Bluthochdruck – Reduktion durch Rotwein?

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Rotwein wirkt günstig auf Herz und Gefäße. Und wofür genauer? Forscher haben nun die Wirkung von Rotwein auf Bluthochdruck untersucht. Ihre Resultate sind deutlich und ernüchternd.

Regelmäßiger moderater Konsum von Rotwein stehe bekanntlich im guten Ruf, das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse zu senken, schreibt die Ärzte-Zeitung.

Die gefäßprotektive Wirkung des Rebensafts wird hauptsächlich auf die in Rotwein enthaltenen Polyphenole zurückgeführt. Polyphenole wie Tannine oder Flavonoide sind aromatische Verbindungen, die zu den sekundären Pflanzenstoffen gezählt werden.

Tierexperimentell Untersuchungen haben gezeigt, dass Polyphenole die Funktion des Gefäßendothels verbessern und den Blutdruck reduzieren können.

Ob sich diese Effekte auch beim Menschen zeigen, hat eine niederländische Wissenschaftlergruppe um Dr. Ilse Botden aus Rotterdam jetzt in einer placebokontrollierten Crossover-Studie bei 61 Probanden mit hochnormalen Blutdruckwerten oder leichter Hypertonie (mittlerer Blutdruckwert: 145,0/85,8 mmHg) untersucht.

Die Resultate hat Botden beim Hypertonie-Kongress 2011 der American Heart Association (AHA) in Orlando präsentiert.

Aufgeteilt auf drei Gruppen bekamen die Testpersonen im Wechsel jeweils vier Wochen lang in einem Getränk entweder Placebo oder Rotwein-Polyphenole als alkoholfreien Trockenextrakt in einer Dosierung von 280 mg oder 560 mg pro Tag.

Die Extraktion des Alkohols begründete Botden damit, dass Alkohol selbst eine blutdrucksteigernde Wirkung haben kann.

Am Schluss jeder Behandlungsperiode wurde der Blutdruck in üblicher Art in der Praxis sowie per ambulanter 24-Stunden-Aufzeichnung gemessen. Auch Parameter der zentralen Hämodynamik wie Augmentationsindex und Pulswellen-Reflexion wurden aufgezeichnet.

Abgesehen von einer leichten und nicht signifikanten Reduktion des 24-Stunden-Blutdrucks unter Einnahme der höher dosierten Polyphenole zeigten diese Rotwein-Inhaltsstoffe keine relevante Wirkung auf den peripheren Blutdruck.

Zudem zeigten die Messungen von Parametern der zentralen Hämodynamik für keine der beiden Polyphenol-Dosierungen Effekte auf den zentralen Blutdruck.

Eine Blutdrucksenkung durch Polyphenole kann nach diesen Resultaten als Mechanismus für eine kardioprotektive Wirkung des Rotweins wohl ausgeschlossen werden.

Allerdings halten Botden und ihre Kollegen es für durchaus möglich, dass etwa antioxidative Eigenschaften der Polyphenole Wirkungen im Sinne einer Kardioprotektion entfalten können.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/bluthochdruck/article/671667/rotwein-blutdruck-senken.html?sh=8&h=-2102624591

Kommentar & Ergänzung:

Rotwein und vor allem der Inhaltsstoff Resveratrol sind immer wieder Gegenstand von Forschungen. Wikipedia fasst die gesundheitlichen Wirkungen von Rotwein so zusammen:

„Weit verbreitet ist die Auffassung, dass ein moderater Genuss von Rotwein förderlich für die Gesundheit sei. Dies liegt unter anderem an der als Französisches Paradox bezeichneten Beobachtung, dass Franzosen, denen ein höherer Weinkonsum unterstellt wird, eine höhere Lebenserwartung haben als Bewohner anderer Länder. Übermäßiger Alkoholkonsum schädigt den Körper auf vielfältige Weise. Ab einer gewissen Blutalkoholkonzentration tritt eine Alkoholvergiftung ein. Der Schweregrad reicht von leichten Rauschzuständen (0,5 bis 1,0 Promille) bis zum alkoholischen Koma.

Insbesondere einigen Arten von Krebs soll durch Rotwein vorgebeugt werden können. Dieser Effekt wird hauptsächlich dem pflanzlichen Antioxidans Resveratrol zugeschrieben, welches einen Mechanismus einleitet, an dessen Ende entsprechende Krebszellen zerstört werden. Beachtet werden sollte allerdings, dass Alkoholgenuss die Erkrankungswahrscheinlichkeit zu verschiedenen anderen Krankheiten, wie z. B. Kehlkopfkrebs, stark vergrößert. Der möglicherweise gesundheitsfördernde Aspekt moderater Alkoholmengen sollte somit kritisch bewertet werden.

