Pflanzenheilkunde: Hoch fragwürdige esoterische Theorien – ein Beispiel

Borreliose-Therapie nach Wolf-Dieter Storl – Beiträge zur Debatte 1

Es gibt meiner Ansicht nach ein Ausmass an esoterischen Verirrungen in der Pflanzenheilkunde, das mir sehr problematisch scheint und das ich an einem Beispiel illustrieren möchte. Ich schildere es hier, weil ich glaube, dass die Auseinandersetzung damit lehrreich sein kann für den Umgang mit Heilpflanzen und mit dem ganzen Feld von Pflanzenheilkunde & Naturheilkunde. Nehmen Sie sich ein bisschen Zeit, wenn Sie sich auf diese Auseinandersetzung einlassen möchten. Kommentare wie immer erwünscht.

Ich habe in mehreren Texten das Buch “Borreliose natürlich heilen” von Wolf-Dieter Storl an zahlreichen Punkten kritisiert, weil ich es für ausgesprochen gefährlich und fahrlässig halte. Weder Peter Wanner vom AT-Verlag noch Wolf-Dieter Storl vom AT-Verlag sind auf die detaillierte Kritik eingegangen.
Interessierte können die Texte hier nachlesen:

Dieses Buch kann Ihre Gesundheit gefährden: “Borreliose natürlich heilen” von Wolf-Dieter Storl:
www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/125713_Borreliose-Storl-Karde-1.pdf

Karde gegen Borreliose – Heilungsversprechungen der fragwürdigsten Art:
http://www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/125527_Storl-Karde-Borreliose.pdf

Karde – kein Kraut gegen Borreliose!
www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/110646_Karde-Kraut-Borreliose.pdf

Karde gegen Borreliose: Immer noch wirre Behauptungen statt fundierte Begründungen!
http://www.phytotherapie-seminare.ch/docs_db/132919_Karde-Kraut-Borreliose-wirre.pdf

Sehr eindrücklich sind für mich die Reaktionen auf diese Kritik. So erreichte mich zum Beispiel vor kurzem ein E-Mail der Leiterin einer “Akademie”, an der Kräuterheilkundige ausgebildet werden. Ich zitiere dieses Mail hier vollständig, aber anonymisiert:

“Guten Tag Herr Koradi

Vielleicht interessiert es Sie, dass Herr Dr. Storl von der Natur als Naturgelehrter akzeptiert wird. Also kann er nicht so falsch liegen. Und im Endeffekt hilft uns Menschen das, was wir glauben. Eine Freundin von mir wurde mit Kardentinktur gesund, was den behandelnden Arzt sehr gewundert hat. Und meine Studierenden lernen bereits in der ersten Lektion, dass es keine allgemein gültigen Regeln gibt. Und dann beachten Sie bitte, wie viele angebliche Giftpflanzen und Nebenwirkungen die atheistische Wissenschaft gezaubert hat, weil sie immer noch nicht begriffen hat, dass sich die Natur weder normen noch standardisieren, noch beherrschen lässt. Die Quittung für unser Tun werden wir nun erhalten. Und ebenfalls ist eine Tatsache, dass Herr Dr. Storl um einiges weiter sieht als sogenannt normale Menschen, da er auch die intuitive Ebene braucht. Darum würde ich sagen, dass sein Weg und Ihr Weg eine Berechtigung hat, da alles aus dem selben Licht geschaffen ist. Das oberste göttliche Prinzip ist übrigens, dass der Mensch den freien Willen hat, das zu wählen, was er als richtig erachtet. Mit kollegialen Grüssen
X. Y.”

Auf dieses Mail möchte ich im Sinne einer Antwort nun genauer eingehen.

Guten Tag Frau X. Y.

