Ginkgo – nicht alle Zubereitungsarten sind gleichwertig

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Ginkgo verbessert die Funktion des Gehirns. So lautet eine oft gehörte, aber eher oberflächliche und ungenaue Beschreibung der Wirkung der Heilpflanze Ginkgo biloba.

Aus fachlicher Sicht sagt das noch wenig aus und die Anwendungsgebiete müssen präziser gefasst werden. In welchen Situationen eignet sich Gingko und in welchen nicht? Wirkt Ginkgo vorbeugend oder bei bestehenden Beschwerden?

Darüber hinaus wird aber im Umgang mit Heilpflanzen oft unterschätzt, wie wichtig die Wahl der geeignetsten Zubereitungsform ist.

Ein Kräutertee? Eine Frischpflanzentinktur bzw. Urtinktur? Eine Pflanzentinktur aus getrockneten Pflanzen nach Arzneibuch? Ein Frischpflanzensaft? Ein Pflanzenextrakt?

Bei Ginkgo biloba ist die Situation ziemlich klar:

Ginkgotee ist ungeeignet. Er enthält oft zu hohe Gehalte an Ginkgolsäuren, die ein hohes allergenes Potenzial besitzen und in pharmakologisch-toxikologischen Untersuchungen auch cytotoxische, neurotoxische und mutagene Wirkungen zeigen. Die wirksame Dosis wird mit Ginkgotee nicht erreicht.

Siehe dazu:

Ginkgotee nicht ohne Risiko

 

Auch Ginkgotinkturen enthalten die entscheidenden Wirkstoffe in zu geringen Mengen und sind daher unterdosiert.

Sicher anwendbar sind nur Trockenextrakte aus Ginkgo biloba, bei denen die Gingolsäuren während der Herstellung entfernt wurden, und die eine hohe Wirkstoffkonzentration aufweisen. Der am besten mit Studien belegte Ginkgoextrakt ist EGb 761 (Tebokan / Tebofortin).

Für diesen Spezialextrakt gibt es medizinisch anerkannte Anwendungsgebiete. Das Herbal Medicinal Product Committee (HMPC) als EU-Zulassungsbehörde für pflanzliche Arzneimittel akzeptiert ihn zur Verbesserung altersbedingter kognitiver Einschränkungen und zur Verbesserung der Lebensqualität als „medizinisch allgemein anerkannt“ („well-established use“).

Die ESCOP hält standardisierte Ginkgo-Extrakte für geeignet zur symptomatischen Behandlung von leichtem bis mittel¬schwerem demenziellem Syndrom einschließlich primärer degenerativer Demenz, vaskulärer Demenz und deren Mischformen; für hirnorganisch bedingte Leistungsstörungen; neurosensorische Störungen wie Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und Tinnitus; zur Verbesserung der kognitiven Leistung; zur symptomatischen Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK, Claudicatio intermittens = „Schaufensterkrankheit“).

Siehe: Phytotherapie – was sind ESCOP-Monografien

In der Phytotherapie ist die Frage, in welcher Arzneiform eine Heilpflanze optimal eingesetzt werden kann, sehr zentral und wird oft unterschätzt.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

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Brennesseltee für Detox?

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Die Boulevard-Zeitung „Blick“ empfiehlt:

„Brennnesseltee hervorragend für Detox“.

Im Detail:

„Brennnesseltee wirkt entwässernd, blutreinigend und entschlackend. Eignet sich also hervorragend für Detox-Kuren. Wer Probleme mit den Harnwegen, der Blase oder den Nieren hat, sollte öfter zu Brennnesseltee greifen. Er sorgt dafür, dass die Harnwege durchgespült werden. Auf diese Weise können sich weder Krankheitserreger festsetzen noch Blasen- oder Nierensteine bilden.“

Quelle:

http://www.blick.ch/ratgeber/ernaehrung/weit-mehr-als-ein-laestiges-unkraut-naehrstoffbombe-brennnessel-id6442454.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Der Detox-Boom basiert auf einem Glaubenssystem, das ohne Fakten und Belege auskommt. Welche Giftstoffe auf welche Art und Weise ausgeschieden werden sollen, darüber äussern sich die Detox-Propagandisten in der Regel nicht. Kein Wunder: Dazu fehlen nämlich fundierte Erkenntnisse oder gar Belege.

Nach einer Detoxkur kann die Vorstellung, nun von allerlei Giften befreit zu sein, allerdings angenehm wirken. Insbesondere wenn einem vorher lange genug eingeredet worden ist, wie verschlackt man doch sei.

