Archive for Oktober, 2008

Stevia-Extrakt als Süssmittel bewilligt

Freitag, Oktober 10th, 2008

Die Stevia-Pflanze schmeckt süss und ist beliebt als Zusatz in Kräutertees. Stevia-Extrakt in Lebensmitteln war allerdings bisher verboten. Jetzt hat das Bundesamt für Gesundheit eine Bewilligung erteilt.

Stevia (Stevia rebaudiana) wurde vor über 100 Jahren vom Tessiner Botaniker Moises Bertoni in Paraguay entdeckt. Die Blätter enthalten ein Steviosid, das im Vergleich zu Haushaltzucker eine ca. 300-fache Süsskraft besitzt. Die Blätter selber sind etwa 30-mal süsser als Zucker. Trotzdem schädigt Stevia weder die Zähne, noch fördert es Übergewicht. Auch Diabetiker vertragen sie gut. Viele Vorteile also. Darum ist das süsse Pflänzchen in Japan, China und Brasilien schon seit langem ein Ersatz für Zucker und künstliche Süssstoffe wie Cyclamat oder Saccharin. In dem USA ist Stevia als Nahrungsergänzungsmittel erlaubt. In Europa dagegen ist Stevia als Lebensmittel nicht zugelassen. Nach Ansicht der EU-Kommission konnten potenzielle Risiken nicht eindeutig entkräftet werden. Vor allem erbgutschädigende, aber auch krebsfördernde Wirkungen und negative Effekte auf die männliche Fruchtbarkeit wurden befürchtet. Allerdings stammen die meisten Untersuchungen über die Verträglichkeit von Steviosid aus den 70er und 80er Jahren. Sie wurden in Japan und Korea durchgeführt und es liegen nur kurze Zusammenfassungen auf Englisch vor. Daher sind diese Ergebnisse sehr umstritten. Die EU-Kommission hatte aber gar keine andere Wahl, als den Zulassungsantrag abzulehnen, da die Gesetze bei der Genehmigung eines neuartigen Lebensmittels eine ausführliche Prüfung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit vorschreiben. Für eine Zulassung müssen sämtliche Bedenken ausgeräumt werden.

In der Schweiz ist es zulässig, Kräutertee mit kleinen Mengen Stevia-Blättern zu süssen. Stevia-Extrakte als Bestandteil von Lebensmitteln wie zum Beispiel Getränken waren dagegen bisher nicht erlaubt. Inzwischen hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine Kehrtwende gemacht und ein Gesuch für ein mit Stevia gesüsstes Getränk gutgeheissen. Das BAG stützt sich dabei auf eine Neubewertung von Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Welternährungsorganisation (FAO).
Es ist vorhersehbar, dass nun eine ganze Anzahl von Stevia-Produkten folgen werden.
Steviabätter eignen sich tatsächlich gut zum Süssen von Heilpflanzen-Tees. Man gibt dazu einfach eine kleine Prise Stevia zu den Heilpflanzen. Auch mit Steviosid hergestellte Lebensmittel oder Steviosid in Reinform als Süssmittel dürften unschädlich sein. Meine Empfehlung ist aber, auch mit Stevia Mass zu halten und es nicht in grossen Mengen über lange Zeiträume einzunehmen. Sicherheitshalber.
Quellen:
Petra Stöhr, Die Schranken für das Süsskraut Stevia fallen, Saldo Nr. 16/2008
Stoye / Krebs / Koch, Expertenrat: Stevia, Zeitschrift für Phytotherapie 3/2008

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Aromatherapie: Was sind ätherische Öle?

Freitag, Oktober 10th, 2008

In der Aromatherapie werden ätherische Öle eingesetzt. Doch was genau sind eigentlich ätherische Öle?
Die Broschüre “Ätherische Öle in der Pflege” gibt darauf kompakte Antworten.
Sie vermittelt ein Basiswissen, das für den fundierten Einsatz von ätherischen Ölen in Phytotherapie und Aromatherapie unverzichtbar ist:
Was sind ätherische Öle überhaupt und was unterscheidet sie von fetten Ölen?
Wie gewinnt man ätherische Öle? Was gilt es zu beachten bezüglich Haltbarkeit und Lagerung von ätherischen Ölen?
Wie gelangen ätherische Öle in den Organismus und was geschieht dort mit ihnen? – Diese Frage ist für die Phytotherapie wichtiger als für die Aromatherapie, weil die Phytotherapie ätherische Öle auch innerlich einsetzt als Bestandteil von Heilpflanzen-Tees, Tinkturen und Extrakten.
Welche Wirkungen haben ätherische Öle? – Hier ist zu unterscheiden zwischen pharmakologischen Wirkungen, die verallgemeinerbar sind, und psychodynamischen Wirkungen, die immer individuell verschieden ausfallen. Diese Unterscheidung wird in Aromatherapie-Büchern häufig nicht gemacht, was sehr fragwürdig ist.

