Heilpflanzen-Kurse: Die Checkliste – so prüfen Sie die Qualität!

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Heilpflanzen stossen erfreulicherweise auf zunehmendes Interesse. Entsprechend gross ist das Angebot an Heilpflanzen-Kursen. Allerdings gibt es bei diesen Angeboten kaum Qualitätskontrollen. Ich selber gebe seit über 25 Jahren Heilpflanzen-Kurse in verschiedensten Institutionen. In dieser Zeit hat noch nie eine Schulleitung die Qualität dessen überprüft, was ich da an Wissen vermittle. Die Schulleitungen wären auch gar nicht in der Lage gewesen, diese Prüfung durchzuführen. Dazu fehlte das Fachwissen. Ich finde das ziemlich erschütternd. Wer Heilpflanzen-Kurse besuchen will, muss darum entweder total blind vertrauen oder das Angebot selber unter die Lupe nehmen.
Hier finden Sie eine Checkliste von sieben Punkten, die ihnen dabei helfen können:

1. Heilpflanzen-Kurse sollten von ausgebildeten Fachleuten geleitet werden.

Das scheint eigentlich selbstverständlich, ist es aber ganz und gar nicht. Offenbar trauen sich viele Leute auch mit wenig oder gar keiner Ausbildung zu, Heilpflanzen-Kurse anzubieten. Prüfen Sie die Angaben in den Kursausschreibungen.
Aus der Kursausschreibung sollten Art und Umfang der Ausbildung des Leiters / der Leiterin ersichtlich werden. Eine Bezeichnung wie “Heilpraktikerin” oder “Naturarzt” reicht nicht, weil es bei Ausbildungen in diesem Bereich betreffend Umfang und Qualität riesige Unterschiede gibt. Titel wie “Phytotherapeutin” sind nichts wert, weil sie nirgends anerkannt sind und es dafür keine einheitlichen Ausbildungsgänge gibt. Auch ein “dipl.” davor macht die Sache nicht besser. Ein solches Diplom kann jeder und jede ausstellen, schon nach einem Wochenendkurs. Mich machen dann solche Hochstapeleien eher skeptisch.
Es ist also ganz und gar nicht einfach, die Qualität von Ausbildungen in diesem Bereich zu beurteilen. Trotzdem lohnt es sich, diesen Punkt anzuschauen. Sie würden ja auch nicht in einen Bus steigen mit einem Fahrer, der keine Prüfung abgelegt hat. Na also – und bei Heilpflanzen-Kursen, wo es immerhin um Gesundheit und Krankheit geht, soll die Ausbildung egal sein?

2. Heilpflanzen-Kurse sollen Möglichkeiten und Grenzen aufzeigen

Wenn Ihnen der Eindruck vermittelt wird, dass sich mit Heilpflanzen alle gesundheitlichen Probleme lösen lassen, ist etwas faul. Ebenso wenn nie von unerwünschten Nebenwirkungen die Rede ist. Es spricht sehr viel dafür, dass alles was Wirkungen hat, auch unerwünschte Nebenwirkungen zeigen kann. Wer das ausblendet, blendet einfach etwas aus…..
Wie in jedem Wissensbereich auch, sind in der Heilpflanzenkunde zahlreiche Fragen ungeklärt. Wer als LeiterIn eines Heilpflanzen-Kurses auf jede Frage eine eindeutige Antwort gibt, hat wohl dieses Fachgebiet nur oberflächlich verstanden und macht sich und den Teilnehmenden etwas vor. Lücken und offene, ungeklärte Fragen dürfen nicht ausgeklammert werden, weil sonst ein unzutreffendes, abgeschlossenes Bild entsteht. Die Heilpflanzenkunde entwickelt sich aber gerade entlang dieser ungeklärten Fragen ständig weiter.