Nach neueren Forschungen haben die hohen Polyphenolgehalte bei einigen wenigen Rotweinen einen positiven Effekt auf das Herz-Kreislauf-System. So liefert die Sorte Tannat bei traditioneller Verarbeitung, das heißt bei längerer Gärung mit Schalen und Kernen (drei bis vier Wochen), von allen Rebsorten die höchsten Werte an Polyphenolen, die sich als vorbeugend bei Herz- und Kreislauferkrankungen erwiesen haben. Wegen des hohen natürlichen Gehalts verbunden mit der restlosen Extraktion in den beiden kleinen Anbaugebieten in Frankreich und Sardinien enthält dieser Wein gut viermal soviel Polyphenole wie alle anderen getesteten Rotweine. Als hauptwirksamer Bestandteil wurde Procyanidin identifiziert.“

(Quelle: Wikipedia)

Und zu Resveratrol:

„Resveratrol ist ein Phytoalexin mit antioxidativen Eigenschaften, das zu den Polyphenolen zählt. 1963 wurde die Verbindung erstmals aus dem Japanischen Staudenknöterich (Polygonum cuspidatum) isoliert und identifiziert. 1976 gelang der Nachweis in Weinbeeren………

In-vitro-Studien haben Hinweise auf eine mögliche Wirksamkeit gegen Krebszellen erbracht. Versuche am lebenden Organismus stehen jedoch noch aus. Andere Studien haben positive Effekte der Substanz bei Krankheiten wie Arteriosklerose, Herzkrankheiten, Alzheimer-Krankheit, Arthritis und manchen Autoimmunkrankheiten zeigen können.

– Resveratrol fördert, genauso wie eine kalorienarme Ernährung (Kalorienrestriktion), die Expression der Sirtuin-Gene wie Sir2. Dadurch wurde bei verschiedenen Versuchstieren eine lebensverlängernde Wirkung beobachtet.

– In einer Tierversuchsstudie bekamen Mäuse eine besonders fettreiche Diät. Die gleichzeitige Gabe von Resveratrol verringerte dabei deutlich die Gewichtszunahme. Unter besonders hohen Resveratrol-Dosen konnte eine Verdoppelung der Ausdauerleistung beobachtet werden.

– Resveratrol hilft bei der Abtötung von Krebszellen, indem es hemmend auf ein Protein einwirkt, welches für das Überleben von Krebszellen entscheidend ist. Dieses als NF-κB (Nukleärer Faktor kappa B) bezeichnete Schlüsselprotein findet sich in den Kernen aller Zellen. Dort ist es verantwortlich für die Aktivierung von Genen, die für das Überleben der Zellen verantwortlich sind. Resveratrol wirkt so auf NF-κB ein, dass dieses seine überlebensfördernde Wirkung nicht mehr entfalten kann. Dies wiederum leitet bei den betroffenen Krebszellen die Apoptose, d. h. Selbstzerstörung ein. Forscher hoffen, dass der Einsatz von NF-κB-Inhibitoren wie Resveratrol die Wirksamkeit bereits etablierter Therapieansätze gegen Krebs deutlich steigern kann. Allerdings könnte die Wasserunlöslichkeit von Resveratrol noch ein Problem darstellen: Möglicherweise kann es vom Körper nicht in ausreichender Menge resorbiert werden und so seine Wirkung gegen Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht ausreichend entfalten.

– Die Aktivierung von NF-κB spielt auch im Krankheitsverlauf der Multiplen Sklerose eine Rolle. NF-κB-Inhibitoren könnten deshalb auch hier in Zukunft eine therapeutische Option darstellen.

– Resveratrol hat eine neuroprotektive Wirkung beim Glaukom. Ein erhöhter Augeninnendruck erhöht den oxidativen Stress an der Netzhaut und Trabekelmaschenwerk. Dieser führt zu erhöhten Entzündungsmarkern wie Interleukin-1α, Interleukin-6, Interleukin-8 und zur schnelleren Zellalterung durch oxidative Spezies wie Lipofuscin in den Zellen des Trabekelmaschenwerkes und des Sehnerves. Resveratrol verringert die Expression dieser Stoffe und wirkt daher antioxidativ und antiapoptotisch im Trabekelmaschenwerk und in den Neuronen des Sehnerves.“

(Quelle: Wkipedia)

Diese Zusammenstellung von Resveratrol-Wirkungen macht den Eindruck einer Wundersubstanz. Relativierend muss aber gesagt werden, dass es sich bei vielen Forschungsergebnissen um Laborversuche handelt, deren Übertragbarkeit auf den Menschen fraglich ist. Und einige Angaben sind zudem sehr fragwürdig. So zum Beispiel die Förderung der Expression der Sirtuin-Gene („Methusalem-Gen“), die angeblich lebensverlängernd wirken soll. Neuere Forschungen haben grosse Zweifel geweckt an der Wirksamkeit der Sirtuin-Therapie und damit auch an der entsprechenden Wirkung von Resveratrol

(siehe dazu: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/47438/Methusalem-Gen_Zweifel_an_Lebensverlaengerung_durch_Sirtuin.htm)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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