Grüntee zur Gewichtsreduktion

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Der „Tages-Anzeiger hat gerade einen Artikel publiziert mit dem Titel „Was beim Abnehmen wirklich hilft – 10 Methoden im Vergleich.“

Aus phytotherapeutischer Sicht ist dabei der Abschnitt über Grüntee am interesssantesten:

„Grüntee-Extrakte finden sich in vielen Abnehmsupplementen. Etliche Studien haben gezeigt, dass Epigallocatechingallat (EGCG), ein Hauptinhaltsstoff von Grüntee, beim Fettverbrennen helfen kann. Forscher vermuten, dass Grüntee die Aktivität des Hormons Noradrenalin ankurbelt und so zur verstärkten Fettverbrennung beiträgt. Diverse Studien haben gezeigt, dass Grüntee-Extrakte zu einem moderaten Gewichtsverlust beitragen können, vor allem beim Bauchfett.“

Zu den Nebenwirkungen stellt der Autor fest, dass Grüntee in der Regel gut vertragen wird.

Der Abschnitt endet mit folgendem Fazit:

„Grüntee und Grüntee-Extrakte können die Fettverbrennung leicht ankurbeln und möglicherweise mithelfen, Bauchfett zu verlieren.“

Quelle:

https://www.tagesanzeiger.ch/wissen/medizin-und-psychologie/was-beim-abnehmen-wirklich-hilft-10-methoden-im-vergleich/story/22217708

Kommentar & Ergänzung:

Als Quellen für seine Auswertung gibt der Autor an:

„National Institutes of Health, Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Healthline, The Conversation u.a.“

Das Thema ist interessant. Grüntee wird ja für eine ganze Reihe von Anwendungsbereichen erforscht und empfohlen, darunter auch zur Gewichtsreduktion.

Die Ergebnisse aus Studien sind dabei allerdings oft nicht so eindeutig, wie die Werbung sie uns darstellt.

Das Portal „Medizin Transparent“ verweist auf eine Cochrane-Metaanalyse aus dem Jahr 2012:

„ In einer 2012 publizierte Arbeit der Cochrane Collaboration haben sich Hinweise verdichtet, dass Grüntee-Mittel möglicherweise nicht hilfreich für ein gesundes, langfristiges Abnehmen zur Reduktion von Gesundheitsrisiken sind – dies würde nämlich eine Gewichtsreduktion von mindestens fünf Prozent erforderlich machen.“

Mit anderen Worten:

In den zusammengefassten Studien zeigte sich eine geringe Gewichtsreduktion, die aber unterhalb von 5% lag. Damit ist sie nach Ansicht der Autoren zu klein, um gesundheitlichen Nutzen zu bringen.

Hier gibt’s einen Auszug aus der Cochrane-Studie

 

Ungeklärt ist zudem die Frage, wieviel Grüntee oder Grüntee-Extrakt ich einnehmen muss, damit diese Gewichtsreduktion von weniger als 5 % eintritt.

Von den Erkenntnissen aus anderen Anwendungsbereichen übertragen könnten es ziemlich hohe Mengen sein.

Ich selber trinke gerne ab und zu einen Grüntee, aber nicht als Wundermittel zur Gewichtsreduktion, sondern eher als Bereicherung und Abwechslung in der Ernährung.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

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[Buchtipp] „ Verschwörungstheorien “, von Karl Hepfer

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VerschwoerungstheorienVerlagsbesprechung

Edition Moderne Postmoderne. Eine philosophische Kritik der Unvernunft

Ob Mondlandung, Illuminati und 9/11, ob Bielefeld-Verschwörung oder Kennedy-Attentat – wie funktionieren Verschwörungstheorien?
Karl Hepfers Analyse legt zum ersten Mal die Strukturmerkmale des Verschwörungsdenkens frei. Mit den Mitteln der Erkenntnistheorie und anhand zahlreicher Beispiele erhellt sie, was Verschwörungstheorien von unseren „normalen“ Theorien unterscheidet und wie es ihnen oft meisterhaft gelingt, alle unsere Filter für unsinnige Erklärungen zu umgehen. Dabei zeigt das Buch, warum Verschwörungstheorien gerade heute hoch im Kurs stehen, und schärft zugleich den Blick für Argumentationsformen, die uns im Alltag auch an vielen anderen Stellen begegnen. Zum Shop

 

Zum Autor Karl Hepfer

Dr. Karl Hepfer ist Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für praktische Philosophie der Universität Erfurt.

