Phytotherapie: Passionsblume als Angstlöser

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Über Jahre hinweg galt in Phytotherapie & Pflanzenheilkunde der Wurzelstock der Kava-Kava-Pflanze als Angstlöser der ersten Wahl. Seine Wirkung war wissenschaftlich gut belegt. Nachdem die Arzneimittelbehörden Heilpflanzen-Präparate aus Kava-Kava wegen einiger ungeklärter Verdachtsfälle auf Leberschädigung aus dem Markt genommen haben, klafft hier eine therapeutische Lücke.
Die Passionsblume (Passiflora incarnata) ist eine der Heilpflanzen, die seither auf eine mögliche angstlösende Wirkung genauer untersucht wurden.
Ein Artikel in der Österreichischen Apotheker-Zeitung (21/2008) stellt die Passionsblume umfassend vor. Die Autorin Michaela Döll, Diplom-Biologin mit Lehrauftrag im Fachbereich Lebensmittelchemie / Pharmazie an der Universität Braunschweig, geht auf die Symbolik der Passionsblumenblüte und auf die Geschichte dieser faszinierenden Heilpflanze ein. Dann fasst sie den aktuellen Wissensstand bezüglich Inhaltsstoffe und Wirkungen der Passionsblume zusammen. Interessant sind in dieser Hinsicht vor allem zwei Studien mit Patientinnen und Patienten.
In einer placebokontrollierten Doppelblindstudie wurde Passiflora bei Personen mit Angststörungen untersucht. Dabei wurde ein wässrig-alkoholischer Auszug von Passionsblumenkraut zusammen mit einem Placebo gegen den Tranquilizer Oxazepam (30mg/Tag), ebenfalls zusammen mit einem Placebo, verabreicht. Der Wirkungseintritt erfolgte in der Passiflora-Gruppe erst ab dem 7. Tag, während er unter der Anwendung von Oxazepam bereits nach 4 Tagen eintrat. Ab dem 7. Tag bis zum Studienende am 28. Tag war zwischen Passiflora- und Oxacepam-Wirkungen kein relevanter Unterschied in der beruhigenden Wirkung mehr ersichtlich.
Eine weitere Studie am Universitätsklinikum in Liège (Belgien) verglich Passiflora (400mg Trockenextrakt) bei Patienten mit Angststörungen mit diversen Benzodiazepinen (Diazepam, Lorazepam, Flunitrazepam). Der Passionsblumenkraut-Extrakt zeigte hinsichtlich seiner beruhigenden Eigenschaften eine gute Wirkung, die jener der getesteten Benzodiazepine sogar überlegen war. Mit nur 10 Teilnehmenden war diese Studie allerdings sehr klein.
Eine randomisierte, kontrollierte Doppelblindstudie untersuchte die Wirkung von Passionsblumenextrakt auf Entzugserscheinungen bei 65 opiatabhängigen Personen.
Getestet wurde Passionsblumenextrakt plus Clonidin gegen Clonidin plus Placebo. Die Entzugserscheinungen wurden während eines zweiwöchigen Beobachtungszeitraums erfasst. Die Beurteilung der physischen Symptome zeigte in den beiden Gruppen keine Unterschiede. Betreffend der psychischen Entzugssymptome ergab sich aber ein deutlicher Vorteil der Passiflora-Gruppe gegenüber der Placebo-Gruppe.
Leider enthält der Artikel in der Österreichischen Apotheker-Zeitung wenig konkrete Angaben zu den beschriebenen Studien, so dass deren Qualität nicht wirklich beurteilt werden kann.
Es gibt aber auch positive Empfehlungen von phytotherapeutischen Fachkommissionen (Kommission E, ESCOP) für die Wirksamkeit der Passionsblume. Im Vordergrund steht dabei die Behandlung von nervösen Unruhezuständen am Tag sowie bei nervös bedingten Schlafstörungen. Gewöhnungseffekte und eine klassisch sedierende Wirkung sind nicht zu erwarten. Passionsblumenkraut beruhigt ohne zu ermüden und entspannt bei voller Konzentration.
Entsprechend den Empfehlungen der phytotherapeutischen Fachkommissionen ist auf eine ausreichende Tages-Dosierung zu achten (ca. 1000mg Passionsblumen-Trockenextrakt entsprechend einem Auszug aus etwa 6g Passionsblumenkraut).
(Quelle: http://www.oeaz.at/zeitung.html)
Es spricht also einiges dafür, dass Passionsblumenkraut als milder Angstlöser Potenzial hat.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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1 Antwort
  1. Boebbsche
    Boebbsche says:

    Sehr geehrter Herr Koradi,
    herzlichen Dank für Ihre ausführlichen Ausführungen.
    Auch ich bin Opfer der heimtückischen Erkrankung, die mein Zentralnervensystem irreversibel geschädigt hat. Ich hatte viele Jahre lang Lähmungen und bin heute noch nicht wieder so gehfähig wie früher.
    Leider bekam ich anfangs Medikamente wegen einer nie bewiesenen, aber trotzdem vehement vom Neurologen verteidigten MS-Diagnose vollkommen falsche Medikamente. Diese brachten mir natürlich keine Besserung sondern Verschlechterung.
    Ich wurde durch die Borreliose zur Frührentnerin und ich kann nur jedem empfehlen, sich sofort ausgiebig schulmedizinisch behandeln zu lassen – so lange die Borreliose frisch ist. Im Spätstadium heilen Antibiotika nicht mehr, davon bin ich inzwischen überzeugt. Sie ermöglichen aber zumindestens mir ein halbwegs normales Leben. Ohne Antibiotika würde ich heute im Rollstuhl sitzen.

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