Welches also sind die typischen pharmakologischen Wirkungen der ätherischen Öle?
Und wie genau kommen die psychodynamischen Effekte zustande? Hier spielen hedonistische, semiotische und suggestive Einflüsse eine Rolle. Ihre Bedeutung wird in der Broschüre “Ätherische Öle in der Pflege” erklärt.
Wer in Aromatherapie oder Phytotherapie mit ätherischen Ölen zu tun hat, sollte die Unterschiede zwischen pharmakologischen und psychodynamischen Effekten verstehen, um sie fundiert einsetzen zu können.
Ein kleinerer Abschnitt in dieser Broschüre handelt vom Geruchserleben in Sprache und Literatur.
Und der zweite Teil der Publikation stellt Wirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Lavendelöl vor.
Sie können die Broschüre anschauen und / oder bestellen auf www.phytotherapie-seminare.ch/index.php.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Hochstammobstbäume fördern – Birnendicksaft verwenden

Donnerstag, Oktober 9th, 2008

Hochstammobstbäume sind ein wichtiger Teil der traditionellen Kulturlandschaft und jeden Frühling mit ihrer Blütenpracht eine Augenweide. Ihr Bestand ist allerdings stark bedroht, weil die Pflege dieser Bäume aufwendig und der Ertrag gering ist. Überleben können Hochstämmer daher nur, wenn ihre Früchte und die daraus gewonnenen Produkte zu einem angemessenen Preis zu vermarkten sind. Wer Birnendicksaft (Birnel) kauft und verwendet, trägt zur Erhaltung von Hochstämmern bei und unterstützt zugleich die sozialen Projekte der “Winterhilfe”.

Um viele Ortschaften herum stand früher ein dichter Gürtel an Obstbäumen, die vielfältige Produkte abwarfen und gleichzeitig einen reichhaltigen Lebensraum für Tiere und Pflanzen boten. In den letzten 50 Jahren allerdings wurden gegen 80% der Hochstammobstbäume gefällt, um Platz zu machen für Industriebauten, Einfamilienhäuser und eine rationellere landwirtschaftliche Nutzung. Mit den Bäumen verschwanden auch viele Tier- und Pflanzenarten. Die staatliche Unterstützung der Hochstammobstbäume mit Baumbeiträgen im Rahmen des ökologischen Ausgleichs alleine reicht nicht, um den Rückgang der Obstbäume zu stoppen. Nur wenn die breite Produktepalette der Hochstammobstbäume – frisches und gedörrtes Obst, Süssmost, vergorene und gebrannte Obstsäfte – wieder eine rege Nachfrage zu fairen Preisen findet, werden auch wieder Hochstammobstbäume gepflanzt, gepflegt und geerntet.

Vielfältiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere

Obstgärten mit einem lockeren Baumbestand und extensiv genutzten Mähwiesen, Viehweiden oder Pflanzgärten als Unterkultur bilden einen ganz speziellen Lebensraum für Tiere – eine savannenähnliche, halboffene Landschaft. In der Schweiz wurden 35 Brutvogelarten in Hochstamm-Obstgärten nachgewiesen, darunter sind auch 10 typische, regelmässige Obstgartenvögel. In Hochstammobstgärten gibt es aber auch Platz für Heilpflanzen und Wildblumen, sofern sie nur mässig gemäht und zurückhaltend gedüngt werden.

Nester in Höhlen und auf Zweigen

Etwa die Hälfte der Brutvögel des Obstgartens brütet in Baumhöhlen: Steinkauz, Wiedehopf, Wendehals, Grünspecht und andere Spechte oder Meisen. Sie alle brauchen dicke, kräftige Stämme oder ausfaulende Astlöcher von Hochstamm-Obstbäumen als Brutplätze. Grauschnäpper, Gartenbaumläufer und Gartenrotschwanz benötigen für ihr Brutgeschäft Nischen und Halbhöhlen. Rotkopfwürger, Distelfink und andere Finkenarten nisten in Astgabeln und zählen zu den Freibrütern.

Mahlzeit für Insektenfresser
Der vielfältige Obstgarten bietet ein breites Angebot an Nahrung: Im Luftraum zwischen und über den Bäumen jagen Schwalben und Grauschnäpper flink nach Insekten.
Spechte, Kleiber und Baumläufer finden an den dicken Stämmen verschiedenste Kleintiere. Meisen und Finken suchen während ihrer Brutzeit Raupen und andere Insekten im dichten Blattwerk. Exponierte Äste sind zentral für Wartenjäger wie den Mäusebussard, während Wiedehopf und Drosseln am Boden nach Nahrung suchen. Kernobstbäume sind sowohl zur Futtersuche als auch zum Brüten geeigneter.
Neben Vögeln bieten Obstgärten auch anderen Tieren Nahrung und Lebensraum: Fledermäusen (z.B. Abendsegler), Garten- und Siebenschläfern sowie unzähligen Insektenarten wie Grillen und Heuschrecken.

Biotopzerstörung bedroht Obstgartenvögel

Hochstamm-Obstgärten haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Oft werden sie heute intensiver genutzt (4-6-malige Mahd, intensive Beweidung und starke Düngung). Dadurch finden zahlreiche Obstgartenvögel zu wenig geeignete Nahrung.

Weil sie nicht mehr profitabel sind, werden alte Bäume oft nicht ersetzt und manchmal werden ganze Obstgärten gerodet. Dadurch verlieren weitere Vogelarten ihren benötigten Lebensraum unwiederbringlich. Im Jahr 1951 gab es in der Schweiz noch 14 Millionen Hochstamm-Obstbäume. Heute bereichern nur noch etwa 2 Millionen dieser eindrücklichen Bäume unsere Landschaft.
Sie zu erhalten wäre nur schon aus ästhetischen und naturschützerischen Gründen wichtig.