Kommentar von Martin Koradi

Verschwörungen, Verschwörungstheorien und Verschwörungswahn gab es schon immer. Nur bietet heute das Internet einen Supermarkt der Verschwörungstheorien an. Wer sich im Internet bewegt, wird immer wieder mit solchen Konstrukten konfrontiert und jeder findet für seine Verschwörungstheorie im Netz Leute, die an die selbe Version glauben. So verstärken sich die Vorstellungen gegenseitig.

Zwar unterscheidem sich Verschwörungstheorien, sofern man nur ihre Oberfläche betrachtet, erheblich voneinander, schreibt Hepfer. Doch sie teilen auf einer tieferen Ebene ein wichtiges Strukturmerkmal: sie reagieren alle mit radikaler Vereinfachung und den Versprechen absoluter Gewissheiten auf die existenzielle Verunsicherung des modernen Individuums.

Hepfer erklärt dieses Phänomen sehr nachvollziebar.

Wer tief in verschwörungstheoretischem Denken steckt ist durch Gegenargumente kaum mehr erreichbar. Hier bietet das Buch denn auch keinen schnellen Leitfaden, wie Verschwörungstheoretiker „zu knacken“ sind.

Aber es erklärt gut, wie Verschwörungstheorien entstehen und was ihnen ihre Überzeugungskraft verleiht.  Dabei bietet es immer wieder Aha-Erlebnisse.

Interessant finde ich zum Beispiel die von Hepfer empfohlene Faustregel:

„Vorsicht vor allen Ideen, die zu viel erklären.“

Karl Hepfer geht auch auf die politischen Risiken ein, die mit Verschwörungstheorien verbunden sein können.

Er erwähnt dabei die „McCarthy-Ära in den USA mit ihrem hysterischen Glauben an eine kommunistische Verschwörung“,  den nationalsozialistischen Glauben an eine „jüdische Weltverschwörung“ und den stalinistischen  Verschwörungswahn.

Diese Beispiele zeigen deutlich, wie verschwörungstheoretische Denken Grundlage und Legitimationsquelle für grösste Verbrechen werden kann.

Dass gerade mit Donald Trump ein Mann im Weissen Haus sitzt, dessen Denken von Verschwörungstheorien durchdrungen ist, dass in Österreich mit Strache und Hofer zwei verschwörungstheoretisch aufgeladene Herren in der Regierung sitzen ist mindestens sehr unbehaglich. Sehr deutlich sieht man gegenwärtig aber den Missbrauch persönlicher Verschwörungstheorien zu Gewalt und Unterdrückung in der Türkei bei Erdogan.

Es lohnt sich jedenfalls, wenn wir  mit diesem Buch den Blick schärfen für diese Phänomene  und möglichst keine Politiker wählen, die Politik betreiben auf der Grundlage ihrer Verschwörungtheorien. Das kommt nämlich kaum je gut heraus.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz)

Aus verschiedenen Buchbesprechungen:

„Das Buch ist äußerst unterhaltsam.“Felix Gerlsbeck, Neue Politische Literatur, 61 (2016)

„Ein überaus lesenswertes Buch zu der Thematik.“ Christoph Lammers, MIZ, 4 (2016)

„Dieses Buch [liefert] einen sehr seriösen, differenzierten und konstruktiven Ansatz für das Erkennen von Verschwörungstheorien und schärft den Sinn für kritisches Denken in einer Zeit, in der es durch die Flut an verfügbaren Informationen in der Tat wirklich immer schwieriger wird, den Über- und Durchblick zu bewahren.“ www.amazon.de

„Musste der einzelne Verschwörungstheoretiker früher den Preis weitgehender sozialer Isoliertheit zahlen, bedarf es heute nur weniger Klicks, um auch für die abstrusesten Überzeugungen eine beträchtliche Zahl Gleichgesinnter zu finden. Mit dieser Erklärung möchte Hepfer sich jedoch nicht begnügen. Seines Erachtens entspringt der Glaube an verschwörungstheoretische Erklärungen der Unfähigkeit, sich der genuin modernen Einsicht zu stellen, dass das Leben keine über seinen Vollzug hinausweisende Bedeutung habe.“ Michael Pawlik, Die Welt, 06.02.2016

„Wunderbar klar formulierte Studie.“ Ronald Düker, Philosophie Magazin, 2 (2016)

„Die Studie [bietet] unterhaltsame und leicht verständliche Einblicke in die prägenden Verschwörungstheorien der Jetztzeit und ist in ihrer Auswahl hochaktuell.“ POLITIKUM, 3 (2017)

 

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Cochrane-Review untersucht Nutzen der Grippeimpfung beim Pflegepersonal für Patienten in Langzeitpflegeeinrichtungen

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In Pflegeheimen und Kliniken gibt es jeden Herbst Kampagnen, mit denen das Pflegepersonal für die Grippeimpfung motiviert werden soll. Dabei wird nicht selten ein moralischer Druck aufgebaut und mit dem Schutz für die Patienten argumentiert.

