenden pharmakologischen und klinischen Studien überprüft sein.
(Quelle: Pressemitteilung Julius-Maximilians-Universität Würzburg)
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Sonntag, Dezember 28th, 2008
Schwarztee kann entzündliche Hauterkrankungen stabilisieren, zum Beispiel bei Ekzemen und offenen Beinen. Umschläge mit Schwarztee haben bei verschiedensten Hauterscheinungen gute Erfolge gebracht.
Der Gefässmediziner Dr. Georg Gallenkemper aus Krefeld testete die Wirkung von Schwarztee-Umschlägen in seiner Praxis. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse stellte er auf der 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie vor.
Insgesamt 26 Patienten mit entzündlichen Hauterkrankungen wendeten zwei- bis dreimal täglich Schwarztee-Umschläge an – zusätzlich zur jeweiligen Standardtherapie.
Die Rötung, die Gewebeschäden und die Schmerzen klangen in allen Fällen rasch ab, sagte Dr. Gallenkemper. Auch die Symptome Nässen, Juckreiz und Spannungsgefühl bei Wassereinlagerungen verminderten sich innerhalb von zwei bis drei Tagen. In keinem Fall hatte sich der Befund durch die Schwarztee-Behandlung verschlechtert.
Schwarztee-Umschläge wirken antientzündlich und antimikrobiell, wobei ihre Gerbeffekte auf die Haut entscheidend sein dürften. Dr. Gallenkemper hielt aber fest, dass die ursächliche Therapie, z.B. Antibiotika oder Kompression, weitergeführt werden müsse.
Quelle: Medical Tribune, Ausgabe 49 / 2008
Kommentar:
Schwarztee zählt wohl für die meisten Leute eher zu den Genussmitteln und weniger zu den Heilpflanzen. Immerhin wird seine Wirkung gegen Durchfall inzwischen schon ziemlich häufig genutzt.
Dass man Schwarztee auch äusserlich anwenden kann bei Entzündungen von Haut und Schleimhäuten, ist in der Öffentlichkeit aber kaum bekannt. Aus Sicht der Phytotherapie lässt sich der Bericht von Dr. Gallenkemper gut nachvollziehen. Auch Phytotherapie-Pflegefachleute machen mit Schwarztee-Umschlägen gute Erfahrungen.
Schwarztee hat zudem den Vorteil, dass er in jeder Pflegeinstitution und auch in den meisten Haushalten zur Verfügung steht.
Zum Test von Dr. Gallenkemper wäre noch anzufügen, dass man bei dieser Art von Anwendungsbeobachtung vorsichtig sein sollte mit den Schlussfolgerungen. Konkret kann man nämlich bei keinem der 26 Patienten sagen, wie der Therapieverlauf ohne die Schwarztee-Umschläge gewesen wäre.
Mich überzeugt die Schwarztee-Empfehlung, weil ich positive Rückmeldungen aus verschiedenen Quellen habe und weil die beschriebene Wirkung aufgrund des hohen Gerbstoffgehalts im Schwarztee plausibel erscheint.
Erst dieses “Puzzle” von Erkenntnissen überzeugt mich vom Nutzen der Schwarztee-Umschläge bei Hautentzündungen.
Zudem spricht viel dafür, dass Schwarztee nicht bei allen Formen von Hautentzündungen gute Effekte zeigt, und dass man hier differenzieren müsste.
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Samstag, Dezember 27th, 2008
Eine Studie an Mäusen zeigt, dass möglicherweise schon kleine Mengen Koffein Ungeborene schädigen können.?
Bereits ein bis zwei Tassen Kaffee in der Schwangerschaft könnte den Embryo beeinträchtigen: Eine vergleichbare Koffein-Dosis schädigte in einer Untersuchung mit Mäusen die Entwicklung des Herzens und führte bis ins Erwachsenenalter zu einer verringerten Herzfunktion. Zu diesem Resultat kommt ein Forscherteam um Scott Rivkees von der Yale Universität in New Haven (USA). Allerdings seien weitere Untersuchungen nötig, um die Auswirkungen von Kaffee in der Schwangerschaft abschließend zu bewerten, kommentieren die Mediziner ihre Studie.