Birnendicksaft – den Hochstammobstbäumen zuliebe

Ungespritzte und unbehandelte Schweizer Mostbirnen – als Tafelobst ungeeignet – sind der Rohstoff für den Birnendicksaft “Birnel”. Die Früchte werden gepresst, der Saft wird geklärt, filtriert, entsäuert und anschliessend konzentriert. Aus 10 Kilogramm der Früchte wird ein Kilogramm Birnel gewonnen. Eine ebenso sinnvolle wie naturfreundliche Verwendung der Mostbirnen. Weil die Hochstammbäume wichtiger und oft einziger Lebensraum von bedrohten Vogelarten sind, unterstützt und fördert auch der Schweizer Vogelschutz SVS den Vertrieb des Birnendicksafts “Birnel”.

Birnel von der Winterhilfe
Das Hilfswerk “Winterhilfe” vertreibt seit 1952 Birnel zu einem günstigen Preis. Die “Winterhilfe” setzt sich seit 72 Jahren gegen Armut in der Schweiz ein. Birnel ist wichtige Einnahmequelle zur Finanzierung dieser Hilfstätigkeit. Viele Gemeinden, Privatpersonen und Spezialgeschäfte unterstützen darum diesen Verkauf.
Birnel macht also sozial und ökologisch Sinn. Es ist ein Süssmittel aus der Natur, enthält Zucker aus den Birnen und ist daher mit Mass zu verwenden – aber wohl alleweil sinnvoller als Nutella und Co.
Info, Bezugsquellen, Rezepte für‘s Kochen und Backen mit Birnel: www.winterhilfe.ch

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Seminar für Integrative Phytotherapie / Phytotherapie-Ausbildungen / Heilkräuter-Exkursionen
Leiter von Heilpflanzen- und Naturkursen / Feldornithologe ZVS
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Honig heilt entzündete Nasenhöhlen – stimmt das?

Dienstag, Oktober 7th, 2008

In Internet und in der Presse wurde in den letzten Wochen die Meldung verbreitet, dass laut kanadischen Forschern Honig bei Nasenhöhlenentzündungen heilend wirken soll. Geht man den Meldungen auf den Grund, erweisen sich die meisten davon als gutes Beispiel für schlechten Journalismus.
Damit kein falscher Eindruck entsteht: Honig ist als Heilmittel interessant und ich möchte hier mit meinen Bemerkungen keinesfalls irgendeiner Biene zu nahe treten.
Aber nehmen wir diese Meldungen etwas genauer unter die Lupe.
Die Konsumentenzeitschrift Saldo (Nr. 16/2008) titelt: “Honig heilt entzündete Nasenhöhlen”. Kanadische Forscher der Universität Ottawa haben herausgefunden “dass Honig selbst bei einer chronischen Sinusitis helfen kann. Bei dieser Krankheit bilden Bakterien in den Nasennebenhöhlen einen Film. Herkömmliche Antibiotika können die Bakterien in dieser Schleimschicht kaum bekämpfen. Anders beim Honig: Im Labor konnte das Naturprodukt den Krankheitskeimen den Garaus machen.”
Und gesundheits-weblog.de meldet: “Rhinosinusitis, Entzündung der Nase und Nebenhöhlen: Honig hilft beweisbar.”
Bei “Saldo” fehlt eine Quellenangabe. Der Gesundheits-Weblog bezieht sich auf einen Artikel von Angela Speth auf “Ärzte Zeitung online” (2. 10. 2008). Sehr viele Meldungen über Honig bei Nasenhöhlenentzündungen basieren auf diesem Beitrag von Angela Speth mit dem Titel: “Honig – mehr als nur Süsskram, sondern wirksames Bakterizid.” Frau Speth schreibt:

“Dass sich medizinischer Honig etwa zur Behandlung bei rezidivierender Rhinosinusitis eignen könnte, haben jetzt kanadische Forscher bei einem Kongress in Chicago berichtet. Dieser Infekt klingt oft deshalb so schlecht ab, weil Keime auf der Mukosa Biofilme bilden, in denen sie für Antibiotika schwer angreifbar sind. Sehr wohl aber für Honig: Selbst in einer solchen schützenden Schleimschicht wurden damit 60 bis 70 Prozent der für Nebenhöhlenentzündungen typischen Bakterien abgetötet: Pseudomonas aeruginosa und Staphylococcus aureus, ob Methicillin-resistent oder nicht. Für ihre Versuche nutzten die Forscher aus Ottawa Kulturplatten, auf die sie zwei Sorten Honig träufelten: Manuka-Honig aus Neuseeland und Sidr-Honig aus Yemen. Honig tötet Keime, die bei Rhinosinusitis relevant sind. Die im Vergleich getesteten Antibiotika hingegen, darunter Vancomycin, Gentamycin und Fusidinsäure, waren unwirksam, allein Rifampicin hatte einen schwachen bakteriziden Effekt. Fazit des Studienleiters Dr. Talal Alandejani: Eine topische Therapie mit Honig wäre bei Rhinosinusitis ideal, denn er sei leicht anwendbar, ungiftig und kostengünstig.”
Entscheidend scheinen mir nun zwei auf den ersten Blick vielleicht nebensächliche Wörtchen: “könnte” und “wäre”.
Die Forscher berichteten, dass sich Honig zur Behandlung von Rhinosinusitis eignen könnte. Und die Therapie mit Honig wäre ideal.
Hier zeigt sich ein verbreitetes Phänomen: Forscherinnen und Forscher berichten von ihren Ergebnissen oft noch einigermassen zurückhaltend, eben mit “könnte” und “wäre”. Im unserem Beispiel behält der erste ausführlichere Bericht in der “Ärzte Zeitung” diese Zurückhaltung noch bei. Die zahlreichen Kurzmeldungen, die daraus gemacht werden, geben diese differenzierte Haltung fast durchgängig auf. Hier heisst es dann: ”Honig heilt entzündete Nasenhöhlen” oder eben: “Rhinosinusitis, Entzündung der Nase und Nebenhöhlen: Honig hilft beweisbar.”
Dieser kleine Unterschied verwischt die Differenz zwischen Vermutung / Hypothese und einem gesicherten Endergebnis.
Und dieses “Honig hilft beweisbar” und “Honig heilt…” ist eben gar nicht so klar.
Die Untersuchung aus Ottawa ist nämlich relativ simpel (und billig): Eine Bakterienkultur wurde gezüchtet mit einer für Nasennebenhöhlenentzündungen typischen Keimzusammensetzung. Dann bringt man den Honig und die Bakterienkultur zusammen und beobachtet, wie stark und wie rasch die Keime abgetötet werden. Honig setzt Wasserstoffperoxyd und andere antimikrobielle Stofffe frei, so dass der keimtötende Effekt auf der Hand liegt. Im Labor mit Bakterienkulturen ist es verhältnismässig leicht, solche Wirkungen zu zeigen. Ob aber der Honig bei einem kranken Menschen in einer entzündeten Nebenhöhle diese Effekte auch zeigen würde, steht auf einem ganz anderen Blatt. Und wie der Honig in konzentrierter Form in die Nasennebenhöhlen gelangen soll, ist auch nicht so ganz klar.
Insofern ist zum Beispiel die Meldung des Konsumentenmagazins (!) “Saldo” nicht korrekt, wenn da steht: “Honig heilt entzündete Nasenhöhlen.” Denn soweit sind die Forscher offenbar nicht gegangen, wenn sie tatsächlich die Wörtchen “könnte” und “wäre” verwendet haben. Vielleicht wird an diesem Punkt bei “Saldo” (und anderen) die Genauigkeit der Meldung ihrer Kürze geopfert.
Ich würde diesen Vorgang hier nicht darstellen, wenn er nicht so überaus häufig wäre bei (Kurz-) Berichten aus der Forschung.
Es ist bei Aussagen über Heilwirkungen (auch bei Heilpflanzen) enorm wichtig zu unterscheiden, ob eine Untersuchung im Labor stattgefunden hat, oder am kranken Menschen. Letzteres ist sehr viel aussagekräftiger, während Laborstudien kaum mehr als Ideen darüber liefern, was noch genauer zu untersuchen sich lohnen könnte.

Damit ich nun nicht als “Honig-Killer” am Pranger stehe, zum Abschluss noch ein paar positive Bemerkungen zur Heilkraft des Honigs:

- Gut dokumentiert ist eine wundheilende Wirkung von Honig.
- Die Einnahme von Honig soll Hustenreiz lindern.
- Honig mehrmals täglich auf Fieberbläschen aufgetragen wirkt ähnlich gut oder schlecht wie der Standardwirkstoff Acyclovir.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Anmassende Theorien – Naturheilkunde auf Abwegen

Montag, Oktober 6th, 2008

Naturheilkunde gilt im allgemeinen ja als menschenfreundlich und hat solche Aspekte auch. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Es gibt in diesem Bereich auch Theorien und Ideologien, die meines Erachtens hoch problematisch, anmassend und menschenfeindlich sind. Daher scheint es mir sehr wichtig, dass wir lernen, sorgfältig hinzuschauen und zu unterscheiden.
Ich möchte diese für viele Freunde und Freundinnen der Naturheilkunde vielleicht provozierende Aussage mit einem Beispiel illustrieren.

Das Kantonsspital Winterthur führte dieses Jahr erstmals “Tumortage” für an Krebs erkrankte Menschen und ihre Angehörigen durch. Während zweier Tage fand ein vielfältiges Vortragsprogramm statt mit Informationen zur Tumortherapie, aber auch darüber hinaus zum Umgang mit diesen Erkrankungen. Ich selber konnte zwei Vorträge halten zum Thema Phytotherapie im Umfeld der Onkologie. Mit Heilpflanzen lassen sich viele krankheits- oder therapiebedingte Beschwerden von Krebskranken lindern, was zu einer Verbesserung der Lebensqualität beitragen kann.
Im Vorfeld der Veranstaltung wurde ich von den Veranstaltern vorsichtshalber darauf hingewiesen, dass ein Teil des Publikums möglicherweise wegen der Krankheit oder der Therapie nur eingeschränkt aufnahmefähig sein könnte. Das mag bei einzelnen auch so gewesen sein. Aber im Ganzen gesehen habe ich selten ein so präsentes Publikum erlebt. Die engagierte Atmosphäre im Saal hat mich beeindruckt, und zwar sowohl von den Kranken und ihren Angehörigen als auch von den beteiligten und anwesenden Ärzten her. Diesen Menschen ging es um etwas Existenzielles, nicht nur um ein “nice to have”.
Am Abend fand unter dem Titel “Alles Liebe….” eine öffentliche Veranstaltung statt. In einem sehr berührenden, interaktiven Theaterstück setzen sich Krebskranke und Theaterleute sehr engagiert und differenziert mit den schwierigen Rollen der Tumorkranken in den Spannungsfeldern von Medizin, Familie und Beruf auseinander. Ganz am Ende dieser dichten zwei Stunden, die Moderatorin hatte schon zum Schlusswort angesetzt, sagte eine Person aus dem Publikum:

“Vielleicht noch etwas ganz Anderes. Ich bin Naturärztin. Ich möchte nur sagen: Die Gesetze der Natur bieten immer eine Lösung.”