Ein Cochrane-Review hat nun untersucht, ob die Impfung des Pflegepersonals gegen Grippe das Risiko reduziert, dass ältere Personen in Langzeitpflegeeinrichtungen eine Influenza-Infektion durch das Pflegepersonal bekommen.

Die Symptome von Grippe ähneln denjenigen zahlreicher anderer Atemwegserkrankungen. Darum muss in Studien, die die Wirkung von Grippeimpfungen testen, mit sehr präzisen Labortests geprüft werden, ob die Bewohner von Langzeitpflegeeinrichtungen tatsächlich an einer Grippe leiden oder an einer anderen Atemwegserkrankung.

Die Cochrane-Forscher schlossen mit Stand Oktober 2015 insgesamt fünf Studien in ihren Review ein, verwendeten aber nur Daten von drei Studien mit 5896 Bewohnern.

Was sind die Hauptresultate?

Das folgende Zitat fasst die Hauptergebnisse zusammen und liefert auch Angaben zur jeweiligen Qualität der Evidenz ( = Grad der Belegtheit):

„Das Angebot von Grippeimpfungen für das Pflegepersonal, das sich um Personen im Alter von 60 und älter in Langzeitpflegeeinrichtungen kümmert, könnte eine geringe oder keine Wirkung auf im Labor nachgewiesene Grippefälle haben (niedrige Qualität der Evidenz).

Impfprogramme für Mitarbeiter im Pflegedienst haben wahrscheinlich eine geringe Wirkung auf Infektionen der unteren Atemwege (moderate Qualität der Evidenz), könnten aber eine geringe oder keine Wirkung auf die Aufnahme ins Krankenhaus haben (niedrige Qualität der Evidenz).

Es ist unklar, welche Wirkung Impfprogramme auf Tod in Folge einer Infektion der unteren Atemwege (sehr niedrige Qualität der Evidenz) oder auf die allgemeine Sterblichkeit haben (sehr niedrige Qualität der Evidenz).“

Die Cochrane-Forscher fanden in ihrem Review bei den untersuchten Studien keine Angaben zu anderen Maßnahmen, die in Verbindung mit der Impfung des Pflegepersonals angewendet wurden (z.B. Händewaschen, Quarantäne, Mundschutz, Früherkennung von im Labor nachgewiesener Grippe, Vermeidung von Neuaufnahmen, sofortige Anwendung von Virostatika, Aufforderung von Pflegepersonal mit grippeähnlichen Erkrankungen, nicht zur Arbeit zu erscheinen).

Es bestehe Bedarf an qualitativ hochwertigen randomisierten kontrollierten Studien, welche Kombinationen dieser Maßnahmen untersuchen, schreiben die Wissenschaftler.

Quelle:

http://www.cochrane.org/de/CD005187/grippeimpfung-fur-pflegepersonal-das-langzeitpflegeeinrichtungen-lebende-personen-im-alter-von-60

Kommentar & Ergänzung:

Eine Metaanalyse der Cochrane-Collaboration – das ist der Goldstandard der evidenzbasierten Medizin.

Und das Ergebnis ist für die Grippeimpfung bei Pflegepersonen nicht gerade überzeugend. Das stellt zu mindestens den moralischen Druck infrage, der jeden Herbst auf Pflegepersonen ausgeübt wird, damit sie die Grippeimpfung machen lassen.

Damit ich bei diesem Thema nicht in die falsche Ecke gestellt werde: Ich bin kein Impfgegner. Die pauschale Diffamierung von Impfungen durch radikale Impfgegner halte ich für absurd. Impfungen sind bei vielen Krankheiten ein grosser Erfolg – beispielsweise bei Kinderlähmung, Diphterie, Starrkrampf, Pocken, Röteln. Das heisst aber natürlich nicht, dass jede Impfung, die gemacht werden kann, bei jedem Menschen und in jeder Situation auch sinnvoll ist.