Die Forscher verabreichten Mäusen in der Frühschwangerschaft eine Dosis Koffein, wie sie in zwei Tassen Kaffee enthalten ist. Diese Dosis bekamen die Nager zwischen dem achten und zehnten Tag der Schwangerschaft, während der Vergleichsgruppe im gleichen Zeitraum eine wirkungslose Salzlösung injiziert wurde. Um gleichzeitig die Wirkung von Sauerstoffmangel in der Schwangerschaft zu untersuchen, wurde die Hälfte der Mäuse jeder Gruppe bei normaler Raumluft gehalten, die andere Hälfte lebte zwei Tage lang bei halbiertem Sauerstoffgehalt.
Selbst die vergleichsweise geringe Koffein-Dosis wirkte sich bei den Mausembryonen schädlich auf die Herzentwicklung aus: Bestimmte Zellschichten der Herzkammern waren bei normaler Raumluft um 37 Prozent dünner als bei Tieren, die kein Koffein bekommen hatten, bei zusätzlichem Sauerstoffmangel sogar um 53 Prozent dünner. Darüber hinaus verringerte das Koffein die Herzfunktion bei den erwachsenen Mäusenachkommen – und zwar um 35 Prozent. Rivkees und sein Team beobachteten zudem auch eine Auswirkung auf das Körperfett: Bei männlichen Mäusen, die im Mutterleib Koffein ausgesetzt waren, fanden sie im Erwachsenenalter 20 Prozent mehr Körperfett als in der Vergleichsgruppe.
Obwohl diese Resultate von Mäusen stammten, sei es plausibel, die gleichen Wirkungen auch beim Menschen anzunehmen, schreiben Rivkees und sein Team. “Unsere Forschungsarbeiten lassen Koffeingenuss in der sehr frühen Schwangerschaft bedenklich erscheinen”, sagt der Wissenschaftler. Allerdings seien weitere Untersuchungen nötig, um die schädlichen Effekte eindeutig zu belegen.
Schon anfangs zu dieses Jahres zeigte eine Studie von der Kaiser Permanente Division of Research in San Francisco (USA), dass bereits ein bis zwei Tassen Kaffee täglich das Risiko für eine Fehlgeburt deutlich steigern.
Quelle: www.wissenschaft.de
Originalarbeit: Scott Rivkees (Yale Universität, New Haven, USA) et al: The FASEB Journal, DOI: 10.1096/fj.08-124941
Kommentar:
Der Bericht auf www.wissenschaft.de fokussiert stark auf das Thema Kaffee & Schwangerschaft. Mir scheint allerdings, dass man hier alle anderen koffeinhaltigen Getränke genauso ins Auge fassen muss. Koffein ist inzwischen in derart vielen Getränken als Muntermacher enthalten, dass viele Konsumentinnen und Konsumenten sich darüber gar nicht mehr bewusst sind.
Es ist tatsächlich immer eine sehr schwierige Frage, ob und wenn ja wie genau Ergebnisse aus Mäusestudien auf Menschen übertragen werden können. Wir haben natürlich mit Nagetieren stoffwechselmässig viele Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. Mit einer Koffein-Dosis, die zwei Tassen Kaffee entspricht, wurde hier aber eine Dosis eingesetzt, die viele Menschen locker um einiges überschreiten. Insofern scheint es mir angebracht, die Warnung vor allem für die Frühschwangerschaft ernst zu nehmen.
Nicht unproblematische ist Koffein im Übrigen auch während der Stillzeit, da es vom Kind aufgenommen und nur langsam wieder ausgeschieden wird (hohe Halbwertszeit), könnten rasch Konzentrationen im kindlichen Organismus erreicht werden, die beispielsweise den Schlaf beeinträchtigen können.