Schade, dass Sie an keinem Punkt auf meine detaillierte fachliche Kritik eingehen. Diese Abschottung gegen jede kritische Reflexion, wie sie auch Peter Wanner als Verleger und Besitzer des AT-Verlages und Wolf-Dieter Storl als Autor betreiben, halte ich auf einer politischen Ebene für höchst besorgniserregend. Glauben Sie auch im politischen Bereich so vollkommen blind und ungeprüft jeder wunderbaren Behauptung? Dann kann ich nur hoffen, dass sich diese Haltung nicht noch mehr ausbreitet. Sonst “Gute Nacht, Demokratie”. Demokratie lebt nämlich von der kritischen Auseinandersetzung und Prüfung.
In diesem Sinne denke ich gerne über Ihr Mail nach:

Sie schreiben:
“Vielleicht interessiert es Sie, dass Herr Dr. Storl von der Natur als Naturgelehrter akzeptiert wird. Also kann er nicht so falsch liegen.”

Wie genau hat denn die Natur Ihnen mitgeteilt, dass sie Wolf-Dieter Storl als Naturgelehrten akzeptiert? Spricht die Natur in Ihrem Verständnis mit einer ungeteilten Stimme? Keine Differenzen in der Natur? Keine Widersprüche? Die Natur ist eins? Eine Person gar? – Mir scheint, es gibt durchaus unterschiedliche Positionen in der Natur, zum Beispiel zwischen der Krähe und den Eiern der Kohlmeise, die sie gerade frisst. Oder zwischen der Kohlmeise und der Schwalbenschwanzraupe, die verspeist wird. Aber für Sie ist alles eins?
Bezüglich Naturvorstellung liegen tatsächlich Welten zwischen mir und den Positionen von Ihnen und Wolf-Dieter Storl. Dieser behauptet ja: “Ich bin ein Teil des Waldes!” – Aber er fliegt als Teil des Waldes problemlos nach Mallorca oder sonstwohin, um ein Seminar zu leiten. Kann man da einfach als Teil des Waldes kurz mal aussteigen? – Wer behauptet, er sei ein Teil des Waldes, den würde ich auch fragen: “Wer frisst Dich?” – Denn mindestens in einem Wald im ökologischen Gleichgewicht wird wohl jeder Teil von einem anderen gefressen. Die Natur kennt keine Ehrfurcht vor dem Leben, hat Albert Schweitzer gesagt. Wie schön, dass man sich da als Teil des Waldes bei Bedarf wieder in die gute Stube zurückziehen kann. Ich finde solch hohle Phrasen zum Schreien.
Mir scheint, dass Sie die Natur als göttliche Instanz hinstellen, wenn Sie schreiben, dass “Dr. Storl” von der Natur als Naturgelehrter akzeptiert worden ist. Das halte ich an sich schon für hoch fragwürdig. Wie erkennen Sie denn genau, was diese vergöttlichte Natur will? Eine Tumorerkrankung ist ja auch Natur. Darf man da eingreifen oder will es die göttliche Natur, dass der Krebs wächst und sich entwickelt? Auch das AIDS-Virus ist Natur. Würden Sie eine Behandlung als unnatürlich ablehnen? Eine Lungenentzündung? Die Bakterien sind Natur, die Antibiotika stammen von der “atheistischen” Wissenschaft. Patient sterben lassen als Naturprozess? Ich meine diese Fragen sehr ernst.

“Und im Endeffekt hilft uns Menschen das, was wir glauben.”

Da wäre ich mir nicht so sicher. In den 30er- und 40er-Jahren des letzen Jahrhunderts haben viele Menschen an Adolf Hitler geglaubt, leider gerade auch viele Menschen im Umfeld von Esoterik und Naturheilkunde, dort waren die führenden Nationalsozialisten nämlich geistig zuhause (siehe: http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/07/27/naturheilkunde-und-nationalsozialismus-eine-kaum-bekannte-unheilsame-verbindung.html).
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es diesen hitlergläubigen Menschen beispielsweise geholfen hat, bei den Bombardierungen von Dresden während des Feuersturms im Keller zu verbrennen. Was die Menschen glauben, kann sie zu edelsten Taten motivieren, aber auch ins totale Verderben stürzen oder zum Kriegsverbrecher werden lassen. Genau darum müssen wir sorgfältig prüfen, was wir glauben.
Oder um ein Beispiel aus der Medizin zu nehmen: Finden Sie es akzeptabel, wenn Zeugen Jehovas ihrem Kind eine lebensrettende Bluttransfusion nach einem Unfall wegen ihres Glaubens verweigern? Kein ethisches Problem?