Für mich selber bin ich überzeugt, dass ich bis zum jetzigen Zeitpunkt keine Grippeimpfung brauche. Würde ich in einem Pflegeheim arbeiten, würde ich mich aber wahrscheinlich impfen lassen – zum besseren Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner. Und dies obwohl das Cochrane-Review den Nutzen nicht überzeugend zeigen konnte. Ich finde die Grippeimpfung aber auch nicht riskant und könnte sie daher gut akzeptieren.

Es spricht meines Erachtens auch nichts dagegen, dass in Spitälern und Pflegeheimen für die Grippeimpfung bei Pflegepersonen argumentiert wird. Nur der moralische Druck, der dabei oft zur Anwendung kommt – wer sich nicht impfen lässt, bringt Patienten um – der steht wissenschaftlich auf schwachem Boden, wie das Cochrane-Review gezeigt hat.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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[Buchtipp] „ Mein Russland “, von Carola Schneider

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Mein-RusslandVerlagsbeschreibung

Begegnungen in einem widersprüchlichen Land

Russland: Land der Mythen, Projektionsfläche, Sehnsuchtsort und immer wieder auch Feindbild. Weltpolitisch stellten in den letzten Jahren die Annexion der Krim sowie Putins Eingreifen in der Syrienkrise auf Seiten Assads das internationale Machtgefüge auf die Probe, innenpolitisch herrschen Repression und eine anhaltende Wirtschaftskrise. Doch was bedeutet das für die Bevölkerung Russlands, die in Putins „gelenkter Demokratie“ lebt? Formiert sich politischer Widerstand, oder nimmt man den Status quo als gegeben hin? Wie unterschiedlich erleben Bewohner des städtischen und ländlichen Raums, im europäischen und im asiatischen Teil Russlands die Situation?
Carola Schneider, seit 2011 Auslandskorrespondentin des ORF in Moskau, zeigt in berührenden Porträts Innenansichten eines faszinierenden und zugleich widersprüchlichen Landes, das dem Westen immer noch fremd ist. Sie spricht mit Menschenrechtsaktivisten, Künstlern und kritischen Journalisten ebenso wie mit innovativen Käsebauern, Putin-treuen Jugendlichen und Befürwortern der Krim-Annexion. Schneiders Reportagen ergeben ein vielstimmiges, fein nuanciertes Bild Russlands, das von Widerstand und Resignation, Aufbruchstimmung und Regierungstreue erzählt. Zum Shop

Zur Autorin Carola Schneider

In Bludenz / Vorarlberg geboren, schloss Carola Schneider 1996 ihr Dolmetsch- und Übersetzerstudium für die Sprachen Französisch und Russisch ab. Bis 2001 arbeitete sie in der Politikredaktion des ORF-Landesstudios Vorarlberg. Nach Stationen als Korrespondentin in Paris und Zürich wurde sie 2011 zur Leiterin des ORF -Korrespondentenbüros in Moskau bestellt. Neben der Tätigkeit für den ORF schreibt Carola Schneider als freie Autorin für mehrere Tageszeitungen, unter anderem für die Neue Zürcher Zeitung.

Kommentar von Martin Koradi

Über weite Strecken fehlt in Mitteleuropa ein differenziertes Wissen über die Menschen und die Gesellschaft in Russland. Carola Schneider bietet mit ihren Portraits interessante Einblicke.

Sie stellt unter anderen folgende Menschen vor (aus dem Inhaltsverzeichnis):

– Ljudmila Alexejewa, Grand Dame der russischen Menschenrechtsbewegung, Moskau.

Zitat: „Eines Tages wird Russland ein demokratischer Rechtsstaat und zur europäischen Völkerfamilie gehören.“

– Wassilij Slonow, Künstler, Krasnojarsk, Sibirien.               

Zitat: „Eine solche Konzentration an Ungerechtigkeit, Unglück und Lüge, wie es sie in Russland gibt, ist ohne Ironie und Selbstironie nicht zu ertragen.“

– Margarita Siangirowa, Journalistin, Omsk, Sibirien.

Zitat: „Russland ist anders. Hier hat es immer die Peitsche gegeben und das wird weiterhin so sein.“

– Alla und Alexander Rojenko, Bauern in Sibirien.

Zitat: „Es ist schon gut so, wie es ist.“

– Julia und Iwan Marjucha, junges Unternehmerpaar, Moskau.

Zitat: „In unserer Gesellschaft wird schon Kindern abgewöhnt, eine eigene Meinung zu haben.“

– Renat Dawletgildejew, Journalist, Moskau.