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Freitag, Dezember 26th, 2008
Ich bin immer wieder erschüttert darüber, wie blind und fraglos auch die abstrusesten Behauptungen ohne jede Begründung akzeptiert werden – gerade auch im Bereich der Naturheilkunde. Was ich über Wirkungen von Heilpflanzen höre, hat mit Fakten oft kaum etwas zu tun und entspringt wohl häufig eher purem Wunschdenken.
Hier wäre es meines Erachtens sinnvoll und auch nötig, dass die Naturheilkunde von der Wissenschaft lernt, wie man kritische Fragen stellen kann. Dem steht entgegen, dass viele Leute in der Naturheilkunde und auch in der Pflanzenheilkunde in einer Abwehrhaltung gegenüber der Wissenschaft erstarrt und daher kaum offen sind, um etwas von ihr aufzunehmen. Die Wissenschaft selber macht es Aussenstehenden aber oft auch nicht leicht, ihre Kernanliegen zu verstehen.
Wenn Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler an die Öffentlichkeit treten, kommen sie im allgemeinen mit fertigen Ergebnissen, die dann von den Medien oft noch stark verkürzt und als wissenschaftliche Wahrheit präsentiert werden. Kein Wunder, bekommt die Wissenschaft in breiten Kreisen einen arroganten Ruf.
Statt hauptsächlich nur fertige Ergebnisse vorzustellen, müsste viel stärker vermittelt werden, wie Wissenschaft funktioniert und was ihre Anliegen sind. Es müsste viel stärker vermittelt werden, dass Wissenschaft eigentlich eine Diskussionskultur pflegt (oder jedenfalls pflegen sollte) – im Gegensatz zu den dogmatischen Behauptungen der diversen Heilslehren, wie wir sie auch aus der Naturheilkunde kennen. Es müsste dargestellt werden, dass Wissenschaft mit vielen offenen Fragen lebt, sich weiterentwickelt und nicht den Anspruch vertritt, endgültige Wahrheiten zu verkaufen. Solche Kernanliegen der Wissenschaft werden durch verzerrte Darstellung in den Medien, übermässige Kommerzialisierung der Forschung und andere Auswüchse vernebelt. Wissenschaft ist – wenn ich ihre Kernanliegen richtig verstanden habe – durchaus eine bescheidene Angelegenheit. Ganz im Sinne einer Aussage des Wissenschaftsphilosophen Karl Popper:
“Es dürfte uns gut tun, uns manchmal daran zu erinnern, dass wir zwar in dem Wenigen, das wir wissen, sehr verschieden sein mögen, dass wir aber in unserer grenzenlosen Unwissenheit alle gleich sind.” (Karl Popper Lesebuch, UTB 2000, S. 38)
Warum nur kommt Wissenschaft so oft ganz anders rüber?
Meines Erachtens muss sich die Wissenschaft hier auch ein Stück weit selber an der Nase nehmen – sofern sie eine hat.
Wenn ich mich an meine Schulzeit erinnere, dann habe ich dort vom Sinn und Zweck der Wissenschaft und von ihren Grundprinzipien kaum etwas gehört. Es wurden hauptsächlich scheinbar fertige Ergebnisse der Wissenschaft präsentiert, die man als Schüler wie die Einlagen in einen Banksafe möglichst sicher aufbewahren und bei einer Prüfung unverändert zurückgeben sollte. Mag sein, dass sich hier inzwischen etwas zum Positiven geändert hat. Aber sicher bin ich mir da nicht.
