Pflanzenheilkunde: Grüne Medizin im Aufwind – sieben spontane Gedankensplitter

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Die “Grüne Medizin” ist im Trend. Dabei gilt es aber zu beachten: Nicht jedes angepriesene Heilmittel, das aus der Natur stammt, ist auch wirksam und sicher. Es lohnt daher und ist nötig, immer wieder auch kritisch über die Entwicklungen in der Pflanzenheilkunde nachzudenken. Dazu für heute sieben unsystematische Anmerkungen ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

1. Pflanzenheilkunde begleitet die Menschen seit ihren Ursprüngen. Auf welche Art genau die Heilkraft der Pflanzen zustande kommt, darüber hatte jedes Zeitalter seine eigenen Ansichten. Die Pflanzenheilkunde verbindet so alle Epochen unserer Geschichte. Dadurch entsteht eine Kraft der Tradition, von der wir auch heute noch profitieren können. Und wer die Vergangenheit versteht, kann sich auch besser in der Gegenwart zurecht finden.

2. Auf Tradition allein sollten wir allerdings nicht bauen. Tradition hat sich in vielen Punkten auch gründlich geirrt, und das nicht selten über Jahrhunderte. Tradition allein legitimiert eine Heilmethode oder eine einzelne heilkundliche Idee noch nicht. Die Pflanzenheilkunde muss sich deshalb der Kritik und wissenschaftlicher Überprüfung stellen.

3. Aus der Auseinandersetzung zwischen Tradition und Wissenschaft entsteht eine zeitgemässe Form der Pflanzenheilkunde.

4. Diese modernere Pflanzenheilkunde kennt keine fest gefügten, für immer gültigen Erkenntnisse. Sie ist sich bewusst, dass Wissen sich wandelt. Überholtes wird ausgeschieden und neue Erkenntnisse werden integriert.

5. Wird Pflanzenheilkunde in diesem Sinne betrieben, steht sie genau zwischen der sogenannten “Schulmedizin” und der Naturheilkunde. Sie eignet sich darum auch ganz besonders als Brücke zwischen diesen sich oft feindlich gegenüberstehenden Lagern.

6. Für zahlreiche Krankheiten und Beschwerden bietet eine moderne Pflanzenheilkunde milde, gut verträgliche Behandlungsmöglichkeiten. Dabei gilt es jedoch im Auge zu behalten, dass auch Heilpflanzen unerwünschte Nebenwirkungen haben können und dass in manchen Fällen ein “chemisches” Arzneimittel die bessere Wahl ist. Es geht nicht um Entweder-oder, sondern darum, für jeden Fall die jeweils angemessene Behandlungsform zu finden. Diese Grundhaltung beugt Feindbildern vor, wie sie leider sowohl auf Seiten der Medizin als auch der Naturheilkunde immer noch verbreitet sind.

7. Pflanzenheilkunde kann den Kontakt zur Natur fördern. Wer Heilpflanzen verwendet, wird sich irgendwann fragen, wo diese wachsen und wie sie wohl aussehen. Der daraus entstehende Kontakt zur Natur hat mit grosser Wahrscheinlichkeit schon für sich allein genommen eine günstige Wirkung auf die Gesundheit.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde,
Seminar für Integrative Phytotherapie (SIP) in Winterthur.
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen

Am SIP werden Lehrgänge und Kurse durchgeführt in Phytotherapie / Pflanzenheilkunde für interessierte Laien und für Berufsleute aus Krankenpflege, Medizin, Pharmazie, Pharma-Assistenz, Drogerie und Heilpraktik.
Im Sommerhalbjahr zudem Tages-, Wochenend- und Wochenkurse zum Kennenlernen von Heilpflanzen und Alpenblumen in den Bergen.
Im “Forum Naturheilkunde Philosophie” wird unter anderem die Kulturgeschichte der Pflanzenheilkunde vermittelt (Magische Medizin, Vier-Säftelehre, Klostermedizin, Signaturenlehre).
Info auf: www.phytotherapie-seminare.ch.

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

moodle.heilpflanzen-info.ch/course/view.php?id=15

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1 Antwort
  1. Martin Koradi
    Martin Koradi says:

    Antwort an ‚Jo':
    Danke für Ihren Kommentar. Mich verblüfft, mit welcher Bestimmtheit Sie schreiben können: ‚In der Spagyrik…wird nicht mit Hefen vergoren, destilliert und verascht.‘
    Immerhin wird ja im ‚Homöopathischen Arzneibuch‘ unter ‚Spagyrische Urtinkturen (bidest.)‘ und ‚Spagyrische Urtinkturen nach Zimpel‘ ausdrücklich Vergärung, Destillation und Veraschung verlangt. Und das sind quasi die offiziellen Vorschriften. Aber wahrscheinlich betrachten Sie diese als unechte Spagyrik (auch hier die Frage: Nach welchen Kriterien beurteilen Sie echt / unecht?).
    Es stimmt meines Erachtens nicht, wenn Sie schreiben: ‚Wirkliche Spagyrische Arzneimittel müssen auch klinischen Prüfungen standhalten.‘ Gesetzlich fällt die Spagyrik in den gleichen Bereich wie die Homöopathie, ist daher auch im Homöopathischen Arzneibuch abgehandelt und ist, wie auch die Homöopathie, von den Heilmittelbehörden von jeglichem Wirksamkeitsnachweis befreit worden. Während also Phytotherapeutika für die Zulassung als Heilmittel ihre Wirksamkeit durch klinische Studien an kranken Menschen belegen müssen, fehlt diese Qualitätssicherung bei Präperaten aus den Bereichen Spagyrik und Homöopathie.
    Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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