Zitat: „Ich möchte eines Tages in einem freien, vielfältigen und strahlenden Russland leben.“

– Makar Wichljanzew, Pro-Putin-Propagandabewegung, Moskau.

Zitat: „Alle haben auf Russland herabgesehen. Dann ist Putin gekommen und hat gesagt: Hier sind wir. Mit uns muss man wieder rechnen.“

– Jewgenij Repenkow, prorussischer Fussball-Manager, Krim.

Zitat: „Die Welt muss den Willen der Krim-Bevölkerung anerkennen. Punkt.“

– Sarina Ametowa, Krimtatarin, Menschenrechtlerin, Krim.

Zitat: „Man darf nicht einfach etwas wegnehmen, das einem nicht gehört. Die Krim gehört weder Russland noch der Ukraine, sondern uns, den Krimtataren.“

– Pavel Schelkow, Putin-Kritiker und Kämpfer gegen Willkür und Gesetzlosigkeit durch Beamte und Politiker, Moskau.

Zitat: „Für die Mächtigen sind wir, das Volk, wie ein Schwarm lästiger Insekten, die man vertreiben muss.“

– Jurij Fidelgolz, Pensionist und ehemaliger Gulag-Häftling.

Zitat: „Nationale Fragen sind bei uns wichtiger als alles andere. Etwas Gutes, Menschliches oder echte Hilfe für die Bevölkerung gibt es nicht.“

Das Buch „Mein Russland“ enthält mehr als diese 11 Stimmen. Mich selber haben die Aussagen der Krimtataren besonders interessiert. Die Krimtataren sind die indigene Bevölkerung auf der Krim. Allein schon ihre Existenz widerlegt die Kreml-Propaganda, wonach die Krim schon immer zu Russland gehört habe.

Carola Schneider schreibt souverän und differenziert. Das lässt sich auch gut beobachten in einem öffentlichen Gespräch, das Sie auf YouTube anschauen können.

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

 

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Ingwer unterstützt Heilungsprozess bei Mandel-Operation

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Die Einnahme von Ingwer-Pulver nach einer Entfernung der Gaumenmandeln kann im Vergleich zu Placebo den Schmerz signifikant lindern und die Epithelisierung im Wundbereich beschleunigen. Das ist das Resultat einer kleinen Studie, die kürzlich im Fachmagazin «Clinical and Experimental Otorhinolaryngology» publiziert wurde.

An der prospektiven Studie beteiligten sich 49 Patienten im Alter von 18 bis 45 Jahren. Nach dem Eingriff bekamen sie alle standardmäßig eine antibiotische Behandlung bestehend aus Amoxicillin und Clavulansäure (zweimal täglich 1000 mg) sowie dreimal pro Tag 500 mg Paracetamol zur Schmerzlinderung. 29 Patienten erhielten zusätzlich über sieben Tage zweimal täglich Ingwerwurzel in Kapselform (500 mg Ginger Root, Solgar). Ein Facharzt begutachtete und dokumentierte den Heilungsprozess jeweils nach 1, 4, 7 und 10 Tagen. An denselben Tagen wurde das Schmerzempfinden mittels einer visuellen Analogskala erfasst. Das Schmerzempfinden war unter der Ingwer-Gabe an allen Untersuchungszeitpunkten signifikant geringer als in der Vergleichsgruppe. Ausserdem war die Epithelisierung (Wundheilung) nach 7 beziehungsweise 10 Tagen in der Ingwer-Gruppe deutlich weiter fortgeschritten als unter der alleinigen Standardbehandlung: Bei 74 Prozent der Patienten mit der Ingwer-Zusatzbehandlung war die Wundfläche schon zu mehr als 75 Prozent mit Epithel bedeckt. In der Vergleichsgruppe war dies nur bei 24 Prozent der Fall war. Auch die Nahrungsaufnahme konnte in der Ingwer-Gruppe deutlich früher wieder einsetzen. Bei der Häufigkeit postoperativer Übelkeit und Erbrechen sowie von Blutungen waren zwischen den beiden Gruppen keine relevanten Unterschiede feststellbar.

Die Autoren um Dr. İlker Koçak von der Koç Universität in Instanbul führen die Resultate auf spezifische Wirkungen des Ingwers zurück, insbesondere auf entzündungswidrige und wundheilungsverbessernde Eigenschaften, die bereits experimentell in Studien gezeigt werden konnten. Größere Untersuchungen seien jedoch notwendig, um den Effekt zu bestätigen.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=73567

https://www.e-ceo.org/journal/view.php?doi=10.21053/ceo.2017.00374

DOI: 10.21053/ceo.2017.00374

Kommentar & Ergänzung:

Das Thema dieser Studie ist für die Phytotherapie sehr interessant.

