[Buchtipp] “ Fremd in ihrem Land „, von Arlie Russell Hochschild

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Fremd-Ihrem-LandVerlagsbeschreibung

Eine Reise ins Herz der amerikanischen Rechten

In vielen westlichen Ländern sind rechte, nationalistische Bewegungen auf dem Vormarsch. Wie ist es dazu gekommen? Arlie Russell Hochschild reiste ins Herz der amerikanischen Rechten, nach Louisiana, und suchte fünf Jahre lang das Gespräch mit ihren Landsleuten. Sie traf auf frustrierte Menschen, deren „Amerikanischer Traum“ geplatzt ist; Menschen, die sich abgehängt fühlen, den Staat hassen und sich der rechtspopulistischen Tea-Party-Bewegung angeschlossen haben. Hochschild zeigt eine beunruhigende Entwicklung auf, die auch in Europa längst begonnen hat. Hochschilds Reportage ist nicht nur eine erhellende Deutung einer gespaltenen Gesellschaft, sondern auch ein bewegendes Stück Literatur.

„Jeder, der das moderne Amerika verstehen möchte, sollte dieses faszinierende Buch lesen.“ Robert Reich

„Ein kluges, respektvolles und fesselndes Buch.“  New York Times Book Review

„Eine anrührende, warmherzige und souverän geschriebene, ungemein gut lesbare teilnehmende Beobachtung. … Wer ihr Buch liest, versteht die Wähler Trumps, weil sie auf Augenhöhe mit ihnen und nicht über sie spricht.“ FAZ   Zum Shop

Zur Autorin Arlie Russell Hochschild

Arlie Russell Hochschild ist Professorin für Soziologie und Direktorin des „Center for Working Families“ an der University of California, Berkeley, USA.

Kommentar von Martin Koradi

Soziologiebücher sind oft alles andere als einfach lesbar. Dieses Buch aber ist spannend und verpackt soziologische Erkenntnisse in einen gut verständlichen Reisebereicht. Die USA sind nicht erst seit Donald Trump ein tief gespaltenes Land. Trump ist die Folge dieser Spaltung oder ein Symptom dafür.

Arlie Russell Hochschild gelingt es, diese Entwicklung nachvollziehbar darzustellen. Das ist auch interessant für uns in Europa. Da uns ähnliche gesellschaftliche Spaltungen drohen, können wir unter anderem auch aus dem Buch von Arlie Russell Hochschild lernen, was dagegen vorbeugend getan werden kann und muss.

Die Autorin beschreibt ihre Reise aus ihrer liberalen Filterblase in die Filterblase der Tea-Party. Das ist ausserordentlich bemerkenswert.

Eigentlich bekommt, Donald Trump, der hochgradig gestörte Ober-Narzist im Weissen hau, viel zu viel Aufmerksamkeit. Wenn nur ein Bruchteil dieser Aufmerksamkeit stattdessen der jeweils andern Filterblase zukommen würde, wäre das ein Beitrag zur Überbrückung der Spaltung.

Wie weit Tea-Party-Mitglieder bereit sind, ihre Filterblase zu verlassen, und sie die liberale Filterblase anzuschauen, ist schwer einzuschätzen. Ich habe noch nie von entsprechenden Versuchen gehört. Vielleicht wäre die passendere Frage auch, unter welchen Voraussetzungen sie dazu bereit wären.

Es ist aber schon ein Fortschritt, wenn Liberale ihre Filterblase verlassen, um die Tea-Party-Filterblase zu erkunden. Das jedenfalls ist offenbar möglich, wie Arlie Russell Hochschild. Und wir leben ja alle mehr oder weniger in Filterblasen. Nicht nur politisch, sondern auch im persönlichen Bereich. Aus dem Buch von Arlie Russell Hochschild kann daher jeder und jede auch Erkenntnisse für den eigenen Alltag gewinnen. Auch dort ist der Umgang mit fremden Welten oft eine Herausforderung, die sich aber lohnen kann, wenn man sie annimmt.