Kürzlich bin ich im Internet auf einen Film gestossen, dem es um die Schulung des kritischen Denkens geht. Zentral dabei ist das Bewusstsein über die vielfältigen Möglichkeiten sich zu täuschen. Hier zeigt der Film die wichtigsten Täuschungsmöglichkeiten und die Fragen, die man stellen sollte, um nicht in jede dieser Fallen zu treten. Mir persönlich kommt der Film an manchen Punkten etwas zu fortschrittseuphorisch daher und er pauschalisiert an anderen Punkten gegenüber den alternativen Heilmethoden zu stark. Gerade im Bereich der Phytotherapie gibt es zahlreiche Heilpflanzen, deren Wirkungen auch aus einer wissenschaftlichen Optik gut belegt sind. Abgesehen von solchen Schwachpunkten wirft der Film aber wichtige Fragen auf. Und weil ich nachdrücklich der Ansicht bin, dass es innerhalb der Naturheilkunde mehr kritisches Denken und weniger naive Leichtgläubigkeit braucht, empfehle ich diesen Film ausdrücklich auch Menschen, die der Naturheilkunde nahe stehen. Schliesslich ist es ein Ausdruck von Stärke, wenn man sich mit Kritik ernsthaft auseinandersetzt.
Hier können Sie den Film anschauen:
www.overstream.net/view.php
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Dienstag, Dezember 23rd, 2008
Pektine sind Polysacharide (hochmolekulare Kohlenhydrate), die in Zellwänden von Pflanzen weit verbreitet vorkommen. Sie übernehmen dort festigende und wasserregulierende Funktionen. Ernährungsphysiologisch betrachtet sind Pektine für den Menschen Ballaststoffe, weil sie für uns unverdaulich sind. Viele Mikroorganismen dagegen können Pektine verwerten. Obst und Gemüse sind gute Pektinquellen, wobei allerdings weiche Früchte wie zum Beispiel Erdbeeren pektinarm sind.
Wissenschaftler konnten nun erstmals zeigen, dass Pektin Eiweiße an sich bindet, die bei der Krebsentstehung eine Rolle spielen. Sie vermuten damit einen Mechanismus entdeckt zu haben, durch den Obst und Gemüse vor Krebs schützen könnten.
Dies sei eine der ersten Studien, welche den Schutzeffekt von Obst und Gemüse gegen Krebs auf molekularer Ebene erklären könne, schreiben die Forscher um Victor Morris vom Institute of Food Research in Norwich.
Bisher wurde der Zusammenhang zwischen Ernährungsfaktoren und Krebs vor allem in Bevölkerungsstudien untersucht. So zeigte die großangelegte Studie “European Prospective Investigation of Cancer” (EPIC) einen deutlichen Zusammenhang zwischen einer ballaststoffreichen Ernährung und einem geringeren Magen- und Darmkrebsrisiko. Wie dieser Wirkung genau zustande kommt, war aber bisher unklar.
Mit Hilfe verschiedener mikroskopischer Methoden konnten die britischen Biowissenschaftler nun zeigen, dass ein Bestandteil des Pektins sich an das Eiweiß Galectin 3 (Gal3) bindet, welches bei allen Stadien der Krebsentwicklung eine Rolle spielt. Die Forscher nehmen an, dass Pektin dadurch diesen Eiweißbaustein Gal3 hemmt und somit der Krebsentstehung entgegenwirkt.
Hinweise auf eine ähnliche Schutzwirkung gegen Krebs gibt es bei den Beta-Glukanen. Das sind lösliche Ballaststoffe, die in Getreide enthalten sind. “Wenn man eine Reihe positiver Effekte für die Gesundheit erzielen will, ist es also am besten, regelmäßig verschiedenes Obst und Gemüse und ballaststoffreiche Nahrung zu sich zu nehmen”, ist Victor Morris überzeugt. “Man muss dabei gar nicht auf eine besonders ausgeklügelte Ernährung achten.”
Quelle: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/296470
Originalarbeit:
Victor Morris (Institute of Food Research, Norwich) et al.: The FASEB Journal, DOI: 10.1096/fj.08-106617
Kommentar:
Pektin spielt auch eine Rolle in traditionellen Hausmitteln der Naturheilkunde wie zum Beispiel in der Apfeldiät und der Karottensuppe, die beide bei akuten Durchfällen eingesetzt werden. Hier sind wir im Übergangsbereich zwischen Diätetik und Pflanzenheilkunde, obwohl natürlich Äpfel und Rüebli nicht zu den eigentlichen Heilpflanzen gerechnet werden.