“Eine Freundin von mir wurde mit Kardentinktur gesund, was den behandelnden Arzt sehr gewundert hat”

Das ist wieder so eine schöne Anekdote, wie ich sie schon in meiner Kritik des Storl-Buches in Frage gestellt habe. Warum verschweigt ihr Dr. Storl eigentlich in seinen wundersamen Heilungsberichten konsequent, dass der überwiegende Teil der Borreliosen von selbst zum Stillstand kommt? Vielleicht gehört ja ihre Freundin zu dieser glücklichen Gruppe. Pech hat ja nur der Rest, bei dem die Krankheit weitergeht, wenn man sich statt einer Antibiotika-Therapie auf die famosen Tipps des Wolf-Dieter Storl verlässt. Diese gutgläubigen Leute riskieren dann Dauerschäden bis hin zur Invalidität. Das nenne ich fahrlässige Heilsversprechungen.
Warum verschweigt ihr Dr. Storl bei seinen Heilungsversprechungen, dass es bei chronischen Borreliosen in der Regel von Natur aus (!) einen schwankenden Verlauf gibt, und dass man darum nicht jede Besserung zum Beispiel einer Kardentherapie zuschreiben kann.
Warum verschliessen Sie und Ihr Dr. Storl die Augen davor, dass bei jeder Therapie und gerade auch bei Schmerzbehandlungen ein grosser Teil der Wirkung auf einem Placebo-Effekt beruht und dass man dies bei der Beurteilung von Heilerfolgen berücksichtigen müsste?
Warum verschweigt Wolf-Dieter Storl, dass die Karde das Wachstum von Borrelien nicht hemmt, sondern allenfalls sogar eher fördert – untersucht im Labor an der Hochschule Wädenswil, zugegeben, aber es liegt an Storl, die von ihm behauptete Wirkung plausibel zu dokumentieren. Man könnte ja diese Untersuchungen von Prof. Sievers zumindestens erwähnen und allenfalls kritisch kommentieren. Dann könnten sich die Leute eine eigene Meinung bilden. Aber warum verschweigen?
Warum liegt auch nach Jahren der Heilungsversprechungen von Storl noch kein einziger publizierter Krankheitsverlauf vor: Eingangsbefund und -diagnose, Krankheitsverlauf, Begleitmedikation, Abschlussbefund und -diagnose. Das wäre der Minimalststandard, damit Fachleute sich damit auseinandersetzen können. Es bleibt aber bisher bei Schlagworten im Stil von: Schon wieder eine wunderbare Heilung!
Warum dieses eklatante Desinteresse an sorgfältiger Dokumentation. Warum das Abschieben von Misserfolgen mit der Kardentherapie, im Buch zum Beispiel auf eine Beziehungsstörung der Patientin. Vielleicht weil von “der Natur” akzeptierte Naturgelehrte solch banalen Pipifax wie Dokumentation und Begründung nicht nötig haben?
Ich bin interessiert an einer detaillierten Krankengeschichte ihrer Freundin, aber nicht nur an einer schönen Geschichte, es müssten schon Facts sein. Oder wie wärs mit einem Bericht des behandelnden Arztes, wenn der doch so verwundert war?