Diese paar Sätze kamen bei mir auf verschiedenen Ebenen wie ein Hammer an. Da präsentiert jemand mit ziemlich missionarischem Einschlag die simple (Heils-)Lösung für alle Probleme im Saal – ein Faustschlag ins Gesicht von Betroffenen, die sich gerade hoch emotional beteiligt mit ihrer komplexen Lebenslage als Tumorkranke auseinandergesetzt haben. Wer hier noch krank ist, hat offenbar einfach die Gesetze der Natur noch nicht begriffen oder jedenfalls nicht befolgt. Das halte ich für eine Arroganz der Sonderklasse. Die Aussage läuft eigentlich darauf hinaus, dass, wer Krebs hat, einfach noch nicht so weit ist in seiner/ihrer Entwicklung und noch nicht “gecheckt” hat, worauf es ankommt. Diese Grundhaltung scheint mir eine Frechheit und sehr weit entfernt von einem partnerschaftlichen Verhältnis zur kranken Person.
Die Sätze zeugen aber auch von einer ideologischen Blindheit ersten Ranges: Die Gesetze der Natur, das hätte für die allermeisten der im Saal anwesenden Tumorkranken bedeutet: Der Krebs wächst, die kranke Person stirbt und das möglicherweise qualvoll. Jede effektive Bekämpfung des Tumors und jede Linderung der Beschwerden verstösst in diesem Sinne gegen die Natur. Denn der Tumor selbst ist auch Natur. Vor dieser für uns brutalen Seite der Natur verschliessen meiner Beobachtung nach nicht wenige Naturärzte und Naturärztinnen die Augen. Sie sind einer sehr einseitigen Idealisierung der Natur verhaftet (und reden dabei oft von Ganzheitlichkeit…..).
Dass diese Naturärztin ihre Sätze erst ganz am Schluss deponierte, passt genau zu dieser abgehoben-arroganten Haltung: Sie nahm keinerlei Bezug zum interaktiven Geschehen im Theaterstück oder im Publikum. Und es hatte so ganz am Schuss auch niemand mehr die Möglichkeit, darauf dialogisch zu reagieren. Keine Spur einer dialogischen Haltung. Im Gegenteil: Offenbar ging es um ein einseitiges, isoliertes Statement im Sinne einer geäusserten Glaubensüberzeugung. Monologischer geht es kaum. Mich schaudert, wenn ich mir vorstelle, wie solche Leute in ihrer Praxis mit Patientinnen und Patienten umgehen – und dabei immer – ich habe es oben schon mal gesagt – von Ganzheitlichkeit schwafeln.
Ich würde dieses Beispiel nicht bringen, wenn es ein Einzelfall wäre. Dem ist aber nicht so. Ich habe leider in meiner über 25jährigen Lehrtätigkeit im Bereich der Naturheilkunde immer wieder solche Geschichten erlebt.
Wenn Sie krank sind, lassen Sie sich solche Arroganz nicht bieten, die immer genau weiss, was Sie zu tun haben, damit Sie garantiert gesund werden. Und wenn Sie gesund sind, dann achten Sie doch bitte bei sich und anderen auf diese unselige Neigung zu simplen (Heils-)Rezepten in schwierigsten Situationen. Vielleicht sind wir ja alle manchmal an solchen Punkten mehr oder weniger anfällig.

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Akne – spielt die Ernährung doch eine Rolle?

Freitag, Oktober 3rd, 2008

Bis vor kurzem vertraten Fachkreise die Ansicht, dass die Ernährung keinen Einfluss auf die Akne habe.
Eine australische Untersuchung zeigte nun aber eindrücklich die Auswirkungen einer Ernährungsumstellung auf die Haut. Die Forscher berichteten im American Journal of Clinical Nutrition von guten Ergebnissen bei 43 männlichen Aknepatienten durch eine Diät mit einem niedrigen glykämischen Index. Dazu müssen alle Nahrungsmittel reduziert werden, die den Blutzuckerspiegel stark und schnell in die Höhe treiben, also Weissbrot, Zucker, zuckerhaltige Frühstücksflocken und Getränke, Süssgebäck usw. Auf den Anstieg des Blutzuckerspiegels folgt in der Regel eine heftige Insulinausschüttung. Insulin aber regt die Produktion von männlichen Wachstumshormonen (Androgenen) an und aktiviert den Botenstoff IGF-1. Diese regen dann die Talgproduktion an und fördern dadurch die Verstopfung der Poren. Durch eine Ernährung mit vorwiegend Vollkorn, Gemüse und Früchten hatten die Probanden nach drei Monaten 20% weniger Pickel.
Die Resultate dieser Studien müssen nun allerdings in grösseren Untersuchungen überprüft werden.
Es scheint jedenfalls deutlich zu werden, dass es weniger einzelne spezifische Nahrungsmittel sind, die gemieden werden sollten, sondern dass die glykämische Last als Ganzes problematisch ist. Damit differenziert sich auch die Aussage zur Schokolade, die schon lange unter Akne-Verdacht steht. Es gab einen Versuch zur Schokolade im Jahr 1969. Dabei bekam die eine Hälfte der Testpersonen einen Schokoriegel, die andere ein identisch aussehendes, aber kakaofreies Zucker-Fett-Gemisch. Es ließ sich kein Unterschied bei der Akne feststellen, woraus sich schliessen lässt, dass die Kakaobestandteile der Schokolade keinen speziellen Einfluss auf die Hautkrankheit haben. Die Zuckerbestandteile aber offenbar schon, wenn man der neuen australischen Studien glaubt.