Damit nicht falsche Hoffnungen geschürt werden, muss meines Erachtens zur tumorvorbeugenden Wirkung der Pektine noch ergänzt werden, dass sich ein allfälliger positiver Effekt auf den Magen-Darmtrakt beschränken dürfte. Pektine als Polysacharide sind nämlich kaum resorbierbar. So ist es äusserst unwahrscheinlich, dass sie Fernwirkungen im Organismus entfalten können.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
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Tags: Apfel, Apfeldiät, Ballaststoffe, Beta-Glukane, Darmkrebs, EPIC, Erdbeeren, Ernährung, Gal3, Galectin 3, gegen, Gemüse, Gesundheitsberufe, Getreide, Heilkräuterkurse, Heilpflanzen, Heilpflanzen-Seminar, Karotten, Klinik, Kohlenhydrate, Krankenpflege, Kräuterexkursionen, Krebs, Naturheilkunde, Obst, Palliative Care, Pektine, Pflanzenheilkunde, Pflege, Pflegeheim, Phytotherapie, Phytotherapie-Ausbildung, Polysacharide, Rüeblisuppe, Schmerzen, Schweiz, Spitex, Studien, Weiterbildung, Winterthur, Zürich
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Samstag, Dezember 20th, 2008
Schmetterlinge haben in den letzten Jahrzehnten durch die Zerstörung von Lebensräumen und durch Veränderungen in der Land- und Forstwirtschaft bereits starke Verluste hinnehmen müssen. Diese nach wie vor anhaltende Gefährdung wird nun durch die klimatischen Einflüsse noch verstärkt. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und die Naturschutzorganisation NABU stellten vor kurzem den neuen europäischen Klimaatlas der Schmetterlinge vor. Dieser zeigt, dass Europas Schmetterlinge durch den Klimawandel ernsthaft bedroht sind. Für den Aurorafalter beispielsweise gehen die Wissenschaftler davon aus, dass er bei der gegenwärtigen Entwicklung bis ins Jahr 2080 über 85 Prozent seines Lebensraumes verlieren könnte.
Der Klimaatlas zeigt einen deutlichen Trend nach Norden im zukünftigen Verbreitungsgebiet vieler europäischer Arten.
Nimmt man ein “worst-case-scenario” an, das von einem durchschnittlichen Temperaturanstieg in Europa von 4,1°C bis 2080 ausgeht, würden sich zum Beispiel für 70 der rund 300 untersuchten Schmetterlingsarten über 95 % des gegenwärtig geeigneten Klimaareals verschieben. Von diesem Verlust betroffen wären zum Beispiel das Große Wiesenvögelchen oder der Braunfleckige Perlmutterfalter.
Bei einem Szenario mit relativ geringer Veränderung – durchschnittliche Temperaturerhöhung um 2,4°C – rechnen die Fachleute vom UFZ immer noch mit einem Verlust von über 50 Prozent des derzeitig geeigneten Areals für 147 Arten.
Josef Settele, der federführende Autor des Atlasses, betonte: “Die Art und Weise, in der Tagfalter betroffen sind, gibt uns gute Anhaltspunkte darüber, wie auch viele andere Insekten reagieren dürften – und Insekten machen nicht nur zwei Drittel aller Artenvielfalt aus, sondern sind beispielsweise auch unverzichtbar für erfolgreiche Landwirtschaft.”
Quelle: http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-9246-2008-12-11.html
Kommentar:
Wer Heilpflanzen nur um des eigenen Gesundheitsnutzens willen schätzt, wird Schmetterlinge wohl nicht speziell beachten oder allenfalls als ästhetisches Phänomen wahrnehmen.