“Und meine Studierenden lernen bereits in der ersten Lektion, dass es keine allgemein gültigen Regeln gibt”

Meiner Meinung nach ist es ziemlich schwierig, etwas zu lehren oder zu lernen, wenn es keine allgemein gültigen Regeln gibt. Wie stellen Sie das wohl an? Ich kann mich natürlich ganz darauf beschränken, was die Heilpflanze in mir auslöst. Das kann dann jede und jeder so machen und es mag durchaus schön sein, aber irgendwie bleiben ja dabei alle ganz in ihrer Welt isoliert. Und vielleicht hat dann das Erlebte viel mehr mit dem Erlebenden zu tun als mit der Heilpflanze. Das kann eine gute Selbsterfahrung sein, wenn damit sorgfältig umgegangen wird – wobei dann wohl wichtig wäre, dass die Leiterin eine fundierte psychotherapeutische Ausbildung hat – und nicht einfach in der Psyche herumfuhrwerkt, wie das im Eso-Bereich meiner Erfahrung nach ziemlich üblich ist.
Im übrigen finde ich Ihre Behauptung, dass es keine allgemein gültigen Regeln gibt, sehr gewagt. Orientieren Sie sich nicht an Verkehrsregeln? Gesetze? In meinem Leben gibt es durchaus allgemeingültige Regeln. Wenn ich meinen Kugelschreiber von Tisch schubse, fällt er immer runter – zweifellos eine allgemein gültige Regel auf der Erde. Und ausgerechnet im Bereich der Heilkunde soll es keine allgemein gültigen Regeln geben? Wie halten Sie es zum Beispiel in Ihrer Schule für Heilpflanzenkundige mit Dosierungsangaben – das wären allgemeine Regeln, die es Ihrer Ansicht nach nicht gibt. Werden Dosierungen von Heilpflanzen immer “intuitiv” festgelegt? Wenn ja: Warum profitieren Sie nicht von den Erfahrungen anderer Menschen, die zu allgemeinen Regeln geführt haben? Regeln selbstverständlich, die auch Ausnahmen kennen und sich verändern im Verlaufe der Zeit.
Meines Erachtens vertreten Sie an diesem Punkt einen verheerenden Relativismus
(siehe: www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/10/17/pflanzenheilkunde-die-falle-der-beliebigkeit-vermeiden.html ).
Das scheint mir sehr fragwürdig und auch riskant, wenn es um Patientinnen und Patienten geht.

“Und dann beachten Sie bitte, wie viele angebliche Giftpflanzen und Nebenwirkungen die atheistische Wissenschaft gezaubert hat, weil sie immer noch nicht begriffen hat, dass sich die Natur weder normen noch standardisieren, noch beherrschen lässt.”

