Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen?

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Der Ingwerwurzelstock ist als Gewürz sehr beliebt, wird jedoch auch in der traditionellen Medizin vieler Länder zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden und Übelkeit eingesetzt. Der Wurzelstock enthält ätherisches Öl und Substanzen aus der Gruppe der Gingerole und Shoagole, welche für den pikanten Geschmack verantwortlich sind. Ingwer wirkt gegen Übelkeit und Erbrechen. Diese Wirkung kommt durch die Gingerole zustande, welche als 5-HT3-Rezeptorantagonisten agieren.
Gut dokumentiert ist die Wirkung gegen Reisekrankheit / Seekrankheit.

Zur Anwendung von Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen gibt es nur wenige Angaben. In einzelnen, randomisierten Untersuchungen wurde die Wirksamkeit von Ingwer im Vergleich zu Placebo geprüft: Die Einnahme von jeweils 1g Ingwerpulver während vier Tagen verminderte die Übelkeit im ersten Trimester stärker als ein Placebopräparat. Eine Wirksamkeit gegen das Erbrechen konnte dagegen nicht nachgewiesen werden (eine wichtige Unterscheidung).

Bei den Teilnehmerinnen konnten im Rahmen der Studien keine schweren Nebenwirkungen festgestellt werden. Bei der Einnahme grösserer Mengen (mehr als 6g täglich) trat Magenbrennen auf. Zudem kam es nach dem Einatmen von Ingwerpulver zu allergischen Reaktionen.

Bis jetzt liegen keine Angaben zu schwerwiegenden, teratogenen Effekten vor (tertogen = Missbildungen auslösend) Die Rate an Spontanaborten war nicht höher als bei Frauen unter Placebo oder Vitamin B6. Angaben zur Langzeitwirkung auf das werdende Kind können allerdings noch nicht gemacht werden. Im Tierversuch zeigte sich jedoch eine androgene Wirkung.

Gemäss Meinung des Experten Prof. K. Hostettmann (Universität Genf) soll im Zweifelsfall auf die Anwendung verzichtet werden.

Quelle: www.pharmavista.net

Kommentar:

Die Situation betreffend Ingwer und Schwangerschaftserbrechen ist komplex. Heilpflanzen-Präparate mit Ingwer gegen Reisekrankheit / Reiseübelkeit sind von der Heilmittelbehörde Swissmedic nicht zugelassen für die Anwendung in der Schwangerschaft, weil die Sicherheit betreffend Missbildung / Fehlgeburt nicht ausreichend belegt ist.
Andererseits wird aber Ingwer weltweit als Gewürz verwendet und dabei natürlich auch von Schwangeren eingenommen. Auch zeigten sich in den Studien keine gravierenden Probleme.
Trotzdem gibt es in der Phytotherapie starke Zurückhaltung mit der Empfehlung von Ingwer gegen Schwangerschaftsübelkeit, nicht zuletzt wohl aus rechtlichen Gründen. Dies schlägt sich auch in der Empfehlung von Prof. Hostettmann nieder.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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