Allergien durch Chlorhexidin

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Das Antiseptikum Chlorhexidin kann potenziell schwere Allergien verursachen. Das BfArM rät darum zur genauen Aufklärung sensibilisierter Personen.

Chlorhexidin wird u.a. für Mundspüllösungen, zur Desinfektion von Haut, Schleimhäuten und Händen, in Spüllösungen für Blasenkatheter, in Augen-, Nasentropfen, Wundpflastern und Kosmetika verwendet. Allerdings kann es bei der Anwendung von Chlorhexidin zu Überempfindlichkeitsreaktionen bis hin zur Anaphylaxie kommen. Inzwischen liegen dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) 147 Berichte über anaphylaktische Reaktionen in Deutschland vor.

Deshalb empfehlen die Fachleute: Wenn es zu einer Überempfindlichkeitsreaktion gegen Chlorhexidin gekommen ist, muss der Patient über die Risiken einer erneuten Anwendung aufgeklärt werden und er muss die Substanz in Zukunft meiden. Das gelte auch nach Sensibilisierungen bei medizinischem Personal. In Zweifelsfällen sei eine allergologische Testung indiziert.

Quelle:

Meldung des BfArM, Bonn, 2013

http://www.medical-tribune.de/home/news/artikeldetail/chlorhexidin-macht-allergien.html

Kommentar & Ergänzung:

Chlorhexidin ist ein wirksames Desinfektionsmittel, das vor allem in der Zahnheilkunde eingesetzt wird. Es bleibt lange auf Zähnen und Mundschleimhaut haften, was ihm eine langanhaltende Wirkung verleiht. Chlorhexidin bekämpft sehr effektiv die bakterielle Plaque und wirkt dadurch gegen Karies und Gingivitis (Zahnfleischentzündung).

Im Mund sollte es jedoch in der Regel nicht länger als 10 Tage angewendet werden, weil es die Zähne verfärben und zu Geschmacksstörungen führen kann. Diese unerwünschten Nebenwirkungen sollen allerdings reversibel sein.

Anaphylaxie scheint als Reaktion auf Chlorhexidin zwar sehr selten zu sein. Tritt sie aber ein, dann ist das ein Notfall, der tödlich enden kann.

Neben dem BfArM hat sich auch Swissmedic zu dieser Frage geäussert:

„Eine Anaphylaxie äussert sich meist in Haut- und oder Schleimhautaffektionen, die mit weiteren Organdysfunktionen wie Atemstörung, Blutdruckabfall, Übelkeit oder Brechreiz einhergehen und kurz nach einem möglichen Allergenkontakt auftreten. Der Anaphylaxie liegt eine Degranulation von Basophilen und Mastzellen mit konsekutiver Freisetzung von Histamin, Leukotrienen, Zytokinen und anderen Mediatoren zugrunde (1, 2).

Es ist davon auszugehen, dass anaphylaktische Reaktionen unter Chlorhexidin sehr selten sind. Die genaue Häufigkeit ist nicht bekannt,  jedoch sind eine Zunahme sowie ein „Underreporting“ sehr wahrscheinlich (3). Swissmedic liegen 18 Meldungen innerhalb der letzten 8 Jahre über schwer­wiegende anaphylaktische Reaktionen durch chlorhexidinhaltige Arzneimittel vor; bei 9 Patienten bestand Lebensgefahr, ein Patient verstarb. Chlorhexidin wurde intraurethral (Katheterisierung), als Mundspüllösung oder topisch angewendet.

Darüber hinaus liegen Swissmedic 6 Meldungen von Vorfällen in den letzten 12 Jahren vor, bei denen zum Teil lebensgefährliche anaphylaktische Reaktionen nach Anwendung von Medizinprodukten auftraten, welche zuvor mit chlorhexidinhaltigen Desinfektionsmitteln gereinigt wurden.“

Quelle: http://www.swissmedic.ch/marktueberwachung/00091/00092/02421/index.html?lang=de

Mit Chlorhexidin verhält es sich so wie mit vielen anderen Arzneimitteln: Es mag in bestimmten, genau definierten Situationen sinnvoll sein, sollte aber nicht unbedacht und über längere Zeit angewendet werden, sofern es nicht nötig ist.

Problematisch scheint mir, dass viele Menschen Chlorhexidin langfristig anwenden und keine Ahnung davon haben, weil sie die Zusammensetzung der verwendeten Produkte nicht kennen (z. B. bei Mundspüllösungen), und dass Chlorhexidin auch in Präparaten auftaucht, in denen ein Nutzen meinem Eindruck nach fragwürdig ist (z. B. in Schnupfenspray und Halsweh-Lutschtabletten).

Und dann könnte man noch über pflanzliche Alternativen nachdenken.

Als Desinfektionsmittel im Mundraum ist Teebaumöl eine Option (Tebodont). Teebaumöl ist allerdings geschmacklich alles andere als ansprechend und kann ebenfalls Allergien bewirken.

Für mich selber sind Salbei und Tormentill (Blutwurz) in diesem Bereich aber überzeugender und auch sympathischer. Vor allem wenn es um Entzündungen im Mundraum geht, scheint mir die reine Desinfektionswirkung oft zu eingleisig und eine Ergänzung mit Gerbstoffen sinnvoll. Gerbstoffe wirken zusammenziehend, festigend und entzündungswidrig auf die Schleimhaut.

Salbei enthält antimikrobiell wirkendes Salbeiöl und entzündungswidrigen Lamiaceen-Gerbstoff. Tormentill entfaltet eine starke Gerbstoffwirkung.

Auch Salbei und Tormentill würde ich nicht unbedacht über längere Zeit anwenden und sie ersetzen Chlorhexidin nicht in allen Fällen. Solche Entscheidungen können nur individuell gefällt werden. Über Alternativen nachzudenken, scheint mir aber sinnvoll.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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