Sie spielen darauf an, dass in den letzten Jahren in einigen Heilpflanzen auch giftige Stoffe gefunden wurden. Das ist nicht weiter überraschend. Schliesslich produzieren Heilpflanzen ihre Wirkstoffe nicht für unsere Gesundheit, sondern weil sie nicht gefressen werden wollen. Dieser Aspekt der Natur passt aber wohl nicht in Ihre harmonizistische Vorstellung der Beziehung zwischen Menschen und Heilpflanzen.
Ob die gefundenen giftigen Stoffe in therapeutischer Dosis für den Menschen riskant sein können, ist nicht einfach zu entscheiden, und wohl bei jeder betroffenen Pflanze wieder etwas anders zu beurteilen. Immerhin gibt es von solchen Stoffen auch ernste bis tödliche Vergiftungen bei Weidevieh. Über ein allfälliges Risiko für den Menschen müsste man differenziert nachdenken und nicht einfach in einer hochgradigen Idealisierung der Heilpflanzen jede mögliche Gefährdung dogmatisch ausschliessen.
Sie bieten auf Ihrer Website ja auch einen Vortrag an, in dem Sie darlegen, warum Heilpflanzen keine Nebenwirkungen haben können. Noch nie etwas gehört beispielsweise von Allergien auf Ringelblumentinktur? Kommt selten vor, aber das gibt‘s. Bauchkrämpfe bei pflanzlichen Abführtees? Oder schon mal etwas gehört von den Nierenversagen nach Langzeit-Einnahme von chinesischen Heilpflanzen durch den Inhaltsstoff Aristolochiasäure in Belgien in den 1990er Jahren? Diese sehr ernsten Fälle sind gut dokumentiert. Die europäischen Arzneimittelbehörden haben aristolochiasäurehaltige Heilpflanzen anfangs der 80er Jahre vorsichtshalber aus dem Verkehr gezogen. Unter grossem Protest der Naturheilkunde-Szene, die behauptete, dass nur die isolierte Aristolochiasäure schädlich sei im Laborversuch, nicht aber die ganze, harmonisch ausbalancierte Heilpflanze. Nun ja, haben Sie daraus nichts gelernt oder haben Sie sich damals noch nicht mit Heilpflanzen befasst. In der Phytotherapie-Fachliteratur werden diese tragischen Vergiftungen beschrieben. Kein Interesse an solchen Berichten? Gefährdet das Ihre harmonisch-idealisierte Vorstellung von Heilpflanze?
Es macht den Anschein, dass Sie glauben, Heilpflanzen würden uns ausschliesslich heilen. Das halte ich für eine einseitige Idealisierung. Meiner Meinung nach kann, was erwünschte Wirkungen hat, auch unerwünschte Nebenwirkungen haben.
Was meinen Sie genau mit der “atheistischen Wissenschaft”. Ja klar, die Wissenschaft verzichtet auf einen “Gott” als Erklärungsprinzip. Sollte ihrer Meinung nach die Wissenschaft abgeschafft werden oder stellen Sie sich eine Wissenschaft inklusive Erklärungsprinzip “Gott” vor. Wie würde unsere Kultur und unsere Wissenschaft dann aussehen? Was sagen Sie dazu, dass es auch viele gläubige Wissenschaftler gibt?
Ich empfinde Ihre Beschreibung der Wissenschaft sehr eng und pauschal. Mir erscheint die Wissenschaft vielfältiger. Es gibt in ihr intensive Diskussionen, Auseinandersetzungen und unterschiedliche Standpunkte. Das ist mir oft viel sympathischer als der Dogmatismus und Relativismus, denen ich so häufig in der Naturheilkunde begegne. Ich kenne niemanden, der so pauschal “die Natur” standardisieren will. Es gibt aber das Bestreben, Extrakte aus Pflanzen auf einen möglichst gleichbleibenden Wirkstoffgehalt einzustellen, damit der Patient oder die Patientin Gewähr hat auf eine verlässliche, gleichbleibende Wirkung. Was ist so schlimm daran? Ich kenne auch niemanden, der so generell “die Natur” beherrschen will. Es gibt konkrete Eingriffe in die Natur und wir müssen politisch entscheiden, welche wir zulässig finden und welche nicht. Es gibt auch Eingriffe in die Natur, die meiner Ansicht nach zu weit gehen. Aber eine Tumortherapie strebt auch nach Herrschaft über einen Teil der Natur, nämlich den Tumor. Akzeptabel oder nicht? Ich selber sehe von Natur aus sehr schlecht und muss die Natur korrigieren mit Kontaktlinsen. Ein Frevel? Vielleicht will “die Natur” ja meine Kurzsichtigkeit. Kontaktlinsen wird sie wohl kaum vorgesehen haben. Meine Nasenscheidewand war von Natur aus sehr verkrümmt und behinderte zunehmend meine Nasenatmung. Ich habe diese meine Natur via Operation normiert und bin dankbar dafür. Habe ich der Natur ins Handwerk gepfuscht? Bekomme ich dafür einmal eine Quittung?
Ich finde, dass vieles in der Welt (in der Natur) viel ambivalenter ist als Sie das darstellen. Warum so einseitig im Gut-Schlecht-Schema?

“Die Quittung für unser Tun werden wir nun erhalten”

Was meinen Sie genau mit dieser Drohung. Was genau meinen Sie mit “unser Tun” und welche “Quittung”.