Wenn es tatsächlich so ist, dass Ingwer in einer Dosis von 1 g / Tag in einer akuten Situation schmerzlindernd wirkt und vor allem auch noch die Wundheilung verbessert, dann ist das sehr bemerkenswert.

Ich habe mir die Originalstudie kurz angeschaut.

Die Patienten wurden randomisiert, das heisst per Zufall auf die zwei Gruppen verteilt. Das ist wichtig, weil es Manipulationsmöglichkeiten reduziert. Die Patienten wussten nicht, dass die Ingwer-Kapsel auf schmerzlindernde Wirkung getestet werden sollte und der Befund-erhebende Hals-Nasen-Ohren-Arzt wurde im unklaren darüber gelassen, zu welcher Gruppe der jeweils untersuchte Patient gehört. Das sind Qualitätsmerkmale für eine Studie. Die Zahl der Studienteilnehmer ist aber sehr klein und reicht nicht, um eine Wirksamkeit einwandfrei zu belegen. Und die Qualität der statistischen Berechnungen kannich nicht beurteilen.

Im Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ ist die Rede von standardisiertem Ingwer-Extrakt. Das stimmt nicht. In der Originalarbeit ist von Ingwerpulver die Rede. Das untersuchte Produkt ist ein schlichtes Nahrungsergänzungsmittel. Damit ist es nicht patentierbar und braucht für die Zulassung am Markt auch keine Wirksamkeitbelege zu liefern, wie das bei eiinem Arzneimittel der Fall wäre. Aus diesen zwei Gründen werden wohl die grösseren Untersuchungen, die von den Studienautoren angeregt werden, kaum zustande kommen.

1000 mg Ingwerwurzelpulver entspricht inm Bereich der Phytopharmaka, also der pflanzlichen Arzneimittel, vier Kapseln Zintona pro Tag.

Dass Ingwer entzündungswidrig wirken kann, dafür gibt es schon seit einiger Zeit experimentelle Hinweise aus dem Labor, aber nur wenige konkrete Erkenntnisse bei Patienten. Und in der Ayurvedischen Medizin wird Ingwer mit Erfolg in der Behandlung von Migräne eingesetzt. Das kommt dem Thema Schmerzreduktion zumindestens nahe.

Ingwertherapie zeigte in einer Metaanalyse eine signifikante Schmerzreduktion gegenüber Placebo bei Arthrose. Dabei variierte die Behandlungsdauer aber zwischen drei und zwölf Wochen, während an der besprochen Studie nach Mandel-OP die schon kurzfristig auftretende Wirkung auffällt.

Neu für die Phytotherapie-Fachliteratur ist die mögliche Förderung der Wundheilung durch Ingwer bei peroraler Anwendung. Wenn das bestätigt werden könnte, wäre das sehr interessant. Dann könnte man darüber nachdenken, bei welchen Wunden das sonst noch Sinn macht und das gäbe eine ganze Palette von Einsatzmöglichkeiten. Aber eben: Da hat es noch einige ‚wenn’ und ‚könnte’….

Bemerkenswert ist auch, dass sich keine Abnahme bei der Häufigkeit von postoperativer Übelkeit und Erbrechen zeigte. Ingwer wurde mehrfach zur Linderung von Übelkeit nach Operationen bzw. Narkosen untersucht und zeigte dabei widersprüchliche Ergebnisse. Das Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ schreibt dazu:

„Nach einem überblick über die publizierten Doppelblindstudien zur Verhinderung von postoperativer Übelkeit und Erbrechen besteht zwischen Ingwer und Placebo kein Unterschied, jedoch ein Effekt bei Schwangerschaftserbrechen und der Reisekrankheit. Dennoch wird von verschiedenen Seiten die Anwendung bei Schwangeren wegen fehlender umfangreicher Daten und der unklaren Thromboxan-Synthesehemmung durch Ingwer nicht empfohlen.“

Siehe auch:

Öko-Test: Ingwer gegen Reisekrankheit als ‚Gut‘ bewertet

Metaanalyse: Ingwer reduziert Menstruationsschmerzen

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

 

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

Ingwer lindert akuten Kopfschmerz bei Migräne

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden

Ingwer bei Erkältungen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

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