Johanniskraut: Wissenschaftliche Analyse zeigt Wirksamkeit einzelner Extrakte

Diesen Artikel teilen:
FacebookTwitterGoogle+ Share

Die wissenschaftliche Aufarbeitung pflanzlicher Arzneimittel hat in den letzten Jahren starke Forschritte gemacht. Dabei wird aber die richtige Beurteilung einzelner pflanzlicher Präparate durch eine spezielle Eigenschaft der Phytopharmaka kompliziert: Sie sind in ihrer Vielfalt nur schwer einzeln fassbar. Im Unterschied zu den chemisch definierten Einzelsubstanzen der “normalen” Medikamente sind Heilpflanzen-Präparate Vielstoffgemische. Je nach Qualität der verwendeten Pflanzen und den unterschiedlichen Herstellungsverfahren ergeben sich Produkte, deren Wirkungen stark voneinander abweichen können. Das zeigt sich zum Beispiel deutlich beim Johanniskraut (Hypericum perforatum), das in der Pflanzenheilkunde eine lange Tradition besitzt und inzwischen zu den am besten untersuchten Heilpflanzen gehört. Es sind mehrere Johanniskraut-Extrakte auf dem Markt, die sich so stark unterscheiden, dass ihre Wirkungen nicht einfach gleich gesetzt werden können. Darum kann man genau genommen nicht einfach generell sagen: Johanniskraut wirkt gegen Depressionen. Es kommt sehr darauf an, welcher Extrakt verwendet wird.
PD Dr. Klaus Linde, Autor der Cochrane-Dokumentation ”Johanniskraut”, hat darum die vorhandenen klinischen Studien (= Patientenstudien) im Hinblick auf Wirksamkeit und Bedeutung einzelner Johanniskrautextrakte analysiert.
Auf Anregung von Phytoexperten wurde vor einem Jahr ein hochkarätig besetztes interdisziplinäres, wissenschaftliches Gremium ins Leben gerufen, das den aktuellen Stand klinischer Forschung nach EBM-Kriterien und auf die einzelnen Pflanzenextrakte bezogen untersucht. Die ”Kommission Qualität und Transparenz von Phytopharmaka” wird vom “Komitee Forschende Naturmedizin” unterstützt.
Mit dem ersten Auftrag der Kommission wurde PD Dr. Klaus Linde vom Zentrum für naturheilkundliche Forschung der TU München betraut. Der Autor des Cochranreviews ”St. John™s wort for depression” (The Cochrane Database of Systematic Reviews 2005, issue 2. Art.No: CD000448) untersuchte die vorhandene Wirkung randomisierter Studien zur Wirksamkeit einzelner Johanniskraut-Extrakte bei Depressionen verglichen mit Placebo oder synthetischen Antidepressiva.
In einer ersten Übersicht prüfte Dr. Linde, für welche auf dem deutschen Markt als Antidepressiva eingesetzten Hypericum-Extrakte klinische Studien existieren. Dabei berücksichtigte er in seiner Analyse ausschliesslich Studien mit randomisiertem und doppelblindem Studiendesign, insgesamt 42 an der Zahl. Zu jedem der zum Zeitpunkt der Übersicht (Februar bis Oktober 2006) auf dem deutschen Markt erhältlichen Präparat wurde eine deskriptive Bewertung der Evidenzlage erstellt. Die im Dezember 2006 abgeschlossene Arbeit umfasst 53 Seiten und trägt den Titel ”Johanniskraut bei Depression – eine Übersicht der randomisierten Studien bezogen auf einzelne Extrakte”. Sie ist im Internet unter www.phytotherapie-komitee.de/Forschung/kfn_hyperic_281206.pdf abrufbar.
Die Arbeit von Klaus Linde zeigt: Es gibt Johanniskraut-Präparate mit gut belegter Wirksamkeit und solche, die in den Patientenstudien kaum über einen Placebo-Effekt hinaus kommen. Für betroffene Patientinnen und Patienten sind diese Unterschiede wesentlich.
Die Untersuchung bezieht sich zwar auf Johanniskrautpräparate aus Deutschland, doch sind die entsprechenden Extrakte zum Teil unter anderen Namen auch in der Schweiz erhältlich. Wenn Sie sich Kenntnisse erwerben möchten, die bei der fundierten Beurteilung solcher Präparate helfen, empfehle ich Ihnen den Phytotherapie-Lehrgang oder das Heilpflanzen-Seminar (www.phytotherapie-seminare.ch). Ohne solche Kenntnisse ist man im Bereich der Pflanzenheilkunde nämlich den Aussagen und Versprechungen der Hersteller und Verkäufer ziemlich ausgeliefert.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:
0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>