“Und ebenfalls ist eine Tatsache, dass Herr Dr. Storl um einiges weiter sieht als sogenannt normale Menschen, da er auch die intuitive Ebene braucht”

Intuition ist eine spannende und wichtige Erkenntnisquelle. Nur: Auch wenn mir eine spontan einfallende Erkenntnis als unbedingt wahr vorkommt, kann ich mich grässlich täuschen. Oder schreiben Sie Wolf-Dieter Storl Unfehlbarkeit zu? Intuition kann in die Irre führen. Die Rassentheorien der Nationalsozialisten waren zum grossen Teil intuitiv begründet. Rudolf Steiner, auch einer, der überzeugt war, das er weiter sehen konnte als andere, sah in dieser Anderswelt auch, dass Indianer ein dekadenter Zweig in der Entwicklung der Menschheit seien und ein Zwischenwesen zwischen Menschen und Affen. Teilen Sie diese Ansicht oder gehen Sie mit mir einig, dass sich auch sogenannt intuitive Erkenntnisse kritischen Prüfungen stellen müssen?
Oder können sogenannt normale Menschen die “intuitiven” Erkenntnisse des Dr. Storl gar nicht nachprüfen? – Das würde die starre Resistenz gegen jede Kritik erklären, die Peter Wanner und Wolf-Dieter Storl an den Tag legen. Diese Haltung scheint mir aber auch ziemlich guruhaft und demokratiefeindlich, weil Demokratie vom Austausch von Argumenten lebt. Wenn einer behauptet, er habe Erkenntnisse, zu denen andere, sogenannt normale Menschen keinen Zugang haben, dann können seine Behauptungen nicht auf ihre Wahrheit überprüft werden. Wehe, wenn eine solche Person Macht bekommt. Wo kämen wir hin, wenn alle Entscheidungen auf dieser Basis fallen würden? – In einer solchen undemokratischen, intransparenten und vielleicht sogar totalitären Welt möchte ich lieber nicht leben.

Darum würde ich sagen, dass sein Weg und Ihr Weg eine Berechtigung hat, da alles aus dem selben Licht geschaffen ist”

Da haben wir ihn wieder, diesen Relativismus
(siehe: www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/10/17/pflanzenheilkunde-die-falle-der-beliebigkeit-vermeiden.html
Wir müssen sorgfältig und fundiert urteilen lernen und nicht alles gleich-gültig finden.
Was finden Sie an meinem Weg gut und was halten Sie daran für fragwürdig?
Was finden Sie an Storls Weg gut und was halten Sie daran für fragwürdig?
Aber bitte so detailliert wie möglich!
Was meinen Sie genau damit, dass “alles aus dem selben Licht geschaffen ist”.
Was wollen Sie damit sagen? Dass alles eins ist? – Warum verwischen Sie Unterschiede?

“Das oberste göttliche Prinzip ist übrigens, dass der Mensch den freien Willen hat, das zu wählen, was er als richtig erachtet”

Woher wissen Sie so genau, was das oberste göttliche Prinzip ist? Ziemlich dogmatische Aussage. Ich selber würde mich nicht als religiösen Menschen bezeichnen, erinnere mich aber aus meiner Ministrantenzeit an Aussagen, wonach das oberste göttliche Prinzip die Liebe sei. Was stimmt denn nun?
Und was den freien Willen des Menschen betrifft, machen Sie es sich meines Erachtens sehr einfach. So klar, wie Sie das darstelle, ist der Punkt mit dem freien Willen nicht. Ob der Mensch einen freien Willen hat oder nicht, wird zur Zeit heftig diskutiert. Kein Interesse an solchen Auseinandersetzungen? Sie wissen ja schon, wie es ist?
Schade. Aber auch wenn wir annehmen, dass der Mensch einen freien Willen hat (ich hoffe jedenfalls, dass es so etwas ähnliches gibt), dann liegt doch sehr auf der Hand, dass dieser freie Wille auch eingeschränkt und geprägt wird von kulturellen und gesellschaftlichen Einflüssen.