Sowohl getrocknetes Brennnesselkraut als auch der Brennnessel-Frischpflanzensaft führen bei längerer Anwendung zu einer Steigerung der Harnmenge.

In Laborexperimenten zeigt sich zudem eine Hemmung von Stoffwechselvorgängen, die bei der Entstehung von Entzündungen bedeutsam sind.

Als wissenschaftlich belegt gilt in der Phytotherapie die Anwendung der Brennnessel zur Durchspülungstherapie bei entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege, zur Prophylaxe und Behandlung von Nierengries und zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Beschwerden.

Wenn der „Blick“ aber schreibt, dass Brennnesseltee blutreinigend und entschlackend wirkt, dann lehnt er sich weit zum Fenster hinaus. Wovon genau soll die Brennnessel das Blut reinigen? Welche „Schlacken“ sollen durch Brennnesseltee ausgeschieden werden? Auf diese Fragen gibt es schlichtwegs keine fundierten Antworten. Hier wird den Leserinnen und Lesern das Fantasieprodukt Detox präsentiert.

Siehe auch:

Detox entschlackt nur den Geldbeutel

 

Detox: Fragwürdiger Trend mit Entgiftungskuren

Detox-Kuren: Eingebildete Lösungen für nicht existierende Probleme

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Studie: 28 000 Pflanzenarten mit Heilkraft für Menschen

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Über 28 000 Pflanzenarten besitzen laut einer umfangreichen Untersuchung Heilkraft für den Menschen – doch nur ein Bruchteil von ihnen ist in der medizinischen Forschung bekannt.

In seinem aktuellen Jahresbericht bilanziert das britische Zentrum für botanische Forschung, Kew Gardens, dass nur 16 Prozent der Heilpflanzen in anerkannten medizinischen Publikationen Erwähnung finden.

Dabei kommt der Bericht zum Schluss, dass Heilpflanzen ein „riesiges Potenzial“ bei der Bekämpfung von Krankheiten wie Diabetes und Malaria hätten. Die beiden Pflanzenstoffe Artemisinin und Chinin zählten beispielsweise „zu den wichtigsten Waffen“ gegen die Infektionskrankheit Malaria, an der 2015 mehr als 400 000 Menschen starben.

An der Studie „State of the World’s Plants“ beteiligten sich 128 Forscher aus zwölf Ländern. Aufgeführt werden darin etwa 1 730 Neuentdeckungen seit dem Vorjahr. Dazu gehören neun Arten einer Kletterpflanze namens Mucuna, die bei der Behandlung von Parkinson angewendet werden.

 

Quelle:

http://science.orf.at/stories/2844019/

http://www.kew.org/science/who-we-are-and-what-we-do/strategic-outputs-2020/state-of-the-worlds-plants

https://stateoftheworldsplants.com/2017/report/SOTWP_2017_4_material.pdf

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Studie untersucht unter anderem, in welchen Pflanzenfamilien am meisten Heilpflanzen vorkommen. Zweifellos existiert ein grosses Potenzial an unerforschten Heilpflanzen und es ist sehr zu begrüssen, wenn die Botanik sich hier um eine systematische Erfassung bemüht. Allerdings handelt es sich dabei um einen weitgehend theoretischen Überblick zu potenziellen Heilpflanzen. Bis eine Heilpflanze tatsächlich therapeutisch bei kranken Menschen eingesetzt werden kann, braucht es oft noch sehr viel Forschung.

Auch ist nicht alles, was da entdeckt worden ist, vollkommen neu. Das zeigt der Hinweis auf die „neun Arten einer Kletterpflanze namens Mucuna, die bei der Behandlung von Parkinson angewendet werden.“

Die Samen von Mucuna pruriens, der Juckbohne, werden wegen ihres Gehalts an L-Dopa schon seit längerem bei Parkinson-Patienten eingesetzt und dazu auch industriell verarbeitet.

In der Parkinson-Behandlung wird L-Dopa schon seit vielen Jahren zur Linderung der Symptome angewendet.

Der Wirkstoff hat eine kleine therapeutische Breite. Wirksame und giftige Dosierung liegen also nahe beieinander. Starke Schwankungen im Wirkstoffgehalt, wie sie in Pflanzen vorkommen können, können daher Risiken mit sich bringen und für die Anwendung der klar dosierbaren, isolierten Einzelsubstanz sprechen.

