Naturheilkunde: Kritische Fragen unerwünscht?

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Mit kritischen Fragen zu Naturheilmethoden kann man sich ganz schön in die Nesseln setzen. Oft reagieren Anhängerinnen und Anhänger der betroffenen Methoden sehr heftig und fühlen sich persönlich angegriffen. Schnell wird der kritische Frager zum Verräter gestempelt und in die “schulmedizinische Ecke” abgeschoben.
Woher das wohl kommt?
Ich glaube vom allzu ausgeprägten Schwarz-Weiss-Denken: Hier die gute, reine, heilsame, gesunde Naturheilkunde – dort die giftige, gefährliche Schulmedizin mit ihrer “Chemie”. Wer kritische Einwände zu einer Naturheilmethode anbringt, wird von solchen Schwarz-Weiss-Denkern sofort ins gegnerische oder gar feindliche Lager gestellt. In ihren Augen muss offenbar die Naturheilkunde um jeden Preis vollständig heil, gut und unbefleckt gehalten werden. Vielleicht deshalb, weil ihnen sonst in der Welt nicht mehr viel heil und intakt vorkommt. So wäre denn die Vorstellung von der absolut positiven, reinen, guten Naturheilkunde für diese Menschen sehr verführerisch.
Mir scheint diese Haltung allerdings wie alle Schwarz-Weiss-Bilder als viel zu einseitig. Diese Einseitigkeit zeigt sich zum Beispiel in der Vorstellung, dass Heilpflanzen niemals schaden können und dass jede Krankheit mit Kräutern geheilt werden kann. Beides ist allzu schön, um wahr zu sein. Wer an dem absolut positiven, hellen Bild der Naturheilkunde festhält,
-klammert oft aus, dass auch Naturheilmethoden unerwünschte Nebenwirkungen und Risiken haben können;
– ist anfälliger für übertriebene Heilungsversprechungen, die in der Naturheilkunde nicht selten anzutreffen sind;
– kann die Grenzen, die jede Methode hat, viel schlechter abschätzen;
– macht sich meist zu wenig bewusst, dass im Zuge des Naturheilmittelbooms auch vieles produziert und vermarktet wird, das mit grosser Wahrscheinlichkeit unnütz und überflüssig ist.
Dies alles trägt nicht gerade zu einem zweckmässigen, der jeweiligen Situation angemessenen Umgang mit Naturheilmethoden bei.
Wer die Naturheilkunde ernst nimmt, stellt sie nicht unter eine Glasglocke, um sie vor jeder Kritik zu schützen. Wir brauchen die konstruktiv-kritische Auseinandersetzung mit den eigenen und anderen Methoden – auch im Bereich der Pflanzenheilkunde.
Nur so werden mit der Zeit die Stärken und Schwächen einer Methode deutlicher. Die Befürchtung, dass dadurch die Naturheilkunde geschwächt wird, teile ich gar nicht. Im Gegenteil: Sie bekommt sichereren Boden, ein gefestigteres Fundament. Durch die konstruktiv-kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Methoden gewinnt die Naturheilkunde an innerer Stärke. Und wer sich stark genug fühlt, kann auch Schwächen und Grenzen seiner Methoden sehen und zugeben. Nur wer selber auf schwachen Füssen steht, muss sich oder seine Methoden als in jeder Hinsicht perfekt und vollkommen hinstellen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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1 Antwort
  1. felizitas
    felizitas says:

    lieber martin
    an meiner abschlussprüfung zur naturheilpraktikerin diesen sommer war tatsächlich eine frage, wie ich mich zu nahrungsergänzungsmittel stelle. ich verneinte den konsum dieser und habe mir eine schlappe eingefangen.
    nur, frage auch ich mich, ob erg.-mittel nicht besser sind, als ein zuwenig an vit. mineralst. spurenelementen. denn, welche nahrungsmittel sind qualitativ gut bestückt an vitaminen und mineralstoffen… klar, bio label beachten, pro spezia rara… kennst du studien über den gehalt der bio produkte?
    als pflegefachfrau im med.-techn. bereich eines spitals finde ich selten genügend zeit für eine gesunde ernährung. für dich vielleicht eine ausrede, für mich tatsache, bin ich doch schon froh wenn ich zu genügend flüssigkeit komme.
    so bin auch ich ‚burgerstein schluckerin‘ geworden.
    jedenfalls danke ich dir für den hinweis, werde mein verhalten überdenken, zumindest was den dauerkonsum anbelangt und die empfehlung an klienten ohne gezielte vorabklärung.
    herzlich
    felizitas

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