“Mit kollegialen Grüssen”

Ich glaube, dass Sie sich schwer täuschen. Wir leben auf vollkommen unterschiedlichen Planeten und haben wohl kaum eine kollegiale Ebene – und das sage ich nicht aus Hochmut, sondern um Differenzen nicht unter den Tisch zu wischen…..
..aber ich freue mich, wenn Sie meine Kritik ihrerseits in Frage stellen.
Die Kommentarfunktion steht Ihnen offen.

P.S: Sie schreiben auf der Website Ihrer Schule für Heilpflanzenkundige, dass esoterisch orientierte Menschen, die von Licht und Liebe reden und die Schattenseiten nur bei anderen sehen wollen, von der Natur nicht akzeptiert werden. Und dass diejenigen, welche esoterische Bücher gelesen haben, grosse Mühe bekunden.

Da stellen sich für mich gerade nochmals unzählige Fragen:

- Woher wissen Sie so genau, dass die Natur esoterische Menschen nicht akzeptiert?
- Woher weiss “die Natur”, wer ein esoterischer Mensch ist und wer nicht – und nach welchen Kriterien entscheidet “die Natur” das?
- Sie schreiben doch selber vom Licht, aus dem alles geschaffen ist. Trifft das Verdikt “der Natur” nicht auch Sie selber?
- Ich entnehme Ihrem Mail und Ihrer Website, dass Sie die Schattenseiten ausschliesslich bei Wissenschaft, Medizin, Verstand etc. sehen, die Natur dagegen als vollkommen heil, wunderbar und lichterfüllt. Machen Sie nicht selber eine dieser Spaltungen in Hell und Dunkel, welche “die Natur” Ihrer Meinung nach ablehnt?
- Ihr Mail und Ihre Website erscheinen mir als Esoterik pur. Wo sehen Sie selber den Unterschied zwischen Ihren Positionen und einer Esoterik, welche “die Natur” Ihrer Meinung nach nicht akzeptiert?
- Wieso bekunden Leute, welche esoterische Bücher gelesen haben, in Ihren Ausbildungen grosse Mühe? Sie bedienen doch gerade deren Bedürfnisse. Diese Klientel sollte sich doch bei Ihnen gerade zuhause fühlen? Oder gibt es nur eine richtige esoterische Theorie, Ihre?

Weitere Beiträge zur Debatte:

Borreliose-Therapie nach Wolf-Dieter Storl: Beiträge zur Debatte 2
http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/12/07/borreliose-therapie-nach-wolf-dieter-storl-beitraege-zur-debatte.html

Karde & Borreliose-Therapie nach Wolf-Dieter Storl: Beiträge zur Debatte 3
www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/12/11/karde-borreliose-therapie-nach-wolf-dieter-storl-beitraege-zur-debatte-3.html

Karde & Borreliose-Therapie nach Wolf-Dieter Storl: Beiträge zur Debatte 4
http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/02/25/karde-borreliose-therapie-nach-storl-beitraege-zur-debatte-4.html

Karde & Borreliose-Therapie nach Wolf-Dieter Storl: Beiträge zur Debatte 5:

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2010/07/14/karde-borreliose-therapie-nach-wolf-dieter-storl-beitrage-zur-debatte-5.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