Siehe auch:

Hilft Juckbohne (Mucuna Pruriens) bei Parkinson?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Verdacht auf Wucherpreise bei Krebsmedikamenten: EU-Kommission ermittelt

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Wegen des Verdachts überhöhter Preise für fünf lebenswichtige Krebsmedikamente hat die EU-Kommission eine offizielle Untersuchung gegen den südafrikanischen Hersteller Aspen Pharma eröffnet. Man habe Hinweise auf plötzliche Preissteigerungen von zum Teil mehreren 100 Prozent, teilte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager mit. Um die Aufschläge durchzusetzen, soll Aspen in einigen EU-Ländern gedroht haben, die Medikamente vom Markt zu nehmen. In bestimmten Fällen habe die Aspen Pharma dies sogar getan.

Es geht um die Wirkstoffe Chlorambucil, Melphalan, Mercaptopurin, Tioguanin und Busulfan, die zur Therapie bestimmter Krebsarten wie Blutkrebs zur Anwendung kommen.

Verschwänden diese Arzneimittel tatsächlich zeitweise vom Markt, hätten Mediziner weniger Therapieoptionen für die häufig tödlichen Krankheiten.

Die Firma Aspen hat ihren Sitz in Südafrika, verfügt jedoch über Tochterfirmen in mehreren europäischen Ländern, auch in Deutschland. Die EU-Kommission hat den Verdacht, dass eine marktbeherrschende Stellung missbraucht worden sein könnte und prüft den Fall auf der Grundlage des EU-Kartellrechts.

Es handelt sich hier um das erste derartige EU-Verfahren wegen möglicherweise zu hoher Preise in der Pharmaindustrie. Preisvorschriften und Erstattungsvorgaben für die Krankenversicherung unterstehen normalerweise den Regelungen der Mitgliedstaaten. Italien hatte schon im September 2016 kartellrechtliche Sanktionen in dieser Angelegenheit verhängt.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=69335

Kommentar & Ergänzung:

Es gibt Praktiken in der Pharmaindustrie, die ausgesprochen kritikwürdig sind.

Kritik ist wichtig. Sie muss aber konkret sein. Sie benennt Handlungen, Vorgänge, beteiligte Personen und Gründe, weshalb etwas nach Ansicht des Kritikers falsch läuft. Eine Untersuchung, wie sie die EU-Kommission nun aufgleist, kann genau das leisten, wenn sie gut gemacht wird.

Etwas völlig anderes als Kritik sind die Verschwörungstheorien, die zum Thema Pharmaindustrie herumgeistern. Sie sind pauschal, nennen kaum je konkrete Fakten. Die Pharmaindustrie ist in diesen Hirngespinsten einfach das Böse an sich.

Das ist bequem. Es braucht dazu kein Nachdenken, keine Recherche, keine Argumentation, keine Differenzierung. Wie alle Verschwörungstheorien bietet auch die pauschale „Pharma-Mafia-Phantasie“ scheinbare Gewissheit darüber, wo das Böse hockt und damit auch, dass man selber auf der guten Seite steht.

Kritik ist Voraussetzung für die Verbesserung von Zuständen. Verschwörungstheorien dienen dagegen nur der eigenen Stabilisierung und der Lagerbildung.

Ein Anzeichen für Lagerbildung ist zum Beispiel, wenn Kritik nur am Gegenlager geäussert wird, während den eigenen Lager gegenüber völlige Kritiklosigkeit herrscht.

Im „Biotop“ Alternativmedizin ist mehr oder weniger fundierte Kritik an „Pharmaindustrie“ und „Schulmedizin“ beispielsweise fast flächendeckend verbreitet, Kritik an fragwürdigen Praktiken im eigenen Lager aber äusserst selten.

Siehe dazu:

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

 

Pflanzenheilkunde: Kritische Reflexion statt Missionarismus

Komplementärmedizin: Mehr Argumente – weniger fraglose Gläubigkeit

 

Mehr Kontroverse in Komplementärmedizin, Naturheilkunde, Pflanzenheilkunde

 

Pflanzenheilkunde / Komplementärmedizin: Vom Wert des Zweifels

Fundierte, differenzierte Kritik formulieren zu können ist eine Fähigkeit, die gelernt und geübt werden muss.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Menthol / Pfefferminzöl gegen Juckreiz

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Die österreichische Tageszeitung „Der Standard“ bringt ein Gespräch mit dem Dermatologen Franz Legat, dem Leiter der Juckreizambulanz in Graz.

Dabei wird als Mittel gegen Juckreiz (Pruritus) unter anderem auch Menthol erwähnt.