Arlie Russell Hochschild geht aber auch einer ganz konkreten politischen Frage nach, die hoch interessant ist: In vielen Teilen Louisianas leiden die Bewohner unter massiver Umweltverschmutzung. Wie kommt es, dass sie trotzdem vor allem Politiker wählen, die für die Abschaffung von Umweltbehörden und Umweltschutz-Standards sind?

Übersicht meiner eigenen gesellschaftspolitischen Texte und Buchempfehlungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur (Schweiz) und Leiter von Kräuterwanderungen und Kräuterkursen.

Weitere Bewertungen & Kommentare

– „Arlie Russell Hochschild hört hin, wenn die Abgehängten der USA schimpfen und klagen. […] Sie ist von Empathie geleitet, sie will verstehen, abwägen, begreifen, was schiefgelaufen ist.“ Rüdiger Schaper (Der Tagesspiegel, 07.09.2017)

– „Was das Buch auszeichnet, ist der Ton: neugierig, beobachtend, unmittelbar und mitfühlend, aber niemals herablassend. Vor allem kommt das Buch ganz ohne strenge Belehrungen aus. Auch das macht es so lesenswert, besonders in Deutschland.“ Katja Ridderbusch (Deutschlandfunk Andruck, 11.09.2017)

– „Mit ihrem Buch gelingt Arlie Hochschild ein verständnisvolles und zugleich kritisches Psychogramm einer Welt im permanenten Widerspruch, und wer es liest, wird die Wähler Trumps ein wenig besser verstehen, unter anderem auch, weil sie auf Augenhöhe mit ihnen und nicht nur über sie spricht.“ Daniel Windheuser (der Freitag, 07.09.2017)

– „Ein Buch, das sich […] leicht liest und spannend ist wie ein Krimi.“ Susanne Mayer (DIE ZEIT, 21.09.2017)

– „Es sind diese paradoxen Geschichten, die Widersprüche, die Hochschild aufspürt. Sie begegnet ihren Gesprächspartnern auf Augenhöhe, redet mit ihnen, nicht über sie. Sie will verstehen, nicht bewerten. Sie will begreifen und nicht belehren.“ Gabi Biesinger (NDR Info, 20.09.2017)
– „Die Leute folgten einer, wie Hochschild es nennt, Tiefengeschichte. Sie liefert die Muster für ihre Deutung der Informationen und Ereignisse. Nicht Interessen und Argumente begründeten ihre Urteilsfindung, sondern ein Wahrheitsgefühl.“ Nils Minkmar (Der Spiegel, 23.09.2017)
– „[Hochschild] gelingt die ‚Skizzierung einer emotionalen Landkarte‘ in einer gespaltenen Gesellschaft und ein erster Schritt, die Mauern, die den politischen Diskurs in den USA bestimmen, zu überwinden.“ (Buchreport, 28.09.2017)

Inhaltsverzeichnis „Fremd in ihrem Land“

Inhalt
Vorwort
Teil I: Das große Paradox
Reise ins Herz
„Immerhin etwas Gutes“
Die Erinnererk
Die Kandidaten
Die „am wenigsten widerstandsbereite Persönlichkeit“
Teil II: Das gesellschaftliche Umfeld
Industrie: „Die Schnalle an Amerikas Energiegürtel“
Der Staat: Marktregulierung 1200 Meter unter der -Erdoberfläche
Kanzel und Presse: „Das Thema kommt nicht zur Sprache“
Teil III: Die Tiefen-geschichte und die Menschen darin
Die Tiefengeschichte
Die Teamplayer: Loyalität über alles
Die Gläubigen: Stiller Verzicht
Die Cowboys: Stoizismus
Die Rebellen: Loyale Teamplayer für ein neues Anliegen
Teil IV: Die nationale Ebene
Die Feuer der Geschichte: Die 1860er und die 1960er Jahre
Nicht länger fremd: Die Macht der Verheißung
„Es heißt, da gibt es herrliche Bäume.“
Nachwort zur deutschen Ausgabe
Danksagung
Anhang A: Zur Forschungsmethode
Anhang B: Politik und Umweltverschmutzung:
Erkenntnisse aus der landesweiten ToxMap?344
Anhang C: Faktencheck zu gängigen Ansichten
Anmerkungen
Literatur

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