2 Kommentare to “Pflanzenheilkunde: Hoch fragwürdige esoterische Theorien – ein Beispiel”

  1. Falk FIscher sagt:

    Im Kern geht es ja immer um die Frage, wie erkenne ich, was heilt. Wenn man davon ausgeht, dass Wirkstoffe, also das Wirkstoffmolekül als solches, das alleinige Agens ist, kann man die üblichen wissenschaftlichen Nachweisstudien anstellen, alle denkbaren Randeffekte so weit als möglich ausblenden, Doppelblindstudien im Vergleich mit Placebo anstellen und entsprechende sachliche Aussagen treffen. Ein solches Vorgehen setzt aber schon einige Annahmen voraus, die bei dem Versuch, Lebendiges mit Lebendigen (Pflanzen) zu heilen, nicht unhinterfragt bleiben dürften. Nimmt man zur Kenntnis, dass Homöopathika in vielen Fällen echte Heilungsimpulse vermitteln (die so eindrücklich sind, dass man guten Geiwssens einen korrelativen Zusammenhang zwischen Arzneimitteleinnahme und Heilungsprozess vermuten darf – streng beweisen lässt er sich ja offenbar nicht), dann muss man davon ausgehen, dass nicht nur rein chemische, sondern auch physikalische Aspekte eine Rolle spielen, also nicht nur die Menge an Wirkstoffmolekülen, sondern auch das ‘Ordnungsgefüge’ der Arznei, die Geschichte seiner Zubereitung etc.. Wenn zwei Arzneimittel hinsichtlich ihrer Hauptwirkstoffe standardisiert sind, weiß man demnach noch lange nicht, ob es sich wirklich um (innerhalb schmaler Schwankungsbreiten) vergleichbare Arzneien handelt.
    Falls ‘Ordnungsgefüge’ (oder irgendeine Art von innerer Kohärenz) eine Rolle spielen, dann spielt auch die innere Ordnung des Patienten eine Rolle. Möglicherweise gehört zu einer erfolgreichen Therapie, auch den Patienten zu ‘präparieren’, ihn bildhaft auf eine Heilpflanze einzustimmen, damit die Ordnungen (falls es sie gibt) kompatibel werden. Wenn man von Placeboeffekten spricht, klingt das oft wie eine Erklärung, während in Wirklichkeit nur ein unbekanntes Phänomen ein wissenschaftlich klingenderes Etikett verpasst bekommt.
    Ich kann mir gut vorstellen, dass die Karde sehr wohl heilende Wirkungen bei Borreliose-Patienten entfaltet, wüsste aber in diesem komplexen Feld nicht, wie man diese Wirkungen objektivieren könnte. Ich vermute sogar, dass das letztlich unmöglich ist. So kann es sein, dass der eine Therapeut hervorragend mit der Karde bei allen möglichen Borreliosepatienten arbeiten kann, der andere aber nur Misserfolge erntet. Ich glaube, dass man sich bei einer nicht ausschließlich pharmakologisch verstandenen Phytotherapie davon lösen muss, dass die Heilpflanze die heilenden Wirkungen hervorbringt, sondern dass sie wirklich ein ‘Mittel’, ein Vermittelndes ist und die Gesamtheit von Set und Setting betrachtet werden muss. Man hätte es demnach mit einem komplizierteren Heilungssystem zu tun, das letztlich eine andere Heilungskultur verlangt. Nach bisherigem Verständnis besorgen die Wirkstoffe allein die Wirkung, ohne dass der Patient in seiner inneren Ausrichtung großartig mithelfen muss (außer regelmäßig die Arzneien einnehmen und auf genesungshemmende Aktionen verzichten). In einer Vielzahl an Fällen lässt sich mit diesem Dogma gut und pragmatisch arbeiten. Auf der anderen Seite verschenkt man damit möglicherweise ein noch weit größeres Heilungspotenzial. Ich fände es spannend, nach Wegen Ausschau zu halten, einen gelingenden Umgang mit diesen prinzipiell nicht-objektivierbaren Heilungsansätzen zu finden. An der Uni Freiburg wurden dazu verschiedene Experimente gemacht und Theorien entwickelt (z.B. von H. Walach). Bei der Liebe ist der Fall sehr eindeutig: Es gibt sie, aber sie lässt sich von außen nicht beweisen. Und wer zu genau forschend hinschaut, (zer)stört sie durch sein Hinschauen. Sie kann in jedem Fall heilen, nur beweisen lässt sich ihr ‘Wirken’ nicht.
    Es gibt Möglichkeiten, in einer Heilkunst dieser Art besser zu werden und sie auch weiterzugeben, ohne dass sie pragmatisch lehrbar wäre. Sich diesen Zweig der Heilkunst zu eröffnen, erscheint mir eine lohnenswerte Aufgabe

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