Zitat:

„Auch Cremes mit speziellen Inhaltsstoffen, etwa mit Urea, also Harnstoff, oder Menthol können helfen. Eine Therapie in Kältekammern oder die Phototherapie, also die Therapie mit UV-Strahlen, kann juckreizlindernd wirken.“

Quelle:

http://derstandard.at/2000057056706/Pruritus-Im-Juck-Kratz-Zyklus-sein

Kommentar & Ergänzung:

Menthol ist ein Bestandteil des Pfefferminzöls und dort in einem Anteil von 35 – 70 % vorhanden. Man kann also grob davon ausgehen, dass Pfefferminzöl etwas zur Hälfte aus Menthol besteht.

Bei der Anwendung von Menthol ist die Konzentration wichtig.

Um Juckreiz zu lindern sind Konzentrationen von 0,1 – 1% Menthol wirksam. Rechnet man bei Pfefferminzöl mit einen Mentholgehalt von etwa 50%, könnte man deshalb 1 – 2 % Pfefferminzöl in einer Salbengrundlage oder in fettem Öl (z. B. Mandelöl) applizieren.

Als Counterirritant zum Beispiel gegen Spannungskopfschmerzen beträgt die empfohlene Konzentration 1,25 – 16% Menthol. Üblich ist hier eine 10%ige Pfefferminzöl-Lösung auf alkoholischer Basis.

Urea (Harnstoff) ist eine organische Verbindung und bei Säugetieren ein harnpflichtiges Stoffwechselprodukt, das mit dem Urin und dem Schweiß ausgeschieden wird. In Salben und Lotionen dient er als Feuchtigkeitsspender und wird zu diesem Zweck synthetisch hergestellt.

Wissenschaftsgeschichtlich gilt Harnstoff als die erste aus anorganischen Ausgangsstoffen synthetisierte organische Verbindung.

Das widersprach der damals verbreiteten Vorstellung, dass organische Substanzen grundsätzlich nur von Lebewesen durch die so genannte vis vitalis (Lebenskraft) hergestellt werden könnten. Die erste Synthese von Harnstoff im Jahr 1828 durch Friedrich Wöhler gilt daher als Geburtsstunde der Biochemie. Durch diese Entwicklung galt der vitalistische Ansatz in der Biologie zunehmend als überholt.

Der Vitalismus nahm als Grundlage aller Lebensvorgänge als eigenständiges Prinzip eine Lebenskraft an. Die Hernstoffsynthese zeigte, dass zur Herstellung organischer Substanzen die Annahme einer Lebenskraft nicht notwendig ist.

Erwähnen möchte ich noch einen anderen interessanten Aspekt, der im Gespräch mit Franz Legat zu Sprache kommt:

Ein Juckreiz kann chronisch werden und sich dann von der ursprünglichen Ursache lösen. Zitat:

„Es entsteht ein Juck-Kratz-Zyklus, und der wird zu einer eigenen Juckreizerkrankung, die dann oft mit speziellen juckenden Hautveränderungen in einer sogenannten chronischen Prurigo mündet. In diesem Stadium bringt dann auch die Behandlung der auslösenden Ursache keine Hilfe mehr.“

Das scheint mir ähnlich zu sein wie bei chronischen Schmerzen. Auch sie können sich von der ursprünglichen Ursache lösen und zur eigenständigen Schmerzkrankheit werden.

Starker Juckreiz kann genauso stark belasten wie chronischer Schmerz.

In der Medizin kommen gegen Juckreiz oft Arzneimittel zur Anwendung, die eigentlich gegen andere Erkrankungen entwickelt wurden. Im Interview erwähnt werden als Optionen die Wirkstoffe Gabapentin und Pregabalin, die die Wahrnehmung und Weiterleitung von Juckreiz hemmen und bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz oder mit Nervenschäden meist gut wirken sollen.

Auch der Neurokinin-1-(NK1)-Antagonist Aprepitant habe sich als gutes Mittel gegen schweren chronischen Pruritus erwiesen, sei aber eigentlich zugelassen, um die Übelkeit bei stark wirksamen Chemotherapien zu lindern. Das Mittel sei teuer, und die Erfahrungen mit Langzeitbehandlungen seien derzeit noch gering.

Es gebe derzeit noch kein Medikament, das gegen Juckreiz zugelassen sei, sagt Legat.

In der Phytotherapie wird als Option bei Juckreiz noch der Paprika-Wirkstoff Capsaicin äusserlich angewendet. Siehe dazu:

Capsaicin-Creme hilft gegen Juckreiz

 

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