Süchtig nach Schlafmitteln – Phytotherapie bietet gesunde Alternativen

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Viele ältere Menschen können ohne Medikamente nicht schlafen. Die Präparate können abhängig machen, werden aber trotzdem grosszügig verschrieben.
Die immer noch am häufigsten verschriebenen Schlaf- und Beruhigungsmittel, die Benzodiazepine, haben ein hohes Suchtpotenzial.
“Wer einmal damit begonnen hat, hört kaum mehr auf”, sagt der Zürcher Stadtarzt Albert Wettstein in der NZZ am Sonntag vom 27. Juli 2008.
Benzodiazepine werden in tieferen Dosen als Beruhigungsmittel (Valium, Seresta, Temesta) und in höheren als Schlafmittel eingesetzt (Dalmadorm, Dormicum, Halcion). Eine Abhängigkeit kann schon bei geringen Dosen entstehen. Obschon das Problem seit längerem bekannt ist, werden Benzodiazepine immer noch oft ärztlich verordnet. Sie sind bei Medizinern und Patienten sehr beliebt, weil sie rasch wirken und zu Beginn gut verträglich sind. Albert Wettstein erklärt dazu in der NZZ am Sonntag: “Der schlafanstossende Effekt der Benzodiazepine hält nur kurze Zeit an, spätestens nach vier Wochen schlafen die Leute genauso schlecht wie vorher, und man behandelt nur noch die Abhängigkeit.”
Benzodiazepine sollten in der Regel nicht länger als zwei bis vier Wochen verschrieben werden. Viele Menschen schlucken sie jedoch über mehrere Jahre. Versuchen sie dann, die Medikamente abzusetzen, haben sie noch schlimmere Schlafstörungen als vor der Einnahme. Die NZZ am Sonntag erwähnt eine Studie mit gesunden, nicht schlafgestörten Studenten, bei denen schon die einmalige Einnahme von Halcion die Einschlafzeit am nächsten Abend ohne das Medikament stark verlängerte.
Zudem haben Benzodiazepine auch Nebenwirkungen. Oft werden sie nicht erkannt und dem Alter angelastet oder mit einer Demenz verwechselt. Häufige Begleiterscheinungen der Benzodiazepin-Einnahme sind Vergesslichkeit, fehlende körperliche Spannkraft, verminderter Antrieb und ein Mangel an gefühlsmässiger Beteiligung an der Umwelt. Der Stoffwechsel älterer Menschen arbeitet langsamer und viele Wirkstoffe verbleiben 3 – 5 mal länger im Organismus. Senioren sind deshalb nach der abendlichen Benzodiazepin-Einnahme oft noch am Tag darauf beduselt. Ein grosses Problem in diesem Zustand und beim nächtlichen Gang auf die Toilette ist die Sturzgefahr mit dem Risiko von Knochenbrüchen.
Ein abruptes Absetzen der Benzodiazepine ist jedoch nicht empfehlenswert, denn dies kann starke Entzugserscheinungen auslösen bis hin zu einem epileptischen Anfall. Stadtarzt Albert Wettstein fordert, dass die gesamte Stoffklasse der Benzodiazepine nicht mehr neu verordnet wird, abgesehen von bestimmten Situationen beispielsweise in der Notfall-, Intensiv- oder Palliativmedizin. Er hält die Alternativen auf lange Sicht für wirksamer: “Das Wichtigste sind Verhaltensweisen und eine Umgebung, die den gesunden Schlaf fördern. Eine Verhaltenstherapie kann in Kombination mit pflanzlichen Schlafmitteln wie Baldrian und Hopfen, schon viel bewirken. In bestimmten Situationen ist aber auch die vorübergehende Einnahme von schlaffördernden Antidepressiva sinnvoll. Sie haben den Vorteil, dass sie nicht abhängig machen.”
Soweit Informationen aus dem Artikel der NZZ am Sonntag vom 27. Juli 2008.
Die von Stadtarzt Albert Wettstein empfohlenen Heilpflanzen Baldrian und Hopfen sind jedenfalls tatsächlich frei von Suchtrisiko und den charakteristischen Nebenwirkungen synthetischer Schlafmittel. Kombinationspräparate aus Baldrian und Hopfen sind zudem mit Patientenstudien in ihrer Wirksamkeit immerhin so gut belegt, dass sie von den Krankenkassen aus der Grundversicherung bezahlt werden, wenn ein Arzt oder eine Ärztin sie verschreibt. Stadtarzt Albert Wettstein betont aber sehr zurecht, dass es darüber hinaus noch viel an Information und Anleitung zu schlafförderndem Verhalten braucht und auch eine möglichst schlaffreundliche Umgebung.
Der Artikel in der NZZ am Sonntag greift meines Erachtens ein wichtiges Thema auf. Als Ausbildner von Pflegefachleuten im Bereich Phytotherapie fällt mir beispielsweise immer wieder auf, wie verbreitet Schlafstörungen und Schlafmittelabhängigkeit in den Pflegeheimen sind. Und es gibt starke Argumente dafür, dass die Phytotherapie hier in vielen Fällen gesunde Alternativen anbieten könnte, wenn die Anwendung von Heilpflanzen in einem fachlich fundierten Rahmen geschieht.

Quelle:
Süchtig nach Schlafmitteln, Artikel von Lena Stallmach, NZZ am Sonntag 27. Juli 2008

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Seminar für Integrative Phytotherapie
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www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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