3. Heilpflanzen-Kurse sollen nicht zur Identifizierung mit Heilpflanzen und ihren Kräften beitragen.

Wer die unbegrenzten Möglichkeiten der Heilpflanzen in den schönsten Farben ausmalt, ohne auf die Grenzen hinzuweisen, idealisiert sie. Das passiert vor allem Menschen, die sich sehr stark mit den Heilpflanzen und ihren Kräften identifizieren. Und wer sich zu stark identifiziert, verliert jede Distanz, die nötig wäre, um zwischendurch auch mal einen kritischen Gedanken zum eigenen Gebiet zu fassen. Darum wäre ich sehr skeptisch, wenn LeiterInnen von Heilpflanzen-Kursen sich zu 150% mit den Heilpflanzen und ihren Kräften identifizieren. Wer seine Identität so vollständig auf der eigenen Rolle als Heilpflanzenmensch aufbaut, wird sich bei jeder kritischen Bemerkung zu Heilpflanzen persönlich angegriffen fühlen. So wird ein differenzierter Umgang mit Heilpflanzen fast unmöglich. LeiterInnen von Heilpflanzen-Kursen dürfen und sollen durchaus von ihrem Gebiet überzeugt sein, aber zwischendurch auch genug Distanz haben, um Grenzen, offene Fragen und heikle Punkte in der Pflanzenheilkunde zu erkennen.

3. Heilpflanzen-Kurse sollen keine Feindbilder aufbauen

Die Heilpflanzenkunde hat keine eigene Diagnostik. Ohne genaue Diagnose ist aber sehr oft keine sorgfältige Therapie möglich. Darum braucht die Heilpflanzenkunde immer wieder eine Kooperation mit dem medizinischen System, wenn sie seriös bleiben will. Wenn Ihnen in einem Heilpflanzen-Kurs ein Schwarz-Weiss-Bild vermittelt wird: Hier die helle, lebens- und menschenfreundliche Naturheilkunde, dort die schädliche, menschenfeindliche Medizin, dann ist diese Feindbild-Konstellation kontraproduktiv. Sinnvoller wäre dagegen, wenn Ihnen Optionen gezeigt und vermittelt werden, also Wahlmöglichkeiten. Je nach Situation ist manchmal eine medizinische, und manchmal eine heilpflanzenkundliche Therapie angemessener. Es gibt in der Pflanzenheilkunde dogmatisch-fundamentalistische Strömungen, welche solche Wahlmöglichkeiten nicht wahrnehmen können. Das kann gefährlich werden, wenn eine medizinische Therapie notwendig wäre. Eine grundsätzliche Kooperationsbereitschaft mit dem medizinischen System ist aber nicht gleichzusetzen mit Kritiklosigkeit.

4. Heilpflanzen-Kurse sollen nicht mit wohlklingenden, aber nichtssagenden Worthülsen manipulieren.

Manche Ausschreibungen für Heilpflanzen-Kurse sind gespickt mit wohlklingenden, aber nichtssagenden Worthülsen wie: Ganzheitlich, Schwingungen, Energie, Wesen der Pflanzen, etc.
Das Problem mit solchen Worthülsen ist, dass sie bei einer bestimmten Klientel diffuse Bedürfnisse ansprechen und darum sehr verkaufsfördernd sind. Gleichzeitig sind sie aber so nichtssagend oder vage, dass jeder und jede sich darunter etwas ganz anderes vorstellt. So kann man sich über lange Zeit bestens darüber unterhalten und gleichzeitig vollkommen aneinander vorbeireden, weil jeder in seinen eigenen Vorstellungen gefangen ist. Falls Sie in einem Heilpflanzen-Kurs mit solchen Worthülsen traktiert werden, fragen Sie so lange genau nach, bis Ihnen bei jedem Wort präzis vermittelt wurde, in welchem Sinn es von der DozentIn gemeint ist.
Meiner Erfahrung nach bekommt man beim Nachfragen oft nur wirre Auskünfte und Erklärungen. Das wäre dann wohl ein Hinweis darauf, dass mit solch nebulösen Begriffen ein Mangel an detailliertem Wissen verdeckt wird.