Wer dagegen zu Heilpflanzen und Wildblumen eine Beziehung auch um ihrer selbst willen pflegt, interessiert sich auch für Schmetterlinge als Gäste der Blüten. Stellt man den rein nutzenorientierten Blick mal etwas auf die Seite, gewinnt nämlich der Lebensraum an Bedeutung, in dem eine Pflanze gedeiht. Ihre Lebensbedingungen, ihre Nachbarn, ihre Fressfeinde, ihre Bestäuber und viele andere Zusammenhänge rücken in den Vordergrund.
Dann lässt einen auch das Schicksal der Schmetterlinge nicht mehr kalt. Schwer abzuschätzen, wie sie eine drastische und vor allem rasch einsetzende Klimaerwärmung bewältigen könnten.
Diese Problematik bringt im Übrigen grundsätzliche Fragen der Naturethik auf den Tisch.
Es gibt in der Naturethik zwei sehr gegensätzliche Positionen, die man verkürzt etwa so darstellen könnte:
Die Physiozentrik sagt, dass man die Natur um ihrer selbst willen schützen muss. Die Natur hat ihren eigenen Wert und eigene Rechte. Schmetterlinge sollen daher “an sich” geschützt werden.
Die Anthropozentrik sagt, dass wir die Natur in unserem ureigensten Interesse schützen sollten, weil wir immer auf sie angewiesen sind, sei es als Nahrungsmittel, Heilmittel oder Rohstoff, als Quelle für Erholung und ästhetischen Genuss etc. Schmetterlinge werden dann geschützt, weil sie als wichtiges Glied zu einem biologischen Gleichgewicht beitragen, auf das wir Menschen letztlich immer angewiesen sind, aber auch ganz einfach, weil sie für uns schön sind.
Das ist eine sehr spannende Diskussion. Spontan würde ich immer zu einer physiozentrischen Position neigen. Selbstverständlich hat für mich die Natur eigenen Wert und eigene Rechte. Sie nur aus dem Blickwinkel menschlichen Nutzens zu betrachten, scheint mir sehr beschränkt.
Allerdings ist die physiozentrische Position bei genauerer Betrachtung nicht ohne Haken. Jedenfalls dann, wenn es nicht nur um eine Grundhaltung der Natur gegenüber, sondern um konkretere Schutzmassnahmen geht. Dann ist es zu mindestens sehr fraglich, ob wir die Natur anders als aus unserer menschlichen Perspektive wahrnehmen können. Auch ist es nicht gerade einfach, die Natur als Ganzes zu schützen. Was immer wir Konkretes tun oder unterlassen, greift in irgendeiner Weise in die Natur ein. Und das geschieht wohl nur vom Standpunkt des Menschen aus. Ob es daher möglich ist, die Werte und Rechte der Natur ganz und gar unabhängig von einem menschlichen Blickwinkel zu schützen und zu respektieren, auf diese Frage gibt es sehr unterschiedliche Antworten.
Wahrscheinlich braucht es für den Schutz der Natur Elemente aus der anthropozentrischen wie aus der physiozentrischen Position.
Eine gute Portion an fundamentalem Respekt vor der Natur aus der Physiozentrik und ein bescheidenes Anerkennen unserer Gebundenheit an die menschliche Perspektive aus der Anthropozentrik.
Die beiden Positionen können nämlich gegenseitig ihre Schwächen ein Stück weit ausgleichen. Wer sich für diese naturethische Diskussion interessiert, findet dazu eine gute Zusammenfassung im Buch “Naturethik” von Angelika Krebs. Im Buchshop können Sie dazu eine Besprechung lesen und das Buch auch bestellen, und zwar in der “Abteilung” Naturphilosophie.
P.S. Wir halten auf unseren Heilkräuter-Exkursionen immer auch die Augen offen für Schmetterlinge. Häufigere und einfacher zu bestimmende Tagfalter können Sie daher gut auf meinen Kursen in der Natur kennen lernen. So kommen Sie in Kontakt mit der faszinierenden Welt der Schmetterlinge. In unserem Buchshop gibt es auch eine “Abteilung” für Schmetterlinge.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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