Quellen:
Tabula, Zeitschrift für Ernährung Nr. 3/2008
DIE ZEIT, 02.08.2007 Nr. 32
Neil Mann et al.;American Journal of Clinical Nutrition, 2007

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Naturschutz: Verbandsbeschwerderecht soll bleiben!

Donnerstag, Oktober 2nd, 2008

Das Beschwerde-Recht der Umweltorganisationen ist in Gefahr. Am 30. November 2008 stimmt das Schweizer Volk über die Initiative der Zürcher FDP ab. Die Initiative will das Beschwerde-Recht faktisch abschaffen. Als “Heilpflanzen-Mensch” und Feldornithologe ZVS ist es mir ein Anliegen, dass diese meines Erachtens unnötige Zwängerei an der Urne wuchtig abgelehnt wird.

Darum braucht es ein Beschwerde-Recht für die Natur:

Ein Grundprinzip unserer Rechtsordnung ist, dass Behörden-Entscheide in Frage gestellt werden dürfen. So kann beispielsweise jeder Nachbar Beschwerde gegen Bauentscheide erheben, um deren Rechtmässigkeit überprüfen zu lassen. Wenn Natur- und Heimatschutzbestimmungen verletzt werden, kann sich die Natur aber nicht selber wehren. Deshalb haben ideelle Organisationen, welche sich nachweislich für den Naturschutz einsetzen und vom Bundesrat entsprechend anerkannt wurden, ein Beschwerde-Recht.
Das Beschwerde-Recht hat vor allem präventive Bedeutung: So werden Projekte von Anfang an möglichst umweltverträglich und gesetzeskonform geplant. Effektiv wird das Beschwerde-Recht nur selten benutzt – aber in über 70% der Fälle resultieren Verbesserungen für Natur und Heimat. Übrigens: 99 von 100 Beschwerden gegen Baugesuche werden von Privaten, nicht von Umweltorganisationen eingereicht – und überwiegend erfolglos!
Weil die Schweiz immer mehr überbaut wird, geraten Natur und Heimat immer mehr unter Druck. Klar, dass dies zu Nutzungskonflikten führt. Aber diese müssenmit einem korrekten Vollzug der demokratisch beschlossenen Gesetze gelöst werden.

Geht es nach dem Willen der Initiantinnen und Initianten, können Bauprojekte, die vom Volk an der Urne oder an der Gemeindeversammlung genehmigt wurden, nicht gerichtlich daraufhin überprüft werden, ob sie den Natur- und Heimatschutzbestimmungen entsprechen. Diese Bestimmungen wurden aber alle auf demokratische Weise vom Volk oder von seinen gewählten VertreterInnen in den Parlamenten beschlossen. Es ist unsinnig und rechtsstaatlich bedenklich, wenn ein Teil des Volkes übergeordnetes Recht, das vom ganzen Volk angenommen wurde, aushebeln kann. Eine Gemeindeversammlung hat nicht immer Recht. Sie muss sich an übergeordnetes, demokratisches Recht halten. Führende Staatsrechtler haben denn auch die Initiative mit deutlichen Worten kritisiert, weil sie den Rechtsstaat in Frage stellt.
Das Beschwerde-Recht für Natur und Heimat braucht
es heute mehr denn je!

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Naturheilkunde: Vom sorgfältigen Umgang mit Erfahrung

Mittwoch, Oktober 1st, 2008

Meiner Ansicht nach brauchen wir im Bereich Komplementärmedizin / Naturheilkunde einen sorgfältigeren Umgang mit dem Begriff “Erfahrung”. Wie rasch kommt doch als Begründung für bestimmte Heilmethoden oder Heilmittel, dass es halt “Erfahrungen” seien, die dafür sprächen. Wilhelm Schmid zeigt im folgenden Zitat, wie komplex dieser Begriff der “Erfahrung” ist:

“Die Bereicherung des Erfahrungsschatzes hängt nicht etwa nur von der Vielzahl der Erfahrungen, sondern von deren Reflexion ab, um Erkenntnisse aus den gemachten Erfahrungen zu ziehen, vorschnelle Schlüsse aber zurückzuhalten. Die Reflexion erfordert eine Distanznahme zu dem, was dem Selbst widerfahren ist, um die Erfahrung, die gemacht worden ist, gleichsam von Aussen charakterisieren zu können als einzigartige oder aber anderen Erfahrungen ähnliche, als zufallsabhängige oder aber allgemeine Erfahrung, bedingt von Strukturen und eingebunden in bestimmte Zusammenhänge; was sich aus der Reflexion ergibt, ist als “Bestätigung, Korrektur oder Widerlegung” auf die Lebensführung zurückzubeziehen.
Der Reflexion förderlich ist der Erfahrungsaustausch mit Anderen; ohnehin erweisen sich wenige Sujets als so ergiebig für Gespräche wie das narrative Aufbereiten, das Vergleichen und Interpretieren von Erfahrungen. Zu deuten ist auch hier, ob die verschiedenen gemachten Erfahrungen dieselben oder ähnliche oder unterschiedliche sind, welche Gründe und Hintergründe sie haben könnten und welche Bedeutung ihnen zukommt. Kaum etwas verbindet Individuen so sehr wie gleiche oder ähnliche Erfahrungen, die der Selbstvergewisserung dienlich sind; kaum etwas hält sie nachhaltiger zueinander auf Distanz als die Unterschiedlichkeit von Erfahrungen, die verunsichernd wirkt und doch der wechselseitigen Bereicherung dienen könnte. Zur Annahme aber, dass es “authentische” Erfahrungen seien, die der eigenen Wissensproduktion Impulse verleihen, besteht kein Anlass: Erfahrungen sind in hohem Masse strukturell bedingt, und sie sind mithilfe von Vorstrukturierungen manipulierbar, sodass sie in dieser oder jener Form möglich oder unmöglich, wahrscheinlich oder unwahrscheinlich gemacht werden können. Die Art und Weise der Erfahrung und selbst ihrer Reflexion kann von Strukturen einer Kultur und von Gewohnheiten des Fühlens und Denkens vorgeprägt sein.”
(Wilhelm Schmid, Philosophie der Lebenskunst, Suhrkamp 2000, S. 301)