5. Heilpflanzen-Kurse sollen Begründungen liefern und nicht nur Behauptungen aufstellen.

Im Bereich von Naturheilkunde & Pflanzenheilkunde werden immer wieder Behauptungen über Heilwirkungen aufgestellt, ohne dass auch nur der kleinste Versuch gemacht wird, sie zu begründen. Als Zuhörer oder Leser kann ich solche Aussagen nur entweder glauben oder nicht. Ein fundierteres Urteil kann ich mir nur machen, wenn die Behauptung begründet wird. Ich muss dazu wissen, wie jemand zu einer Aussage gekommen ist, welche Erfahrungen, Beobachtungen oder Gedanken dazu geführt haben. Wer keine Begründung liefert, verlangt blinden Glauben.

6. Heilpflanzen-Kurse sollen die Quellen offenlegen, aus denen das vermittelte Wissen stammt.

Wird klar, woher der Leiter / die Leiterin eines Heilpflanzen-Kurses das dargestellte Wissen hat? Erweckt er oder sie den Eindruck, das ganze beschriebene Wissen selber entdeckt zu haben? – Das ist sehr fragwürdig. Überzeugender ist es, wenn ein Leiter / eine Leiterin Wissen darstellt, das sich in Diskussionen innerhalb der Phytotherapie-Fachwelt behaupten konnte. Nur was auch kritischen Einwänden standgehalten hat, kann als bewährt gelten, während sich individuelle “Entdeckungen” nicht selten als hoch spekulativ erweisen.

7. Heilpflanzen-Kurse sollen nicht zum narzisstischen & anthropozentrischen

Missbrauch der Pflanzenwelt beitragen.

In der Pflanzenheilkunde gibt es eine “Szene”, welche die Heilpflanzen und ihre Kräfte sehr stark als auf den Menschen hin ausgerichtet darstellen. Das ist meines Erachtens hoch fragwürdig. Ein Beispiel dafür ist die Theorie, dass jede Pflanze, die in meinen Garten kommt, zu mir kommt, weil ich sie gerade nötig habe. Das ist natürlich eine schöne Vorstellung, weil da jemand kommt, der sich um mich kümmert, ohne grosse Ansprüche zu stellen. Dabei steht allerdings der Mensch ziemlich stark im Zentrum der “Veranstaltung” und er übersieht dabei, dass die Pflanze in seinen Garten kommt, weil die Bedingungen dort für sie günstig sind.
Ein ähnlich anthropozentrisches Weltbild (= der Mensch im Mittelpunkt) findet sich in den Beschreibungen von “Signaturen” der Heilpflanzen. Farben und Formen der Pflanzen sollen uns Hinweise geben, wozu die Pflanze für uns gut ist. Auch hier ist die Pflanze ihrem Wesen nach auf den Menschen gerichtet. Sie meldet sich quasi mit ihren Signaturen, um uns eine Mitteilung zu machen. Dabei wird die Position des Menschen grob überschätzt. Farben und Formen entwickeln Pflanzen für sich. Die Blüten richten sich voll und ganze an die Insekten. Was uns natürlich nicht daran hindern soll, uns an ihnen zu freuen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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1 Antwort
  1. Jürgen Neumann
    Jürgen Neumann says:

    Alles sehr schön.. aber unter Punkt 7 kommt sehr deutlich heraus, dass sie sich mit der streng materialistischen Phytotherapie ‚identifizieren’!? Da fragt sich wer da wohl Heilpflanzen missbraucht, wenn man sie als blanke und leblose Gebrauchsgegenstände versteht? Ihre Behauptung, dass die Pflanzen ihr Wachstum nicht für den Menschen ausgerichten ist trifft natürlich zu.. Es geht ja dabei eher um eine Übereinstimmung von Schwingungsmustern in Mensch und Pflanze (siehe Homöopathie).. Wenn ich das so lese habe ich das Gefühl,dass sie von Signaturen nur Oberflächliche Wahrnehmung und Kenntnis besitzen.. sorry..

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