Gewürzcocktail hemmt Entzündungen

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Beim Entstehen zahlreicher Krankheiten spielen chronische Entzündungen eine wichtige Rolle. Bei Krankheiten wie rheumatoider Arthritis, Atherosklerose, Asthma, oder beim metabolischen Syndrom sind sie am Krankheitsprozess ebenso beteiligt.

Die Natur liefert hochpotente entzündungswidrige Substanzen, die manchen modernen Medikamenten um nichts nachstehen. Das zeigen neueste auf dem Anti-Aging-Kongress präsentierte Untersuchungen.

Die chronische Entzündung gerät immer mehr ins Blickfeld der Wissenschaft. So sind verschiedene Gesundheitsprobleme unserer Zeit, wie Adipositas (Fettleibigkeit, Fettsucht), mit chronischen systemischen Entzündungsreaktionen verknüpft, wie auf dem Wiener Anti-Aging-Kongress zu hören war.

Auch Univ.-Prof. Dipl.Ing. Dr. Alois Jungbauer, Leiter des Christian-Doppler (CD)-Laboratoriums für Rezeptorbiotechnologie, Institut für Angewandte Mikrobiologie, Universität für Bodenkultur in Wien, befasste sich mit dem Thema Fettleibigkeit.

„Adipositas wird eine wirkliche Seuche bei uns werden“, befürchtet der Forscher mit Blick auf die bekannten WHO-Prognosen. Aber eine Ernährungsumstellung, welche stark pflanzenbasiert sei, könne dazu beitragen, eine schleichende Entzündung zu bekämpfen, erklärte Prof. Jungbauer. Er befasst sich vor allem mit der Identifikation von bioaktiven Substanzen in essbaren Pflanzen.

Jungbauer und sein Team untersuchen hierfür Kräuter, Gewürze und Früchte in Bezug auf Schlüssel-Regulationsmechanismen der Entzündung, d.h. inwieweit gewisse Pflanzen tatsächlich zum Beispiel entzündungsfördernde bzw. entzündungshemmende Zytokine abschwächen bzw. verstärken können.

Er präsentierte eine Reihe von essbaren entzündungswidrigen Pflanzen, von denen Chilipfeffer (Cayennepfeffer) das höchste antientzündliche Potenzial hat. Chili reguliere entzündungswidrige Zytokine sehr schön rauf und entzündungsfördernde Zytokine wie Interleukin- (IL-) 6 oder TNF-α runter, berichtete Prof. Jungbauer.

Die Wissenschaftler haben sich auch die COX-2-Induktion (Cyclooxygenase 2) der Pflanzenextrakte bzw. der Reinsubstanzen angeschaut. Als Referenz verwendeten sie Kortison. Es zeigte sich, dass Capsaicin, die aktive Substanz von Chili, genauso wirksam wie Kortison ist. Als weitere antientzündliche Pflanzen erwähnte Prof. Jungbauer:

Piment (Nelkenpfeffer), Petersilie, Lorbeerblatt, Schwarzer Pfeffer, Lakritze (Süssholz), Muskatnuss, Oregano, Granatapfel, Safran, Paprika, Stevia-Tee, Thymian und Salbei – wobei die letzten zwei eigentlich schon in der „Grauzone“ zwischen Lebensmittel und Arzneimittel stehen. Jungbauer hat natürlich auch die eigentlich wirksamen Einzelsubstanzen der Pflanzen untersucht. Dazu zählen etwa (Beispiele in Klammer):

„- Anthocyane (rote Früchte, Wein)

– Apigenin (Sellerie, Kamille)

– Capsaicin (Chili)

– Chrysin (Passionsblume)

– Diosmetin (Schalen von Ziitrusfrüchten, v.a. im weissen Anteil)

– Ellagsäure (Granatapfel, Wein)

– 6-Gingerol (Ingwer)

– Isohumulon (Hopfen)

– Kaempferol (rote Trauben, Rotwein)

– Luteolin (Petersilie)

– Naringenin (Grapefruit)

– Quercetin (Apfel, Brokkoli, Zwiebel)

– Resveratrol (Wein, Erdnuss).“

Bei Resveratrol müsse man allerdings aufpassen, da man wegen der schlechteren Bioverfügbarkeit nicht von den In-vitro-Untersuchungen auf die In-vivo-Wirkung schliessen könne.

Zum Abschluss präsentierte der Forscher einen antientzündlichen Gewürzcocktail: Kümmel, Chili, Koriander, Schwarzer Pfeffer und Muskatnuss.

Zusätzlich verbessern Gewürze und Kräuter die physiologische sowie organoleptische Qualität unserer Nahrung, erklärte Prof. Jungbauer. Gewürzte Speisen stimulierten das gesamte endokrine System und trügen zu einer optimalen Verwertung unserer Nahrung bei.

Quelle:

Mueller M, Jungbauer A. Culinary plants, herbs and spices – A rich source of PPAR ligands.

Food Chemestry 2009; 117: 660–7 und Mueller M, Jungbauer A. PPARα activation by culinary herbs and spices. Planta Med 2010; 76: 1–8 Kongress „Menopause, Andropause, AntiAging 2010“; Wien, Dezember 2010

Pharmaceutical Tribune, Jahrgang Nr. 1/2011,

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=107878&dspaid=917989

Kommentar & Ergänzung:

Anti-Aging-Kongress!

Immer wenn ich dieses Schlagwort „Anti-Aging“ höre, werde ich etwas skeptisch, welche Mittel uns da wieder angedreht werden sollen, die angeblich unverzichtbar sind für ein gesundes Älterwerden.

Aber immerhin ist zu begrüssen, dass viele Naturstoffe auf ihre gesundheitlichen Wirkungen untersucht werden. Fragt sich nur, welche Schlüsse man aus Meldungen ziehen soll, dieser oder jener Stoff habe diese oder jene positive Wirkung. Mir scheint, solche Meldungen verwirren Konsumentinnen und Konsumenten oft mehr als dass sie umsetzbare Leitlinien geben. Sich möglichst vielfältig ernähren mit hohem Anteil an Früchten und Gemüsen. Das ist wohl sinnvoller, als auf irgendeinen gerade als besonders gesund propagierten Naturstoff zu setzen.

Interessant ist der Hinweis auf die geringe Bioverfügbarkeit von Resveratrol. Es ist ein häufiges Phänomen, dass Naturstoffe im Labor (in-vitro) tolle Wirkungen zeigen, die aber im lebenden Organismus(in-vivo) nicht oder nur teilweise erzielt werden können, zum Beispiel weis sie nur sehr eingeschränkt aus dem Verdauungstrakt aufgenommen werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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