Es gibt nicht diese reine Erfahrung, die uns direkt zeigt, wie es wirklich ist. Jede Erfahrung wird durch Theorien schon vorstrukturiert (nach Karl Popper). Jede Erfahrung, mit der wir zu tun bekommen, ist schon eine interpretierte und vorgeprägte Erfahrung. Darum braucht es einen aufwendigen Prozess der Auseinandersetzung, bis wir aus “Erfahrungen” Erkenntnisse gewinnen können. Es braucht unter anderem die von Schmid beschriebene Distanzierung von den eigenen “Erfahrungen”, damit sie reflektiert, eingeordnet, bewertet und mit “Erfahrungen” anderer Menschen verglichen werden können. Es braucht den Austausch und die kritische Auseinandersetzung mit anderen Menschen auch über unsere Erfahrungen mit Heilpflanzen.
Beruft sich jemand zur Begründung für die Anwendung einer Heilmethode oder eines Heilmittels einfach auf “Erfahrung”, müsste daher sehr genau nachgefragt werden, wie sorgfältig und selbstkritisch sich diese Person mit ihren sogenannten Erfahrungen auseinandergesetzt hat.
Hier zeigt sich meines Erachtens der Unterschied zwischen professionellem Handeln und Dilettantismus.
In der Pflanzenheilkunde / Phytotherapie sind wir es den Patientinnen und Patienten schuldig, dass wir sorgfältig und selbstkritisch mit Erfahrungen umgehen.

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Interessiert an Heilpflanzen? Entwickeln Sie Ihre eigene Kompetenz

Mittwoch, Oktober 1st, 2008

Grossmutter‘s Heilkräuter-Apotheke ist wieder aktuell. Heilpflanzen werden nicht nur in der breiten Bevölkerung vermehrt geschätzt und angewendet – sondern auch intensiv wissenschaftlich untersucht. Allerdings fällt es nicht leicht, sich im Dschungel der Meinungen, Behauptungen und Versprechungen zurecht zu finden. Am “Seminar für Integrative Phytotherapie” (SIP) in Winterthur werden zwei Lehrgänge angeboten, in denen interessierte Personen das Rüstzeug für eine eigene fundierte Meinung erwerben können.

Zahlreiche Heilpflanzen werden seit vielen Jahrhunderten genutzt. Doch wer blind auf Tradition vertraut, kann sich gewaltig täuschen. Auch Tradition kann sich irren und tut es nicht selten über Jahrhunderte. Ein möglicher Ausweg: Wir halten uns an das, was wissenschaftlich belegt ist. Aber halt: Auch wissenschaftliche Studien können sich widersprechen – und sie tun es oft. Auch werden vor allem Heilpflanzen erforscht, die kommerziell interessant sind, während unabhängige Forschung rar ist.
Was also tun angesichts dieser nicht gerade einfachen Ausgangslage?
Wir können uns resignierend aus diesem komplexen Terrain verabschieden – und uns Bereichen zuwenden, die (scheinbare) Gewissheiten in Aussicht stellen. Oder wir können es uns einfach machen, indem wir das glauben, was unseren Bedürfnissen am nächsten kommt, und was wir darum gerne glauben wollen.
Wir können jedoch auch lernen, uns mit komplexen Situationen auseinanderzusetzen und mit ihnen umzugehen. Denn wer präziser hinschaut erkennt: Die einfachen Gewissheiten sind eine Täuschung. Es ist die Wirklichkeit selbst, die in der Regel komplex ist – und dafür aber auch spannend.
Für die Heilpflanzenkunde bedeutet das: Wir müssen jedes Thema möglichst von allen Seiten unter die Lupe nehmen, kritische Fragen stellen und uns erst danach eine eigene Meinung bilden. Eine Meinung im übrigen, die immer vorläufig bleibt, weil neue Erkenntnisse zu anderen Schlüssen führen können.
Wer Lust hat, sich in diesem Sinne eigene Kompetenz zu erwerben, kann dies am “Seminar für Integrative Phytotherapie” (SIP). Für alle am Thema “Heilpflanzen” Interessierten werden hier Tagesseminare und Wochenendkurse angeboten und für vertieftes Wissen das “Heilpflanzen-Seminar”, ein Lehrgang über sechs Wochenenden. Besonders beliebt ist dieser Kurs bei Lehrpersonen und bei Berufsleuten aus Landwirtschaft und Gärtnerei, aber auch bei Eltern, welche Heilpflanzen kompetent und sicher im familiären Umfeld anwenden wollen.
Menschen aus medizinischen Grundberufen wie Krankenpflege, Medizin oder Heilpraktik können am SIP den Lehrgang in “Integrativer Phytotherapie” belegen. Im Rahmen von 15 mal 2 Tagen über einen Zeitraum von zirka 20 Monaten erwerben sie sich damit das nötige Wissen, um Heilpflanzen in ihrem beruflichen Bereich professionell einzusetzen. Weitere Informationen zum Angebot am SIP finden Sie auf www.phytotherapie-seminare.ch . Wer Heilpflanzen und Alpenblumen in der Natur kennen lernen will, findet dort auch ein vielfältiges Programm an Tages- oder Wochenendkursen. Im Sommerhalbjahr werden Heilpflanzen-Exkursionen in den Bergen angeboten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Pflanzenheilkunde: Schwache Begründungen nicht einfach schlucken!

Mittwoch, Oktober 1st, 2008

Im vergangenen Sommer auf einer Heilpflanzen-Exkursion in den Bergen: Wir treffen auf Augentrost, eine hübsche Pflanze, die traditionell als Augenbad oder Umschlag bei leichteren Bindehautentzündungen eingesetzt wird. Eine teilnehmende Heilpraktikerin sagt mit grosser Überzeugung: “Augentrosttee trinken hilft bei Entzündungen aller Art!” – Ich stutze weil die innerliche Anwendung von Augentrost sehr unüblich ist und frage nach, wie sie zu dieser Aussage kommt. Wir sollten meines Erachtens wenn immer möglich ungewöhnliche Aussagen über Heilpflanzen nicht sofort reflexartig ablehnen, sondern nach den Hintergründen fragen. Die Dame erklärt also, dass sie dies so in ihrer Phytotherapie-Ausbildung gelernt habe. Mich überrascht das, weil dieser Anwendungsbereich des Augentrosts in der Phytotherapie nicht bekannt ist. Also frage ich nach, wie diese Aussage begründet wurde. Wenn wir wissen, wie jemand zu einer Überzeugung gekommen ist, können wir sie besser beurteilen und uns eine eigene Meinung bilden. Die Erklärung lautete folgendermassen: “Im Hitzesommer 2003 litten aussergewöhnlich viele Menschen an Entzündungen. Und genau in diesem Sommer wuchsen auch besonders viele Augentrostpflanzen.” – Das häufigere Auftreten des Augentrosts wurde also als Zeichen gedeutet dafür, dass er gegen die ebenfalls häufigeren Entzündungen helfen soll. Der Augentrost kommt zu uns, wenn wir ihn brauchen. Diese Begründung hat mich ziemlich erschüttert. Erstens leite ich seit 1986 jeden Sommer Heilpflanzen-Exkursionen in den Bergen und mir ist nicht aufgefallen, dass der Augentrost im Jahr 2003 überdurchschnittlich häufig zu sehen war. Auch mit den vermehrten Entzündungen im Sommer 2003 kann ich nicht so recht etwas anfangen.
Aber selbst wenn dieses gehäufte Auftreten von Augentrost und Entzündungen im Sommer 2003 tatsächlich stattgefunden hätte, bliebe der daraus konstruierte Zusammenhang immer noch höchst fragwürdig.
Wenn der Augentrost in einem bestimmten Jahr besonders häufig auftritt, dann kommt das meines Erachtens daher, weil die Bedingungen für seine Entwicklung besonders günstig waren. Es geht dabei um ihn selbst und nicht um uns und unsere Krankheiten.
Ich höre ähnliches immer wieder: Die Pflanzen, die zu mir in den Garten kommen, sind genau diejenigen, die ich auch brauche. Es gibt da offenbar eine geheime Verständigung zwischen Pflanze und Mensch. Sie kommt zu mir, weil sie mir helfen will. Ich halte diese Vorstellung für hoch anthropozentrisch. Der Mensch steht hier im Mittelpunkt der “Veranstaltung” Natur und die Heilpflanzen kümmern sich um ihn. Eine schöne Vorstellung, die unserem Narzissmus gehörig schmeichelt. Etwas mehr Demut gegenüber der Natur wäre angebracht.
Die Idee, dass ich genau diejenige Heilpflanze brauche, die zu mir in den Garten kommt, hat über die narzisstischen Streicheleinheiten hinaus aber noch einen weiteren grossen Vorteil: Es ist immer fraglos klar, welche Pflanzen ich gerade nötig habe. Es gibt keinen Zweifel und ich muss auch nicht darüber nachdenken und mich damit auseinandersetzen. Es zeigt sich ohne all diese Mühen.
In diesem Sinne haben wir es hier meines Erachtens nicht nur mit einer narzisstischen, sondern auch mit einer denkfaulen Haltung zu tun.
Weil ich solche Ansichten immer mal wieder höre, sagen sie meiner Meinung nach etwas aus über das erschreckend naive Argumentationsniveau in manchen Kreisen der Pflanzenheilkunde. Nur immer schön das Gehirn ausgeschaltet lassen. Das ist ja ein Körperteil, der nicht zur Ganzheitlichkeit gehört……
Wenn nun ein Mensch für sich selber solche Ansichten pflegt und sich danach richtet, ist das ja sein gutes Recht. Wenn aber dann auf diese Art Patientinnen und Patienten behandelt werden, scheint mir das höchst fahrlässig.
Schauen Sie also genau und kritisch hin, wenn Sie sich in diesem Terrain bewegen. Es kann nicht sein, dass Ansichten und Haltungen nur schon deswegen kritikimmun sind, weil sie als natürlich daher kommen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch